New York [USA]
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Re: New York [USA]
von Tara am 11.03.2026 17:36Mein Name ist Lias. Ich kam in einem Waisenhaus zur Welt, zumindest fühlte es sich so an. Meine Eltern lernte ich nie kennen, ihre Gesichter existierten nur als vage Schatten in meiner Fantasie. Schon früh hatte ich gelernt, dass die Welt kein Ponyhof ist; ich musste mich allein durchschlagen, eine Klette im Wind. Die Schulzeit war ein einziger Kampf, ein strammer Ritt gegen Windmühlen. Ein Leben zu führen, das für mich bestimmt schien – ein Leben voller Entbehrungen und Unsicherheit – fühlte sich an, als müsste ich einen schweren, nassen Mantel tragen.Nach meinem Abschluss hatte die Arbeitswelt mich dann endgültig verschluckt. Mit einem Schulabschluss in der Tasche war heute niemandem mehr ein Job garantiert, die Türen blieben verschlossen. Also war ich nach New York gezogen, in diese Stadt aus Stein und Licht, um einen Neuanfang zu wagen. Hier war ich anonym, nur eine weitere Nummer im großen Getriebe. Um über die Runden zu kommen, kellnerte ich in einem kleinen Café. Tagsüber war es ein beschaulicher Ort mit dem Duft von frisch gemahlenem Kaffee, abends verwandelte es sich in eine Bühne für Live-Musik, wenn das gedämpfte Licht die Ecken in warmes Gold tauchte.Und so machte ich mich auch an diesem Tag wieder auf den Weg. Die Straßen laternen warfen noch ihre blassen Morgenschatten, als ich die Tür zum Café aufschloss. Der Tag begann wie jeder andere. Ich wischte die Theke, stellte die Stühle hoch, atmete den vertrauten Geruch von Holz und Kaffeesatz ein. Meine Schicht begann, und ich glitt in den gewohnten Rhythmus: Bestellungen aufnehmen, lächeln, servieren, kassieren. Ich fertigte die ersten Bestellungen ab, ein müder Tanz zwischen den Tischen.Dann kam ich an den nächsten Tisch. Als ich aufblickte, um den Gast zu begrüßen, sah ich eine Frau. Und dann geschah etwas. Unsere Blicke trafen sich. Für einen Sekundenbruchteil schien der Lärm der Espressomaschine zu verstummen, das Klirren der Tassen in der Ferne zu verhallen. Ihr Blick hatte etwas Unbekanntes, eine stille Fremdheit, die mich sofort gefangen nahm.Ich zwang mich, professionell zu bleiben, zückte meinen abgegriffenen Notizblock aus der Hängetasche an meiner Hüfte, ein alter Begleiter. "Was kann ich Ihnen bringen?", fragte ich. Meine Stimme klang fremd in meinen eigenen Ohren. Sie war neu hier. Das konnte ich sofort sehen. Es lag nicht nur an der Art, wie sie unsicher die Karte studierte, sondern an einer gewissen Aura der Unberührtheit von diesem Großstadtdschungel. Sie war nicht von hier."Ich kann Ihnen auch etwas empfehlen, wenn Sie möchten", schob ich nach, ehe ich es verhindern konnte. "Sie scheinen neu in der Stadt zu sein." Es war mehr eine Behauptung als eine Frage. Ich schenkte ihr ein freundliches Lächeln, kein aufgesetztes Kellnerlächeln, sondern eines, das wirklich in meinem Herzen begann. In diesem Moment, umgeben von Kaffeeduft und dem leisen Summen der Stadt, hatte ich das Gefühl, dass dieser Neuanfang vielleicht gerade erst wirklich begonnen hatte.

