Zeynep & Jamie: Time Flies.... [ZWANGSCUT]

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Zeynep

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Re: Zeynep & Jamie: Time Flies....

von Zeynep am 20.04.2026 17:45

Als Jamie den Club ansprach, schlich sich ein stolzes Grinsen auf Zeyneps Lippen. "Jep", bestätigte sie und strich mit einer Hand während sie gingen an der Wand entlang. Es war rau und kitzelte ihre Haut, weswegen sie nur nach Kurzem bereits wieder damit aufhörte. "Es ist mein ganzer Stolz. Mein Baby." sie wandte sichw eider Jamie zu. "Man muss sich natürlich in dem Business erstmal beweisen, vor allem als Frau. Aber inzwischen habe ich mir einen ganz guten Ruf erarbeitet." Nicht zuletzt, weil sie bekannt dafür war, ihre Tänzer und Tänzerinnen wirklich zu schützen und jeden der Ärger machte, hochkant rauszuwerfen - teilweise sogar wirklich sogar durch eigene Hand und nicht die ihrer Bodyguards. Dank ihres jahrelangen Box-Trainings, um ihre Aggressions-Probleme in den Griff zu bekommen, hatte sie einen ziemilch harten Punch und wusste sich zu wehren.
Was ihr bei ihren etlichen Ex-Freunden natürlich häufig trotzdem nichts genützt hatte. 
"Nebenbei bin ich übrigens auch noch Mentorin.", erzählte sie und verlangsamte ihren Schritt, als sie sich der tür näherten, welche sie zurück in den lauten stickigen Club führen würde. Sie blieb stehen und lehnte sich gegen die Wand. Hier im Gang war es doch bedeutend einfacher sich zu unterhalten als draußen. "In einer Selbsthilfegruppe für Leute mit Aggressionsproblemen. Also sollteste mal irgendwann welche kennenlernen, die so nen Problem habn und es angehen möchten, kannste sie ja auf die Seite schicken. Sie heißt: 'Selbsthilfeforum Häusliche Gewalt'."
Ihr selbst hatte es damals echt geholfen. Und es erfüllte sie, anderen dabei zu helfen, ebenfalls den Weg zu finden, um die innere Wut und Aggression anderswo loszuwerden... und nicht an Wänden, Tieren oder geliebten Menschen. Viele hatten kein Verständnis dafür... aber wie sollte man auch, wenn man es nie selbst erlebt hatte? Nie selbst da drin gesteckt hatte? Das war etwas, was man kaum einem Außenstehenden richtig vermitteln konnte.

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Jamie

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Re: Zeynep & Jamie: Time Flies....

von Jamie am 01.03.2026 01:09

Die erzwungenermaßen kurze Auszeit hätte noch so viel länger sein können, doch natürlich war es mir nicht vergönnt - auch weil ich mir selbst dumm dabei vorgekommen wäre, eine Ewigkeit auf der Toilette zu verbringen, während sie hier draußen auf dem Flur wartete (ich hatte nicht erwartet, dass sie wieder ging - und sollte Recht behalten). 
Um einen lockeren Schritt bemüht schloss ich mich ihr wieder an. "Hm?", machte ich. Ich hatte ehrlich gesagt nicht wirklich zugehört, doch ihre Worte sickerten mir langsam ins Bewusstsein. "Äh, ja, kann sein." Nicht, dass sie unrecht hätte, aber vielleicht war es wohl auch das paradoxe daran, dass man als jemand, der eher in sich hineinhorchte und weniger die Öffentlichkeit suchte, selbstverständlich schon mal gar nicht darüber sprechen wollte, dass man still und verschlossen war. Eine Selbstverständlichkeit, die keiner Klärung bedurfte. Doch...andere Menschen hatten immer auch andere Meinungen. Und es gehörte wohl auch dazu, sich darüber auszutauschen. 
"Nein, reden liegt mir immer noch nicht." Und ich würde es mir auch ehrlich gesagt gar nicht anders wünschen. Ich war zufrieden mit mir. Doch nun hatte ich das Gefühl, in der Interaktion mit ihr gefangen zu sein - also müsste ich wohl auch alle meine Fähigkeiten anstrengen, Smalltalk und jeden anderen Talk zu führen,
Ich räusperte mich leicht. "Draußen steht dein Name." Es war mehr eine Feststellung als eine Frage, doch um die Bedeutung meiner Worte so richtig zu verdeutlichen, fügte ich hinzu: "Du hast jetzt also einen eigenen Club." Ich machte eine kurze Pause. "Schafft nicht jeder, in ein paar Jahren ein eigenes Unternehmen aufzubauen, meine ich." In meinem Kopf machten diese Worte alle wenig Sinn, nutzloses Geplauder, auf der anderen Seite jedoch...na ja, sie hatte es geschafft, sich ein eigenes Unternehmen aufzubauen - das auch noch gut lief. Gewissen Respekt hatte sie da auf jeden Fall verdient. Ich war nur vermutlich nicht der Richtige, ihr diesen nahezubringen, denn aus meinem Mund klangen solche Sachen immer etwas geringschätzig und eitel.

