Steve & Joanna ~ What Did You Saw? (Zwangscut)
Erste Seite | « | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | » | Letzte
[ Nach unten | Zum letzten Beitrag | Thema abonnieren | Älteste Beiträge zuerst ]
Re: Steve & Joanna ~ What Did You Saw?
von Joanna am 15.03.2022 14:31Das Blut rauschte ihr in den Ohren. Sie nahm kaum etwas von ihrer Bewegung war, ihr Herz raste, ihre Hände zitterten. Sie hatte die Tabletten genommen, daran erinnerten sich, doch es waren Tabletten, sie brauchten immer ein wenig bis sie wirkten und da sie weggenickt gewesen war einfach aufgrund der Erschöpfung wusste sie nicht, wann sie sich das letzte Mal eine der paniksenkenden Mittelchen eingeworfen hatte. Sicher war es zu lange her. Schlucken fiel ihr schwer. Selbst ihre Knie zitterten. Sie nahm nichts wahr. Nichts. Es war als würde jamnd ihr ihre Brust zuschnüren, dunkle Punkte tanzten vor ihren Augen, der Blick war verschwommen - und dann war da plötzlich jemand. Unwillkürlich klammerten sich Joannas Finger an ihm fest, an dieses reale etwas und sie tat, was sie hörte. Atmete mühsam ein und aus, wenn auch zittrig, schnell, hastig. Es war schwer den Rhythmus des Anderen zu übernehmen, doch nach einiger Zeit schaffte sie es endlich. Ihr Puls beruhigte sich ein wenig, ihre Wahrnehmung der Umgebung kehrte zurück und auch die der Situation. Die Tabletten hatten angefangen zu wirken. Ruckartig ließ Joanna den anderen los und atmete tief durch. Nein, Autos waren gestrichen. Autos waren definitiv gestrichen. Sie wollte nie mehr in eine Karre steigen.
Erst dann wurde ihr auch gewahr, was er vorher gebrüllt hatte, als sie so panisch aus dem Auto gestolpert war, nicht Herr ihrer Sinne. Würde er sie noch einmal zwingen in ein Auto zu steigen, würde sie diesem Arschloch ganz sicher die Kehle aufschlitzen. Von sich selbst angewidert über diese kaltblütigen Gedanken schluckte sie schwer und versuchte dieses Bild aus ihrem Kopf zu verjagen. "Wär cool wenn es ein Motorrad oder irgendetwas anderes wird.", sagte sie nichtsdestotrotz distanziert, vielleicht sogar ein wenig kalt. "Ich hab mir diese beschissene Panik nicht ausgesucht." Im Notfall sollte er sie vorher zusammenschlagen, dann bekam sie wenigstens nicht mit. Da wartete er doch sicher eh nur drauf.
Als er die Schlaftabletten erwähnte, nicke Joanna nur knapp. Das war das einzig gute was sie bisher gehört hatte. Auch wenn es sofort wieder Schuldgefühle in ihr wach rief. Hatte sie es verdient? Hatte sie verdient ruhig und selig zu schlafen, nach dem, was sie getan hatte? Nein, war die laute und eindeutige Antwort in ihrem Kopf. Wahrscheinlich würde sie diese Scheiß-Pillen doch nicht nehmen, egal wie beschissen die Nacht würde. Sie hatte dieses verfickte Leiden doch verdient, oder nicht?
Ihre beiden Blicke ruhten auf dem Safehouse. Joanna lächelte bitter. "Das denke ich nicht.", antwortete sie nur, in der gleichen abweisenden Distanziertheit wie zuvor und betrat das Innere. Auch wenn sie wusste, dass Steve bezüglich des Alkohols wohl Recht haben würde, führte sie ihr erster Weg in die Küche, wo sie erst den Kühlschrank und dann sämtliche andere verbliebenen Schränke öffnete. Nichts. Was hatte sie auch erwartet? Dann kehrte sie ins Wohnzimmer zurück. Und jetzt? "Gibt es hier wenigstens irgendwie einen CD-Player, eine Bluetooth-Box, Internet oder sonst irgendetwas?", fragte sie. Sie brauchte Ablenkung und das einzige was ihr jetzt noch (hoffentlich) blieb, war die Musik. Ihre Hände zitterten stark, allerdings nicht aufgrund der vorherigen Panikattacke.. Fuck, hatte sie Durst..

