Austin [Texas, USA]
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Re: Austin [Texas, USA]
von Cecilia am 08.02.2025 14:28Die Umarmung dauerte lange. Cecilia glaubte, Coreys Herzschlag sogar zu spüren. Sie war warm - sehr warm sogar - aber das lag sicher daran, dass sie aus einem warmen Auto gestiegen war. Sie hörte sie atmen, auch wenn es leicht angestrengt war (kein Wunder, sie hatte eine dreitägige Reise hinter sich) und es tat einfach nur gut sie da zu haben. Einfach nur gut, sie im Arm zu halten und zu wissen (oder zu hoffen), das wenigstens ein klein bisschen jetzt wieder ins Lot kommen könnte.
Stolz hatte sie ihre wenigen Brocken Gebärensprache präsentiert. Zugegebenermaßen war sie dankbar, dass Corey nicht aus ASL antwortete, sondern stattdessen aus ihrer Tasche wieder den Block herausholte. Dabei fiel Cecilia durchaus der dunkle Fleck auf der Hose auf. Die Schusswunde. Shit. Aber das machten sie besser, wenn sie drinnen waren (falls Cecilia da überhaupt etwas tun konnte, denn mit Erste Hilfe Maßnahmen kannte sie sich nun so gar nicht aus).
Unwillkürlich musste Cecilia leicht Lachen, als sie Coreys geschriebene Worte las. Das erste ehrliche Lachen seit Tagen. Es fühlte sich ungewohnt für ihre Gesichtsmuskulatur an. Vielleicht war es also auch noch länger her gewesen. Wer wusste es schon? Wie geht es dir? Tja... die Frage war nicht so einfach zu beantworten. Sie zuckte die Schultern und machte deine mit der flachen Hand eine Drehbewegung hin und her um zu sagen: So la-la. Was der vollen Wahrheit entsprach. Sie fühlte sich häufig schwach und zittrig, von der Übelkeit und dem Durchfall, welche sie beide immer wieder überkamen mal ganz zu schweigen. und ihren Nervenzusamenbrüchen, die Gott sei Dank aber niemand mitbekam außer Sandro. Und dem komplett fehlenden Schlaf. Zumindest erholsamen und guten Schlaf. Aber das war nichts, worüber sie reden oder an die große Glocke hängen wollte.
Wie es Corey ging würde Cecilia natürlich auch noch erfragen. Aber damit woltle sie warten, bis sie drinnen im Warmen waren.
Sie wollte Corey die Tasche abnehmen, doch da hatte sie diese schon selbst in der Hand und humpelte los. Bildete sich Cecilia das ein, oder war das Humpeln stärker geworden? Sie folgte ihrer Lebenden Mutter und hielt ihr sofort die Haustür auf. mit dem Licht in der Küche, wo sich Corey gleich ein Glas Wasser einschenkte, konnte Cecilia ihre Mum nun näher betrachten. Schweiß stand auf ihrer gebräunten Stirn, ihre Augen wirkten glasig. Oder besser gesagt... fiebrig? Sofort war Cecilia bei ihr und legte ungefragt ihren Handrücken auf Coreys Stirn. Jep. Sie glühte nahezu. ihre Augen wanderten hinutner zu dem recht großen Blutfleck auf ihrer Hose und sie biss sich auf die Lippen. Das überstieg ihre dürfitgen ASL-Fähigkeiten bei weitem.
Sie bückte sich um den Block wieder herauszuholen - sie hatte sich gemerkt, wo Corey den hingetan hatte, und schrieb: ~ Kann es sein, dass sich die Wunde entzündet hat? ~ Besorgt sah sie ihre Mutter an und war hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, ihr alle Freiheiten zu lassen und sie zu bitten, sich aufs Sofa zu legen und auszuruhen...

Corinne
Gelöschter Benutzer
Re: Austin [Texas, USA]
von Corinne am 07.02.2025 01:55Genau wie Corey ausgerechnet hatte, brauchte sie drei Tage, um von Tijuana, Mexiko nach Austin, Texas zu fahren. Im Nachhin musste sie sich eingestehen, dass es eine völlig absurde Idee gewesen war, die Reise alleine auf sich zu nehmen. Zwar hatte sie ihrem Mann, ihrer Schwester und Ziehtochter gesagt, sie würde nicht alleine fahren, aber das war mehr ein Versuch gewesen sie zu beruhigen. Leider war der ja auch nach hinten losgegangen, weil Elias vermutete, dass sie an Deryks Seite reisen würde. Vielleicht sollte sie ihrem Ehemann allmählich doch mal reinen Wein einschenken und ein ernstes Gespräch mit ihm führen.