  
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Zeynep

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Re: Zeynep & Jamie: Time Flies....

von Zeynep am 07.02.2026 15:27

Jamie! Nein, an den Namen hatte sie sich beim Besten Willen nicht mehr erinnern können. Aber so war das deben mit dem Gedächtnis, oder? Es war ein Sieb und insbesondere in jener Zeit gab es zu viel, was sie gerne vergessen hätte oder vergessen wollte. Da waren die Löcher von dem Gedächtnis-Sieb gleich noch größer. Jedenfalls war das ihre Vermutung. "Schön dich wiederzusehen Jamie!", sagte sie, in dem Versuch, es sieh nich zu sehr anmerken zu lassen, dass selbst mit dem Namen sie nicht darauf gekommen wäre, ohne aber direk tzu lügen. Dinge umschreiben, darin war sie ebenfalls schon immer ziemlich gut gewesen. Was ihr bei ihrem Varter natürlich selten wirklich etwas genützt hatte. Eher hatte es noch mehr Prügel gegeben, wenn sie versucht hatte, sich aus einer offensichtlichen Sache irgendwie rausreden zu wollen-  wie bspw. beim Rauchen. 
Jedenfalls hatte sie Jamies Toiletten-Problem zur Notiz genommen und ohne viel Widerrede zuzulassen, beschlossen, ihm dabei zu helfen. Nachdem er in der privaten Toilette hinter den Kulissen welche eigentlich für sie selbst oder ihre Tänzer und Tänzerinnen bestimmt waren, verschwunden war, lehnte sich die Club-Besitzerin gegen eine hell gestrichene Wand und legte den Kopf in den Nacken. Immer wieder faszinierend was für eins eltsames gefühl es hinterließ, wenn man derart unverhofft zurück in seine Vergangenheit geschmissen wurde. Damals waren es echt noch andere Zeiten gewesen - und sie ein anderer Mensch. Ein ganz anderer. Sie war stolz darauf, ihre Aggressionsprobleme inzwischen im Größten Teil im Griff zu haben. Ihr Vater war schon seit vielen Jahren tot, sie hatte sich mit dem Club hier etwas eigenes aufgebaut, etwas auf dass sie stolz war - auch wenn es von der Mafia finanziert worden war. Nichtsdestotrotz leitete sie es, und sie machte das gut - nicht jeder konnte sowas. 
Nach kurzer Zeit trat Jamie zurück durch die Tür und Zeynep richtete sich auf. Mit langsamen Schritten begann sie, ihn durch den Gang wieder zurückzuführen. "Immer noch so verschlossen wie damals, hm?", brach sie schließlich die Stille, nachdem sie etwa die Hälfte des Weges zurückgelegt hatten. "Hat sich wohl nicht viel geändert."