Steve
Gelöschter Benutzer
Re: Steve & Joanna ~ What Did You Saw?
von Steve am 14.03.2022 11:32Re: Steve & Joanna ~ What Did You Saw?
von Joanna am 21.02.2022 12:44Joanna hatte alles und jeden ignoriert. Weder auf die Landschaften war sie eingegangen, noch auf kurze Gesprächsfetzen, noch auf sonst irgendetwas. Stoisch hatte sie die ganze Fahrt über aus dem Fenster gestarrt oder die Augen geschlossen gehabt, derweil das Verlangen nach Alkohol in ihr mit jederversteichenden Minute wuchs. Nur jede Stunde griff ie in ihre Tasche, um sich eine weitere der Paniksenkdenen Pillen in den Mund zu schieben, um in diesem Auto nicht völlig durchzudrehen. Um sich abzulenken versuchte sie sich auf die leise Musik im Radui zu konzentrieren. Versuchte so schnell wie möglich die Lieder zu erraten, auf die Texte und die Kompositionen zu achten, auf Dinge die man vielleicht hätte verbessern können. Als es spät, spät in der Nacht wurde spürte Joanna, wie ihre Augen zu brennen begannen. Im Sekundenschlaf nickte sie immer wieder weg, nur um durch einen imaginären lauten Knall beim Aufprall wieder hochzusckrecken. Scheisse. Die nächsten Tage und Wochen würden ne einzige Qual werden. Das wusste sie jetzt schon.
Sie schlief die Nacht kaum. Die Alpträume, die Flashbacks, hinderten sie daran. Dennoch hielt sie die Augen die meiste Zeit geschlossen, einfach weil sie sonst so höllisch brannten. Und vielleicht war ihr erschöpfter Alkdürstiger Körper tatsächlich kurz weggenickt, sie konnte es nicht sagen. Sie sah nur schon wieder die rote Ampel, spürte wie ihr Fuß das Gaspedal durckdrückte, die Kreuzung, die Autos und...
Sie schreckte aus dem Schlaf. Mit weiten Pupillen starrte sie aus dem Auto und schon spürte sie wieder die Panik in sich hoch steigen. Unendliche Panik. "Ich werd nie mehr in ein verficktes Auto steigen.", waren ihre brüsken ersten Worte zu Steve. Sie schnallte sich ab und sprang raus. Am Horizont stand die Sonne tief am Himmel, tauchte den Himmel und die Welt in rosanes Licht. Sofort entnfertne sie sich mehrere Schritte von dieser Höllenkarrte. Ihr Herz raste, ihre Hände zitterten. Mühsam atmete sie durch und kramte in ihrer Tasche nach den Pillen. Ihr war es scheiß egal wie viele man am Tag von denen nehmen durfte. Extreme Autofahrt erforderte extreme Maßnahmen. Erst nachdem sie sich erneut eine (oder waren es zwei gewesen?) eingeworfen hatte, traute sie sich ein wenig durchzuatmen. Auch wenn sie sich der Karre ganz sicher nicht nähern würde. Sie blickte sich um. "Ich muss nicht schlafen.", sagte sie etwas steif in Stevens Richtung, wenn auch ruhiger als zuvor. Sie hatte seine Worte über Lis weder vergessen, noch vergeben. "Könnte ich eh nicht.", fügte sie wahrheitsgemäßi hinzu. Einer der vielen vielen Gründe, weshalb sie Alkohol trank: Besoffen schlief es sich zumindest etwas besser.
Mit den zitternden Händen fuhr sie sich kurz übers Gesicht. Noch ehe sie sich hatte zurückhalten können, war die Frage draußen. Sie wollte einfach nur sichergehen, derweil sie das Safe-House betrachtete. "Lass mich raten: Alk gibts da drinnen wahrscheinlich nicht, oder?" Und selbst wäre es vermutlich nicht genügend, um ihren Durst zu stillen. Obwohl sie gerade wirklich alles nehmen würde.

