Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)
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Jodie
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Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)
von Jodie am 02.11.2023 09:11
Beth & Jodie Holmnes

Quelle: Pinterest Quelle: Giphy
Seit nunmehr 6 Monaten hat sich Jodie Holmes nach der Zerstörung der Beta-Sonne und dem Verlust Aidens in eine Hütte in den Wäldern Alaskas zurückgezogen und versucht, sich an ihr Leben zu erinnern, es zu ordnen und zu verstehen. Es fällt ihr schwer, die Motivation und die Möglichkeit zu sehen, in die Welt zurückzukehren - wie soll man Leben, wenn man gar nicht weiß, wie man wirklich lebt? Doch da meldet sich ihre Freundin Beth, die genau wie sie Kontakt zur Anderswelt hat - nur noch sehr viel mehr und bewusster. Auch wenn Beth weit von jeglicher Norm entfernt ist, gibt sie ihr Bestes, um ihrer Freundin zu helfen, wieder zu sich selbst und auch einen Platz für sich in dieser Welt zu finden...
Jodie
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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life
von Jodie am 02.11.2023 09:57Sie hatte sich ihre Daunenjacke angezogen. Das Pelz von der Kapuze kitzelte sie leicht an den Wangen. Sie trug ihre schwarzen fingerlosen Handschuhe, saß auf der Veranda und wärmte sich die finger an einem Becher heißen Tee. Ihr Blick glitt über die Bäume. Der Herbst hatte Einzug gehalten und ließ die Blätter in den verschiedensten farben erstrahlen: gelb, rot, orange, braun, ...
Es raschelte, als der Wind durch sie hindurchstrich und bei einer stärkeren Böe, schwirrten die abgefallenen Blätter plötzlich durch die Luft, landeten auf dem Kleinen See und eines verirrte sich geradewegs in Jodies Tee. Sie betrachtete es, wie es dort auf der Oberfläche schwomm. Die harte Nervatur, das dunkle Braun in dem hellen Orange, das hier und da mit rötlichen Flecken durchsetzt war. Das Blatt war am ende seiner Lebensspanne angekommen, doch der Baum, sein Ursprung, existierte weiter. Auf welcher Stufe ihre Lebens sie selbst wohl stand? War sie dieses Blatt, benutzt und tot, dass in ihrer Tasse Tee schwamm, aufgeopfert für das Allgemeinwohl? Oder war sie doch eher der kahle kalte Baum, der sich geschüttelt und alle seine Erinnerungen und seinen Ballast losgeworden war, um die karge Zeit irgendwie überstehen zu können.
Sie seufzte leise, fischte mit spitzen Fingern das nun durchnässte Blatt aus ihrem Getränk, warf es beiseite und nahm einen kleinen Schluck.
Sie hatte nicht den Hauch einer Ahnung, we lange sie nun schon ihr Dasein in dieser Hütte fristete. Es musste Frühjahr gewesen sein, als sie angekommen war, denn an den kahlen Zweigen hatten neue Blüten gesprossen. Aber vielleicht waren das auch wieder nur alte Erinnerungen, die sich mit neueno der anderen vermischten. Stunden und Tage hatte Jodie damit zurgebracht, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Alles, was ihr gerade in den Kopf kam. Die Zeit bei der CIA, Ryan, ihre Kindheit, ihre Eltern, die Experimente, Aiden, ihre leibliche Mutter, die Zugfahrt, ihre Flucht, die Obdachlosigkeit, die Ranch, die Beinah-Vergewaltigung in ihrer Jugend, das Mobbing... alles. Alles was ihr irgendwie in den Kopf kam, schrieb sie nieder. Vo ein paar Tagen ahtte sie all diese Blätter kreuz und quer auf den Boden ausgebreitet und versucht, sie in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. Um Logik zurückgewinnen. Ordnung in ihr System. Ihre Erinnerungen und erfahrungen. Um.. zu verstehen was alles geschehen war. Die Beta-Sonne. Sie schloss die Augen und konnte die riesige Masse schwarzer Energie wieder vor sich sehen. Die Monster. Die Zwischenwelt. Die toten Seelen.
Ihr war kalt. Der Tee war leer, auch wenn sie sich nicht ekrlären konnte, wie das so schnell passiet war. Oder hatte sie mal wieder Stunden heir gesessen ohne es zu merken? Das war auch oft gewesen. Es hatte viele Tage gegeben, in denen sie nicht einmal aufgestanden war. Oder in denen es viel gewesen war, wenn sie es schaffte sich etwas zu Essen zu machen. Oder zu duschen. Zeit... war ein seltsames Konstrukt. Und sie hatte kein Zeitgefühl mehr. gar keins. Vielleicht hatte sie es auhc noch nie besessen.
Sie stand auf um reinzugehen, als sie glaubte, ein Flüstern in dem Wind und dem rauschen der Blätter zu hören. Es flüsterte ihren Namen: Jodie. Sofort regnete sich Hoffnung in ihr. Schmerzhafte, unerfülltbare Hoffnung. Sehnsucht.