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Jamie

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Re: Zeynep & Jamie: Time Flies....

von Jamie am 04.10.2025 14:13

Nachdem ich einsehen musste, dass eine Flucht aussichtslos war, wandte ich mich ihr - unwillig - wieder aufmerksamer zu. Sie wirkte kurz nachdenklich, als müsste sie selbst etwas in ihrem Gedächtnis graben...was gut war, immerhin würde dieses Gespräch dann höchstwahrscheinlich sehr viel kürzer ausfallen als es unbedingt musste...denn ich hatte kein großes Interesse an einer langen Unterhaltung mit jemanden, über den ich gestern...vor Jahren, meinte ich, mal in einem Park gestolpert war. 
Und doch hatte ich wohl keinen Ausweg, um diesem Smalltalk zu entkommen, in den sie mich wohl verwickeln wollte.
Ich ruderte also etwas zurück, erinnerte mich sehr wohl noch an ihren Namen - immerhin war es in meiner Welt nicht lange her, dass sie ihn mir verraten hatte. Von ihrer Perspektive war dafür umso mehr Zeit vergangen.
"Ja, ist ja relativ ausgefallen hier", erwiderte ich deshalb trocken. Ich zögerte einen Moment. "Jamie..." Ich hatte nicht erwartet, dass sie sich daran erinnerte - und wäre ehrlich gesagt dankbarer gewesen, wenn sie mich einfach total vergessen gehabt hätte und ich jetzt nicht in dieser Lage wäre...doch dieses Glück war mir wohl leider nicht vergönnt.
"Oh, das ist nicht...", wollte ich gern sagen, doch sie machte nicht den Anschein, als würde sie mir überhaupt zuhören, denn sie hatte sich bereits auf den Weg gemacht und die Tür mit dem PRIVAT-Schild aufgestoßen und erwartete, dass ich ihr folgte. 
Ich seufzte leise in mich hinein - nicht dass man mich bei dem Krach hier überhaupt hören konnte - und setzte mich in Bewegung. Ich musste zwar eigentlich nicht, sondern wollte nur kurz etwas Ruhe, aber wie sollte man das jemandem erklären...
Also folgte ich ihr durch den langen Gang mit all den Türen, hinter denen sich - jedenfalls die ohne Aufschrift UMKLEIDE - wohl all das Zeug verbarg, das für einen Club nötig war, um ein Unternehmen zu führen. Es roch nach Schweiß, Parfum, Deo, Stoff, Alkohol und noch nach etwas anderem, das ich nicht einordnen konnte; und wenn ich ehrlich war, interessierte es mich auch nicht sonderlich. Etwas Chemisches, Make-Up Perückenkleber und was man nicht alles an einem solchen Orte brauchte...
In der Ferne hörte ich noch immer die Musik und der wummernde Bass ließ selbst hier noch die Wände leicht zittern, doch allgemein war es ruhiger und nicht mehr so belastend. 
Sie zeigte mir schließlich ein Tür ganz am Ende des Ganges und ich trat durch die Tür. Hier war es sauberer, aber auch sehr viel kleiner als in den öffentlichen Toiletten solcher Orte üblich. Es roch nach einer seltsamen Mischung aus Reinigungsmitteln und Blumen - auf dem Seifenspender am Waschbecken stand ein Duftspender, der die Form einer Blüte hatte, die ich nicht einordnen konnte. Von irgendwo schwang der Geruch nach Parfum und Deodorant her, seltsam fruchtig, aber ebenso abgenutzt, als sei es schon eine Weile her, dass sie hier versprüht worden waren. Wahrscheinlich in einer Kabine, als sich jemand noch mal etwas aufgefrischt hatte. 
Ich atmete tief durch, sah dann in den Spiegel. Ich sah mitgenommen aus, auch wenn ich gar nicht getan hatte; meine Haare waren durcheinander und meine Haut wirkte feucht, als hätte ich getanzt und geschwitzt. Nur dass ich mich einfach nur nicht wohl fühlte und gern überall sonst als hier wäre. Ich drehte den Hahn auf und spritzte mir eine handvoll Wasser ins Gesicht, strich dann über meine Haare, um sie wieder etwas zu legen. Danach trat ich in eine Kabine, setzte mich allerdings nur auf den Klodeckel und tippte mit dem Fuß im Takt einer unbekannten Melodie, drückte die Spüle und ging wieder zur Tür. Noch einmal atmen, dann ging ich wieder nach draußen, wo Zeynep noch auf mich wartete.
"Fertig", sagte ich nur kurz angebunden und war bereit, wieder zurück in die Öffentlichkeit zu treten, doch sie rührte sich nicht.