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Re: New York [USA]
von Tara am 11.03.2026 18:16Gestern war wieder einmal ein verrückter Tag gewesen für Tara - aber welche ihrer Tage waren schon jemals normal gewesen? Die Dunkelhaarige erinnerte sich beim besten Willen nicht mehr, sollte es je einen solchen gegeben haben. Erst die Zeit in Syrien, dann die Flucht, der Verlust ihrer Eltern, die ganzen Heime und Pflegefamilien.. und das war noch nicht einmal alles gewesen. Aber dennoch war sie noch da: älter, weiser, traumatisierter, ein wenig durcheinander aber schon klarer sehend, mit vielen Narben - die innerlich waren hauptsächlich aber eben nicht nur. Und sie war wieder einmal in einer anderen Stadt, sogar einem anderen Land. Einmal über den großen Teich von England nach New York City und da versuchte sie sich noch immer irgendwie zurecht zu finden. Es war schon verwirrend aber diese Stadt schlief augenscheinlich tatsächlich nie und wenn dann gefühlt nur für einen einzigen Wimpernschlag lang. Sodass Tara direkt von dem kleinen Hostel, zu ihrem ersten Café des Tages huschen hatte können...
Natürlich gab es auch im Hostel Kaffee aber Tara hatte sich heute lieber einen kaufen als selbst machen wollen. Außerdem war gestern Nacht in dem Hostel echt seltsame Stimmung gewesen und daher zog sie es vor, allen noch etwas aus dem Weg zu gehen. Für den ersten Abend oder die Nacht in dieser Stadt war das echt kein guter Start gewesen. Aber naja, der erste Eindruck konnte ja auch täuschen - weshalb sie das Café kurz nachdem es geöffnet hatte auch betreten hatte.
Als der Kellner schließlich an ihren Tisch kam, hatte die Halbgöttin sich noch gar nicht für etwas entschieden, weshalb ihr Lächeln etwas unsicher wirkte. Aber als der Blick der beiden sich traf, war das im nächsten Moment fast schon vergessen. Tara konnte sich nicht erklären was das gewesen war aber seine Aura.. hatte etwas ungewöhnliches. War fremd, neu und doch zugleich.. seltsam und ungewöhnlich vertraut. Wie etwas, das man vor langer Zeit einmal gekostet hatte in einem fernen Land und seitdem nur wieder... Jetzt noch etwas verunsucherter räusperte sie sich zunächst. „Stimmt ich bin nicht von hier, daher würde ich das Angebot der Empfehlung sehr gern annehmen. Wer weiß, wenn es mir schmeckt komme ich fortan vielleicht öfter." Kurz nahm ihr Lächeln einen leicht verspielten Hauch an, bevor sie wieder Ernst wurde. „Ich hätte gerne etwas zu Trinken und zu Essen.", schob sie dann noch freundlich hinterher. Immerhin musste er ja wissen was er empfehlen sollte...

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Re: New York [USA]
von Lias am 11.03.2026 19:41Re: New York [USA]
von Tara am 12.03.2026 14:04Noch immer war die Schwarzhaarige ganz gefesselt von diesem seltsamen Moment und seinem Nachhall, dennoch bemühte sie sich ihre Fassung schnell wieder zu gewinnen. Betrachtete ihn dabei aber neugierig, interessiert aber auch wachsam. Sie konnte nicht anders, die ständige Flucht schon ihr ganzes Leben lang mahnte sie dazu. Und doch.. schreckte Tara nicht vor diesem Vorfall zurück, nicht vor ihm. Dem vertrauten Fremden...
Interessiert lauschte sie dann seiner sehr angenehmen Stimme und registrierte dabei was er ihr da an Speise und Getränk empfahl. Und es klang wirklich Köstlich was er da erzählte, sodass ihr unwillkürlich das Wasser im Munde zusammenlief. Und ihr Magen knurrte auch ganz demonstrativ, nachdem er seine Empfehlung beendet hatte. Dieser Umstand ließ unwillkürlich ihre Mundwinkel zucken, das und diese seltene wenn auch unerklärliche Verbundenheit und Vertrautheit. „Hat dir schon einmal jemand gesagt, daß ein Poet an dir verloren gegangen ist?", fragte sie leise und sich dabei gar nicht bewusst daß sie ihn geduzt hatte. „Das nehme ich auf jeden Fall und freue mich schon darauf es zu kosten!" Und das tat Tara wirklich, denn sie war jetzt nicht die versierte Köchin und Bäckerin aber mit Abstand die leidenschaftlichste!
