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Re: Boston [Amerika]
von Anastasija am 07.05.2026 17:03Anas erster Impuls war sofort, ihren Sohn auf die Couch zu legen - sie wollte so wenig Probleme wie irgend möglich bereiten; doch als die Rede von mehreren Gästezimmer waren, taten sich neue Ideen in ihrem Kopf aus. In dem einen könnte sie dann arbeiten, während ihr Sohn im anderen schlief. Nach der Arbeit würde sie dann zu ihm ins Bett krabbeln und mit ihm kuscheln können... das war eigentlich keine allzu schlechte Idee. Außerdem... war ein Bett doch gemütlicher und ihr Sohn hatte nur das Beste vom Besten verdient.
'Danke', formte Ana mit den Lippen und trug ihren Sohn vorsichtig in das nähere der beiden Gästezimmer. Es war hell und schön. Sanft legte sie Thomas in die Kissen, zog ihm die Hose aus und deckte ihn zu. Dann schloss sie die Vorhänge halb, damit eine Art sanftes Dämmerlicht im Zimmer herrschte, ehe sie ihrem Sohn noch einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn gab und leise wieder hinausging.
Die Müdigkeit steckte ihr in den Knochen. Sie fühlte sich bis ans Äußerte erschöpft. Sie atmete einmal tief durch, dann ging sie den Gang zurück zu Sofia. Anastasija hatte ihre Arme ein wenig um sich selbst geschlungen, wie um sich irgendwie zu halten. Der plötzliche Weggang von Jonathan tat ihr tief in der Seele weh - noch etwas, was zu ihrer psychischen Erschöpfung beitrug - doch sie wollte sich nicht mit diesem Gefühl des Entsetzens, des Verlassenwerdens, der Angst, auseinandersetzen. Es war ihr zu bekannt aus ihrer Jugend. Sie wollte es nicht. Sie wollte es einfach nicht.
Fast war sie froh, sich mit der Arbeit gleich ein wenig ablenken zu können.
"Ich weiß, ich... hab das heute schon tausend Mal gesagt, aber vielen Dank für alles.", sagte Ana mit leiser lieblicher Stimme. Ihre mittlerweile halbwegs getrockneten hellblonden Haare hingen ihr wirr ums Gesicht. "Und es ist wirklich in Ordnung, dass wir hierbleiben?" Bei Jonathan hatte sie gewusst, dass alles gut war. Sie war ja quasi mit ihm zusammengewesen (und er hatte ja auch ihren Körper verkauft, also war es für sie beide Profit gewesen), doch Sofia konnte sie dahingehend noch nicht einschätzen... sie wollte sich ihr nicht aufdrängen. sie hatte halt nur nicht gewusst, wo sonst hin... vor allem wegen Thomas (sie selbst hätte sich notfalls auch einfach auf der Straße verdingen können).

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Re: Boston [Amerika]
von Anastasija am 19.02.2026 09:28Sofia war eine ganze Weile weg. Währenddessen hatte Thomas seinen Möhrensalat natürlich schon lange aufgegessen und auch den Actimel ausgetrunken. Selbst Ana, die viel langsamer aß, hatte ihr Müsli aufgegessen - den Actimel aber (nachdem sie die Zutaten- und Kalorienliste studiert hatte), nach wenigen kleinen Schlucken stehen lassen. Sicher war sicher.
Soweit gesättigt kehrte nun die Müdigkeit in die Körper von Mutter und Sohn. Ana zwang sich die Augen offen zu halten (immerhin stand noch die Badewanne und die Arbeit an), doch Thomas hatte sich auf seinem Stuhl wie eine Katze zusammengerollt, und den Kopf auf ihren Schoß gelegt, wie ein Kissen. Sanft streichelte Anastasija ihren Liebling. Er sah friedlich und glücklich aus, wenn er so schlief. Unschuldig. Als könnte nichts auf der Welt ihm etwas anhaben. Sie hoffte inständig, dass das so bleiben würde und er sich diese Friedlichkeit der Kindheit würde bewahren können. Doch da war ein leiser Teil in ihr, der das besser wusste. Sie selbst hatte die Erfahrung immerhin auch machen müssen, oder?