Steve
Gelöschter Benutzer
Re: Steve & Joanna ~ What Did You Saw?
von Steve am 06.02.2022 17:35Re: Steve & Joanna ~ What Did You Saw?
von Joanna am 01.02.2022 21:22Joannas einzige Reaktion war ein Schulterzucken. Dann war sie eben auf einem Selbstmordtrip. Und? Wen kümmerte es. Mit ihrem Mann hatte sie schon seit über fünf Jahren nicht mehr gesprochen, ihre Familie war tot. Der Alk half ihr im Moment, und sollte er sie irgendwann ins Grab bringen, fuck it. Dann war es halt so. Der Tod schreckte sie nicht ab.
Kurz darauf geriet es endgültig aus dem Ruder. Beide Seiten, er wie sie, von Wut und Zorn erfüllt. Warum konnte er es nicht sein lassen??! Er sollte seinen beschissenen Job machen und nicht immer und immer wieder in ihren Gefühlen und Wunden herumstochern, als wäre es irgendein verficktes Essen auf seinem Teller! Das war nicht sein verdammter Job und er sollte damit aufhören. Es waren ihre Gefühle, ihre Vergangenheit und fuck, das ging auch nur sie etwas an!!!
Fest presste Jo die Kiefer aufeinander und wandte den Blick ab. Sie würde zu dem ganzen Scheiß nichts mehr sagen. Es ging ihn nichts an. Nein, es hätte nicht jeder am Steuer sitzen können. Andere hätten sich vermutlich an die Verkehrregeln gehalten. Andere hätten diesen verfickten Unfall nicht gebaut. Aber sie hatte es getan. Und als er es dann auch noch wagte, ihre Schwester zu nennen, schloss sie die Augen, schaffte es gerade noch so den Impuls zu unterdrücken, ihre Faust gegen seinen Kiefer fliegen zu lassen. Ich kenne deine Schwester nicht, werde sie auch nicht mehr kennenlernen. Fuck, tat das weh. Genauso gut hätte er ihr ein Schwert durch den Brustkorb rammen können, es wäre das gleiche Ergebnis rausgekommen. Tränen begannen unkontrolliert über ihre Wangen zu rinnen. Als sie sprach, war ihre Stimme leise. Leise und so voller Zorn, so voller Schmerz, dass sie zitterte, dass sie mehrmals im Satz sogar einfach wegbrach. "Wage es ja nicht über meine Schwester zu reden." Sie sah ihn an, voller Hass, aus vor Tränen glänzenden, rot umrandeten Augen. Er war zu weit gegangen. Er hatte die endgültige Grenze überschritten. "Wage es nie mehr über Lis zu sprechen."
Ein dicker Kloß in ihrem Hals, der unglaubliche Schmerz in ihrer Brust machte jedes weitere Wort unmöglich. Sobald er seinen Griff auch nur ein wenig gelockert hatte riss sie sich los und stürmte davon. Sie würde jetzt was trinken und es war ihr Scheiß-egal, was dieser Kerl davon hielt.
Noch immer schweigend folgte sie Steven durch das Gebäude, in den Fahrstuhl hinein und zu dem großen schwarzen Auto. Komplett schwarz, selbst die Scheiben, als wäre er geradewegs einem Agentenfilm entsprungen. Joanna sagte nichts, stieg noch immer schweigend an und tat wie ihr geheißen: sie setzte sich und schnallte sich an. Dem Agenten der sie begleiten würde, nickte sie nur mit unbewegter Miene zu. Obgleich ihr Herz ihr bei seinem Namen einen kurzen Stich versetzt hatte. Beth. Es erinnerte sie an ihre Schwester. Auch wenn sie sie immer Lis genannt hatte, so war ihr ganzer Name doch Lisbeth gewesen...