Jedenfalls war sie nach Mitternacht in Austin bei dem zuständigen Autoverleih-Service, der den Mietwagen aus Tijuana annehmen würde, angekommen. Sie musste noch ein paar Unterschriften geben und der Wagen wurde inspiziert. Aber da Corey vorsichtig gefahren war, wenigstens eine Sache, die sie sich selbst als Pluspunkt gutschreiben konnte, fehlte dem Wagen nichts. Nicht einmal Blutspuren waren zu finden. Die Fahrt und die ständige Belastung des Beines hatten Corey in der Tat nicht gut getan. Ständig war die Wunde aufgeplatzt, blutete durch den Verband und ihre Hosen hindurch. So, wie auch im Moment, weswegen sie im Taxi ihre Weste als Unterlage benutzt hatte. Die war nun auch ruiniert. Sie war definitiv verrückt. Von den Schmerzen, die sie hatte mal ganz abgesehen. Sie hatte schon die ein oder andere Wunde, aber keine hatte bisher so weh getan. Vielleicht lag es auch daran, dass die Haut um die Einschusswunde extrem gerötet und heiß wie Feuer war. Apropos heiß. Tijuana war heiß gewesen, aber Austin hatte sie um diese Jahreszeit nicht so extrem in Erinnerung und trotzdem schwitzte sie und es fühlte sich an, als würde sie verbrennen. Sogar ihre Augen brannten, so heiß war ihr und das bei Nacht, die in Texas im allgemeinen stark herunterkühlte.
Weit nach Mitternacht kam sie schließlich mit dem Taxi vor ihrem eigenen Haus an. Ein paar Sekunden rührte sie sich nicht. Sie betrachtete es nur. Dann bezahlte sie den Taxifahrer, stieg mühsam aus und zog ihre Reisetasche vom Sitz herunter. Dann stand sie einfach nur da und betrachtete die Szenerie vor ihr, während das Taxi wieder vom Hof fuhr.
Alles hier war ihr so vertraut. Das Haus, die Einfahrt, der Garten, die gesamte Straße. Im Gegensatz zu anderen Teilen Texas' gab es in Austin unheimlich viel Grün, nur an manchen Stellen war das Gras verbrannt, aber die Bäume, Sträucher und Blumen wuchsen ganz wunderbar. Hinter ihrem recht großen, umzäunten Garten erstreckte sich die Natur und zur rechten Seite des Hauses erhob sich die ferne Silhouette der Großstadt. Sie lebten außerhalb von Austin, genauer gesagt in West Oak Hill. Eine suburb Nachbarschaft, wie man es auch nannte. Sie waren hier fern des hektischen Großstadtlebens und hatten es trotzdem nicht weit in die Stadt und auch ohne Auto eine wunderbare Anbindung. Wie sehr hatte sie sich danach gesehnt wieder zuhause zu sein und doch kam es ihr vor, wie ein Traum. Alles wirkte so so fern und fremd und doch irgendwie vertraut. Wahrscheinlich war sie wirklich verrückt.
Das Haus lag im Dunkeln. Kein Wunder, es war mitten in der Nacht und mit Sicherheit schliefen die Bewohner, ihre Familie schon. Es war diese Erkenntnis und der Moment, in dem Corey eine Bewegung zu ihrer Rechten wahrnahm. Sie erschrak sich nicht, verspürte nicht einmal Angst. Zuhause hatte man für gewöhnlich weniger Angst oder vielleicht hatte ihre Intuition gegriffen, bevor sie registrieren konnte, was wirklich geschah. Wahrscheinlich war sie auch einfach nur verrückt genug, um sich nicht mehr zu fürchten. Sie blickte zu Cecilia hin, wie sie nur im Schlafanzug und barfuß auf sie zugerannt kam. Corey rechnete schon mit einer Umarmung und ließ ihre Tasche einfach fallen. Und so kam es. Cecilia umarmte sie fast schon stürmisch. Corey taumelte leicht, aber die junge Frau hatte sie fest im Griff und dafür war sie dankbar. Auch sie schlang ihre Arme um sie und seit langem genoß sie mal wieder eine Umarmung, weswegen sie sie wahrscheinlich länger hielt, als nötig gewesen wäre. Als sie sich wieder von einander lösten, lächelte Corey sie schwach an und im Schein der Straßenlaternen und den Strahlen des Mondes, verfolgte sie Cecilias Bewegungen mit der Hand aufmerksam. Sofort verbreiterte sich ihr Lächeln. Cecilias Bewegungen waren stockend, aber klar erkennbar. Lediglich die Grammatik stimmte nicht, aber die meisten Hörgeschädigten oder Gehörlosen verstanden neben ASL auch PSL, Pidgin sign language. Die Gebärdensprache, die den originalen, englischen Grammatikaufbau nutzte und nur die Worte wegließ, die auch ASL nicht nutzte. Ihre Mutter und hörende Freunde nutzten den Stil und das war in Ordnung. Corey korrigierte nichts. Es gab auch nichts zu korrigieren. Der Flow würde von alleine für Cecilia kommen. Es war ohnehin erstaunlich, dass sie sich wirklich die Mühe gemacht hatte ein wenig ASL zu lernen. Ob ihr Elias das beigebracht hatte? Wie es hier wohl lief? Corey bückte sich und holte den altbekannten Notizblock aus ihrer Tasche. Das Blut an ihrer Hose war entgegen ihrer Vermutung nicht getrocknet. Dann blutete die Wunde also noch oder schon wieder. Darum würde sie sich später kümmern. Sie richtetet sich wieder auf, darauf bedacht das Gesicht vor Schmerz nicht zu verziehen. Dann schrieb sie:
~ Nicht schlecht. Du hast einen südländischen Akzent. ~
Sie grinste, als sie diese Worte schreibte. So ganz der Wahrheit entsprach das nicht. Gebärdensprachen hatten keine Akzente in dem Sinne, aber eben ihre gewissen Eigenheiten, anhand welcher man zuordnen konnte, woher eine Person kam und wo sie es gelernt hatte.