Aber selbst wenn... sie würde ihm zeigen, immer das Beste aus einer Situation zu machen. Das immerhin hatte sie in ihrem Leben gelernt. Wenn auch sonst nichts.
Sie streichelte seine Wange, seine Haare und als Sofia endlich mit ein paar Sachen zum Anziehen zurückkam, blickte sie auf und hob den Finger an die Lippen, zum Zeichen, leise zu sein. Ganz vorsichtig hob sie Thomas Kopf hoch, um aufstehen zu können, dann nahm sie ihren Sohn auf den Arm. Sein Kopf rollte ihr auf die Schulter. Falls er dadurch wach wurde, zeigte er es nicht. Er war vollkommen erschöpft.
"Ich glaube, Thomas badet morgen erst.", flüsterte sie Sofia zu. "Wo darf ich ihn zum schlafen hinlegen?" Ob Sofa, Bett oder einfach Matratze - ihr Sohn konnte überall schlafen (wie er eben bewiesen hatte). Und den Schlaf hatte er sich auch mehr als alles andere verdient.

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Re: Boston [Amerika]
von Anastasija am 04.01.2026 19:21"Natur-Joghurt ist perfekt. Danke." Obwohl Anastasija dank Jonathan die letzten Jahre mehr oder weniger im Reichtum gelebt hatte, war sie eigentlich ein einfacher Mensch und leicht zufrieden zu stellen. Solange sie ihren Sohn bei sich hatte, Kleidung die ihr gefiel und passte, eine warme Badewanne und ein Dach über dem Kopf und leichtes Essen, war doch alles gut.
Und nach der Ohrfeige um den kurzfristig aufgekommenen Suizid-Gedanken loszuwerden wurde ihr bewusst, dass sie gerade eigentlich all das hatte. Okay, sie wusste nicht, wie die Zukunft aussehen würde, doch gerade, jetzt, in diesem Moment, war alles in Ordnung. Sie waren im Warmen, bekamen essen, ein Bad, ein Bett... und sie konnte sogar gleich arbeiten. Ja, es würde alles wieder werden.
Sie schenkte Sofia ein Lächeln. Es tat ihr leid, diese erschreckt zu haben. "Bestimmt nicht. Ich glaube, ich habe sie vertrieben", versprach sie und kraulte dabei ihren Sohn im Nacken, ehe sie sich dann auch wieder an den Tisch setzte und sich ihren Müsli mit dem Natur-Joghurt mixte. Ein gutes, leichtes und leckeres Essen. Genau das richtige. Genau das, was sie gerade brauchte.
Nachdem das Essen bereitet war, dachte Ana über das Angebot des Actimels nach, mit leicht zur Seite geneigtem Kopf, sodass ihre hellen haare sie ein wenig in der Arm-Beuge kitzelten. "Thomas... möchtest du einen Actimel?", fragte sie sanft, während sie noch darüber nachdachte, ob sie selbst überhaupt einen wollte. Wie viele Kalorien hatte so ein Ding eigentlich.
"JA!", rief Thomas aber direkt laut. Anastasijasah auf ihren Müsli. Sie hatte heute kaum was gegessen. Und ein Actimel würde ihr wohl kaum einen Bläh-Bauch geben. "Ja... einen nehme ich vielleicht auch. Danke.", stimmte sie dem kleinen Getränk also zu und nickte.
Sie sah Sofia nach, wie sie wegging um nach Bädemänteln oder sonst was zu schauen, öffnete währenddessen ihren Actimel und roch daran. Sie zögerte, dann nahm sie einen kleinen Schluck. es schmeckte dickflüssig und süß. ein Zeichen für ne Tonne von kalorien. Vielleicht trank sie auch nur die halbe Flasche. Mal sehen. Für den Moment fokussierte sie sich auf ihren Müsli und war froh als sie merkte, wie die Schmerzen in ihrem Bauch allmählich besser wurden und sich eine müde Trägheit ihres Körpers bemächtigte.