Sie sah kaum hin, als er erklärte, wo was war. Es interessierte sie nicht. Nur als er kurz etwas zu trinken erwähnte, folgte ihr Blick seiner Hand. Kurz beugtet sie sich vor um reinzuschauen. Wasser und Saft. Kein Alk. War ja klar, was hatte sie erwartet? Sie schloss die Klappe wieder, wich seinem Blick aus, antwortete nicht auf seine Frage ob sie bereit war und starrte aus dem Fenster. Sie sollten losfahren, wenn sie es doch so verdammt eilig hatten..

Steve
Gelöschter Benutzer
Re: Steve & Joanna ~ What Did You Saw?
von Steve am 16.01.2022 12:55Re: Steve & Joanna ~ What Did You Saw?
von Joanna am 19.12.2021 19:37Es behagte ihr nicht, dass Steve so in sie hineinbohrte, immer mehr in ihre Privatsphäre eindrang. Ihre Gefühle waren ihre Sache. Schon immer hatte sie die lieber unabhängig verwaltet, für sich selbst. Auch früher, vor dem Unfall. Selbst wenn es ihr beschissen gegangen war- wie beispielsweise als Jugendliche, wenn sie von ihrer Grandma geschlagen worden war, oder auch später, die Zeiten die sie auf fder Straße verbracht hatte - hatte sie sich das nach Außen hin nciht anmerken lassen. Sie war dann die begeisterungsfähige, fröhliche und abenteuerlustige Joanna gewesen, die einfach ihr Ding durchzog und einen Scheiß dabei auf die Meinung von anderen gab. Die mit keinem Wort die roten, blutigen Striemen auf Armen, Arsch, Beinen oder Handinnenflächen erwähnte. Oder den Hunger, die Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen. Als sie ihren Mann kennenlernte, hatte sie ihm nicht viel von ihrer Familie erzählt und wie sehr es sie doch irgendwie belastete - dieser Gedanke von ihnen gehasst zu werden. Sondern hatte mit ihm stattdessen ein Abenteuer nach dem anderen übernommen. So war sie eben einfach. Ihre Gefühle waren ihre Sache. Und der Einzige, der (neben ihrer Schwester, die sie wirklich irgendwie wie ein offenes Buch lesen konnte) irgendwann eine kleine Tür in ihre Innenwelt gefunden hatte, war ihr Mann gewesen.
Sie war eben eine fucking Einzelkämpferin. Auch wenn es vielleicht selbstzerstörerisch sein mochte. Was daran war so schwer zu verstehen??
"Ich... rede einfach nicht gerne über meine Gefühle", teilte Joanna ihm mit und sah Steve an. Sie wusste was er hier versuchte, aber es war ihr egal. Sie biss sich auf die Zunge um die Worte Dann geh ich eben unter zurückzuhalten. Obgleich sie sich die anderen leisen Worte dann doch nicht verkneifen konnte. Es war halt so. Sie hatte die Hilfe nicht verdient und überhaupt... fuck, wie sollte man ihr helfen? Niemand konnte ihre Familie wieder zu Leben erwecken. Absolut niemand. Also was spielte es für eine Rolle?
Joanna war drauf und dran sich zu verabschieden und endlich in die Bar zu verschwinden, als sie plötzlich heftig und schmerzhaft am Arm gepackt wurde. Mit einem Ruck versuchte Joanna sich aus dem Griff zu befreien - erfolglos. Seine Finger bohrten sich in ihren Arm. Das würde sicher blaue Flecken zurücklassen. Sie drehte sich zu ihm um. Sie wiederholte es nicht, obgleich er fragte und sah ihn einfach noch an. Allerdings verursachten seine Worte Risse in ihrer Mauer. Risse die sie da nicht haben wollte. Es wurde zu viel. Sie spürte nahezu, wie ihre Augen begannen zu glänzen von zurückgehaltenen Tränen. "Nicht?", fragte sie dann. "Wer außer mir kann was dafür, hm? Wer hat dieses beschissene Auto gefahren? Wer ist bewusst zu schnell gefahren, wer hat die rote Ampel ignoriert? Wer ist dadurch letztlich in dieses Auto gekracht?" Ihr Atem ging flach und schnell. Ihre Stimme zitterte nun leicht. "Wer ist schuld am Tod, dieser fünf Menschen. Meiner Familie?" Sie trat noch einen Schritt vor, ihr Gesicht nur knapp vor dem seines, ihm aber direkt und geradewegs in die Augen starrend. "Das war ich." Ihre Stimme verriet ihren Selbsthass, doch im nächsten Augenblick schon war sie kalt und bestimmt. "Lass mich los." Alles was sie gerade noch wollte, war weg hier. Einfach nur weg.