"Aiden?", fragte sie in die Natur, in den Wind hinein, mit leiser, bebender, hoffungsvoller und gebrochener Stimme - denn sie wusste doch, dass er weg war. Wäre er noch da... wäre er noch da, hätte er sich doch schon lange weider gemeldet... hätte sie es doch schon lange wieder gespürt. Sie war so einsam ohne ihn. Der Wind antwortete nicht. "Aiden?", fragte sie nochmal, doch schon mit weit weniger Hoffnung. Nein, sie hatte es sich wohl nur eingebildet. So musste es sein.
Sie ließ den Kopf hängen und legte ihre Hand auf den Griff der Veranda-Tür, um diese zu öffnen und wieder hineinzugehen...
Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)
von Beth am 02.11.2023 14:00Der Wind weht mir frisch um die Nase, fährt in meine Haare und droht fast, sie mit sich zu reißen, ein blond-rosa Schleier vor meinen Augen, umher tanzend, immer wieder mal den Blick freigebend auf die Stadt zu meinen Füßen. Mit ein paar Schritten habe ich den Weg zur Kante zurück gelegt, um mich zu setzen. Meine Chucks in der Luft baumelnd, lehne ich mich zurück, mein schwarzer Mantel gibt dabei widerwillig der Bewegung nach, am Ende beugt er sich jedoch trotzdem meinem Willen.
Es ist ein kalter Herbsttag in New York. Hier oben über den Dächern noch einmal sehr viel deutlich spürbar. Aber ich genieße die Aussicht von hier oben, auf die Straße nach unten zu sehen und einmal eine andere Perspektive zu gewinnen. Es kann einem klarmachen, wie klein man doch am Ende ist – und es hilft mir beim Fokussieren...auf das Hier und Jetzt, die Welt, in der ich gerade stecke...Meine Heimaterde, auf der alles angefangen hat. Ich bin nur selten hier – schon allein, weil alle, die ich kenne, denken, ich sei tot...nun, ich bin ja auch gestorben, in dieser Realität. Mein Tod, mit dem alles seinen Anfang genommen hat. Ein guter Ort, um etwas zu meditieren...oder jedenfalls zu versuchen, seine Mitte zu finden. Ironisch, nicht?
Ich lass mich nach hinten sinken, schaue in den grauen Himmel hinauf. Dies ist nur ein New York von vielen Millionen dort draußen. Und keiner der Menschen auf den Straßen dort unten weiß das überhaupt. Ein echt abgefuckter Gedanke. Irgendwo dort unten läuft jetzt gerade eine Jennifer herum, mit einem „YOLO"-Tattoo am linken Unterarm, die sich eine Schalter Zigaretten kauft. Aber...wenn ich mich nur auf die Seite drehe und die Augen schließe, sehe ich vielleicht Jennifer...und sie ist Anwältin, Kinderärztin, Designer...Und doch...würde auch sie denken, dass sie die einzige dort draußen ist.
Ich seufze, schließe meine Augen wirklich für einen Moment.
Doch ich sehe nicht Jennifer, keinen John oder Michael. Ich sehe...
Eine Freundin. Wie ich starrt sie in den Herbsttag hinein...fast in der Hoffnung, als würde ihr jemand antworten, wenn sie nur angestrengt genug lauscht. Mit einem leichten Schmunzeln öffne ich wieder meine Augen. Ich habe eine Idee.
Ich richte mich wieder auf, werfe noch einmal einen Blick auf die Stadt. Dann neige ich den Kopf zur Seite und ziehe ihn dann in einer schnellen Bewegung wieder an seinen angestammten Platz.
New York ist verschwunden. Stattdessen sehe ich einer blonden Frau mit Akne direkt ins Gesicht. Ich bin in einem Juwelier – und sie hält mir eine silberne Halskette mit einem großen blauen Stein entgegen. „Miss...?", hakt sie nach und betrachtet mit leicht besorgt. Ich schenke ihr ein sanftes Lächeln. „Ich nehme sie", erwidere ich und greife in meine schwarze Lederhandtasche, um zu bezahlen.
Fünf Minuten stehe ich auf einer matschigen Straße, die Halskette um meinen Hals, und betrachte mich in einem leeren Schaufenster eines geschlossenen Geschäfts. Yara, wie meine Variante hier heißt, ist ein ziemlicher Emo und ich muss zugeben, dass ich mich an mir kaum sattsehen kann – schwarze Haare mit einer fetten blauen Strähne im Pony, der die Hälfte meines Gesichts bedeckt, schwarz gemalte Lippen und ein satter Lidstrich an den Augen mit blauen Reflexen. Dann, eine schwarze Lederjacke, Netzstrümpfe und kniehohe Lackstiefel mit flachen Absätzen, mein karierter Minirock ist Sigillen und Pentagrammen geschmückt. Die silbernen Ohrringe mit einer langen Kette und umgedrehten Kreuzen hängen mir bis auf die Schultern. Mehrere Lederbänder schmücken meine Arme.
Ich mache mich auf den Weg zur Bushaltestelle – ich muss noch etwas rausfahren – und besorge mir dann in der kleinen Stadt einen Fahrer, der mich für ein paar Dollar zu der Adresse fährt, die ich ihm nannte. Auf der Fahrt sehe ich aus dem Fenster. Alaska ist ein schöner Ort, wenn man die richtigen Ecken kennt, natürlich. In der Spiegelung des Fensters kann ich Jodie auf ihrer Veranda sehen. „Ich komme Jodie", hauche ich der Spiegelung zu, ehe sie mit der Landschaft vor dem Fenster verschwimmt und ich wieder nur aus dem Fenster sehe.