Als Sofia wiederkam, sah Anastasija auf. "Alles okay? Tut mir echt leid, dass wir heir einfach so bei dir reingeplatzt sind. Ich wusste halt nur nicht..." Sie zuckte die Schultern und ließ den Satz ins Leere laufen.

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Re: Boston [Amerika]
von Anastasija am 21.10.2025 18:29Ihren Sohn glücklich zu sehen war das einzige auf der Welt, was noch zählte. Jetzt, wo ihr der Boden unter den Füßen weggezogen worden war, merkte Anastasija, dass sie nie ein richtiges Leben gehabt hatte. Das machte ihr Angst. Sie hatte nie über die Zukunft nachgedacht, was mal werden sollte oder wohin es gehen würde. Sie hatte schon immer nur im Hier und Jetzt gelebt. Jetzt sah man, wohin das führte, nicht?
Aber wie sollte man ändern, wie man war? Die Angst vor der Ungewissheit und der Zukunft hatte sie damals nur kurzfristig gehabt. Und sie hatte sie wirklich nicht vermisst.
Als es um etwas zu essen für sie ging, stand Ana trotz ihrer schmerzenden Füße auf. "Müsli klingt gut.", sagte sie und trat zum Kühlschrank. "Hast du vielleicht auch etwas Naturjoghurt oder so dazu?" Im Augenblick erschien es ihr zwar nicht wichtig, aber immerhin wollte sie nachher noch arbeiten um etwas Geld zu verdienen (vielleicht auch um wenigstens noch die Illusion zu haben, irgendetwas unter Kontrolle zu haben) und da konnte sie einen Blähbauch nicht gebrauchen, oder?
Ihre müden Gedanken waren wirr, unkoordiniert, chaotisch. Sie hatte das Gefühl jeden Augenblick umfallen zu können. Womöglich würde sie ja nachher in der warmen Badewanne einfach untergehen und ertrinken...
Ana schüttelte den Kopf, riss die Augen auf - die ihr zugefallen waren und gab sich kurz selbst eine saftige Ohrfeige. Sie hatte einen Sohn! Solche Gedanken durfte sie gar nicht erst in ihren Kopf kommen lassen. Jonathan hatte sie vielleicht im Stich gelassen, aber es gab einen Menschen auf der Welt, der sie immer noch brauchte! Und sie würde verdammt nochmal für ihn da sein!
"Tut mir leid.", sagte sie rasch zu Sofia, um ihre eigene Ohrfeige zu erklären. "Musste nur kurz dumme Gedanken loswerden." Und es hatte geholfen. Sie fühlte sich durch die leicht brennende Wange auch wieder etwas wacher. Sie ging zu ihrem Sohn und gab ihm einen Kuss auf ihren Scheitel. Es würde schon alles irgendwie werden. Es wurde doch immer alles irgendwie, oder?

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Re: Boston [Amerika]
von Anastasija am 15.09.2025 18:54"Möhrensalat geht immer!", erklärte Thomas stolz mit hochgerecktem Kinn und grinste dann frech seine Mama an. Anastasija war froh, dass die Aussicht auf sein Lieblingsgericht ihren Sohn etwas von der ganzen Situation und der Kälte und Nässe ablenkte. Sie war froh, dass er sein Lachen nicht verloren hatte, auch wenn es bei ihr selbst gerade der Fall war. Sie betete, sie würde ihn beschützen können. Und dass er nicht krank würde oder sonst in irgendeiner Art und Weise geschädigt, von dem, was heute geschehen war...
Im Aufzug stehend hatte Ana Sofia auch nach einem Laptop gefragt, umd ie Nacht gegebenenfalls noch etwas ihrer Arbeit nachgehen und so Geld verdienen zu können. Sie sah es nicht ein, dass Sofia alles würde allein zahlen müssen. Nein, sie würde ihren Teil dazu beitragen. So wie sie es auch bei Jonathan immer gemacht hatte - immerhin ging oft ein Großteil ihres Verdienstes an ihn, allerdings hatte er sie ja auch in seinem Haus leben lassen, sich um sie und ihren sohng ekümmert, sie von der Straße geholt und ihr überhaupt erst diese Möglichkeit des einfachen Geld verdienens gezeigt! Es war also wirklich nur selbstverständlich...