  
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Zeynep

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Re: Zeynep & Jamie: Time Flies....

von Zeynep am 21.07.2025 17:00

Egal was er sagen mochte, Zeynep war sich ganz sicher, dass sie ihn kannte. Ihr Gedächtnis hatte zum Glück keinen Schaden an ihrem Tabak-Konsum oder ihren Aggro-Problemen genommen. Oder ihrem viel zu hohen Energy-Konsum. Und je länger sie ihn ansah, desto mehr forschte ihr Kopf in ihre erinnerungen hinein, in lange vergangene Tage, als ihre Eltern - oder zumindest ihr Vater- noch gelebt hatten. Als sie ständig grün und blau geprügelt aus dem Haus gegangen war. Und dann erinnerte sie sich! Sie hatten wirklich auf einer Tischtennis-Platte gesessen. Wenn sie sich richtig erinnerte, war es reiner Zufall gewesen nur ein kurzes Gespräch, wobei er wie ein Buch mit sieben Siegeln gewesen war und kaum etwas über sich hatte verlauten lassen. Hatten sie sich nicht eine Zigarette geteilt? Kurz verzog sie bei der Erinnerung daran das Gesicht und bemerkte dadurch gar nicht, wie der alte Bekannte versuchte die Flucht zu ergreifen. Als sie nach Hause gekommen war, war ihr Vater wieder mal betrunken gewesen und hatte direkt gerochen, dass sie wieder geraucht hatte. Die Prügel waren übel gewesen.
Sie blinzelte, als er sie nun tatsächlich mit Namen ansprach und riss sich zurück ins Hier und Jetzt. Unwillkürlich musste sie grinsen. "Du erinnerst dich echt an meinen Namen?", fragte sie beeindrucht. Damit hätte sie nciht gerechnet. damals hatte er doch - soweit sie sich erinnern konnte - sehr desinteressiert gewirkt. "Krass, nicht schlecht! Ich fürchte, deinen habe ich in der Zeit vergessen.", fügte sie lachend hinzu und warf dann auch einen Blick auf die Schlange bei den Toiletten, auf die er wohl gerade gewollt hatte. "Na komm, ich führ dich zu einer der privaten Toiletten, dann musst du nicht so lange warten. Um der alten Zeiten willen." Sie zwinkerte ihn locker an und bedeutete ihm, ihr in eine weitere Tür, auf welcher ein Schild mit der Aufschrift 'PRIVAT' hing, zu folgen. Dahinter befand sich ein langer Gang, von dem wieder verscheidene Türen zu den verschiedenen Umkleiden ihrer Schützlinge führten. Am ende des Ganges befand sich die Toilette für ihre Tänzer. Normalerweise ließ sie da zwar keine Gäste drauf, aber sie war zu fasziniert den Jungen von damals jetzt wiederzusehen. Ob er immer noch so verschlossen war? Wie klein die Welt doch manchmal war...

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Jamie
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Re: Zeynep & Jamie: Time Flies....

