Sonstige bakterielle Krankheiten
Lepra ist eine seit Jahrhunderten bekannte chronische Infekti-onskrankheit mit sehr langer Inkubationszeit, die durch das Bakterium Mycobacterium leprae verursacht wird. Sie befällt vor allem Haut, Schleimhäute, periphere Nerven und Knochen und führt zu charakteristischen Hautveränderungen, Gefühls-störungen und im fortgeschrittenen Stadium zu schweren De-formationen.

Inkl.: Infektion durch Mycobacterium leprae
nicht dazugehörend:
• Folgezustände der Lepra (B92)
Unter Infektionen durch andere (nichttuberkulöse) Mykobakterien versteht man Erkrankungen durch Umweltmykobakterien, die vor allem die Lunge, aber auch Lymphknoten, Haut und Weichteile be-fallen können; besonders gefährdet sind Menschen mit chroni-schen Lungenerkrankungen oder geschwächter Abwehr.

nicht dazugehörend:
• Lepra (A30)
• Tuberkulose (A15-A19)
Listeriose ist eine durch Bakterien der Gattung Listeria ausge-löste Infektion, die meist über kontaminierte Lebensmittel übertragen wird. Sie ist selten, kann aber besonders bei Schwangeren, Neugeborenen, älteren Menschen und Immun-geschwächten schwer verlaufen (z.B. Blutvergiftung oder Ge-hirn-/Hirnhautentzündung); in Europa werden seit einigen Jah-ren wieder mehr Fälle gemeldet.

Inkl.: Nahrungsmittelbedingte Infektion durch Listerien
nicht dazugehörend:
• Neugeborenenlisteriose (disseminiert) (P37.2)
Neugeborenen-Tetanus ist eine schwere, aber vermeidbare Form des Wundstarrkrampfs bei Neugeborenen: Er entsteht meist durch Infektion des Nabelstumpfs bei nicht-steriler Geburt/Nabelpflege – besonders, wenn die Mutter unzureichend geimpft ist – und kommt heute fast nur noch in Ländern mit mangelnder medizini-scher Versorgung und Hygiene vor; klinisch zeigt er sich typischer-weise als generalisierter Tetanus mit Trinkschwäche, Muskelsteife und Krämpfen.
Eine schwere, aber vermeidbare Form des Wundstarrkrampfs der Mutter, die während der Schwangerschaft oder bis 6 Wochen nach deren Ende auftritt. Sie entsteht durch Verunreinigung von Wun-den/nicht-sterile Eingriffe (z.B. bei Geburt/Abort); typisch sind Kie-fersperre, Muskelsteife und schmerzhafte Krämpfe – ein Notfall, der Immunglobulin, Antibiotika und intensive Betreuung erfordert. Durch mütterlichen Impfschutz und hygienische Geburtshilfe kann man dem aber vorbeugen.
Unter „sonstigem Tetanus“ versteht man Tetanus-Erkrankun-gen bei Kindern und Erwachsenen, die nach Verunreinigung ei-ner Wunde mit Clostridium tetani entstehen und sich durch Kiefersperre, Muskelsteife und schmerzhafte Krämpfe äußern. Dazu gehören z.B. der generalisierte Tetanus (ganzer Körper), der lokalisierte Tetanus (auf eine Region begrenzt) und der ze-phale Tetanus (Kopf-/Gesichtsbereich, z.B. nach Ohren- oder Kopfwunden).