Sie konnte nicht erklären was das war, wann immer sich die Blicke der beiden begegneten aber irgendwie genoss sie es, diese Momente in denen Zeit und Raum still zu stehen schienen und nur noch die beiden zu existieren schienen. Dem sollte definitiv auf den Grund gegangen werden! Aber trotz aller Faszination war sie noch nicht bereit die mühsam erarbeitete kleine Sicherheit der Anonymität aufzugeben. Dennoch würde sie fortan definitiv öfter in dieses Café kommen!
Ihr Blick ruhte auf dem Rücken ihres Kellners als dieser sich in Richtung der Küche - wie sie vermutete - entfernte. Was ein leises Gefühl des Bedauerns in ihr weckte, was aber völlig irrational war denn schließlich musste er ja seiner Arbeit nachgehen und außerdem war sie nicht der einzige Gast in dem kleinen Cafe. Wie ihr nach einem kurzen Blick durch dieses auch wieder bewusst wurde. Obwohl ihr Gefühl ein anderes war...
Nachdem er dann mit ihrer Bestellung an den Tisch zurückkehrte und diese abstellte, bedankte sie sich mit einem Lächeln. Denn ihr Hunger meldete sich jetzt natürlich erneut und dennoch begann sie nicht sofort zu essen, sondern blickte kurz zu der Einrichtung des Kaffees. „Das allererste Mal, ja. Gebürtig bin ich aus Syrien und seit dem bin ich ziemlich viel rumgekommen. Zuletzt war ich in London und bin erst letzte Nacht dann hier angekommen, in dem Hostel ganz in der Nähe." Erzählte sie einfach mal ein bisschen, denn das konnte bei ihren eher vagen Angaben ja nichts Schaden.

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Re: New York [USA]
von Lias am 12.03.2026 21:12Ihr Blick, als ich die Bestellung aufnahm, war anders als alles, was ich je in einem Gast gesehen hatte. Nicht dieses flüchtige Hinsehen, nicht die höfliche Gleichgültigkeit, mit der die meisten Menschen einem Kellner begegnen – als wäre man nur ein Teil der Einrichtung, eine menschliche Maschine, die Kaffee bringt und Teller abräumt. Nein, sie sah mich an, als ob sie mich wirklich sah. Als ob da etwas in ihr war, das etwas in mir erkannte, etwas, von dem ich nicht wusste, dass es überhaupt existiert. Es war, als ob sich in meiner Brust eine kleine Tür öffnete, eine, hinter der immer nur Dunkelheit gewesen war, und plötzlich fiel Licht hindurch, warm und golden und seltsam vertraut. Ich spürte eine Verbindung, die ich mir nicht erklären konnte, ein unsichtbares Band, das sich zwischen uns wob, feiner als Spinnenseide und doch stärker als jedes Tau, das je ein Schiff im Hafen gehalten hatte. Ich wusste nicht, woher sie kam, wer sie war, was sie hierher verschlagen hatte – und doch wusste ich etwas Tieferes, etwas, das nicht im Kopf saß, sondern im Blut pulsierte, in den Knochen summte wie eine alte, vergessene Melodie. Sie war anders. Und das machte mich neugierig, so neugierig wie ein Kind, das zum ersten Mal das Meer sieht und nicht versteht, warum es salzig schmeckt und woher die Wellen kommen.Als sie mich duzte, mit einer Selbstverständlichkeit, die keine Grenze überschritt, sondern eine Grenze einfach als nie existent enthüllte, durchfuhr mich ein Schauer, der nichts mit der Kühle der Klimaanlage zu tun hatte. "Hat dir schon einmal jemand gesagt, daß ein Poet an dir verloren gegangen ist?", fragte sie leise, und ihre Stimme war wie warmer Tee an einem kalten Tag, wie das erste Licht nach einem langen Sturm. Ich wollte etwas erwidern, etwas Leichtes, etwas, das die Situation