von Jamie am 28.06.2025 22:37

Ich starrte sie immer noch an – vermutlich einen Moment zu lang, sodass sich in ihrem Kopf die Zahnräder zu drehen begannen und ihr Bewusstsein versuchte, diesem Gesicht einen Augenblick in ihrem Leben zuzuordnen.
Ich blinzelte mehrmals, wandte mich ab. „Äh, ne, nein, denke nicht", erwiderte ich hastig und machte Anstalten zu gehen, doch als ich mich umwandte, um endlich zu den Toiletten zu kommen, hatte sich eine Schlange gebildet und ein Typ so breit und hoch wie ein Schrank versperrte den schmalen Gang in den hinteren Teil des Clubs. Ich warf einen Blick über die Schulter, wo sie immer noch stand und mich ansah.
Ich sah wieder geradeaus auf den durchgeschwitzten Rücken des Kerls vor mir, den in neonfarbenen Buchstaben der Name irgendeiner K-Pop-Band schmückte. Ich atmete tief durch, ehe ich mich umdrehte und eigentlich vorhatte, an ihr vorbei zurück auf die Tanzfläche zu gehen – meine volle Blase konnte noch einen Moment warten...mindestens so lang bis sie verschwunden war.
Aber ein Typ mit einem großen Kasten von leeren Flaschen machte mir auch in diese Richtung mein Leben schwer, als er aus der Bar um eine Ecke ging – und sich dabei ebenso durch die Menschenmenge (die scheinbar deutlich an Dichte zugenommen hatte) schlängeln musste, um aus dem Club zu kommen.
Gott, ich hasste öffentliche Orte!
Ich räusperte mich. „Zeynep oder wie das war...?", erkundigte ich mich und setzte mein scheißefreundlichstes Lächeln auf. Ich wollte einfach nur noch im Erdboden versinken und draußen auf der Straße wieder auftauchen, um nur hier verschwinden zu können. Doch leider war das selbst mir nicht möglich – und in der Öffentlichkeit vermutlich nicht die beste Idee. „Man hat sich schonmal gesehen, glaube ich, ja."

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Re: Zeynep & Jamie: Time Flies....

von Zeynep am 03.05.2025 21:43

Es war ein normaler Tag im Club.
Es war nicht nur irgendein Club. Es war ihr eigener. Ihr Baby. The Devils Joy. Natürlich hätte sie das allein niemals auf die Beine stellen können. Himmel, woher hätte sie die verdammte Kohle nehmen sollen? Aber sie hatte eben einen Kumpel gehabt, dessen Vater in Mafia-Geschäften aktiv war. Er hatte seine Kontakte spielen lassen und die Mafia hatte ihr ein Angebot gemacht: sie würden das leerstehende Gebäude für sie kaufen, dafür würde sie ihnen den Club für ihre Machenschaften zur Verfügung stellen. Es war ein verlockendes Angebot, wenn man nur von Minijob zu Minijob lebte und sich der Straße näher fühlte als einem Dach überm Kopf. Wie lange hatte sie ständig nur bei ihren ständig wechselnden Ex-Freunden gewohnt? Die zumeist alle toxisch gewesen waren und ein ähnliches Temperament gehabt hatten, wie ihr alter Dad. Jedenfalls hatte sie die helfende Hand der Mafia sehr gerne angenommen. Sie war selbst zwar kein offizielles Mafia-Mitglied, doch die echten Mitglieder gingen bei ihr ein und aus und es war ihre Aufgabe, die Zahlen dieser Geschäfte im Blick zu haben und an die entsprechenden Mittelmänner weiterzugeben.
Hauptsächlich wurde ihr Club für Geldwäscherei und Drogenhandel verwendet. Sie führte geflissentlich gut versteckte Bücher in Codierungen geschrieben darüber, von was wie viel verkauft wurde und wie viel Falschgeld produziert worden war. Eine der Maschinen sollte kaputt gegangen sein: einer der Mafia-Leute hatte sie angerufen. Also war Zeynep eine der Treppen hinunter in den Keller gegangen, dort durch eine verborgene Tür und hatte sich in der Geldwäsche-Fabrik wiedergefunden. Sie hatten allerlei Sicherheitsvorkehrungen und Schlupflöcher eingebaut, sodass jeder schnell abhauen (und die Geräte versteckt) werden konnten, sollten die Bullen spontan entschließen, eine Razzia bei ihnen durchzuführen. Nach der Nachricht hatte Zeynep ihren Platz hinter der Theke verlassen und war nach unten gegangen, um sich das Problem anzusehen. Ein Teil war kaputt gegangen. Sie versprach eins nachzubestellen, vermerkte das Problem in den Büchern und machte sich dann wieder auf den Weg nach oben. Kaum war sie angelangt und trat durch die Tür zurück in den lauten stickigen Club, als auch schon ein junger Mann mit voller Wucht gegen sie rannte, der offenbar auf den Weg zu den nebenliegenden Toiletten gewesen war. Zeynep stolperte zur Seite, schlug sich die Schulter hart an der Wand an. Der Bass dröhnte dumpf; hier war die Musik etwas leiser als bei den Stages. Zumindest so, dass man sich unterhalten konnte.
Sie richtete sich wieder auf und sah den Mann genauer an. Ihre Lippen öffneten sich leicht. Etwas rührte in ihrem Gedächtnis. Sie war sich ganz sicher, dass sie ihn schonmal gesehen hatte. Wenn sie nur wüsste... kurz flammte vor ihren inneren Augen eine Landschaft draußen auf. Vor einem Krankenhaus. Eine Tischtennisplatte. Oder doch nicht? Sie hatte keine Ahnung. Aber sie kannte ihn, definitiv. Sie trat einen Schritt auf ihn zu. "Wir kennen uns doch, oder?", fragte sie. Ihre vom regelmäßigen Rauchen raue Stimme erhob sich gekonnt so über die Musik, dass man sie mühelos verstehen konnte.

