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Re: New York [USA]
von Lias am 12.04.2026 09:06(Sorry, ich habe deinen Beitrag zu spät gesehen🫣)
Ihr Name fiel zwischen uns auf den Tisch wie ein Samenkorn, das ich nun in mir trug, ohne zu wissen, ob daraus etwas wachsen würde – Tara, Sitara, zwei Silben, die sich in meinem Kopf festsetzten wie ein Ohrwurm, den man nicht abschütteln kann. Sie hatte von Schicksal gesprochen, oder vielmehr davon, dass sie nicht mehr daran glaubte, und doch schien diese Begegnung für sie nach mehr zu fühlen als nach Zufall. Ich verstand das besser, als ich sollte. Denn während sie aß und ich zwischen den Tischen hin- und herging, hatte ich nur an sie gedacht, an dieses seltsame Pochen in meiner Brust, dieses Gefühl einer Verbindung, die sich jeder Erklärung widersetzte. Es war, als ob wir beide Fäden eines unsichtbaren Netzes berührten, das jemand vor langer Zeit zwischen uns gespannt hatte, ohne dass wir etwas davon wussten. Sie hatte mir nachgesehen, als ich in der Küche verschwand – ich hatte es nicht gesehen, aber ich hatte es gespürt, diesen warmen Druck auf meinem Rücken, als ob ihre Augen mich festhielten, auch als ich schon außer Sicht war. Und jetzt saß sie hier, hatte ihren Teller geleert bis auf die letzte Krume, ein stilles Kompliment, das mir mehr bedeutete, als es sollte, und fragte nach den Öffnungszeiten, nach dem, was hier abends geschah.ich setzte mich ihr gegenüber auf den freien Stuhl – eine Geste, die ich mir bei keinem anderen Gast erlauben würde, die sich aber hier, bei ihr, völlig natürlich anfühlte, als ob dieser Stuhl genau dafür geschaffen worden war, um uns näherzubringen. Ihre Frage nach den langen Öffnungszeiten war nicht die eines müden Touristen, der einfach nur informiert sein wollte – in ihrer Stimme schwang echte Neugier mit, ein Interesse, das über das Höfliche hinausging. Und als sie mir ihren Namen gab, zuerst die Kurzform, dann die ganze, als ob sie mir ein kleines Geheimnis anvertraute, spürte ich, wie etwas in mir aufhorchte. Sitara. Das Wort klang wie ein Hauch, wie der Name eines Sterns, den man nur in klaren Nächten sehen kann, weit weg von den Lichtern der Stadt. „Sitara", wiederholte ich leise, ließ die Silben auf meiner Zunge zergehen, als ob ich ein seltenes Gewürz probierte, dessen Aroma mich an etwas erinnerte, das ich nie gekostet hatte. „Das ist ein Name, der nicht hierher gehört. Nicht nach New York, nicht nach England. Eher nach einem Ort, an dem die Nächte klarer sind und die Sterne näher."Ich merkte, dass ich sie anstarrte, und zwang mich, den Blick für einen Moment zu senken, aber es half nichts – meine Augen kehrten immer wieder zu ihr zurück, zu diesem Gesicht, das mir fremd war und doch so vertraut, als ob ich es in einem Traum schon einmal gesehen hätte, in einem Traum, an den ich mich nicht erinnern konnte. „Die langen Öffnungszeiten", sagte ich dann, um ihre Frage zu beantworten, die ich beinahe vergessen hätte, „sind eine Besonderheit dieses Ortes. Tagsüber sind wir ein Café, ganz normal, unauffällig. Aber wenn die Sonne untergeht, verwandelt sich der Laden. Die Lichter werden gedimmt, die Musik wechselt, und es gibt Cocktails, kleine Abendessen, manchmal Livemusik. Es ist kein Club, nichts Lautes – eher ein Ort für Menschen, die nicht allein sein wollen, aber auch keine laute Menge brauchen." Ich zögerte, dann fügte ich hinzu: „Ich habe das Gefühl, dass viele Gäste hierherkommen, weil sie etwas suchen. Und manche finden es vielleicht." Warum ich das sagte, wusste ich nicht. Es klang, als ob ich Geheimnisse preisgab, die nicht mir gehörten, aber in diesem Moment, unter ihrem Blick, fühlte es sich richtig an."Sie haben gesagt, Sie sind letzte Nacht angekommen", fuhr ich fort, und meine Stimme wurde leiser, vertraulicher, als ob wir uns in einer Ecke der Bar befänden und nicht in einem hell erleuchteten Café am Morgen. „Und dass der erste Abend seltsam war. Darf ich fragen, was passiert ist? Oder sind Sie lieber allein mit Ihren Geheimnissen?" Die Frage kam mir direkt vor, zu direkt für einen Kellner, der eigentlich nur höflich sein sollte, aber ich konnte nicht anders. Diese Neugier, die in mir brannte, war stärker als jede Vernunft. Ich wollte wissen, wer sie war, woher sie kam, was sie hierher getrieben hatte – nicht aus romantischem Interesse, sondern weil etwas in mir schrie, dass sie wichtig war, dass diese Begegnung Bedeutung hatte, auch wenn ich nicht verstand, welche. Es war, als ob mein eigenes Wesen, ein Teil von mir, von dem ich nichts wusste, nach ihr griff wie eine Wurzel nach Wasser, blind und doch zielgerichtet."Und wie lange bleiben Sie in New York?", hakte ich nach, als sie nicht sofort antwortete. „Oder sind Sie auf der Durchreise? Auf der Suche nach etwas Bestimmtem?" Meine Hände lagen auf dem Tisch, und ich merkte, dass ich die Finger ineinander verschlungen hatte, als ob ich betete – aber ich wusste nicht, zu wem. Vielleicht zu dem Gefühl in meiner Brust, zu diesem Flattern, das endlich zur Ruhe gekommen war und stattdessen jetzt nur noch flüsterte, leise und beharrlich: Frag weiter. Bleib hier. Sie ist nicht zufällig hier. Du bist nicht zufällig hier.