Etwa zwei Stunden sind vergangen. Mit einem Lächeln verabschiede ich mich von meinem Fahrer, der die Landstraße weiter fahren wollte – er wohnt wohl wohl einige Ortschaften weiter´und kennt deshalb diesen einsamen See mit nur einer einzigen Hütte.
Ich laufe die letzten hundert Meter und erreiche dann endlich die Vordertür. Sachte klopfe ich und warte gespannt. Es ist etwas her, dass wir uns kennengelernt haben. Es ist mehr...ein überraschendes Aufeinandertreffen gewesen. Seitdem ist einige Zeit vergangen – ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie die Zeit im Blick gehabt hat...es scheint eine Schwäche von ihr zu sein. Aber deshalb bin ich ja hier!
Schließlich öffnet sich die Tür. „Heeey", sage ich und halte meine Arme hoch wie zur Umarmung. „Bereit, dass man sich mal aus diesem Loch holt?"




Jodie
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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)
von Jodie am 05.11.2023 15:56... als es klopfte.
Jodie zuckte heftig zusammen und ließ ihre Tasse fellen, die laut auf dem Boden zerschellte. "Scheiße!!", fluchte sie, manövrierte die Scherben vorsichtig mit ihren Hausschuhen die sie trug zur Seite (sie würde sie später zusammenkehre - hoffentlich vergaß sie es nicht) und betrat dann das innere der Hütte. Wer zur Hölle klopfte?? War es doch Aiden? Aiden, der nur wieder mit ihr spielte, der...?
Ihr Herz raste immer schneller, je mehr sie sich der Tür näherte. Gleich würde sie von selbst aufschlagen, und ein leises Heulen wie der Wind der heinwehte würde Aidens Rückkehr ankündigen. Sie wusste es, sie wusste es ganz genau.
Doch noch immer war nichts geschehen und sie war nun schon fast bei der Tür angekommen. "Aiden, wo-", begann Jodie in den Raum zu sprechen und öffnete die Tür für ihren unsichtbaren Zwillingsbruder, der sie ihr ganzes Leben als Art Energiequelle und Schutzschild begleitet hatte, untrennbar mit ihr verbrunden, doch... doch es war nicht Aiden.
Ein Emo-Mädchen stand vor ihr. Blaue Strähnen in ihren Haaren, schwarze Netzstrumpfhose, Pentagramme auf dem karieren Mini-Rock, schalkhaft funkelnde Augen. Trotz der Erscheinung brauchte Jodie keine Sekunde lang zu überlegen. Es war die Energie die ihr offenbarte, wer sie war. Und sie meinte die spirituelle Energie, nicht die körperliche.
"Beth?", fragte sie ungläubig und versuchte sich ihre Enttäuschung nicht anmerken zu lassen, als sie ihre Freundin fest in die Arme schloss. Sie atmete ihren Duft ein, der sie aus irgendeinem Grund entfernt an Zimt erinnerte. "Was machst du denn hier??" Sie trat zurück, um sie einzulassen und schloss die Tür hinter hir. Die Frage, woher Beth gewusst hatte, dass sie hier war, sparte sie sich. Es war Beth. Sie war wie Aiden, nur... noch so viel mehr vernetzt. In allen Welten, allen Dimensionen, allen Möglichkeiten. Wenn sie wollte, konnte Beth einen immer finden. In jeder Zeit, an jedem Ort. "Möchtest... möchtest du etwas trinken..?"
Sie sah sich um. Ihre Hütte war denkbar chaotisch. Auf dem Boden waren noch immer kreuz und quer ihre Notizen verteilt, der Schreibtisch war mit etilchen runden Kaffeeflecken von dem Becher bedeckt, Stifte und Bücher flogen hier und dort herum, ebenso wie die Wäsche. Sie spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde. "I-ich habe nicht mit Besuch gerechnet. Ich... also..." Rasch begann sie ihre Kleidung vo Boden aufzuklauben und in den Wäschekorb neben dem Schreibtisch zu schmeißen. Gut, dass - abgesehen vom Badezimmer - alles ein raum war. Links von der Eingangstür stand ein Doppelbett mir rot karierter Decke, das ziemlich zerwühlt war. Geradeaus von der Eingangstür ging es auf die Veranda, links davon war besagter Schreibtisch, und rechts an der Wand war die Küchenzeile. Die Tür zum Bad war zwischen ihrem Bett und dem Schreibtisch an der linken Wand. "Tut mir leid, die Unordnung.. also... ich..." Sie versuchte auch noch ihre Papiere und Erinnerungen aufzuklauben. Warum hatte Beth sich nur nicht angemeldet?
Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)
von Beth am 22.11.2023 15:02Von drinnen ist einiger Lärm zu hören und...ist das eben splitternde Keramik gewesen?!
Ich runzle leicht die Stirn. Mag es zwar, nun ja, ich sein, aber deshalb muss sie ja nicht gleich über ihre Einrichtung stürzen, um zur Tür zu kommen!
Fast möchte ich noch einmal Klopfen, besinne mich dann aber eines Besseren und lasse es lieber bleiben. Sie lebt allein hier draußen – wenn sie noch mehr teure Keramik zerstörte, hat sie heute Abend vielleicht nichts mehr, von dem sie essen und trinken kann!