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Jamie
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Re: Zeynep & Jamie: Time Flies....

von Jamie am 19.04.2025 16:18

London. Wieder. War ich nicht erst vor wenigen Tagen hier gewesen? Na ja, für mich schon. Für die Stadt und die Leute hier war ich 15 Jahre nicht hier gewesen. Gott! Das wurde langsam echt verwirrend. Olivier legte den Arm um meine Schultern und ich schreckte aus meinen Gedanken auf. „Na?" - „Na..." - „Alles gut?", fragte er und das Glitzern in seinen Augen brachte mich fast um. Er konnte mich zu Dingen überreden, die würden mir nicht mal im Traum einfallen. Ein fucking Strip-Club?! „Ja", sagte ich und hoffte, dass es nicht allzu sehr nach einer Lüge klang. Ich wollte ihn nicht verletzen oder vor den Kopf stoßen. Er hatte die Idee gehabt, hier hin auszugehen. Und auch wenn der perfekte Abend für mich eher bedeutete, mit einem Buch vor dem Gesicht im Bett zu hocken oder meine Platten zu hören, hatte mich sein Welpenblick überzeugt. Diesen großen braunen Augen konnte man nichts abschlagen. Nicht mal ich. Himmel! Jedes Mal, wenn er mich so ansah, kribbelte es in meinem Bauch und ich konnte mir ein dämliches Grinsen nicht verkneifen – und zu allem Ja und Amen zu sagen, das er wollte, konnte ich mir auch nicht abgewöhnen. Ob er wusste, wie viel Kontrolle er über mich hatte? Gott! Und was, wenn er es bewusst tat? Wenn er mich manipulierte? Noch nie hatte ich anderen so nachgegeben wie ihm – ich hatte doch immer selbst alle Trümpfe in der Hand gehabt. Doch wie es aussah, brauchte es manchmal nur einen hinkenden Soldaten aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg, der aus den Jahrhunderten gestolpert war, um einen vom Gegenteil zu überzeugen.
Seine nervig weichen und vollen Lippen kitzelten mich kurz an der Wange und meine Schultern spannten sich an. Es war nicht so, dass ich es nicht mochte und mehr, dass ich mich erschrocken hatte, auf der anderen Seite wollte ich aber gern, dass es mir nicht gefiel, weil er mir nicht gefiel...oder es mir nicht gefiel, dass er mir so gefiel und dass ich es mochte, wenn er so etwas tat und...und...und meine Gedanken machten keinen Sinn mehr. Ich, sprachlos, eine Seltenheit. Denn selbst wenn ich ruhig erschien und wenig sagte, sollte ich dann den Mund aufmachen und meinen Teil beitragen, so fand ich doch immer die richtigen Worte...
Ich verzog grimmig das Gesicht.
„Wie wäre es, wenn du was von der Bar holst...?", fragte ich, sprach dabei gegen die Musik an. Ich brauchte einen Moment, um mich zu sammeln. Wir waren erst seit einer halben Stunde hier und der grässliche blecherne Sound vergewaltigte meine Ohren dennoch schon eine gefühlte Ewigkeit. Ich hatte weder dem nackten Kerl noch dem nackteren Weib bisher mehr als einen Blick zugeworfen. Sie waren nicht hässlich. Aber ich konnte das gerade nicht.