~ Ich hab dich auch vermisst. Wie geht es dir? ~
Setzte sie darunter und reichte Cecilia den Block und Stift. Dann hob sie ihre Tasche auf und zeigte auf die Haustür. Dann ging sie langsam los. Stark hinkend, obwohl sie es vermeiden wollte, aber mehr ließ sie sich immer noch nicht anmerken. Stattdessen zog sie den Schlüssel aus ihrer Hosentasche und öffnete die Haustür. Cecilia war aus der Garage gekommen, also hatte sie nicht mal eine Ahnung, ob sie viel im Haus unterwegs war, aber Corey brauchte einfach ein Glas eiskaltes Wasser und ein weiches Sofa. Und so trat sie ein. Es war keinen Flur direkt, den sie betraten. Der abgetrennte Teil gehörte zu dem riesigen, offenen Raum, der auf der rechten Seite eine moderne, große Küche mit Kochinsel hatte. In der Mitte befand sich der große Esstisch und zur linken den Wohnzimmerbereich, sowie die Tür, die zur seitlichen Terrasse führte und den Blick auf die Skyline von Austin offenbarte. Sie stellte ihre Tasche achtlos in die Ecke und humpelte erst mal zum Kühlschrank. Auf dem Weg dorthin drehte sie die Klimaanlage im Haus, erheblich runter obwohl die bereits lief und es eigentlich recht kühl im Haus war. Am Kühlschrank angekommen, nahm sie eine Wasserfalsche raus, schnappte sich ein Glas, das herumstand (sie wusste, es war Elias' Glas, denn er hatte die Eigenheit nur die Gläser mit den weißen Streifen zu nutzen und selbst, wenn es Cecilias oder das Glas einer ihrer Jungs war, war es ihr ziemlich egal, blieb alles in der Familie) und schenkte sich ein. Sie trag es gierig und in einem Zug leer. Tatsächlich bot sie Cecilia nichts an, weil sie davon ausging, dass sie sich wie zuhause fühlte und längst wusste, wo die sauberen Gläser standen. Sie konnte ja nicht ahnen, dass es irgendwie nicht so war.
Austin [Texas, USA]
von Cecilia am 06.02.2025 19:22------- Corey & Cecilia IN aus Mexiko ------------->
Es war drei Tage später und spät Abends. Der Mond war bereits an dem dunklen Himmel aufgegangen. Cecilia sah ihn durch das Fenster hindurch. Er strahlte sein blasses fahles Licht auf den Vorhof, auf dem alles verlassen schien. Elias und die Jungs waren im Haus. Vielleicht schliefen sie auch schon. Cecilia wusste es nicht. Abgesehen von dem Tag-Nacht-Zyklus hatte sie kein Zeitgefühl und sah auch nicht auf die Uhr. Nachdem sie in Texas angekommen waren und mit einem weiteren Mietauto hierhin gefahren waren, hatte Elias sie nur einmal durch die Räumlichkeiten gefühlt - ihr Küche und Bad und Wohnzimmer und alles gezeigt - und sie schließlich in ihr versprochenes Zimmer angrenzend zum Haus gebracht, was früher einmal eine Garage gewesen worden war. Überrascht stellte Cecilia fest, dass sich Elias an ihre Bitte gehalten und tatsächlich nichts gestrichen hatte. Farben, die er wohl noch irgendwie vorrättig gehabt ahtte, inklusive Kreppband und Folien zum Abdecken des Bodens lagen allerdings bereit. Auch ein Kinderbett und ein normales Bett zum Schlafen, ein Tisch und ein Schrank waren da. Ansonsten war alles spärlich - logisch. Sie wollten es ja renovieren. Sie bekam einen Schlüssel zum Abschließen.