Re: New York [USA]
von Lias am 12.03.2026 21:12Ihr Blick, als ich die Bestellung aufnahm, war anders als alles, was ich je in einem Gast gesehen hatte. Nicht dieses flüchtige Hinsehen, nicht die höfliche Gleichgültigkeit, mit der die meisten Menschen einem Kellner begegnen – als wäre man nur ein Teil der Einrichtung, eine menschliche Maschine, die Kaffee bringt und Teller abräumt. Nein, sie sah mich an, als ob sie mich wirklich sah. Als ob da etwas in ihr war, das etwas in mir erkannte, etwas, von dem ich nicht wusste, dass es überhaupt existiert. Es war, als ob sich in meiner Brust eine kleine Tür öffnete, eine, hinter der immer nur Dunkelheit gewesen war, und plötzlich fiel Licht hindurch, warm und golden und seltsam vertraut. Ich spürte eine Verbindung, die ich mir nicht erklären konnte, ein unsichtbares Band, das sich zwischen uns wob, feiner als Spinnenseide und doch stärker als jedes Tau, das je ein Schiff im Hafen gehalten hatte. Ich wusste nicht, woher sie kam, wer sie war, was sie hierher verschlagen hatte – und doch wusste ich etwas Tieferes, etwas, das nicht im Kopf saß, sondern im Blut pulsierte, in den Knochen summte wie eine alte, vergessene Melodie. Sie war anders. Und das machte mich neugierig, so neugierig wie ein Kind, das zum ersten Mal das Meer sieht und nicht versteht, warum es salzig schmeckt und woher die Wellen kommen.Als sie mich duzte, mit einer Selbstverständlichkeit, die keine Grenze überschritt, sondern eine Grenze einfach als nie existent enthüllte, durchfuhr mich ein Schauer, der nichts mit der Kühle der Klimaanlage zu tun hatte. "Hat dir schon einmal jemand gesagt, daß ein Poet an dir verloren gegangen ist?", fragte sie leise, und ihre Stimme war wie warmer Tee an einem kalten Tag, wie das erste Licht nach einem langen Sturm. Ich wollte etwas erwidern, etwas Leichtes, etwas, das die Situation wieder in die vertrauten Bahnen lenkte, etwas, das mich wieder hinter die Maske des freundlichen Kellners zurückschlüpfen ließ. Aber die Worte blieben mir im Hals stecken, als ich in ihre Augen sah, in dieses tiefe Braun, das so viel gesehen hatte und dennoch nicht aufgehört hatte zu leuchten. Es war, als ob ich in einen Brunnen blickte, der bis zum Mittelpunkt der Erde reichte, und auf dem Grund sah ich etwas glitzern, etwas, das ich kannte, ohne es je gesehen zu haben. Stattdessen lächelte ich nur, ein Lächeln, das meine übliche professionelle Freundlichkeit weit hinter sich ließ und etwas preisgab, etwas fast Verletzliches, etwas, das ich sonst vor der Welt verbarg wie eine Narbe, die man nicht zeigen will. "Nicht so, wie Sie es gerade getan haben", sagte ich dann leise, und das Sie war eine bewusste Entscheidung, eine kleine Mauer aus Pappe, die ich aufbaute, um nicht vollends in diesem Sog zu versinken. Aber die Mauer war aus Pappe, und ich wusste es. Sie würde dem ersten Windhauch nicht standhalten.Als ich mich dann umdrehte, um ihre Bestellung zu holen, spürte ich ihren Blick auf meinem Rücken wie eine körperliche Berührung, eine warme Hand, die mich sanft weiterdrückte und gleichzeitig zurückhielt. Es war ein seltsames Gefühl, und ich atmete erst tief durch, als mich die Küchentür für einen Moment ihren Blicken entzog. In der Küche, umgeben von Dampf und dem Zischen der Pfannen, blieb ich für einen Herzschlag stehen, lehnte mich gegen die Edelstahltheke und schloss die Augen. Was war das nur? Ich hatte Gäste, Tag für Tag, Hunderte von Gesichtern, die kamen und gingen, deren Bestellungen ich mir merkte und deren Namen ich vergaß, sobald sie die Tür hinter sich geschlossen hatten. Noch nie hatte mich jemand so berührt, so tief und so grundlos. Ich dachte an ihre Augen, an die Art, wie sie mich ansah, als ob sie etwas in mir suchte, das ich selbst nicht kannte. Und ich dachte an das Gefühl in meiner Brust, dieses Drängen, dieses Wissen, das kein Wissen war. Ich schüttelte den Kopf, griff nach dem Teller mit dem Wolfsbarsch, der