"Danke", sagte Ana leise und nickte nur auf die bestimmten Worte, dass sie sich zuvor stärken solle. Gebadet hätte sie so oder so - so wie sie gerade aussah, konnte sie sich wohl kaum vor die Kamera setzen! Vermutlich sah sie wieder aus wie irgendeine dreckige Schlampe von der Straße...
Sie waren an der Loft angekommen und gemeinsam betraten sie dieses. Sie wurden in die Küche und zu den Stühlen geführt. Ana setzte sich auf die Stuhlkante, Thomas kletterte auf seinen Stuhl und saß in irgendeiner verqueren Position, die ihre eigenen Knie sicher nicht mitmachen würden. Aber er war eben noch jung. Als der Möhrensalat vor Thomas gestellt wurde, leuchteten seine augen nahezu auf. Sofort griff er nach der Gabel und begann gierig zu essen. Ana betrachtete ihm mit einem müden Lächeln und wischte ihm eine blonde Haarlocke aus der Stirn. "Was sagt man da?", fragte sie sanft.
"Danke!", schmatzte Thomas und aß glücklich weiter.
"Thomas geht immer vor.", antwortete sie abwesend und betrachtete ihren Sohn. Ihr eigenes Hungergefühl hatte sie irgendwie erfolgreich komplett verdrängt. "Ich bin nicht wählerisch.", sagte sie endlich und blickte auf. "Hast du vielleicht Haferflocken oder so da? Wenn nicht, nehme ich irgendwas anderes." Es war ihr gerade wirklich egal. Haferflocken aren nur gesund und alleine schon ihres Jobs wegen musste sie auf ihre Figur achten. Immerhin war es das, womit sie Geld verdiente.

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Re: Boston [Amerika]
von Anastasija am 13.08.2025 13:51"Sie hat Möhrensalat!!", strahlte Thomas laut seine Mutter an. Ein gewisser fröhlicher Glanz war in seine müden Augen zurückgekehrt, der Ana ein wenig Hoffnung machte. "Und sie sagte, dass alles für mich ist!!"
Müde musste Anastasija lächeln und gab ihrem Sohn einen Kuss auf sein nasses Haupt. "Ja, das ist super schön, mein Schatz.", antwortete sie ihm, bedeutend leiser. "Er wird dir bestimmt schmecken." Sie versuchte sich ihre Sorgen nicht zu sehr anmerken zu lassen. Sie wollte nicht, dass Thomas das mitbekam und deswegen runtergezogen wurde.
"Danke...", sagte Anastasija wieder demütig, als Sofia den ganzen Plan berichtete; sauber werden, schlafen und... eine Einkaufs-Tour morgen??? Dabei konnte sie kaum ihren Ohren trauen. Rasch sagte sie: "Ich kann die Nacht dann auch gerne etwas arbeiten. Ich kann ja überall arbeiten. Dann haben wir auch etwas Geld für die Einkaufs-Tour." Das war nur fair. Sofia sollte nicht alles alleine bezahlen müssen. In Gedanken ging Anastasija bereits durch, wo sie wohl am Besten lohnende Kunden hier finden würde. Ach, notfalls würde sie Sofia einfach nach einem Laptop fragen und online gehen. Dabei verdiente man zwar nicht so viel wie in Echt, aber einige waren doch bereit etwas Geld für ihren sexy Live-Stream auszugeben.
