Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

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Beth

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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Beth am 20.04.2024 14:50

Jodie verschwindet in ihre eigenen Gedanken und ich lass sie. Auch wenn sie damit zu kämpfen scheint. Doch...was soll man machen? Ich habe sie schon so kennengelernt, in sich selbst gefangen und zwischen Gedanken umher driftend, besonders, wenn von außen keine Reize kommen. Aber es ist schlimmer geworden seit ich sie das letzte Mal getroffen habe.
Ich runzle die Stirn und lasse meinen Blick erneut über die Zettel schweifen. So wirr. So viel auf dem einen, nur damit auf dem anderen ein einziges Wort steht.
Ich runzle die Stirn. Das Multiversum ist so endlos, voller Möglichkeiten und nichts, was es nicht geben kann, und doch...bedeutet das scheinbar auch, dass es alles geben kann, doch das heißt nicht, dass es die Dinge auch mehrfach geben muss, wie es aussieht. Immerhin gibt es mich nur einmal und auch Jodie gab es nur einmal.
So kann ich sie nicht sitzen lassen. Und so stehe ich schließlich bei ihr, meine Hand auf ihrer Schulter. Für einen Augenblick hält sie inne, schaut dann auf. Ihre Worte sind voller Verzweiflung und schließlich rutschen die Zettel wieder zu Boden, die sie mühsam aufgesammelt hat.
„Das habe ich nicht gemeint", erwidere ich dann. „Du musst nur mal von diesem Chaos weg, etwas rausgehen, einen Spaziergang im Wald machen oder einmal in die Stadt gehen." Ich mache eine kurze Pause. „Dein Kopf braucht einmal Luft, muss sich mal ausruhen – du kannst dich an nichts erinnern oder die Dinge wieder auf Kurs bringen, wenn du den ganzen Tag nur auf die gleichen Zettel und Wände starrst."
Schließlich krame ich eine Packung Taschentücher aus meiner Tasche und hocke mich neben sie, tupfe ihr mit einem Tuch die Augen etwas trocken, auch wenn sie gar nicht richtig weinte.
„Wir zwei machen uns heute einfach einen Selbstfindungsmädelsnachmittag", schlage ich dann vor. Natürlich gehen wir nicht zur Maniküre und ins Kino, aber wir werden die Zeit nutzen, um Jodie etwas Abstand zu gönnen und vielleicht können sich dann ihre Gedanken etwas sammeln, wenn nicht konstant im Kopf alles neu startet.
„Du bist in dir selbst gefangen", erkläre ich dann. „Deshalb weißt du nicht, wohin mit dir. Du bist hier umgeben von Erinnerungen, die du rasch auf irgendwelche Zettel gekritzelt hast, ohne dass du einen Bezug dazu herstellen kannst, geschweige denn weißt, was wann wie passiert ist. Du drehst dich im Kreis. Wann immer du einen Anfang gefunden hast, löst sich irgendwo anders wieder ein Ende und du musst wieder von vorn anfangen." Mit einem Finger meiner Hand auf ihrer Schulter streichle ich sie leicht. „Das muss mal ruhen – wenigstens für einen Nachmittag."
Ich stehe auf und reiche ihr meine Hand.

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Jodie
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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Jodie am 23.04.2024 16:44

Jodie wusste selbst nicht, was sie hier eigentlich tat. Sie ließ es zu, dass Beth sich um sie kümmerte. Sich zu ihr hockte, ein Taschentuch hervorholte und ihr die Augen abtupfte - was sie sogar zu einem leisen Lächeln brachte. Natürlich war es nicht so, dass sie nie weinte. Sie hatte viel geweint. Viele Stunden sogar. Alleine, hier, in dieser Hütte. Aber sie weinte einfach nicht im Beisein von Anderen. Das... mochte sie nicht. Sie behielt ihre Gefühle lieber für sich.
Sie nahm Beth das Taschentuch ab, um es erst in ihrer Hand zu zerknüllen und dann wieder auseinanderzufalten und mit seinen Ecken zwischen ihren Fingern zu spielen. Sie beobachtete es dabei und ließ sich die Worte ihrer Freundin - welche sie hier, irgendwo im Nirgendwo in Alaska gefunden hatte - durch den Kopf gehen. "Ja.", sagte sie dann endlich und sah auf, in ehrlicher Dankbarkeit. "Ja, ein Selbstfindungsmädelsnachmittag klingt genau nach etwas, das ich brauchen könnte."
Du bist in dir selbst gefangen. Besser konnte man das wohl nicht ausdrücken. Allerdings war sie das in gewisser Weise schon immer gewesen. zumindest hatte sie das Gefühl. Aber vielleicht wurde dieses Gefühl auch nur von ihrer aktuellen Situation beeinflusst. Sie konnte es nicht sagen. Sie konnte einfach gar nichts sagen. Zu nichts.
Beth war aufgestanden und hielt ihr die Hand hin. Einen Moment betrachtete Jodie diese, als hätte sie noch nie so etwas gesehen. Aber dann verbarg sie das Taschentuch wieder in der einen Hand und nahm mit der anderen die dargebotene Beth' an, um ebenfalls aufzustehen. "Ich glaube, besser hättest du mich nicht zusammenfassen können.", gab sie mit einem kurzen schwachen Lächeln zu. "Warte einen Augenblick. Ich will mir nur eben meine Jacke holen." Ohne es zu merken, ließ sie das Taschentuch zu dem Chaos auf dem Boden fallen und eilte hinüber zu den Kleiderhaken neben der Tür, wo sie sich ihre warme braune Jacke mit dem Fellkragen nahm (immerhin waren sie in Alaska - und wahrscheinlich würden sie eine ganze Weile unterwegs sein) und sich überzog. Dann ging sie zur Tür - ihr fiel ihr Schlüssel ein, sie machte einen Schlenker zum Schreibtisch, fand ihn unter einigen weiteren Zetteln und ging wieder zurück. "Alles klar. Wir können los.", sagte sie und versuchte so etwas wie Unternehmertum in ihre Stimme zu legen. Vielleicht wirde ihr etwas frische Luft (länger als nur auf dem Balkon sitzend und alleine in die Welt starrend, dabei in ihren Gedanken versunken) wirklich gut tun. Zumindest war Beth eine Ablenkung. Eine willkommene Ablenkung.
Und vor allen Dingen - und das war das Wichtigste - eine Freundin.