wieder in die vertrauten Bahnen lenkte, etwas, das mich wieder hinter die Maske des freundlichen Kellners zurückschlüpfen ließ. Aber die Worte blieben mir im Hals stecken, als ich in ihre Augen sah, in dieses tiefe Braun, das so viel gesehen hatte und dennoch nicht aufgehört hatte zu leuchten. Es war, als ob ich in einen Brunnen blickte, der bis zum Mittelpunkt der Erde reichte, und auf dem Grund sah ich etwas glitzern, etwas, das ich kannte, ohne es je gesehen zu haben. Stattdessen lächelte ich nur, ein Lächeln, das meine übliche professionelle Freundlichkeit weit hinter sich ließ und etwas preisgab, etwas fast Verletzliches, etwas, das ich sonst vor der Welt verbarg wie eine Narbe, die man nicht zeigen will. "Nicht so, wie Sie es gerade getan haben", sagte ich dann leise, und das Sie war eine bewusste Entscheidung, eine kleine Mauer aus Pappe, die ich aufbaute, um nicht vollends in diesem Sog zu versinken. Aber die Mauer war aus Pappe, und ich wusste es. Sie würde dem ersten Windhauch nicht standhalten.Als ich mich dann umdrehte, um ihre Bestellung zu holen, spürte ich ihren Blick auf meinem Rücken wie eine körperliche Berührung, eine warme Hand, die mich sanft weiterdrückte und gleichzeitig zurückhielt. Es war ein seltsames Gefühl, und ich atmete erst tief durch, als mich die Küchentür für einen Moment ihren Blicken entzog. In der Küche, umgeben von Dampf und dem Zischen der Pfannen, blieb ich für einen Herzschlag stehen, lehnte mich gegen die Edelstahltheke und schloss die Augen. Was war das nur? Ich hatte Gäste, Tag für Tag, Hunderte von Gesichtern, die kamen und gingen, deren Bestellungen ich mir merkte und deren Namen ich vergaß, sobald sie die Tür hinter sich geschlossen hatten. Noch nie hatte mich jemand so berührt, so tief und so grundlos. Ich dachte an ihre Augen, an die Art, wie sie mich ansah, als ob sie etwas in mir suchte, das ich selbst nicht kannte. Und ich dachte an das Gefühl in meiner Brust, dieses Drängen, dieses Wissen, das kein Wissen war. Ich schüttelte den Kopf, griff nach dem Teller mit dem Wolfsbarsch, der wie ein Kunstwerk auf dem Porzellan lag, nach dem Glas mit der Limonade, die in der Morgensonne funkelte wie flüssiges Gold mit eingefangenen Sonnenstrahlen, und ging zurück in den Gastraum.Als ich das Tablett vor ihr abstellte, die Speisen wie eine kleine Opfergabe vor ihr auf dem Tisch arrangierte, traf mich ihr Lächeln mit voller Wucht. Es war, als ob die Sonne hinter den Wolken hervorkam, als ob der Himmel sich für einen Moment öffnete und etwas Helles, Warmes auf mich herabfiel. Sie bedankte sich, und dann, während mein Körper schon zum Gehen bereit war, mein Mund schon die Worte formen wollte, die mich zu den nächsten Gästen führen würden, blieb ich doch stehen, gefesselt von ihren Worten wie von einem unsichtbaren Seil. Syrien. London. Ein Hostel in der Nähe. Die Stationen einer Flucht, die ich zwischen den Zeilen las, die Narben einer Reise, die nicht freiwillig gewesen war. Sie erzählte es so beiläufig, als ob sie über das Wetter spräche, aber ich hörte das Echo der Verluste in ihrer Stimme, sah die Schatten hinter ihren Worten, die wie Geister um sie tanzten. Und wieder spürte ich diese unsinnige Vertrautheit, dieses Wissen um sie, das tiefer ging als jede Information. Ich kannte ihre Heimat nicht, hatte Syrien nie besucht, wusste nichts von London außer dem, was man in Filmen sah. Und