Joanna könnte kotzen. Nicht nur, dass sie jetzt doch von Steve in der Bar beim Trinken erwischt hatte (wo sie die Wut in seinen Augen aufblitzen sehen konnte), nein, sondern sie sollte auch noch den Laptop hier lassen und das war es, was sie wirklich ankotzte. Ihre Arbeit, sich um die Künstler die bei ihnen unter Vertrag waren oder bei ihnen unter Vertrag wollte zu kümmern und die Songs abzumischen war das einzige, was sie wirklich ablenken konnte. Musik irgendwo natürlich auch, aber lange nicht so effektiv. Dazu würde es im Safe-House sicher keinen Alk geben. Was für eine verfickte Scheiße.
"Schön.", sagte sie nur kurz und verbittert und legte den Laptop der ihr in der Zeit hier echt ans Herz gewachsen war, auf die Theke. Und weil sie wusste, dass Steve früher oder später darauf ebstehen würde, stellte sie die Flasche Alk daneben - nachdem sie noch einen weiteren großen letzten Schluck genommen hatte.
Die nächste Zeit würde echt heftig beschissen werden.
Schweigend folgte sie seiner Armbewegung und ging los. Sie hätte nicht gedacht, diesesn Gebäudekomplex hier dann mal zu vermissen. Aber tatsächlich war es so. In der Zeit die sie hier gewesen war, war es fast wie zu ihrem Zuhause geworden. Und sie wusste, dass das bei dem Ort, zu welchem sie unterwegs waren, definitiv nicht so sein würde...

Steve
Gelöschter Benutzer
Re: Steve & Joanna ~ What Did You Saw?
von Steve am 19.12.2021 14:07Re: Steve & Joanna ~ What Did You Saw?
von Joanna am 22.11.2021 10:52Joanna stand einfach nur da und starrte Steve an, während dieser in einem wahren Monolog - und anscheinend einem wütenden Monolog - abschoss, was zur Hölle sie zu tun und zu lassen haben sollte. Sie könnte kotzen. Echt, sie könnte einfach nur kotzen. Er führte sich auf, als sei er hier die geschädigte Partei. Dabei tat er doch nur seinen Job, oder nicht? Sie war diejenige, die aus ihrem Haus rausquartiert, an einen unbekannten Ort gebracht und (mehr oder weniger) gefangen gehalten wurde, die darum kämpfen musste irgendwie weiter arbeiten zu können und anscheinend von diesem Scheiß-Arsch gejagt wurde. Und fast gleichzeitig zu diesem Gedanken durchfuhr sie ein tiefer, schmerzhafter Stich durch ihren Brustkasten, als wäre sie gerade nich nur von einem Messer, sondern gleich von einem Schwert aufgespießt worden. Du hast kein Recht dich zu beschweren. Sagte dieser innere Teil von ihr, der immer da war. Die Schuld. Du hast deine Familie umgebracht. Du hast kein Recht wütend zu sein oder dich darüber zu nerven, vielleicht in ein Safe-House zu müssen. Du hast es nicht anders verdient. Mörderin. Joannas Fassade stand. Nichts drang nach draußen, doch umso mehr nach ihnnen. Fuck. So war es halt.