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Beth

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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Beth am 16.06.2024 01:13

Ich schmunzle, während ich sie kurz dabei beobachte, wie sie mit den Ecken des Taschentuch spielt. „Na dann, ein Mädelstrip!"
Ich helfe ihr auf die Beine und drehe mich bereits zur Tür, als sie lospringt, um sich ihre Jacke zu holen. „Hm", mache ich, nur leicht nachdenklich. „Wenn man eins lernt, wenn man gleichzeitig überall und nirgends sein kann, dann wie unterschiedlich und trotzdem irgendwie gleich die Menschen sind." Auf eine Weise...haben wir alle etwas an uns, das uns gleich macht, und doch so viel, das uns in etwas ganz einzigartigem verwandelt. Menschen sind etwas Sonderbares.
Ich ziehe mir selbst wieder die Winterjacke an – wir werden vermutlich einige Zeit dort draußen verbringen.
Dann holt sie noch ihren Schlüssel. Und dann, ja, dann kann es losgehen!
Ich öffne die Tür und halte sie ihr auf, damit sie hindurchgehen und hinter uns abschließen kann. Dann wende ich mich in Richtung, na ja, Natur. Allerdings ist das hier Alaska, also...eben...irgendwie überall Natur, und Wildnis, und Wald und Tiere. Auf letzteres kann ich zwar gut und gern verzichten, aber der Rest, der wird Jodie sicher auf etwas andere Gedanken bringen – oder es bringt uns den Kältetod, je nachdem, was als erstes eintreten mag.
Für einen Moment halte ich inne und sehe den Weg hinunter, den ich entlang gekommen bin, ehe ich endlich die Tür erreicht habe. Ich runzle nachdenklich die Stirn, ehe ich das Wort ergreife: „Seit du hier angekommen bist, hast du diese Hütte kaum verlassen, nicht?" Ich will gern wissen, ob sie überhaupt schon irgendwann irgendwo mal in den Wäldern um das Häuslein gewesen ist und wenn ja, in welche Richtung wir gehen können, damit sie etwas anderes sehen kann – außer sie hat Empfehlungen, einen Ort, der ihr hier besonders gefällt.
Ich stecke meine Hände in die Taschen. Nach einem Spaziergang durch den Wald und die Natur kann man durchaus auch in die nächste Stadt gehen und sich dort ein wenig vergnügen – und Jodie mal unter Menschen bringen!
„So, Mausi", sage ich also. „Außer dich unter Millionen von Zetteln zu vergraben oder auf deinem Balkon Geschirr zu zerkloppen, was hast du das letzte Mal so getrieben, als du Spaß haben wolltest?" Gibt es in dem kleinen Städtchen, aus dem ich gekommen bin, so etwas wie eine Spielhalle? Ein Kino? Oder wenigstens eine Mall?! Ich hoffe es, denn ich habe nicht viel Bock, mir etwas anderes einfallen zu lassen, wenn es damit nicht klappen sollte!

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Jodie
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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Jodie am 19.06.2024 12:08