doch, als sie davon sprach, war es mir, als ob sich in mir ein Bild formte, ein uraltes, verblasstes Foto, das Staub und Berge und das Lachen von Menschen zeigte, die ich nie getroffen hatte, und doch schien ich sie alle zu kennen. Es war, als ob wir uns auf einer Ebene begegneten, die unter der Oberfläche des Alltags lag, eine Ebene, von der ich nicht wusste, dass es sie gab, bis sie jetzt plötzlich vor mir aufgetaucht war wie eine verborgene Tür in einer Mauer, an der ich tausendmal vorbeigegangen war, ohne sie zu sehen."Dann willkommen in New York", sagte ich schließlich, und meine Stimme war rauer als beabsichtigt, als ob die Worte über Sandpapier rutschen müssten, bevor sie meine Lippen verlassen konnten. "Ich hoffe, die Stadt zeigt sich von ihrer besseren Seite. Nicht alle Nächte sind so seltsam wie die letzte, versprochen." Ich machte eine kleine Pause, ein schmaler Grat zwischen Gehen und Bleiben, ein Tanz auf dem Messer zwischen dem, was sein sollte, und dem, was sein könnte. Und dann, bevor ich mich umdrehte, bevor die Vernunft mich wieder in ihren eisernen Griff nahm, fügte ich leise hinzu: "Ich heiße übrigens Lias. Falls Sie noch etwas brauchen." Es war eine dumme, eine überflüssige Information. Mein Name stand auf dem kleinen Schild an meiner Brust, in sauberen, schwarzen Buchstaben auf silbernem Grund. Jeder Gast konnte ihn lesen, wenn er nur hinsah. Aber irgendwie musste ich ihr meinen Namen geben, musste dieses kleine Stück von mir in ihre Hände legen, als ob es ein Schlüssel wäre, ein erster Schritt, um dieses Rätsel zu lösen, das sie für mich darstellte. Ich wollte nicht, dass sie ging, ohne dass ich wusste, wer sie war, was dieses Gefühl bedeutete, diese seltsame Verbindung, die mich nicht losließ.Und als ich mich umdrehte, um zu anderen Tischen zu gehen, um meine Pflicht zu erfüllen, um wieder der freundliche Kellner zu sein, der niemandem zu nahe trat, spürte ich ihren Blick auf meinem Rücken. Er brannte dort wie ein kleines Feuer, wie eine warme Hand, die mich festhielt, auch wenn ich mich entfernte. Und es fühlte sich an wie eine Frage, die noch nicht beantwortet war, wie ein Buch, das ich aufgeschlagen hatte und nun nicht mehr zuschlagen konnte, ohne zu erfahren, wie die Geschichte weiterging. Ich musste sie wiedersehen. Nicht aus Sehnsucht, nicht aus Verlangen, sondern aus purer, brennender Neugier. Ich musste verstehen, was das war, dieses Band, das sich zwischen uns gesponnen hatte. Und tief in mir, in diesem Teil, den ich nicht kannte, den ich nie erforscht hatte, flüsterte eine leise Stimme, dass dies erst der Anfang war.
Re: New York [USA]
von Tara am 29.03.2026 14:46Keine Ahnung was sie bewogen hatte gerade in dieses Café zu kommen aber es fühlte sich nach mehr an. Das es nicht nur am nächsten gelegen gewesen war, sondern das es so hatte sein sollen, daß sie her gekommen war. Nach all den Dingen die sie bereits erlebt hatte, glaubte Tara nicht mehr an das Schicksal oder Vorhersehung und doch.. passte für diese Situation und ihre Begegnung mit Lias einfach kein anderes Wort. Natürlich konnte sie nicht sagen und einschätzen wie diese Begegnung noch einen Einfluss auf das weitere Leben der beiden haben könnte aber es war definitiv mehr als Zufall und schon allein dadurch war ihre Neugier bereits geweckt! Deshalb hatte sie ihm auch nachgesehen, bevor er hinter der Küchentür verschwunden war.