wie ein Kunstwerk auf dem Porzellan lag, nach dem Glas mit der Limonade, die in der Morgensonne funkelte wie flüssiges Gold mit eingefangenen Sonnenstrahlen, und ging zurück in den Gastraum.Als ich das Tablett vor ihr abstellte, die Speisen wie eine kleine Opfergabe vor ihr auf dem Tisch arrangierte, traf mich ihr Lächeln mit voller Wucht. Es war, als ob die Sonne hinter den Wolken hervorkam, als ob der Himmel sich für einen Moment öffnete und etwas Helles, Warmes auf mich herabfiel. Sie bedankte sich, und dann, während mein Körper schon zum Gehen bereit war, mein Mund schon die Worte formen wollte, die mich zu den nächsten Gästen führen würden, blieb ich doch stehen, gefesselt von ihren Worten wie von einem unsichtbaren Seil. Syrien. London. Ein Hostel in der Nähe. Die Stationen einer Flucht, die ich zwischen den Zeilen las, die Narben einer Reise, die nicht freiwillig gewesen war. Sie erzählte es so beiläufig, als ob sie über das Wetter spräche, aber ich hörte das Echo der Verluste in ihrer Stimme, sah die Schatten hinter ihren Worten, die wie Geister um sie tanzten. Und wieder spürte ich diese unsinnige Vertrautheit, dieses Wissen um sie, das tiefer ging als jede Information. Ich kannte ihre Heimat nicht, hatte Syrien nie besucht, wusste nichts von London außer dem, was man in Filmen sah. Und doch, als sie davon sprach, war es mir, als ob sich in mir ein Bild formte, ein uraltes, verblasstes Foto, das Staub und Berge und das Lachen von Menschen zeigte, die ich nie getroffen hatte, und doch schien ich sie alle zu kennen. Es war, als ob wir uns auf einer Ebene begegneten, die unter der Oberfläche des Alltags lag, eine Ebene, von der ich nicht wusste, dass es sie gab, bis sie jetzt plötzlich vor mir aufgetaucht war wie eine verborgene Tür in einer Mauer, an der ich tausendmal vorbeigegangen war, ohne sie zu sehen."Dann willkommen in New York", sagte ich schließlich, und meine Stimme war rauer als beabsichtigt, als ob die Worte über Sandpapier rutschen müssten, bevor sie meine Lippen verlassen konnten. "Ich hoffe, die Stadt zeigt sich von ihrer besseren Seite. Nicht alle Nächte sind so seltsam wie die letzte, versprochen." Ich machte eine kleine Pause, ein schmaler Grat zwischen Gehen und Bleiben, ein Tanz auf dem Messer zwischen dem, was sein sollte, und dem, was sein könnte. Und dann, bevor ich mich umdrehte, bevor die Vernunft mich wieder in ihren eisernen Griff nahm, fügte ich leise hinzu: "Ich heiße übrigens Lias. Falls Sie noch etwas brauchen." Es war eine dumme, eine überflüssige Information. Mein Name stand auf dem kleinen Schild an meiner Brust, in sauberen, schwarzen Buchstaben auf silbernem Grund. Jeder Gast konnte ihn lesen, wenn er nur hinsah. Aber irgendwie musste ich ihr meinen Namen geben, musste dieses kleine Stück von mir in ihre Hände legen, als ob es ein Schlüssel wäre, ein erster Schritt, um dieses Rätsel zu lösen, das sie für mich darstellte. Ich wollte nicht, dass sie ging, ohne dass ich wusste, wer sie war, was dieses Gefühl bedeutete, diese seltsame Verbindung, die mich nicht losließ.Und als ich mich umdrehte, um zu anderen Tischen zu gehen, um meine Pflicht zu erfüllen, um wieder der freundliche Kellner zu sein, der niemandem zu nahe trat, spürte ich ihren Blick auf meinem Rücken. Er brannte dort wie ein kleines Feuer, wie eine warme Hand, die mich festhielt, auch wenn ich mich entfernte. Und es fühlte sich an wie eine Frage, die noch nicht beantwortet war, wie ein Buch, das ich aufgeschlagen hatte und nun nicht mehr zuschlagen konnte, ohne zu erfahren, wie die Geschichte weiterging. Ich musste sie wiedersehen. Nicht aus Sehnsucht, nicht aus Verlangen, sondern aus purer, brennender Neugier. Ich musste verstehen, was das war, dieses Band, das sich zwischen uns gesponnen hatte. Und tief in mir, in diesem Teil, den ich nicht kannte, den ich nie erforscht hatte, flüsterte eine leise Stimme, dass dies erst der Anfang war.