Sie verließen die Hütte und traten hinaus in die herbstliche Kälte Alaskas. Orangene Blätter wirbelten ihnen schon entgegen und der Wind, der ihnen dabei ins Gesicht schlug, tat fast so, als würden die Winterjacken gar nicht existieren. Aber die leise Gänsehaut die sich auf Jodies Armen unter der Jacke und auf ihrem Hals bildete, tat seltsam gut. Auch musste sie daran denken, wie sie einmal wirklich fast erfroren war. War es Arktis oder Antarktis gewesen? Sie waren jedenfalls in tiefster Eiseskälte gewesen und in einen Schneesturm geraten. Sie hatten mit den CIA-Leuten Unterschlupf in einem verlassenen Haus gefunden. Aber dann hatte sie auf Klo gemusst und dafür nach draußen in die Trümmer. Gott, ihr Urin war quasi in der Luft gefroreren...
So in Gedanken versunken - mal wieder - zuckte sie zusammen, als Beth sie plötlich ansprach. "Was? Oh... nein, nicht wirklich.", gab sie zu und schüttelte den Kopf. "Ich war ein wenig auf dem See gewesen." Sie nickte in die Richtung hinter ihnen, weil auf der anderen Seite der Hütte tatsächlich ein großer See war (den sie von ihrer Veranda aus oft stundenlang betrachtete). "Hab ein Kanu von ein paar Einheimischen bekommen und mit dem bin ich manchmal rausgepaddelt und hab sowas wie Fischen versucht. War aber nicht sonderlich gut, also hab ich meist nur in die Wälder gestarrt oder was geschrieben." Was sonst? Das schien mit all der Ausbildung, die sie hatte, alles zu sein, was sie noch konnte...
Sie schob die Hände in die Taschen ihrer Jacke und sie machten sich auf den Weg. Zunächst knirschten noch kleine Steine unter ihren Stiefeln, bald wurde es jedoch durch das Knacken von Ästen und dem Rascheln von Laub abgelöst. Jodie dachte nach. Es war eine schwierige Frage, die Beth stellte. "Nun, also... ich hatte nicht sonderlich viel Zeit zum Spaß haben, weißt du?", begann sie schließlich und sah kurz zu ihrer Freundin, ehe sie wieder auf den Boden vor sich sah. "Ich war... naja. Erst in dem Forschungslabor als Kind, dann bei der CIA und für die bei Aufträgen und so, und dann auf der Flucht vor denen. Dann wurde ich einberufen, mich um deren verzapfte Probleme zu kümmern und naja... seit die mich haben Laufen lassen bin ich hier." Sie zuckte die Schultern. Leben - das, was normale Menschen taten - hatte sie nie gelernt. Am normalsten war es noch gewesen nach ihrer Ausbildung bei der CIA. Sie hatte eine eigene Wohnung gehabt. Hatte sich Pizza bestellt. Einmal sogar versucht zu kochen (und sich dann doch für Pizza entschieden). Das war der normalste Teil ihres Lebens gewesen. Sie hatte ein Date mit Ryan gehabt und Aiden war durchgedreht. Sie hatte gedacht, er sei eifersüchtig. Doch in Wahrheit war es nur ihr Bruder gewesen, der sie beschützen wollte...
Joedies Blick war glasig geworden und die Pause in ihrem Satz war mal wieder viel zu lange. Sie schüttelte leicht den Kopf und räusperte sich. "Also... keine Ahnung. Klär mich auf. Was macht man so, wenn man Spaß haben will?" Dann plötzlich leuchteten ihre Augen auf. "Oh, ich bin mal auf ner Ranch gewesen und da sind wir ausgeritten - das hat Spaß gemacht. Einfach auf den Pferderücken und dann los." Sie lächelte leicht. Die beiden Brüder vermisse sie tatsächlich sehr. Vor allem Jay... wenn sie das alles hier hinter sich hatte, vielleicht... vielleicht würde sie ihn mal besuchen. Wenn ihr Mut es zuließ..

Antworten Zuletzt bearbeitet am 27.10.2024 11:03.

Beth

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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Beth am 18.10.2024 13:45

Jodie scheint mich kaum wahrzunehmen, während wir uns immer weiter von der Hütte entfernen. Der frische Wind im Gesicht, der einem sofort in alle Ritzen zieht, macht die Sache auch nicht gerade angenehmer. Auf der anderen Seite hat sie sich hier oben im Norden, in Alaska, verschanzt und hofft seitdem auf ein Wunder, das ihr ihr Leben wieder zurückgeben, ihren Bruder aus dem Nichts heraufbeschwören könnte.
Es wundert mich nicht – und eigentlich ist meine Frage auch mehr eine Feststellung gewesen –, dass sie die Hütte, seit sie hier aufgeschlagen ist, nur sporadisch verlassen hat und wenn, dann immer nur allein mit sich selbst in der Natur.
Ich schüttle nur leicht den Kopf. Verdenken kann man es ihr wohl nicht, immerhin ist sie immer schon eher der Einzelgänger gewesen und der Verlust von Aiden und ihr Leben, das seitdem in Scherben liegt, haben nicht unbedingt dazu beigetragen, sie geselliger zu machen...
„Hat es dir wenigstens Spaß gemacht? Das Paddeln und das Fischen?", hake ich nach und schreite dabei voran über trockenes Laub und Zweige, die unter meinen Stiefeln knirschen und rascheln. Immerhin klingt sie vom zweiten nicht unbedingt überzeugt.
Leicht nicke ich vor mich hin, sehe sie immer wieder von der Seite her an, während sie bei ihrer Erzählung immer weiter in Gedanken abdriftet – bis sie irgendwann schweigt und nur noch vor sich hinstarrt. Wie in Trance läuft sie neben mir her durch das Unterholz. Ich wecke sie nicht und überlasse sie ihren Gedanken; ich nutze die Zeit lieber, um darüber nachzudenken, was ich nun mit ihr anstellen mag. Ein Spaziergang ist ja schon mal nicht das richtige – nicht nur kennt das Gebiet mittlerweile zu gut, sodass sie sich hier auch im Schlaf zurechtfindet, sondern die Gedanken holen sie auch hier viel zu schnell ein...schon bei diesen wenigen Worten. Dabei geht es doch genau darum, sie davon abzuhalten, zu viel über sich nachzudenken, damit ihr Geist ruhen konnte...
Ich seufze. Ich hatte keine passende Idee. Ich allein wäre vermutlich einfach in irgendeine andere Realität abgeglitten und hätte mir dort Ablenkung gesucht, aber Jodie hier...ist nicht unbedingt dafür geschaffen, die Grenzen dieser Welt zu verlassen...nicht so wie ich jedenfalls.
„Eine Ranch...?", wiederhole ich leicht ungläubig und sehe sie von der Seite her an. Wenn ich so darüber nachdenken, allerdings... Auf der Fahr hier raus bei dem Mann, der mich mitgenommen hat, habe ich auf einem Wegweiser etwas von einer Ranch gelesen. Das ist dann wohl der Einfall, auf den ich gewartet habe! Und wenn ich mich richtig erinnere, dann ist sie nicht mal weit weg!
Ich grinse Jodie an, ehe ich ihr Hand greife und sie einfach mit mir ziehe. „Hier längs!"
Und ich soll recht behalten! Die Golden Shine Ranch ist wirklich nicht weit weg – nach einem kurz Weg durch den Wald erreichen wir die Straße, und einen Wegweise, der uns verrät, dass die Ranch an der nächsten Abbiegung links sei. Ein Kinderspiel!
So stehen wir etwa eine Viertelstunde später vor dem riesigen offenen Holztor einer Ranch. In gelben Lettern steht auf einem Schild am höchsten Punkt des Torbogens: „Golden Shine". „Tadaa!", sage ich, sehe zu Jodie, ehe ich durch das offene Tor auf das Gelände trete. In der Ferne sieht man ein kleine Gruppe Menschen auf der Koppel bei einigen Pferden – ein paar Kinder sind dabei. „Das spricht doch für ein sehr offenes Konzept", scherze ich, während ich Jodie auf die Gruppe und die Pferde aufmerksam mache. Ich warte keine Antwort ab, sondern gehe einfach weiter auf das Gelände; irgendjemanden muss man doch hier ansprechen können.