Also falte ich die Hände und warte.
Dann geht die Tür auf.
Heeeeey.
Fast hätte ich Tadaaa gerufen, aber der Ausdruck auf ihrem Gesicht macht mir auch so den Auftritt schon kaputt. Wirklich? Enttäuschung?! Pfft.
„Äh, Entschuldigung?!", sage ich entrüstet und blicke sie schief an. Es ist ja nicht so, dass ich mir nicht vorstellen kann, aus welchem Grund sie enttäuscht ist – immerhin hat eben so etwas wie ein Geist an die Tür geklopft, nur dass es leider nicht IHR Geist ist, der, den sie verloren hat, und der mit der Grund ist, aus dem sie überhaupt hier, einsam, in der alaskanischen Wildnis haust wie so ein Einsiedler.
Aber genau deshalb bin ich doch jetzt hier! Etwas mehr Enthusiasmus wäre nett!
Wenigstens kommt es am Ende doch noch zu unserer Umarmung und dann trete ich an ihr vorbei in ihr kleines Zuhause. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass hier eine Bombe eingeschlagen hat – und mal unter uns, auch das würde mich bei Jodie nicht wundern. Ich habe nicht viel aus ihrer Vergangenheit erfahren können – es ist sehr schwer nachzuverfolgen, denn es gibt so gut wie keine andere Versionen von ihr dort draußen. Und die, die ich finden kann, die...sind nicht wie sie. Sie sind normal aufgewachsen – einige mit einem Zwillingsbruder, andere ohne. Aber keine davon...ist wie Jodie. Es ist...als wäre sie eine ganz außergewöhnliche Anomalie, in der sich zwei mögliche Realitäten so überschnitten, dass damit gewisse Naturgesetze gebrochen worden waren, als sie geboren wurde. Ein Mensch, besessen von einem Geist, der eigentlich ihr Zwillingsbruder geworden wäre, und der ihr auf eine gewisse Weise besondere Kräfte verlieh...
„Nah", erwidere ich schließlich und winke ab. Ich habe eigentlich auch nicht vor, hier zu bleiben – also, na ja, dass wir beide hier bleiben, ist nicht im Plan. Immerhin will ich sie ja aus ihrem Schneckenhaus holen!
Ich mache noch ein paar Schritte in die Hütte und beobachte sie, wie sie zügig ein paar Dinge von rechts nach links, von hier nach dort räumt, in der Hoffnung, damit das Chaos etwas zu beseitigen – kurzer Check: Nein, es funktioniert nicht. Ich hingegen beuge mich kurz nach vorn und hebe einen der zerknitterten Zettel auf, die überall herumliegen. Auf den ersten Blick ergibt nichts darauf Sinn – und viele Papiere ähneln sich stark. Doch auf den zweiten Blick...macht es immer noch nicht viel her. Deshalb werfe ich das staubige Stück Papier mit einem Kaffeefleck an der Seite lässig über die Schulter und gehe weiter.
Ich grunze kurz auf. „Als ob Unordnung bei dir etwas neues wäre", kichere ich. Und überhaupt ist so etwas doch auch gar nicht schlimm – mein Zimmer und später meine Wohnung sind schon immer ein Schlachtfeld gewesen.
„Was hast du fallen lassen?", frage ich nebenbei, während sie immer noch hier und dort etwas räumt. „Und, viel wichtiger, bist du schon weitergekommen...in der Frage nach der Ordnung deiner Erinnerungen...?" Allerdings verrät mir ein weitere Blick durch den Wohnbereich, dass dem vermutlich nicht so ist. Wenn überhaupt, dann herrscht eine noch größere Unordnung als das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe.
Und doch bin ich auch etwas nachdenklich, als ich mich an die Küchenzeile lehne und noch mal auf einige der Notizen sehe. In ihrem Kopf muss es ganz genauso aussehen. Natürlich ist es da sehr schwer, bestimmte Dinge zu finden – geschweige denn eine gewisse Ordnung einbringen zu können, wenn einmal alles durcheinander geraten ist.
„Ich weiß, es hilft vielleicht nicht, aber...wir haben doch schon mal über die, nun ja, Unendlichkeit des Multiversums und seiner Möglichkeiten gesprochen...nicht?", hebe ich dann an. Ich habe ihr nie erzählt, dass ich andere Jodies gefunden habe, aber keine wie sie war...Vielleicht ist es an der Zeit, genau das zu tun...




Jodie
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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)
von Jodie am 05.12.2023 11:30"En-Entschuldige!", sagte Jodie schnell, als ihr auffiel, dass sie Beth offensichtlich vor den Kopf gestoßen hatte mit ihrer Begrüßung. "Ich hatte einfach... also..." Ich hatte Aiden erwartet, dachte sie ihren Satz zu Ende, sprach ihn jedoch nicht aus. Das ganze mit der Beta-Sonne war nun schon so viele Monate her, fast ein Jahr (oder war es sogar schon ein Jahr her)? Es wurde Zeit, dass sie sich eingestand, dass Aiden nicht mehr zurückkommen würde. Egal wie sehr er ihr fehlte. Es war töricht, noch immer nicht weitergekommen zu sein. Sie biss sich auf die Unterlippe, drehte sich auf den Absatz um und ließ ihre Freundin in die Hütte, während sie verzweifelt versuchte, irgendwie zumindest halbwegs Ordnung zu schaffen (was sich ungefähr so erfolgreich anfühlte, wie bei starkem Wind Laub zu harken).