Danach hatte sie abwesend ihre Fingernägel betrachtet und darüber gerätselt, wie sie am besten mit der Situation umgehen sollte. Man konnte jedoch sagen, das ihr Kopf ihr entweder keine sinnvolle Antwort darauf geben wollte oder nicht konnte. Von daher handelte die Demogöttin dann auch schlicht nur rein intuitiv. Auf ihre Instinkte und auch ihr Bauchgefühl hatte sie nämlich bisher noch immer zählen und sich verlassen können - nicht umsonst war sie noch immer am Leben. Und ihr Instinkt hatte sie nicht nur die Frage mit dem Poeten stellen und ihn duzen lassen, sondern sie auch dazu gebracht etwas mehr von sich und ihrer Vergangenheit Preis geben lassen. Das er sie bei seiner Entgegnung nicht ebenfalls geduzt hatte, nahm sie zwar zur Kenntnis aber ihm auch absolut nicht übel. Schließlich waren beide noch immer an seinem Arbeitsplatz und da musste eine gewisse Professionalität schon sein.
Zwar war seine Info mit dem Namen eher überflüssiger Natur aber dennoch ließ es sie ihn erneut anlächeln. „Vielen Dank Lias, ich werde dich auf jeden Fall rufen, wenn noch etwas sein sollte.", sagte sie mit warmer Stimme Ehe sie dann erstmal etwas aß und trank. Währenddessen erinnerte Tara sich allerdings plötzlich an die ungewöhnlich langen Öffnungszeiten für ein reines Café. Nachdem sie ihren Teller geleert hatte, sah sie sich dann also zunächst einmal um und rief erst dann nach Lias.
„Danke erstmal für das köstliche Essen, das hat mir den blöden ersten Abend schon fast komplett wieder wett gemacht. Aber.. mir sind die langen Öffnungszeiten aufgefallen. Ist das hier nicht nur ein reines Café? Also ich meine, was ist denn Abends hier noch so los?", fragte sie ehrlich neugierig und trank dabei aus ihrem Glas. „Oh, und da der Hunger mich meine Manieren kurzzeitig hat vergessen lassen: Mein Name ist Tara. Gut eigentlich Sitara aber die meisten nennen mich einfach nur Tara."

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Re: New York [USA]
von Lias am 12.04.2026 09:06(Sorry, ich habe deinen Beitrag zu spät gesehen🫣)
Ihr Name fiel zwischen uns auf den Tisch wie ein Samenkorn, das ich nun in mir trug, ohne zu wissen, ob daraus etwas wachsen würde – Tara, Sitara, zwei Silben, die sich in meinem Kopf festsetzten wie ein Ohrwurm, den man nicht abschütteln kann. Sie hatte von Schicksal gesprochen, oder vielmehr davon, dass sie nicht mehr daran glaubte, und doch schien diese Begegnung für sie nach mehr zu fühlen als nach Zufall. Ich verstand das besser, als ich sollte. Denn während sie aß und ich zwischen den Tischen hin- und herging, hatte ich nur an sie gedacht, an dieses seltsame Pochen in meiner Brust, dieses Gefühl einer Verbindung, die sich jeder Erklärung widersetzte. Es war, als ob wir beide Fäden eines unsichtbaren Netzes berührten, das jemand vor langer Zeit zwischen uns gespannt hatte, ohne dass wir etwas davon wussten. Sie hatte mir nachgesehen, als ich in der Küche verschwand – ich hatte es nicht gesehen, aber ich hatte es gespürt, diesen warmen Druck auf meinem Rücken, als ob ihre Augen mich festhielten, auch als ich schon außer Sicht war. Und jetzt saß sie hier, hatte ihren Teller geleert bis auf die letzte Krume, ein stilles Kompliment, das mir mehr bedeutete, als es sollte, und fragte nach den Öffnungszeiten, nach dem, was hier abends geschah.ich setzte mich ihr gegenüber auf den freien Stuhl – eine Geste, die ich mir bei keinem anderen Gast erlauben würde, die sich aber hier, bei ihr, völlig natürlich anfühlte, als ob dieser Stuhl genau dafür geschaffen worden war, um