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Jodie
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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Jodie am 27.10.2024 11:13

Jodie dachte nach. Hatte es Spaß gemacht. Das Paddeln. Das Fischen? "Naja...", begann sie dann unsicher. Wusste sie überhaupt, was Spaß war? "Ich weiß es nicht. Aber es war... friedlich." Und sie hatte viel zu wenig friedliche Zeiten in ihrem Leben gehabt. Also hatte das gut getan. "Aber auch..." Einsam, beendete sie den Satz im Stillen. Und ging einfach. Eigentlich mochte sie es allein zu sein. Ohne nervige Menschen und nervige Fragen. Ohne Leute, die sie verfolgten oder bedrängten. Anderseite... vermisste sie auch gute Menschen um sich. Wie damals, als sie obdachlos gewesen war. Oder auf der Ranch. Leute, die zu ihr standen. Die ihr halfen und für sie da waren. Und für die sie umgekehrt genauso da war. Gute Menschen, mit guter Seele. Ja... so eine Gemeinschaft... das war es, was ihr wirklich fehlte. Und umso dankbarer war sie, dass eine der wirklich wenigen Leute auf der Welt, die sie als Freundin bezeichnete, grade jetzt hier bei ihr war. Mit einem kleinen Lächeln blickte sie zur Seite in Beth' Profil. "Danke, dass du da bist.", sagte sie leise, aber ehrlich. Sie wusste es wirklich zu schätzen. Und bei Beth wusste sie, dass die Worte auch ankamen - auch wenn sie diese Dankbarkeit vielleicht nicht so offen ausdrücken konnte, wie andere.
Die Geschichte von der Ranch schien Beth zu überraschen. Jodie lächelte leicht. "Ja, eine Ranch.", bestätigte sie. Ich war allein auf irgendeinem Highway unterwegs in der Wüste. Es war brühend heiß. Und dann hab ich die gefunden. Sie haben mich aufgenommen, wenn auch etwas widerwillig. Mir essen und trinken gegeben. Sie waren auch mit der anderen Seite verbunden. Irgendwie..." Die erinnerungen kamen wieder. Sie sagte nichts dazu. Zu viele böse Erinnerungen, zu viele böse Dämonen. Zu viel Tod... Ablenkung. "Da war auch ein Junge. Also, junger Mann. Jay... Anfangs mochte er mich gar nicht, aber dann..." Wieder schwieg sie. Wieder Erinnerungen. So viele. An die Ausritte. Die Visionen. Die Arbeiten auf der Ranch. "Ein guter Mensch. Gute Menschen."
Plötzlich schien Beth eine Idee zu haben. Begeistert wurde sie von ihrer Freundin weitergezogen. Jodie fühlte, wie es ihr unwohl wurde. Führte dieser Weg nicht aus dem Wald heraus? Was hatte sie im Sinn? Aber sie bschloss, Beth' zu vertrauen (natürlich vertraute sie ihr!) und schließlich kamen sie tatsächlich an einer Ranch an.
"Bitte?? Ich wusste gar nicht dass es das hier gibt!", flüsterte Jodie beeindruckt. Immer noch ein wenig überfordert stand sie einfach em Eingang, hielt sich am Holzpfosten fest und sah zu den Pferden und der riesigen offenen Fläche hinüber. Dann schob sich Beth in ihr Blickfeld, die schon auf die Reitteire zuging. Rasch beeilte Jodie sich, ihr hinterher zu rennen. "Also... reiten wir aus?", schlug sie vor - auch wenn es wie eine Frage klang - und stellte sich vor, wieder den Wind in ihren haaren und ihrer Kleidung zu spüren. Es wäre sehr viel kälter als damals, natürlich. Dann beschlich sie plötzlich ein Gefühl des Zweifels.
Konnte sie ohne Aiden überhaupt reiten?
Immerhin war es Aiden gewesen, dank dem sie das Pferd hatte beruhigen können, dank dem das Pferd ihr so bereitwillig gefolgt war und so eine Beziehung zu ihr aufgebaut hatte damals...
Würde es ohne Aiden immer noch so sein..??