Ihre erste Amtstat war tatsächlich gewesen, sich einzuschließen. Dann - nachdem sie Sandro gestillt und in sein Bett gelegt hatte, inklusive eines T-Shirts von ihr, mit dem er spielen konnte, hatte sie damit begonnen, selbstständig die obere Hälfte der Wände beige zu streichen. Es brauchte fast die ganze Nacht und danach war sie so tot, dass sie tatsächlich fast fünf Stunden durchschlief, ehe sie erneut aus einem Alptraum aufschreckte. Als sie aufwachte, schlich sie sich in die Küche, stibitzte sich aus dem Kühlschrank ein paar Pfannekuchen, die Elias oder die Jungs wohl gemacht hatten und zog sich mit der Beute sofort wieder in die Garage zurück. Sie hatte niemanden gesehen und das war auch gut so. Sie wollte niemandem schaden. Das war das letzte, was sie wollte. Nachdem sie etwas gegessen und sich um Sandro gekümmert hatte - wickeln, stillen und kuscheln, sogar ein wenig spielen - verbrachte sie den Tag damit, die untere Hälfte der Wände in einem dunklen lila zu streicheln. Ihr gefiel die Farbkombo. Am liebsten würde sie noch Akzente darein haben, in Form von Holz-Dielen, aber das musste sie sich wohl für später aufheben, wenn sie Geld für so etwas hatte. Denn das künstlichere Talent um das nur zu simulieren hatte sie ganz sicher nicht. Sie war ja schon stolz, dass sie das Streichen so hinbekommen hatte. Insbesondere mit den Entzugserscheinungen, die sie immer stärker hitteten. Sie schlief beschissen, übergab sich (in letzter Sekunde nutzte sie den Eimer mit weißer Farbe, in dem Gott sei Dank nciht mehr so viel drin gewesen war) und musste wegen Durchfalls öfter das Haupthaus und das Bad betreten, als ich lieb war. Immer achtete sie dabei möglichst darauf, von niemandem gesehen zu werden. Unbeachtet zu bleiben. Das war ihr am liebsten. Und sonst war da das Craving. Sie sehnte sich nach dem Heroin. So stark, dass es ihr manchmal vorkam wie körperliche Schmerzen. Doch der Gedanke das Haus zu verlassen, die Angst - und ja, auch Coreys mahnende Abschluss-Worte - hielten sie davon ab. Sie lenkte sich ab mit ihrem Projekt. Mit dem Malen. Sie sah sich YouTube-Videos an zu ASL und versuchte, sich selbst die ersten kleinen Basics beizubringen. Sie zeichnete sich einen Grundriss des Raumes und überlegte, so sie was hinhaben wollte, veruschte aufzuzeichnen, wie sie sich diesen Raum als Wohnung vorstellte und verfasste eine Einkaufsliste. sie googelte auf ihrem Handy, welche Preise es ungefähr waren um sich auszurechnen, wie viel Geld sie würde zusammensparen müssen, um sich das Inventar dass sie wollte zu kaufen.
Daran saß sie gerade, als sie draußen einen Motor hörte. Sie blickte vom Mond herunter und zwei Scheinwerfer bogen in die Einfahrt ein. Cecilias Herz stolperte und sie hielt inne. War das... konnte das...? Sie warf einen schnellen Blick zurück auf ihren Sohn, doch er schien ruhig zu schlafen. Also schloss sie die Tür auf, lief stolpernd - und barfuß - nur in ihrem hellblauen Schlafanzug gekleidet hinaus. Die platte kalte Erde schien sich in ihre Füße zu drücken, unangenehm stark, doch es war egal. Denn Corey war tatsächlich ausgestiegen und ohne Halt zu machen, ohne zu zögern, schlang sie ihre Arme um sie und drückte sie fest. Sie hatte kaum gewagt daran zu denken, dass sie wirklich kommen würde, hatte sich schon gefragt wie sie das Haus verlassen sollte, ohne dann nicht doch Dummheiten zu machen, wie sie Geld verdienen sollte, ohne sich wieder zu verkaufen oder sonst was...
Aber nun war Corey tatsächlich da und vielleicht würde ein Teil - wenigstens ein kleiner Teil - endlich wieder gut werden...
Erst nach einer Weile ließ sie ihre Mutter los und gebärderte das, was sie für diesen unwahrscheinlichen Fall geübt hatte - langsam zwar und immer wieder zwischendurch nachdenkend um bloß nichts zu vergessen (diese innere immerwährende Unruhe half nicht zwingend dabei): Ich vermisst dich, Mum.











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