"Habe ich mit irgendeinem Wort erwähnt, dass ich mich weigern würde?", entgegnete sie, mit genauso emotionsloser Stimme wie zuvor, ihr Blick in Steves aufgebrachte Augen gerichtet. Fuck, sie brauchte echt Alk bei diesem ganzen Scheiß. "Ich hab doch eh keine andre Wahl als hier mitzumachn. Klar, werd ich mitkommn." Auch wenn sie keinen Bock hatte. Und auch wenn Steve von ihr anscheinend in etwa genausoviel zu halten schien wie die Dorfbewohner. Ihr Babysitter also, hm? Großartig. Wirklich. Du hast es nicht anders verdient. Kurz zuckte ihr Mundwinkel verbittert. Jep. Sie hatte es nicht anders verdient. Wirklich nicht.
Wie schon im Knast würde sie einfach alles über sich ergehen lassen. Denn: sie hatte es nicht anders verdient. Und letztlich war dieser ganze Scheiß hier ja nicht groß was anderes. Cool. Echt cool.
Tony verabschiedete sich um mit diesem anderen Kerl zu bereden, wie man ihre Erinnerungen möglicherweise wiederholten könnte und zurück blieben nur noch Steve und sie. Wurde ja immer besser... nicht.
Insbesondere weil Steve es natürlich nicht auf sich sitzen ließ und direkt wieder auf die Briefe einging, die man bei ihr Zuhause gefunden hatte. Sie blieb dabei. Es ging ihn nichts an. Es ging ihn nichts an und auch die Kerle die die Briefe gefunden hatte ging es nichts an. Es war ne Sache zwischen ihr und dem Dorf. Und es war eben einmal so. Und die Leute hatten ja Recht...
Ruhig sah sie ihm in die Augen, während er ein weiteres Mal begann auf sie einzureden. Er hatte Recht. Es ging nicht spurlos an ihr vorbei. Sie tat so. Vor jedem den sie traf tat sie so, als wäre es ihr Scheiß egal, als würde es einfach direkt von ihrer Mauer abprallen. Aber ein kleiner Teil drang immer zu ihr durch. Schmerzte. Jeder Blick. Jeder Brief. Sie... trank nicht umsonst so viel. Es ließ sie nicht nur wortwörtlich vergessen... es betäubte auch diese Schmerzen. Wenigstens für einen moment lang. Wenn sie dann nur noch im Hier und Jetzt, nur noch in der Gegenwart lebte und alles und ejder andere egal geworden war... "Ich wüsste nicht, was ich darüber reden sollte", antwortete Joanna als erstes, als Steve endlich eine Pause machte in seiner Rede in ihr Gewissen. "Und was das andre angeht... was, wenn ich die Hilfe nicht verdient habe?" Und das hatte sie nicht. Sie hatte den Unfall verursacht. Sie war die einzige Schuldquelle, weshalb fünf Menschen ums Leben gekommen waren. Es war keine Ampelfehlstellung oder Unachtsamkeit gewesen. Noch nichtmal besoffenes Fahren. Nein, es war ganz allein sie. Sie hatte kein Recht auf Hilfe. Sie war selbst schuld, dass es so gekommen war und niemand konnte daran etwas ändern.
"Ich sollte eigentlich eh nicht mehr leben.", es war nur leise dahin gesagt, aber auch das entsprach der Wahrheit. Ihre Familie hätte es verdient zu leben. Vor allem ihre Schwester. Sie hätte den Unfall überleben sollen, alleine schon für ihren Verlobten, für ihre Hochzeit. Und Joanna - als Unfallverursacherin - war diejenige, die hätte sterben sollen. Das hatte sich joanna schon oft gedacht in den einsamen Stunden im Knast. Aber es war wie es war und es einfach zu beenden, dafür war Joanna doch zu sehr Kämpferin. Sie hasste aufgeben.
"Mhm", machte Jo zum Abschied nur, wandte sich um und ging in großen Schritten sofort aus dem Raum, sobald sie von Steve entlassen worden war. Ihr war es scheiß egal, was er sagte, Sie würde sich in der Bar ein oder zwei Flaschen unter den Negal reißen, die vorsichtig mit sich nehmen und irgendwo trinken, wo niemand sie beobachtete.
Denn das brauchte sie gerade mehr denn je...