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Beth

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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Beth am 15.02.2025 15:30

Ich mustere sie von der Seite her. „Wieso hast du´s dann gemacht, wenn du nicht mal sagen kannst, ob es spaßig war?", erkundige ich mich, leicht nachdenklich. Ich weiß, dass nicht alles im Leben Spaß machen kann – und man sich durch viele Dinge durchbeißen muss...vertrau mir, ich weiß das sehr gut...bevor ich geworden bin wer ich nun bin...habe ich das alles am eigenen Leben erfahren...stundenlang schuften, keine Freunde, kein Familienleben...Das Leben kann sehr hart sein. Aber gerade deshalb...sollte man doch dann nur solche Hobbys unternehmen, die einem Freude bereiten, nicht?
Sie fügt im Stillen noch etwas hinzu, doch ich kann mir denken, was es ist. Ich sage aber nichts dazu; jemand, der solche Dinge durch hatte wie Jodie...der stolpert immer wieder darüber wie einsam es werden kann. Jemand, der sein ganzes Leben mit jemandem verbracht hat, der einem näher war als alles andere...
Ich werfe ihr einen Blick von der Seite her zu, schmunzle dann, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob sie das noch sehen kann. „Tja, einen Vorteil muss es ja haben, wenn man überall im Multiversum gleichzeitig sein kann." Ich lache kurz auf, ehrlich amüsiert, ehe ich wieder ernster werde. „Gerne", ergänze ich dann, leiser.
„Von solchen Menschen gibt es dort draußen mehr als du vermuten würdest, aber die wenigsten davon kommen an so etwas heran wie wir...", erkläre ich, leicht nachdenklich. Sie wirkt überrascht, dass sie damals auf Menschen getroffen ist, die ähnlich mit der anderen Seite, den Schatten, verbunden gewesen sind wie sie...doch es gibt viele Menschen dieser Art – und viele von eben diesen wissen nicht mal, was sie beherrschen oder tun...es ist einfach ein natürlicher Teil von ihnen...
Wieder schmunzle ich leicht, betrachte sie von der Seite. Es klingt nicht so, als wäre es nur irgendein Mensch gewesen...viel mehr so, als hätte sie jemanden gefunden gehabt, der...wirklich für sie gemacht ist...Umso trauriger, dass es keinen Bestand gehabt hat. „Manchmal sollte man gar nicht so viele Gedanken daran verschwenden, was hätte werden können, wenn nicht dies oder das geschehen wäre...sondern man sollte einfach schätzen, dass es gewesen ist", spreche ich wie vor mich her. Den Dingen nachtrauern, bringt sie nicht wieder zurück, darüber zu sinnieren, was hätte werden können, hält einen nur davon ab, im Hier und Jetzt zu leben, das Leben zu leben, das man hat...und die Erinnerungen als solche zu ehren, was sie gewesen sind...schön und rein und belebend.
Und nicht zuletzt bringt sie mich damit auch auf eine Idee!
Nachdem ich bereits am Zaun der Pferdekoppel stehe und die schönen Tiere betrachte, wende ich mich zu ihr, nachdem ich ihre Frage gehört habe – auf meinen Lippen ein freches Grinsen, schelmisch. Ich reibe mir kurz die Hände. „Oh, ich hoffe doch, dass wir die Leute hier davon überzeugen können!" Vielleicht können wir uns ja einem kleinen Treck anschließen, viele Ranches und Höfe reiten doch regelmäßig aus – wieso als nicht einfach jemanden mitnehmen?
Mit diesem Gedanken richte ich mich auf, und gehe auf das große Wohnhaus zu, steige die Stufen nach oben, um uns anzumelden. Die kleine Veranda ist mit Blumen und Pflanzen geschmückt, auch wenn diese zu dieser Jahreszeit schon nicht mehr ganz so strahlend und lebendig aussehen wie sie es wohl im Frühjahr und Sommer getan haben. Schönes dunkles Holz formt die Veranda, die mit Mustern und Gestaltungen in das ebenso aus stabilem Holz gebaute Haus übergehen. Ein schwarz gemalter Nagel drückt auf den gläsernen Knopf der Klingel, dann wird es kurz still, ehe es etwas Tumult gibt, dann öffnet ein hoch aufgeschossener Mann mit schwarzen Haaren die Tür. „Äh, ja...?", fragt er leicht verwirrt. „Kann ich...helfen?"
„Hey hey", sage ich fröhlich. „Meine Freundin und ich waren gerade in der Nähe und haben ihre Ranch gesehen und uns gefragt, ob wir vielleicht den Tag mit den Pferden verbringen könnten...?" Ich winke Jodie zu uns heran, die noch schüchtern bei der Koppel steht. „Wir würden uns selbstverständlich auch an den, äh, unschöneren Arbeiten beteiligen, wenn es so um Tiere geht." Ich grinse ihn breit und einnehmend an, stehe aufrecht, die Hände hinter dem Rücken verschränkt.
Ich kann selbst nicht sagen, wie ich ihn überzeugt habe, doch etwa eine halbe Stunde später finden sich Jodie und ich im Stall wieder, die Pferde pflegend, während er uns erklärt, wo und wie man die Pferde aufzusatteln hatte...