Sie spürte, wie ihre Wangen rosa anliefen, als Beth ihren mangelnden Ordnungssinn ansprach. Es war nicht unbedingt so als hätte sie Unrecht. Ihr Zimmer damals im Department for Paranormal Activities war immer ein kleines Schalchtfeld gewesen und auch an das einmalige Date mit Ryan konnte sie sich gut erinnern und wie sie vollkommen verzweifelt versucht hatte in nur einer Stunde ihre Wohnung klar Schiff zu machen, Essen zu organisieren, zu duschen und sich anzukleiden. Und das alles mit einem eifersüchtigen Aiden an der Seite, der alles an diesem Abend versuchte zu sabotieren. Dass sie sich überhaupt daran erinnerte... Gedankenverloren spielten ihre Finger mit einem Eselsohr von eines der wenigen Blätter die auf dem Tisch lagen. All ihre Erinnerungen. Wild durcheinander aufgeschrieben auf all diesen Seiten. Sie musste sie noch in eine Reihenfolge bringen. Am besten irgenwo einheften. Ihre eigenen Memoiren. Um endlich in allem vielleicht einen Sinn erkennen zu können. Einen Zusammenhang. Um.. ihr Leben einfach in gewisser Weise zu verstehen.
Sie merkte, wie ihre Gedanken abdrifteten - Beth hatte sie fast vergessen. Sie zuckte zusammen, als sie sprach und blickte auf. "Was?" Sie hasste es, wenn ihr das passierte. Wenn sie abdriftete und die Mesnchen in ihrer Umgebung völlig vernachlässigte. Es passierte ihr viel zu oft. "Oh... ja, also... ich... das war nur eine Tasse. Nichts weiter." Sie strich sich eine braune Haarsträhne beiseite und versuchte sich an einem Lächeln. Sie wusste nicht, ob es ihr Recht gelang. Bei Beth' Fragte senkte sie ihren Blick auf den Boden auf all die verteilten Blätter. "Ja. Also... mehr oder weniger zumindest." Sie seufzte und setzte sich auf die Matratze. "Ich habe zumindest alles aufgeschrieben an das ich mich erinnere. Bin quer durch mein Leben gesprungen. Jetzt muss ich nur noch das alles..." Sie machte eine ausladende Bewegung mit ihrem Arm um den Boden der Hütte und damit alle Papiere einzufassen. "In irgendeine geordnete Reihenfolge bringen."
Kurz herrschte Schweigen zwischen ihnen: Jodie, die auf ihrem Bett saß, Beth, die an der Küchenzeile lehnte. Und dann sagte sie etwas, dass Jodie aufblicken ließ. "Ja.", sagte sie und ihre Stimme klang sogar in ihrem eigenen Ohren hohl. "Heißt das... hast du irgendetwas gefunden?" Sie konnte ihre Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Aiden nicht abstellen. Sie konnte es wirklich einfach nicht lassen. Wie sehr und wie oft in ihrem Leben sie ihn verflucht hatte. Und jetzt... jetzt wollte sie nichts sehnlicher als ihn zurück.
Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)
von Beth am 07.01.2024 14:16Ich hebe eine Augenbraue. Ich bin ihr nicht wirklich böse – immerhin kenne ich sie mittlerweile schon zu lange, um das nicht zu verstehen. Sie klammert sich an jede Hoffnung, dass ihr Aiden einmal zurückkehren könnte – und natürlich stehen die Chancen sehr schlecht, dass einmal zufällig hier jemand vorbeikommt, der sie nicht explizit sucht. Also...vermutlich nur ich oder geisterhafte Gestalten wie Aiden.
Deshalb bedenke ich sie mit keinem weiterem zynischen Kommentar und trete an ihr vorbei in die Hütte.
Das Chaos, das mich begrüßt, kommt ebenso nicht allzu unerwartet. Also schaue ich ihr dabei zu, wie sie Ordnung zu machen versucht.
Ich nicke leicht, lasse die Finger über die Küchenzeile wandern. Das Papier, das ich kurz aufgehoben habe, fast vergessen. Ich kann mir ohnehin nur wenig Sinn aus ihren wirren Gedanken und Erinnerungen machen. Zu dem Zeitpunkt bin ich noch nicht...wie jetzt gewesen, war noch nicht, was ich nun bin. Die meisten Menschen teilen nun immerhin selbst ihre tiefsten Geheimnisse mit mir – unfreiwillig...ich kenne sie nur einfach. Aber...Jodie wie sie hier in dieser Realität ist...ist einzigartig in einem unendlichen Multiversum mit unendlichen Möglichkeiten. Allein das ist ein Paradox, wenn man recht darüber nachdenkt...Und es bedeutet auch, dass alles, was in ihrem Leben vor mir gekommen ist, außerhalb meiner Reichweite ist.
Für andere Dinge gilt das nicht. Eben für solche Sachen, die unendlich sind...