In den folgenden Tagen lernte sie, zu welchen Zeitpunkten Steve nach ihr sah: ergo wann sie sich in die Bar setzen und arbeiten konnte, und wann sie sich besser auf ihrem Zimmer oder beim essen oder wo auch immer befand. In manchen Momenten kam es ihr schon erschreckend vor, wie geübt sie mittlerweile darin geworden war, heimlich zu trinken. Aber dann wieder war es ihr scheißegal. Es war ja nicht so, dass sie sich völlig abschoss (außer wenn sie spät Abends alleine in ihrem Zimmer saß mit einer gestohlenen Flasche Alk und sich die Kante gab um wenigstens halbwegs schlafen zu können), sondern man konnte immer noch was mit ihr anfangen. Aber etwas Alk brauchte sie nun mal einfach. Und es war ihr Scheiß-egal, was alle anderen davon hielten.
Zum Glück hatte Tony Stark ihr auch einen Mail-Account eingerichtet, wo sämtliche Nachrichten welche sie sonst auf ihre übliche Arbeits-Mailadresse empfing, umgeleitet wurden. So war es ihr möglich, Kontakt mit ihren Kollegen aufzunehmen, ihnen zu erklären, dass sie zurzeit in Sicherheitsgewahrsam oder sowas steckte, es ihr aber gut ging (auch wenn man hier wohl 'gut' definieren musste) und sie so gut es ging von hier aus weiterarbeiten würde. Die Musikprogramme die Tony runtergeladen hatte funktionieren zumindest, sodass sie unablässig Musik hörte, bewertete, Rückmeldungen gab, Mails schrieb und neue in der Produktion befindliche Songs abmischte.
Allmählich hatte sie den Überblick verloren, wie lange sie schon hier war. Sie ging allen aus dem Weg, redete kaum. Ihre Arbeit unterbrach sie nur, wenn Tony und Bruce sie zu irgendwelchen Tests riefen, um an ihrem Kopf herumzudoktorn. Auch heute war es nicht anders. Am Vormittag war sie kurz bei ihnen gewesen, wo sie ihre Hirnströme oder sowas gemessen hatten, und danach war sie in die Mensa zum Mittagessen, wo Steve auch kurz nach ihr sah. Was bedeutete dass ihr Weg nach dem Essen auf direktestem Weg zur Bar führte. Ihr absoluter Lieblingsort in diesem riesigen Gebäudecomplex. Sie hatte sich eine Tequila-Flasche geschnappt, sich in ihre Ecke der Bar zurückgezogen, sich im Schneidersitz auf der Bank niedergelassen und arbeitete. Mit den Kopfhörern auf den Ohren, auf dem Bildschirm schauend und dabei immer wieder große Schlucke aus der Flasche neben sich trinkend. Eine Bewegung die sie aus den Augenwinkeln wahrnahm, ließ sie aufblicken. Steve.
"Fuck", murmelte Joanna, nahm sofort die Kopfhörer herunter und sah an, wie der Mann eiligen Schrittes näher kam. Jetzt würde es Anschiss geben.
Und da war die Nachricht. Also doch ein Safe-House. Und wahrscheinlich würde es in diesem Safe-House keine Bar geben, an der sie sich gütlich tun konnte. "Na geil.", gab Joanna ironisch von sich. Mit etwas mehr Emotion in der Stimme als sonst. Das war der Alkohol. Jetzt war eh egal, oder? Sie griff nach der Flasche, trank zwei große Schlucke, klappte den Laptop zu, stand auf und nahm diesen unter den Arm. "Ich will den Laptop mitnehmen", erklärte sie. Gut möglich, dass sie im Safe-House keinen Empfang habenw ürden, aber falls doch, wollte Joanna wenigstens die Möglichkeit haben, ein bisschen zu arbeiten. Die Flasche in der einen Hand, den Laptop unterm andern Arm stand sie da. "Na dann los. Bin bereit."
Sie war absolut nicht motiviert. Aber sie hatte eh keine andere Wahl. Also von daher... lets go ins nächste Gefängnis...

Steve
Gelöschter Benutzer








Antworten