uns näherzubringen. Ihre Frage nach den langen Öffnungszeiten war nicht die eines müden Touristen, der einfach nur informiert sein wollte – in ihrer Stimme schwang echte Neugier mit, ein Interesse, das über das Höfliche hinausging. Und als sie mir ihren Namen gab, zuerst die Kurzform, dann die ganze, als ob sie mir ein kleines Geheimnis anvertraute, spürte ich, wie etwas in mir aufhorchte. Sitara. Das Wort klang wie ein Hauch, wie der Name eines Sterns, den man nur in klaren Nächten sehen kann, weit weg von den Lichtern der Stadt. „Sitara", wiederholte ich leise, ließ die Silben auf meiner Zunge zergehen, als ob ich ein seltenes Gewürz probierte, dessen Aroma mich an etwas erinnerte, das ich nie gekostet hatte. „Das ist ein Name, der nicht hierher gehört. Nicht nach New York, nicht nach England. Eher nach einem Ort, an dem die Nächte klarer sind und die Sterne näher."Ich merkte, dass ich sie anstarrte, und zwang mich, den Blick für einen Moment zu senken, aber es half nichts – meine Augen kehrten immer wieder zu ihr zurück, zu diesem Gesicht, das mir fremd war und doch so vertraut, als ob ich es in einem Traum schon einmal gesehen hätte, in einem Traum, an den ich mich nicht erinnern konnte. „Die langen Öffnungszeiten", sagte ich dann, um ihre Frage zu beantworten, die ich beinahe vergessen hätte, „sind eine Besonderheit dieses Ortes. Tagsüber sind wir ein Café, ganz normal, unauffällig. Aber wenn die Sonne untergeht, verwandelt sich der Laden. Die Lichter werden gedimmt, die Musik wechselt, und es gibt Cocktails, kleine Abendessen, manchmal Livemusik. Es ist kein Club, nichts Lautes – eher ein Ort für Menschen, die nicht allein sein wollen, aber auch keine laute Menge brauchen." Ich zögerte, dann fügte ich hinzu: „Ich habe das Gefühl, dass viele Gäste hierherkommen, weil sie etwas suchen. Und manche finden es vielleicht." Warum ich das sagte, wusste ich nicht. Es klang, als ob ich Geheimnisse preisgab, die nicht mir gehörten, aber in diesem Moment, unter ihrem Blick, fühlte es sich richtig an."Sie haben gesagt, Sie sind letzte Nacht angekommen", fuhr ich fort, und meine Stimme wurde leiser, vertraulicher, als ob wir uns in einer Ecke der Bar befänden und nicht in einem hell erleuchteten Café am Morgen. „Und dass der erste Abend seltsam war. Darf ich fragen, was passiert ist? Oder sind Sie lieber allein mit Ihren Geheimnissen?" Die Frage kam mir direkt vor, zu direkt für einen Kellner, der eigentlich nur höflich sein sollte, aber ich konnte nicht anders. Diese Neugier, die in mir brannte, war stärker als jede Vernunft. Ich wollte wissen, wer sie war, woher sie kam, was sie hierher getrieben hatte – nicht aus romantischem Interesse, sondern weil etwas in mir schrie, dass sie wichtig war, dass diese Begegnung Bedeutung hatte, auch wenn ich nicht verstand, welche. Es war, als ob mein eigenes Wesen, ein Teil von mir, von dem ich nichts wusste, nach ihr griff wie eine Wurzel nach Wasser, blind und doch zielgerichtet."Und wie lange bleiben Sie in New York?", hakte ich nach, als sie nicht sofort antwortete. „Oder sind Sie auf der Durchreise? Auf der Suche nach etwas Bestimmtem?" Meine Hände lagen auf dem Tisch, und ich merkte, dass ich die Finger ineinander verschlungen hatte, als ob ich betete – aber ich wusste nicht, zu wem. Vielleicht zu dem Gefühl in meiner Brust, zu diesem Flattern, das endlich zur Ruhe gekommen war und stattdessen jetzt nur noch flüsterte, leise und beharrlich: Frag weiter. Bleib hier. Sie ist nicht zufällig hier. Du bist nicht zufällig hier.