Inkl.: Tetanus o.n.A.
nicht dazugehörend: 
• Tetanus neonatorum (A33)
• Tetanus während der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbettes (A34)
Auch ‚Bräune‘ bzw. ‚Halsbräune‘: eine akute, vor allem bei Unge-impften auftretende bakterielle Infektion der oberen Atemwege, verursacht durch toxigene Corynebakterien (meist Corynebacteri-um diphtheriae, seltener C. ulcerans), häufig als Rachendiphtherie. Das dabei gebildete Diphtherietoxin kann lebensbedrohliche Kom-plikationen (z.B. Atemwegsverengung, Herz- und Nervenschäden) auslösen. Eine vollständige Impfung mit Auffrischungen schützt zu-verlässig vor schweren Verläufen.
Hochansteckende bakterielle Atemwegsinfektion durch Bordetella pertussis (seltener B. parapertussis), gekennzeichnet durch anfalls-artige Hustenattacken (oft mit pfeifendem Einatem und Erbrechen nach Husten); bei Säuglingen häufig untypisch mit Atempausen (Apnoen) und potenziell lebensbedrohlich. Eine altersgerechte Grundimmunisierung mit Auffrischungen schützt zuverlässig, be-sonders zum Schutz von Neugeborenen.
A38
Scharlach ist eine akut beginnende bakterielle Infektion durch Streptokokken der Gruppe A (meist Streptococcus pyogenes), die vor allem Kinder im Vorschul-/Grundschulalter betrifft. Typisch sind hohes Fieber, starke Halsentzündung, eine „Erdbeerzunge“ und ein feinfleckiger, sandpapierartiger Hautausschlag; die Anste-ckung erfolgt über Tröpfchen. Die Erkrankung ist mit Penicillin gut behandelbar; einen Impfstoff gibt es derzeit nicht.

Inkl.: Scarlatina
Nicht dazugehörend: Streptokokken-Pharyngitis (J02.0)
Meningokokken sind gramnegative Bakterien, die als Diplokokken auftreten. Sie besiedeln beim Menschen den Nasenrachenraum und können schwere Krankheiten auslösen. Etwa 10 % der euro-päischen Bevölkerung tragen diese Bakterien im Nasenrachen-raum, ohne dabei Krankheitsanzeichen zu entwickeln.
Sepsis ist der Fachbegriff für eine Blutvergiftung. Im Falle der Streptokokkensepsis wird die Blutvergiftung durch die Streptokokkenbakterien ausgelöst. Bei der Infektion ist der Körper nicht in der Lage, eine ausreichende Immunantwort zu starten, er kann sich also nicht genügend gegen die Bakterien wehren. Stattdessen beginnen die Streptokokken mehrere Organe zu besiedeln, sodass es im ganzen Körper zu Entzündungsreaktionen gegen diese Bakterien kommt.

Nicht dazugehörend:
• Beim Neugeborenen (P36.0-P36.1)
• Nach Abort, Extrauteringravidität oder Molenschwanger-schaft (O03-O07) (O08.0)
• Puerperal (O85)
• Unter der Geburt (O75.3)

Info: Soll das Vorliegen einer Sepsis als Komplikation nach In-fusion, Transfusion, Injektion, Eingriff oder Impfung angege-ben werden, sind die Schlüsselnummern T80.2, T81.4 und T88.0 zu beachten. Soll das Vorliegen eines septischen Schocks angegeben werden, ist eine zusätzliche Schlüsselnummer (R57.2) zu benutzen. Für den Gebrauch dieser Kategorie in der stationären Versorgung sind die Deutschen Kodierrichtlinien heranzuziehen. Benutze für vollstationär im Krankenhaus behandelte, erwachsene Personen (18 Jahre und älter) eine zusätzliche Schlüsselnummer (U69.80!-U69.82!), um den zeitlichen Bezug der Sepsis zur stationären Krankenhausauf-nahme anzugeben.
Die Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der entsteht, wenn die körpereigenen Abwehrreaktionen gegen eine Infekt-ion die eigenen Gewebe und Organe schädigen. Sie ist eine der schwersten Komplikationen von Infektionskrankheiten, die durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten ausgelöst werden. Zu den häufigsten Infektionsquellen einer Sepsis gehören Lun-genentzündungen, Infektionen des Magen-Darm-Trakts und des Urogenitaltrakts, ferner auch Haut- und Weichteilinfektio-nen, Infektionen des zentralen Nervensystems sowie soge-nannte katheterassoziierte Infek-tionen.