Mit einer Drehung meines Zeigefingers in der Luft dreht sich auch eine Tasse auf der Anrichte, ehe sie abrupt zum Stehen kommt. Jodies Tasse, die sie fallen ließ, nun vollständig wiederhergestellt..na ja, jedenfalls in dieser Realität, in einer anderen muss sich jetzt eine andere Jodie überlegen, wo sie ihre Tasse gelassen hat. Allerdings bekommt diese auch keinen Besuch von einer Beth – also geht ihre Tasse auch nicht zu Bruch. Siehe da: Ein perfektes Duplikat eines Objektes, das es eigentlich nur noch einmal vollständig gab...
Ich runzle die Stirn.
„Es muss doch gewisse Eckpunkte geben, an denen du dich entlang hangeln kannst – du bist ja nicht einfach aus dem Himmel gefallen, hast etwas angestellt, Aiden verloren und sitzt seitdem einfach hier...Es muss doch ein ganzes Leben in diesem Papierkram verborgen sein – und in einem Leben gibt es immer gewisse Eckpfeiler...", grüble ich. „Geburtstage, Dates, Schule, Berufsbildung, Jobs...Hobbys..." Nachdenklich lasse ich meinem Blick über die wenigen Zettel schweifen, die sie noch nicht aufgehoben hat. In diesem Chaos ist ein Leben verborgen, das sie leider für sich allein wiederfinden und zusammensetzen muss, denn...
„Also...", beginne ich vorsichtig. Ich weiß nicht, wie ich das richtig anfangen soll. „Gefunden habe ich etwas", erwidere ich schließlich, zögere dann, ehe ich weiterspreche. „Aber...nur, dass...dass keine Jodie dort draußen so ist wie du..." Ich mache eine Pause, um das erst einmal sacken zu lassen. „Es gibt Jodies, die haben einen Bruder – Aiden...mit dem sind sie zusammen aufgewachsen in wohl behüteter Kindheit, aber es gibt auch Jodies, die sind Einzelkinder...aber ohne jedes Anzeichen für besondere Kräfte oder einen außergewöhnlichen Lebenswandel..." Erneut setze ich eine Pause, damit sie das aufnehmen kann. „Was ich damit sagen will...Ich kann dir auf diese Weise nicht helfen. Keine Jodie hat durch, was du erlebt hast, keine ist wie du und deshalb wird uns keine helfen, mehr über dich herauszufinden...oder uns zeigen können, wie man wieder zu Aiden durchdringen kann, ihn wieder zurückholen könnte, sollte es eine Chance geben..." Ich seufze und wende mich ab, spiele mit dem Rand der Tasse, die ich für sie zurückgeholt habe. „Es tut mir leid", erkläre ich. „Aber du bist vollkommen allein im Universum." Nach einem kurzen Moment schnaube ich. „Willkommen im Club, übrigens. Bisher sind es aber nur wir zwei, die vollkommen einzigartig sind...trotz unendlichen Möglichkeiten."




Jodie
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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)
von Jodie am 12.01.2024 13:34Mal wieder war Jodie komplett in Gedanken versunken. Und so dauerte es einen Augenblick, bis sie begriff, was sie da sah. Ihre Lippen öffneten sich leicht und ungläubig beobachtete sie, wie sich eine Tasse drehend aus der Luft kristallisierte und dann perfekt mit einem leisen Klirren und vollkommen ganz auf der Anrichte zum stehen kamen. Keine Kratzer. Keine Scherben. Nichts. Die Arme noch verschränkt löste sie einen um mit ihrem Zeigefeinger in Richtung der Tasse zu deuten. "Wie- Wie hast du...?", begann sie stotternd, noch immer vollkommen irritiert. Ihr Blick glitt zu ihrer Freundin. "Wie hast du das gemacht?" sie wusste, das Beth durch eine ganz besondere Verbindung durch die verschiedenen Welten und Relaitäten springen konnte, wusste, dass sie das Jenseits kannte, dass sie eine ganz besondere Verbindung dazu hatte, so wie Aiden sie gehabt hatte (nur um ein vielfaches stärker, würde sie meinen) zu dieser Anderswelt. Aber das hier... sowas.... sowas hatte sie noch nie gesehen. "Das grenzt ja an Magie..", murmelte sie, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein, trat an die Anrichte und nahm die Tasse vorsichtig in die Hand, darauf gefasst, dass sie jeden Augenblick in ihren Händen zerbrechen würde - aber das tat sie nicht. Rasch stellte sie sie wieder hin, bevor sie sie wirklich erneut auf den Boden warf (zuzutrauen wäre es ihr allemal).
Jodie lächelte schwach und schräg, als Beth von den Eckpfeilern begann, die irgendwo in diesem Chaos verborgen waren und zuckte mit ihren Schultern. "Ja. Ich muss... mir nur einen Ordner besorgen, mir alles nochmal durchlesen und dann in der richtigen Reihenfolge einordnen. Das... das kriege ich dann irgendwie schon hin. Hoffentlich." Sie dachte nach. Bemühte sich wirklich. "Grobe Eckpfeiler... weiß ich tatsächlich. Oder zumindest kann ich mir sie herleiten. Ich war bei meiner Adoptivfamilie, die ich für meine echte Familie gehalten habe. Dann kam ich zu Nathan und und Cole und die ganzen Forschungen. Dann zum CIA und dann war ich auf der Flucht. Also nach dem Einsatz natürlich. Zwischendurch hatte ich mal die erste Beta-Sonne... aber das war in meiner Jugend, vor der CIA und dann..." Sie hatte den Faden verloren. Fuck. "Naja, und irgendwann war ich auch mal auf ner Ranch und auf der Straße und schließlich wieder zurück und dann bei der Beta-Sonne.", fasste sie zusammen und seufzte.