Re: New York [USA]
von Lias am 11.03.2026 19:41Re: Lias & Tara ~ New City, New Experiences and New Chances..?
von Lias am 24.02.2026 23:20Mein Name ist Lias. Ich kam in einem Waisenhaus zur Welt, zumindest fühlte es sich so an. Meine Eltern lernte ich nie kennen, ihre Gesichter existierten nur als vage Schatten in meiner Fantasie. Schon früh hatte ich gelernt, dass die Welt kein Ponyhof ist; ich musste mich allein durchschlagen, eine Klette im Wind. Die Schulzeit war ein einziger Kampf, ein strammer Ritt gegen Windmühlen. Ein Leben zu führen, das für mich bestimmt schien – ein Leben voller Entbehrungen und Unsicherheit – fühlte sich an, als müsste ich einen schweren, nassen Mantel tragen.Nach meinem Abschluss hatte die Arbeitswelt mich dann endgültig verschluckt. Mit einem Schulabschluss in der Tasche war heute niemandem mehr ein Job garantiert, die Türen blieben verschlossen. Also war ich nach New York gezogen, in diese Stadt aus Stein und Licht, um einen Neuanfang zu wagen. Hier war ich anonym, nur eine weitere Nummer im großen Getriebe. Um über die Runden zu kommen, kellnerte ich in einem kleinen Café. Tagsüber war es ein beschaulicher Ort mit dem Duft von frisch gemahlenem Kaffee, abends verwandelte es sich in eine Bühne für Live-Musik, wenn das gedämpfte Licht die Ecken in warmes Gold tauchte.Und so machte ich mich auch an diesem Tag wieder auf den Weg. Die Straßen laternen warfen noch ihre blassen Morgenschatten, als ich die Tür zum Café aufschloss. Der Tag begann wie jeder andere. Ich wischte die Theke, stellte die Stühle hoch, atmete den vertrauten Geruch von Holz und Kaffeesatz ein. Meine Schicht begann, und ich glitt in den gewohnten Rhythmus: Bestellungen aufnehmen, lächeln, servieren, kassieren. Ich fertigte die ersten Bestellungen ab, ein müder Tanz zwischen den Tischen.Dann kam ich an den nächsten Tisch. Als ich aufblickte, um den Gast zu begrüßen, sah ich eine Frau. Und dann geschah etwas. Unsere Blicke trafen sich. Für einen Sekundenbruchteil schien der Lärm der Espressomaschine zu verstummen, das Klirren der Tassen in der Ferne zu verhallen. Ihr Blick hatte etwas Unbekanntes, eine stille Fremdheit, die mich sofort gefangen nahm.Ich zwang mich, professionell zu bleiben, zückte meinen abgegriffenen Notizblock aus der Hängetasche an meiner Hüfte, ein alter Begleiter. "Was kann ich Ihnen bringen?", fragte ich. Meine Stimme klang fremd in meinen eigenen Ohren. Sie war neu hier. Das konnte ich sofort sehen. Es lag nicht nur an der Art, wie sie unsicher die Karte studierte, sondern an einer gewissen Aura der Unberührtheit von diesem Großstadtdschungel. Sie war nicht von hier."Ich kann Ihnen auch etwas empfehlen, wenn Sie möchten", schob ich nach, ehe ich es verhindern konnte. "Sie scheinen neu in der Stadt zu sein." Es war mehr eine Behauptung als eine Frage. Ich schenkte ihr ein freundliches Lächeln, kein aufgesetztes Kellnerlächeln, sondern eines, das wirklich in meinem Herzen begann. In diesem Moment, umgeben von Kaffeeduft und dem leisen Summen der Stadt, hatte ich das Gefühl, dass dieser Neuanfang vielleicht gerade erst wirklich begonnen hatte.








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