Nicht dazugehörend:
• Bakteriämie o.n.A. (A49.9)
• Nach Abort, Extrauteringravidität oder Molenschwanger-schaft (O03-O07) (O08.0)
• Sepsis (durch) (bei): aktinomykotisch (A42.7)
• Sepsis (durch) (bei): Aspergillus (B44.70)
• Sepsis (durch) (bei): beim Neugeborenen (P36.-)
• Sepsis (durch) (bei): Blastomyces (B40.70)
• Sepsis (durch) (bei): Candida (B37.7)
• Sepsis (durch) (bei): Coccidioides (B38.70)
• Sepsis (durch) (bei): Cryptococcus (B45.70)
• Sepsis (durch) (bei): Erysipelothrix (A26.7)
• Sepsis (durch) (bei): extraintestinale Yersiniose (A28.2)
• Sepsis (durch) (bei): Gonokokken (A54.8)
• Sepsis (durch) (bei): Herpesviren (B00.70)
• Sepsis (durch) (bei): Histoplasma capsulatum (B39.30)
• Sepsis (durch) (bei): Listerien (A32.7)
• Sepsis (durch) (bei): Melioidose (A24.1)
• Sepsis (durch) (bei): Meningokokken (A39.2-A39.4)
• Sepsis (durch) (bei): Milzbrand (A22.7)
• Sepsis (durch) (bei): Mucorales (B46.40)
• Sepsis (durch) (bei): Paracoccidioides (B41.70)
• Sepsis (durch) (bei): Pest (A20.7)
• Sepsis (durch) (bei): Pilze o.n.A. (B48.80)
• Sepsis (durch) (bei): Protozoen o.n.A. (B60.80)
• Sepsis (durch) (bei): puerperal (O85)
• Sepsis (durch) (bei): Sporothrix (B42.70)
• Sepsis (durch) (bei): Streptokokken (A40.-)
• Sepsis (durch) (bei): Tularämie (A21.7)
• Sepsis (durch) (bei): Viren o.n.A. (B34.80)
• Syndrom des toxischen Schocks (A48.3)
• Unter der Geburt (O75.3)

Info: Soll das Vorliegen einer Sepsis als Komplikation nach Infusion, Transfusion, Injektion, Eingriff oder Impfung angege-ben werden, sind die Schlüsselnummern T80.2, T81.4 und T88.0 zu beachten. Soll das Vorliegen eines septischen Schocks angegeben werden, ist eine zusätzliche Schlüsselnummer (R57.2) zu benutzen. Für den Gebrauch dieser Kategorie in der stationären Versorgung sind die Deutschen Kodierrichtlinien heranzuziehen. Benutze für vollstationär im Krankenhaus behandelte, erwachsene Personen (18 Jahre und älter) eine zusätzliche Schlüsselnummer (U69.80!-U69.82!), um den zeit-lichen Bezug der Sepsis zur stationären Krankenhausauf-nahme anzugeben.
Als Aktinomykos wird eine meist langsam verlaufende bakterielle Infektion bezeichnet, die umgangssprachlich auch als „Strahlen-pilz“ bekannt ist. Sie wird meist durch Actinomyces-Arten (Aktino-myzeten) verursacht und tritt häufig als Mischinfektion mit weite-ren Bakterien auf.

Nicht dazugehörend: Aktinomyzetom (B47.1)
Eine seltene Erkrankung, die durch opportunistische Bakterien der Gattung Nocardia verursacht wird. Betroffen sind vor allem Patien-ten mit Immunschwäche, jedoch können Infektionen auch bei an-sonsten Gesunden auftreten. Das klinische Bild variiert je nach be-troffenem Gewebe und Organ. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Lokalisation der Lunge, außerhalb der Lunge oder der Haut.
Die Bartonellosen sind eine Gruppe seltener bakterieller Infektionskrankheiten, die durch Vertreter der Gattung Bartonella verursacht werden. Die Bartonellosen werden überwiegend von Tieren auf den Menschen übertragen und gehören damit zur Gruppe der Zoonosen.

Eine bakterielle Infektion und Entzündung der oberen Hautschich-ten (seltener der Schleimhaut) und der oberflächlichen Lymphwe-ge, die sich als scharf begrenzte, flächenhafte starke Rötung zeigt. Das Erysipel geht von kleinen Hautverletzungen aus und tritt meist im Gesicht sowie an Armen oder Beinen auf, seltener am Nabel. Andere Bezeichnungen für das Erysipel sind Wundrose, Rose und Rotlauf.

nicht dazugehörend: Postpartales oder puerperales Erysipel (O86.8)
anderenorts nicht klassifiziert
A48
Weitere, bisher nicht genannte bakterielle Krankheiten.

nicht dazugehörend: Aktinomyzetom (B47.1)
Bakterielle Infektionen, deren Verortung im Körper nicht genau genannt ist.
nicht näher bezeichneter Lokalisation
A49
  TRASHkind