Aber als Beth anfing, dass sie nachgeforscht hatte, blickte sie sofort auf. Unbewusst hielt sie den Atem an, um ja kein Wort zu verpassen von dem, was Beth sprach. Die Info, dass es andere Versionen gab, in denen Aiden überlebt hatte, in dem sie ein normales Leben mt ihrem Zwillingsbruder lebte, versetzte ihr einen Stich ins Herz. Aber die eigentliche Bedeutung, die ihre Freundin ihr hier grade mitteilte, brauchte einen Augenblick bis sie wirklich bei ihr ankam. Sie hatte Aiden nicht gefunden. Sie hatte Aiden nicht gefunden. Nicht den Aiden. Nicht ihren. In keiner einzigen Welt. In keiner einzigen Vision.
Kraftlos setzte sie sich auf ihren Stuhl und starrte in das Chaos auf ihrem Boden. Erst als Beth sie im Club willkommen hieß, sah sie wieder aus. "Nun... das erklärt dann wenigstens unsere Freundschaft, oder?", meinte sie leise. Zwei einsame Seelen im Universum. Sie spürte wie sie Bauchschmerzen bekam. "Ich... muss das ordnen.", sagte sie und wies mit ausladender Handbewegung auf den Boden. Sie begann, x-beliebige Blätter vom Boden zu klauben. Wenigstens sie hatte irgendetwas zut un, irgendetwas in der Hand. Irgendetwas.
Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)
von Beth am 02.03.2024 14:13Ich schmunzle. „Hm", mache ich. „Magie ist doch auch nur ein Wort für Dinge, die man bisher noch nicht wissenschaftlich erklären kann." Ich zucke mit den Schultern und erspare ihr die Details, dass es dort draußen eine Realität gibt, in der man meinem Talent, wenn man es so nennen konnte, einen Namen gegeben hat – man nennt es dort, ganz salopp, „Slippen", vom englischen Wort für „rutschen" oder aber auch „herausgleiten". Und man hat es dort sogar im Labor nachstellen können – allerdings mit wenig Erfolg...Ich muss es ja wissen, denn in dieser Realität ist ihr Versuchsobjekt für dieses Experiment mein Konterpart in dieser Welt gewesen. Die Arme...also ich...nein, sie. Ach, das ist immer noch so verwirrend manchmal! Wie auch immer, ich-sie ist in dieser Realität in Tausende Teile zerrissen worden...sie ist also nicht nur in eine andere Wirklichkeit geslippt, sondern geradezu in alle möglichen Realitäten zerrissen worden...Leider genau an dem Tag, an dem ich in meiner Welt gestorben bin. Sie ist vermutlich der Auslöser, weshalb es jetzt in allen Welten und Realitäten nur noch ein Beth gibt – nämlich, ich, jederzeit, überall.
Na ja, so viel dazu. Ich habe diese Tasse aus einer anderen Wirklichkeit geslippt, in der ich gerade nicht vorrangig anwesend bin – Schwarmintelligenz kann sich auch fokussieren –, und jetzt ist sie eben hier.
Nachdenklich betrachte ich sie, als sie mir das Wirrwarr in ihren Gedanken schildert. „Das klingt doch aber immerhin schon nach einem Anfang!", sage ich hoffnungsvoll und hebe die Arme. Aber auf der anderen Seite scheint auch noch viel dazwischen zu fehlen. Oder jedenfalls sind die Dinge da, aber durcheinander und lassen sich logisch nicht in eine Reihenfolge bringen. Und da ich keine andere Jodie habe finden können, die ein ähnliches Schicksal geteilt hat, müssen wir die Reihenfolge wohl anders herausfinden. Immer noch erstaunlich – unendliche Realitäten, unendliche Möglichkeiten und doch...sind wir beide einzigartig. Niemand sonst wie wir da draußen – ich...wie ein riesiges Netzwerk aus allen Beths aus allen Möglichkeiten der Existenz, eine Schwarmintelligenz, die Raum und Zeit durchspannt, und Jodie...das Mädchen, in deren Realität Aiden nicht hat geboren werden können und auf eine gewisse Weise mit seiner Schwester verschmolzen ist...um ein Mädchen mit Superkräften zu schaffen...unbewusst, aber doch...ein sonderbarer Ausgang.
Wie hat es die seltsame Alte in irgendeiner Welt am Rande des Abgrunds gesagt...Die Eva, die erste und die letzte Frau des Multiversums, und die lebendige Beta-Sonne. Sie ist verwirrt gewesen, von Dieselabgasen, atomarer Verseuchung und Smog, aber...in ihren Augen hat sie diese Sicherheit gehabt, als sie meine Hand umklammerte...
Ich bekomme ein Gänsehaut nur beim Gedanken daran – und schüttle das schnell wieder ab.
Stattdessen schildere ich Jodie meine Erkenntnisse – und es dauert etwas, bis es bei ihr ankommt.