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Jodie
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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Jodie am 17.02.2025 06:53

"Es hat doch gut getan.", rechtfertigte sich Jodie, nach Beth' kleinem Monolog über Hobbys und sah nun ebenfalls zu ihr. Sie zuckte leicht die Schultern. "Ich hab halt nur nicht das Gefühl, dass 'Spaß' der richtige Begriff dafür ist. Eher friedlich. Aber das... konne ich nach allem gut gebrauchen." Auch wenn Aiden einfach fehllte. Er fehlte einfach...

Ein kurzes schwaches Lächeln zuckte über Jodies Lippen, als Beth meinte, es habe manchmal doch Vorzüge in Multiversen zu leben. Der Gedanke, dass die Form von Aiden, wie sie ihn kannte, in diesen anderen Realitäten nicht existierte... dass sie da dann stattdessen wirklich einfach einen Zwillingsbruder hatte - tot oder lebendig - war befremdlich. Und irgendwo auch niederschmetternd. Es hatte ein gefühl der Endgültigkeit. Sie würde ihn nicht finden; sie konnte ihn nicht finden...
Sie hatte sich getraut, Beth von der Ranch zu erzählen, von den Leuten da und von ... Jay. Jodie dachte öfter an ihn, als sie zugeben wollte. Vielleicht würde sie ihn irgendann nochmal besuchen. Er hatte es ihr angeboten. Er würde immer da sein. Dort würde wie vielleicht auch Frieden finden. Es war eine ganz kurze Zeit in ihrem Leben gewesen - wo sie wirklich für einige Stunden glücklich gewesen war und ihre eigenen Probleme einfach hatte hinter sich lassen können. Es war so weit außerhalb... sollte sie es wirklich noch schaffen, sich in diesem Leben irgendetas halbwegs normales aufzubauen... dann da. Das konnte sie fühlten und da war sie sich sicher. Ja, sie wollte dorthin zurück. Beim Sinnieren hatte sie mal wieder völlig vergessen, Beth zu antworten. Sie schreckte aus ihren Gedanken auf. "Ich schätze die Zeit.", sagte sie. Und nach einigem Zögern fügte sie hinzu. "vielleicht... kehre ich ja auch irgendwann zu ihm... dahin zurück..."
Schon bald waren sie an der Ranch, die Beth erwähnt hatte, angekommen. Noch bevor Jodie etwas sagen oder Beth vielleicht abhalten konnte (Jodie hatte wirklich keine Erfahrung in Kontakt mit anderen), war Beth schon durch das Tor und marschierte zum Haus. Jodie blieb unsicher am Tor selbst stehen und wartete. Sie beobachtete, wie ihre Freundin auf die Veranda ging und klingelte. Kurz darauf wurde die Tür schon geöffnet. Sie wartete - und dann wurde sie herangewunken. Sie seufzte. "Du schaffst da, Jodie.", urmelte sie leinte, sehnte sich einmal mehr Aiden herbei und setzte ihre Beine in Bewegung. Langsam näherte sie sich den beiden redenden.
Alles in allem war Jodie froh, dass Beth die Konversation führte. Wahrscheinlich musste der Mann denken, dass sie stumm war. Erst im Stall, als Jodie sich für einen hübschen Fuchs entschied, öffnete sie zum ersten Mal den Mund: "Wie heißt er?", fragte sie und streicihelte seinen Hals.
"Torpedo", antwortete der Mann, nachdem er kurz äußerst überrascht zu ihr aufgesehen hatte. Danach fuhr Jodie fort, sich um Torpedo zu kümmern, sprach sanft mit ihm, so wie es damals getan hatte, striegelte ihn, kratzte die Hufe aus und mistete den Stall aus. Sie fragte sich, ob Torpedo wirklich auch ohne Aiden sich mit ihr verstehen würde. Aber sie mussten es versuchen, oder? An der Leine führten sie die Pferde nach draußen, wo sie mithilfe der Anleitung des Rangers dann auch aufsattelten. Torpedo schien geduldig mit ihr zu sien. Er schnaubte hin und wiede rund scharrte mit den hufen, blieb sonst aber an Ort und Stelle und immer wieder lobte Jodie ihn, indem sie ihn auf den Hals klopfte. Dann kam der große Moment. Ihr Herz hämmerte wild - und doch musste sie zugeben, dass ein Teil von ihr sich unglaublich auf das hier freute. Sie stellte einen Fuß in den Steigbügel und schwang das andere Bein herüber. Es funktionierte reibungslos, geschmeidig sogar, schon saß sie auf dem hohen Pferderücken. wieder schnaubte sie Torpedo und lobend klopte sie ihm auf die Schulter. Sie erinnerte sich an die Ranch die sie kannte, nahm die Zügel und zog sanft an dem rechtne, damit Torpedo sich umwandte und sie Beth ansehen konnte. "Wohin wollen wir reiten?", fragte sie und tatsächlich erschien ein Lächeln, ja fast sogar Grinsen auf ihrem Gesicht.