Re: New York [USA]
von Tara am 02.06.2026 12:07(Ich hab dann endlich auch mal deine Antwort geschafft - meine Motivation & Kreativität sind echt launisch derzeit
Deshalb ist die Antwort auch so kurz geraten. Sorry dafür
)
Seine Äußerung über ihren Namen ließ Tara kurz etwas überrascht Blinzeln. Es klang wie eine Festellung obwohl er das nicht wissen konnte und doch.. es war wieder etwas seltsam aber nicht unangenehm. „Nun.. ob die Sterne in Syrien wirklich näher sind aber die Nächte sind tatsächlich klarer." So wirkte es jedenfalls oder hatte es gewirkt, bevor der Krieg gekommen war und soviel Staub und auch die Gemüter aufgewirbelt hatte. Zwar erinnerte sie sich kaum noch an ihre Heimat aber an die Sterne konnte sie sich noch erinnern. An die klaren Nächte in denen die funkelnden Sterne so nah auf sie gewirkt hatten. Alles noch unbeschwert gewesen war, vor der Flucht und dem ersten und größten Verlust ihres Lebens...
Energisch schüttelte sie den Gedanken und die Bilder der schmerzhaften Erinnerungen ab und konzentrierte sich stattdessen auf Lias Gesicht und auch auf seine Antwort. Immerhin hatte sie ja wissen wollen was es mit den langen Öffnungszeiten auf sich hatte und vielleicht wäre die Antwort ja noch sehr interessant für sie. Seine Wortwahl auf jeden Fall, sprach die Brünette durchaus an. Den Teil von ihr jedenfalls, der wegen einem Gefühl und einer Art innerem Drang nach New York City genommen war. Als hätte sie herkommen MÜSSEN auch wenn sie sich nicht erklären konnte, woher dieses Gefühl gekommen war und was es genau zu bedeuten hatte...
„Hmm.. das klingt auf jeden Fall sehr interessant. Besonders weil ich für meine Leben gern singe aber auch die Atmosphäre die Du beschreibst, gefällt mir sehr." Es war als würde Tara einfach ihre Gedanken über ihre Lippen kommen lassen. Ungefiltert und fast unbewusst, genau wie die ihn immer noch ganz selbstverständlich duzte auch wenn er sie weiterhin siezte. „Vielleicht bin ich deshalb hierher gereist, weil auch ich auf der Suche nach etwas bin. Obwohl ich nicht in Worte fassen kann was es sein könnte." In gewisser Weise standen die Fragen die er stellte auch im Kontrast dazu, daß er sie weiterhin siezte denn die Fragen erschienen ihr zu direkt und zu neugierig dafür. „Ja ich bin in die Stadt gekommen gestern und ich wohne in einer Art Hostel in dem meistens Backpacker absteigen. Nicht das ich etwas gegen Backpacker hätte, den meistens da fühle ich mich auch wie eine Reisende. Nur das ich nirgendwo wirklich ankomme, weil ich sehr oft nicht lange bleiben kann." Tara sah kein Problem darin, seine Frage ehrlich zu beantworten - obwohl sie es meistens nicht direkt tat einfach aus ihrer natürlich gewordenen Wachsamkeit. Ein Leben auf der Flucht brachte so etwas einfach mit sich auch wenn sie es selbst nicht sehr schön fand aber ändern konnte sie es ja dennoch nicht. Es stand leider nicht in ihrer Macht...

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