Ich trete zu ihr. Die Hoffnung, die eben noch den Raum erfüllt hat, ist verschwunden, als sie sich auf ihren Stuhl hat fallen lassen. Doch als ich bei ihr ankomme, greift sie wahllos nach irgendwelchen Blättern auf dem Boden – es ist deutlich, dass sie dabei nicht auf irgendeine Ordnung achtet, sondern...sich nur beschäftigt.
Ich seufzte und runzle leicht die Stirn. Das kann ich nicht so lassen! Tag und Nacht hängt sie in dieser Hütte, überall diese Seiten mit einzelnen Sätzen, verschmierter Tinte oder endlosen Texten ohne Punkt und Komma.
Ich lege ihr eine Hand auf die Schulter. „Ich denke, etwas Abstand kann dir nicht schaden", erkläre ich ihr vorsichtig. Ich kann verstehen, weshalb sie sich so in diese Sache wirft – immer wieder, eigentlich die ganze Zeit. Immerhin hat sie nicht nur Aiden verloren, nein, sie hat auch verloren, wer sie wirklich ist...ihre Vergangenheit liegt in Scherben, umher schwirrende Fetzen aus Erinnerungen, die sie nicht ordnen kann, so sehr sie es auch versucht, gefangen in sich selbst, darin, dass andere ihr sagen, wer sie ist und so sie herkommt...oder sie ist verlassen in Einsamkeit und Unwissenheit. „Du musst mal hier raus – dann bekommst du vielleicht einen anderen Blickwinkel auf...all das..." Ich mache eine ausladende Handbewegung wie sie es eben noch getan hat, und fasse damit das Chaos aus persönlichen Gegenständen und Papier so gut es geht ein.




Jodie
Gelöschter Benutzer
Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)
von Jodie am 09.03.2024 12:36Jodie schenkte Beth ein leieses, schüchternes Lächeln, das kurz darauf wieder verschwunden war. Aber ja, diese Beschreibung der Magie mochte sie. Einfach ein Name für Dinge, die man nicht wissenschaftlich erklären konnte. Nathan hätte das sicher anders gesehen. In der PDA (der paranormalen Abteilung, in welcher Jodie auch groß geworden war) hatte er immerhin alle möglichen 'unerklärlichen' Phänomene untersucht und erforscht - eben um das Geheimnis dahinter herauszufinden. Und er hatte rausgefunden. Viel herausgefunden. Sehr viel. Nur leider hatte er irgendwann auf dem Weg auch den Verstand verloren und war am Ende nicht mehr der Mann, der Vater gewesen, den Jodie gekannt und dem sie vertraut und den sie geliebt hatte.
Sie schluckte schwer und versuchte sich von den Erinnerungen loszureißen, wie Nathan in seinem riesigen neuen Büro gestanden und die Seelen seiner verstorbenen Frau und Tochter gewaltsam in dieser Welt festgehalten hatte, nur um sie zu sehen und mit ihnen zu sprechen, während diese in Qualen schrien. Jodie spürte, wie sie eine kalte Gänsehaut bekam, die Stimmen der Frau und des Kindes, die aus ihrem eigenen Mund gekommen war als sie dank Aiden Verbindung mit ihnen hergestellt hatte, war.... grausam gewesen. Und wenn sie sich richtig erinnerte, waren diese beiden auch die ersten Leichen gewesen, die sie damals als Kind gesehen hatte. Kurz bevor Nathan den Anruf bekommen hatte...
Ihre Gedanken waren mal wieder vollkommen auf Abwege gekommen und es brauchte (Jodie konnte unmöglich sagen wie lange - ob es nur ein paar Sekunden oder doch ein paar Stunden waren), bis sie sich mühsam wieder ins Hier und Jetzt ziehen konnte. in die kleine Hütte in Alaska, in das Chaos um sie herum, die Zettel und Beth. Beth, ihre Freundin Beth, die hier war um sie zu besuchen.
Doch ihr Gespräch - dass Jodie, genauso wie Beth, die einzige verbliebene hier war - war nicht grade gut geeignet um in der Realität verankert zu bleiben. Unbewusst kratzte sich Jodie über den Unterarm, ehe sie begann, willkürlich die Zettel vom Boden aufzuklauben. Die Zettel, mit denen sie ihr Leben irgendwie in eine Zeitleiste bringen wollte, in eine sinnvolle Ordnung, einfach... einfach aufräumen. Konnte sie denn wirklich nicht einmal das??
Doch als sie Beth' Hand auf ihrer Schulter spürte, hielt sie inne. Einen Moment starrte sie nur vor sich hin. Dann blickte sie schließlich auf. Mit Augen, die glänzten von den Tränen, die sie nicht weinte. "Und wohin?", fragte sie und konnte eine gewisse leise Verzweiflung nicht aus ihrer Stimme verbannen. "Ich habe kein Zuhause. Meine Adoptiv-Familie hab ich nicht mehr gesehen seit ich 5 war und die hatte Angst vor mir. Nathan ist tot, Cole... keine Ahnung. Und ich weiß nicht mal ob die CIA wirklich endgültig von mir abgelassen hat oder ob sie nicht immer noch eine Bedrohung in mir sieht." Ihre Hände mit den Zetteln zitterten und sie ließ sie einfach wieder fallen, um kurz ihren Kopf im Gesicht zu vergraben. "Ich hab keine Ahnung, was ich mit mir anfangen soll...", gab sie mit einem leisen Flüstern zu.
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