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Beth

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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Beth am 19.04.2025 15:12

Hobbys können einem auch Frieden bringen, das stimmt wohl, doch sie ist ja schon selbst zu dieser Erkenntnis gekommen, als sage ich nichts mehr dazu, lasse das Thema entschwinden, während wir uns einem anderen zuwenden; Teile ihrer Vergangenheit, die manchmal einfach nach oben treiben, entweder weil sie sie besonders ehrt oder sie eine tiefere Bedeutung für sie und ihren Weg haben (oft tiefer, als sie es selbst zugeben will), dringen manchmal einfach aus Jodie heraus, das fällt mir auch hier mal wieder auf. Natürlich erzählt sie den Leuten deshalb nicht bereitwillig alles, was durch ihren Kopf geht. Also, ja, ich fühle mich geehrt, dass sie mich darin eingeweiht hat...in die Ranch...und den Mann, der ihr scheinbar sehr nahegegangen ist.
Ich schmunzele. Sicher, solche Erfahrungen macht wohl jeder mal, aber Jodie spricht und grübelt darüber nach wie ein 14-jähriges Mädchen...Ihr Leben hat ihr wirklich die Dinge genommen, die für andere ganz selbstverständlich sind und schon in frühen Jahren auftauchen. Mein Schmunzeln weicht bei dem Gedanken einem nachdenklichen Gesichtsausdruck.
„Warum solltest du nicht zu ihm zurückkönnen", frage ich und sehe sie von der Seite her an, als wir weiter so durch die Wildnis stolpern. Sie klingt fast so, als hätte sie etwas schlimmes getan, um ihn vor den Kopf zu stoßen. Doch so wie sie an ihn denkt...wie ein Teenager...könnten auch diese Zweifel nur die Ängste eines kleinen Mädchens sein, dass sich davor fürchtet, jemandem gegenüber zu treten, von dem sie denkt, ihn verletzt zu haben...Doch man kann nur reifen und erwachsen werden, wenn man auch für sich einsteht – und als Person wächst. Egal, wann man im Leben an diesen Punkt auch kommen muss.

Einige Zeit später, nachdem ich den Mann etwas bezirzt habe, und wir ihm gern auf der Ranch geholfen haben, um uns die Zeit mit den Pferden auch zu verdienen, sind wir dann im Stall. Und Jodie hat sich in einen ganz anderen Menschen verwandelt – so offen und strahlend habe ich sie selten erlebt. Hm, nur dass diese Beth noch nie auf einem Pferd gesessen hat. Aber...das Multiversum bat unendliche Möglichkeiten – mit geschlossenen Augen drehe ich meinen Kopf leicht zur Seite, lasse ihn auf meine Schulter fallen, drehe ihn noch mal leicht...Nein, das ist es nicht, das auch nicht, hier nicht...hm, falsch abgebogen...Aber dann, nachdem ich durch unendliche bunte Bilder gescrollt habe wie durch ein Daumenkino sehe ich sie...Beth, eine erfolgreiche Karriere als Reiterin seit kleinster Kindheit. Ich atmete durch die leicht geöffneten Lippen ein und spüre, wie meine Muskeln sich anspannen, jede noch so kleine Sehne sich streckt und dann wieder entspannt...mir wird heiß am ganzen Körper und meine Nackenhaare stellen sich mir auf...es prickelt, als die Beth von mir Besitz ergreift und ich sie gleichzeitig zu mir einlade, ich mich mit diesem Selbst aus einer anderen Welt verbinde und wir beide ein Teil voneinander werden, unendlich und enger verschmolzen als ich es gerade mit irgenndeinem anderen Ich war...Ich bin überall gleichzeitig, und doch kann ich auch hier und dort sein, hereinzoomen und wieder herauszoomen. Ich sehe die Beth auf der Ranch und ich sehe mich auf meinem Pferd und gemeinsam reiten wird...schließlich öffne ich meine Augen und setze meinen Kopf wieder an seinen Platz; unendliche Möglichkeiten und auf einmal kann ich reiten...auch wenn mein Pferd ein wenig Abstand genommen hat. Die schokoladenbraune Stute beäugt mich misstrauisch und ich trete vorsichtig an sie heran, die Hand höflich geöffnet, ehe ich sie sachte an ihren Hals legte. Sie beruhigte sich...
Einige Minuten später habe ich dann auch aufgesessen und sah Jodie auf ihre Frage hin an. „Keine Ahnung", erwidere ich und zucke mit den Schultern. „Gibt es hier einen Ort, den du unbedingt schon mal sehen wolltest, irgendwo, wo du hinwolltest?" Ich will ihr die Führung überlassen, immerhin machen wir das hier für sie.