Ich sprang von meinem Hocker und suchte nach einer Toilette; es würde mich nicht stören, wenn ich einfach in ein anderes Jahrtausend stolpern würde, die Konzentration, hier an diesem Ort in dieser Sekunde zu bleiben, einfach fahren lassen konnte, doch...Olivier sorgte für eine seltsame Ruhe in meinem Bauch, es kostete mich fast keine Kraft hier zu bleiben und nicht zu slippen...Also war die Toilette ein angemessener Ort für eine Pause, meinte ich. Doch die vielen Menschen machten es einem nicht gerade leicht, einfach mal so eben von A nach B zu gelangen. Gott, wie ich Menschenansammlungen hasste! Nachdem ich mich endlich durch einen Großteil der Menge gedrängt hatte, erreichte ich den Gang, auf dem ich die Toiletten hoffte. Natürlich sollte all die Arbeit, nicht unbedingt zu sehr mit den Leuten zusammenstoßen, auf diesen letzten Metern zunichte gemacht werden. Ein schmales Mädchen mit dunklen Haaren tauchte aus einer Tür auf und ich trat nicht nur auf die Füße, sondern stieß sie mit einem ganzen Körper beinahe wieder die Treppe hinter der Tür hinunter, aus der sie gerade gekommen war. Ich konnte gerade noch ihren Arm greifen und sie festhalten. „Sorry", murmelte ich nebenbei und wollte mich eigentlich gleich wieder auf den Weg machen, erkannte aber dann doch die Gesichtszüge, hatte ich sie doch erst vor wenigen Stunden in einem Park getroffen...auch wenn es für sie wie eine Ewigkeit erscheinen musste. Sie hatte etwas schärfere Züge bekommen, wirkte gereifter, aber auch selbstsicherer. „Äh, hallo", sagte ich, etwas lauter. Ich trug sogar noch die selben Klamotten wie vor Jahren als ich sie ihm Park über den Haufen gerannt hatte. Das Nikotin ihrer Zigarette saß noch in meinem Rachen, wenn ich schluckte und doch...lagen Welten zwischen diesem Moment auf der Tischtennisplatte und diesem Augenblick hier an der Treppe. Vielleicht sollte ich es auch nicht herausfordern und einfach gehen, und doch stand ich noch an Ort und Stelle und starrte sie an. Wenn ich Julie besuchte, dann tat ich das immer so, dass für sie fast keine Zeit vergangen war, sodass alles für sie ganz "normal" wirkte...bisher war ich niemals jemandem nach Jahren wieder begegnet, die sich für mich nur wie eine Wimpernschlag anfühlten. Ich schuldete ihr noch Antworten auf Fragen in einem Gespräch, auf dass sie sich vermutlich nichtmal mehr erinnern konnte. Ich hoffte normalerweise, dass der verdrehte Geist der meisten "normalen" Menschen solche Dinge einfach ignorierte und unter den Tisch fallen ließ, weil sie es nicht verarbeiten konnten, wollten und wussten, weil ihr Kopf nicht aus jeder Mücke gleich einen Elefanten machte...
Wieso...also...sah sie mich dann aber ebenso irritiert an wie ich sie?

Antworten Zuletzt bearbeitet am 19.04.2025 16:21.

Jamie
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Zeynep & Jamie: Time Flies.... [ZWANGSCUT]

von Jamie am 19.04.2025 15:44

Nachdem sich die Wege von Zeynep und Jamie bereits vor über zehn Jahren getrennt haben nach ihrer kurzen Begegnung in einem Londoner Park, ist für erstere einiges passiert - ein Club mit neuen Aufgaben, aber auch ein Job und eine Chance. Für Jamie hingegen...ist fast keine Zeit vergangen - nur wenige Augenblicke, sich einmal auf der Ferse gedreht und da begrüßt ihn auch schon das London von 2025. Auch wenn er dabei allein wohl nicht in einen Strip Club gegangen wäre....

Antworten Zuletzt bearbeitet am 07.06.2026 21:46.

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