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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Jodie am 26.04.2025 16:14

Jodie antwortete nicht sofort. Wie immer dachte sie erst nach, kamen erst tausende Gedanken, die Beth' Frage nach sich zogen. Was hielt sie davon ab, einfach zu ihm zurückzukehren? Eigentlich lag es auf der Hand: das Problem war sie selbst. Man sah doch, in welchem Chaos sie lebte in dieser kleinen Hüte in Alaska, die voller fliegender vollgekritzelter Papiere war. Sie kam nicht mehr heraus, sie hatte keinerlei soziale Kompetenzen. Wenn sie noch nicht einmal mit sich selbst zurechtkam, mit diesem klitzekleinen Leben in der Hütte, wie sollte sie dann mit einem Leben dort draußen zurechtkommen? Sie hatte Alpträume und Schlafstörungen, Aiden fehlte ihr und alles in allem war sie nichts anderes als ein Wrack. Das woltle sie Jay nicht zumuten. Sie wollte ihm sich nicht zumuten. Wenn es ihr irgendwann besser ginge... dann vielleicht. Wobei man natürlich nie wusste, was die letzten Jahre Jay gebracht haben mochten. Vielleicht war er ja gar nicht mehr auf der Ranch. Oder vielleicht hatte er eine Frau gefunden, die er liebte. Alles war möglich, oder? Und sie würde ihm ein solch normales Leben sogar wünschen, nach allem was er durchgemacht hatte...
Schon wieder hatte sie nach einer Frage viel zu lange geschwiegen. Doch wie sollte man das alles in Sätze verpacken? Wie aussprechen und erklären? Zumal Jodie nicht zu den Menschen gehörte, die ihre Probleme und Gedanken gerne mit anderen teilte. "Du hast gesehen, wie ich lebe. Soll ich ihm das wirklich antun?", fragte sie also Beth mit einem gespielten schrägen Lächeln und sah sie an. Ja, es war schwarzer Humor. Aber immerhin besaß sie noch Humor!

Einige Zeit später - nachdem sie die nahe Ranch erreicht hatten und sich nach Erlaubnis des Besitzers um den Stall und die Pferde gekümmert hatten - saß Jodie auf ihrem Fuchs Torpedo und beobachtete Beth. Bisher war sie nur selten dabei gewesen, wenn Beth zwischen Realitäten wechselte. Sie wusste von dieser Begabung, von ihrer Verbindung die sie hatte, diesen Multiversen und war immer wieder fasziniert davon. Aiden wäre das sicher auch gewesen...
Sie wusste nicht, was genau Beth tat, hatte aber eine Ahnung, ein Gefühl - als würde ein restlich verbliebender Teil von Aiden in ihr die Schwinungen empfangen - dass gerade etwas vor sich ging. Fast erwartete sie, das Beth plötzlich ihre Gestalt oder ihre Kleidung geändert hätte, aber nein. Als sie wieder aufblickte, sah sie genauso aus wie zuvor - nur ein Schimmern war in den Augen... und da war dieses unbestimmte Gefühl des Jenseits, das Gefühl, dass da... mehr war. Vielleicht würde Jodie Beth später mal danach fragen.
Erst einmal hatte Beth nun schwungvoll und leichthändig aufgesetzt, als hätte sie nie etwas anderes getan. Bei Beth Frage zuckte Jodie mit den Schultern. "Ich bin ja nie wirklich aus der Hütte rausgekommen. Wollen wir die Gegend einfach etwas erkunden?" Sie lenkte ihr Pferd auf das Gatter zu, um von der Ranch runter zu reiten und einen x-beliebigen Weg einzuschlagen. Wieder hingen ihre Gedanken bei Jay. Damals hatte er ihr die Gegend gezeigt, in der er aufgewachsen war. Die Wasserstellte. Den Baum seiner Ahnen, mit den Gräbern. Und nach dem Tod seiner Großmutter hatte er sie sogar zu ihrem heiligen Friedhof mitgenommen, den eigentlich nur sein Volk kannte. Es war wahrlich magisch gewesen. Jodie hoffte, dass es seiner Großmutter im Jenseits gut ging... sie war eine gutherzige alte Frau gewesen.
Sie blinzelte und schüttelte leicht den Kopf, um wieder in der Gegenwart anzukommen. Sie wandte sich um und lächelte Beth' zu. Es war ein schönes Gefühl, wieder auf dem Pferderücken zu sitzen. Es fühlte sich nicht so spielerisch leicht an wie mit Aiden, doch instinktiv wusste sie was sie zu tun hatte. Sie schnalzte mit der Zunge, drückte ihre Füße leicht in die Flanken von Torpedo und trieb ihn so erst in den Trab, dann in den Galopp. Sie jagte über unbekannte Wege und seit Ewigkeiten erfüllte sie wieder Freude. Freude und Sehnsucht. Der Gegenwind trieb ihr Tränen in die Augen und sie hatte ein stummes Lächeln auf dem Gesicht. So musste sich Freiheit anfühlen...

Antworten Zuletzt bearbeitet am 26.04.2025 16:16.
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