Sie waren in der Tief-Garage angekommen. Anastasija half ihrem Sohn aus dem Auto, der ihre Hand nahm und sie praktisch schon in den Aufzug zog. "Ich will zum Möhrensalat!!", erklärte er bestimmt und Ana blieb nichts anderes Übrig, ihm zu folgen. Als sie im Aufzug standen und die Türen sich schlossen, sagte sie: "Wenn wir uns etwas frisch gemacht und gegessen haben, hättest du dann womöglich einen Laptop den ich benutzen könnte, um etwas Geld zu verdienen?" Sofia würde bestimmt verstehen was sie damit vorhatte bzw. wie sie entsprechend ihr Geld verdienen wollte. Andere Möglichkeiten kannte sie schlichtweg nicht und es machte auch in gewisser Weise Spaß, den eigenen Körper anderen so zu präsentieren. Es hatte etwas laszives und verbotenes, das sie irgendwie anturnte...

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Re: Boston [Amerika]
von Anastasija am 20.07.2025 19:11Ist doch selbstverständlich, Ich bin schließlich kein Unmensch und ihr ganz offensichtlich in Not.
Die Worte schienen in ihrem Kopf wiederzuhallen und unwillkürlich musste sie schwach und bitter lächeln. Nach allem was sie von anderen Prostitutierten gehört ahtte, war es alles andere als selbstverständlich. Und dass sie in Not waren... tja, irgendwo waren sie das wohl, oder? Und es war so viel Schlimmer als damals, als sie das erste Mal schwanger auf der Straße gewesen war und als Jonathan sie dort gefunden und runtergeholt hatte (indem er sie in die Welt der Prostitution einführte, was sie niemals gedacht oder erwartet hätte). Jetzt jedoch war es nicht nur sie selbsht die litt, sondern auch Thomas. Thomas litt, Thomas war n Not und das konnte sie sich als Mutter nicht verzeihen.
"Danke. Vielen vielen Dank", hauchte Anastasija immer wieder. Sie wusste nicht anders ihrer Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen, während Sofia ihnen die nächsten Schritte erklärte. Beim Thema Essen blickte Thomas mit leuchtenden Augen auf. "Habt ihr Möhensalat?", fragte er mit seiner kindlichen Stimme und großen Augen neugieirg. Unwillkürlich musste Ana lächeln. Thomas und seine Möhren. Das war wahrlich eine Obsession.
Gemeinsam verließen sie das Domina-Studio und draußen wartete bereits ihre Fahrgelegenheit. Erleichtert (genau wie damals, als Jonathan sie in sein Auto eingeladen hatte) war sie endlos dankbar, nicht weiter durch den Regen laufen zu müssen. Während der Fahrt hielt sie Thomas eng an sich, welcher sich auch an sie kuschelte und blickte aus dem Fenster. Normalerweise war Ana kein sonderlich ängstlicher Mensch. Doch jetzt hatte sie Angst. Angst vor der Zukunft. Angst wie es weitergehen würde. Insbesondere in Hinsicht auf Thomas, der doch in einem Jahr eingeschult werden sollte...

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Re: Boston [Amerika]
von Anastasija am 13.07.2025 20:55Die Sekretärin hinter dem Empfangsschalter teilte ihr freundlich mit, dass Mistress Lilly heute keine Termine mehr empfangen würde, aber falls sie sie trotzdem noch sehen wollen würde, im Vorraum warten könne. Also setzte sich Anastasija mit ihrem Sohn auf einen der Stühle, bibbernd und frierend. Die blonden nassen Haarsträhnen hingen ihr vors Gesicht und tropften den Boden voll. Ihr Sohn wimmerte immer wieder leise, dass ihm kalt sei, dass er Hunger habe. Ana wusste ihm nichts zu antworten, nahm ihn einfach auf den Schoß und drückte ihn an sich. Ihre einzige Hoffnung lag bei Sofia. Letztes Mal hatte Jonathan sie von der Straße geholt... vielleicht.. . wäre Sofia ja genauso? Würde sie wirklich zweimal solches Glück haben? Sie konnte es nur hoffen...
Gerade als die Verzweiflung ihr Tränen in die Augen treiben wollte, öffnete sich eine Tür und Sofia erschien. Sofort hob Ana ihren Sohn von ihrem Schoß und stand auf. Nach einem ersten offenbar schockierten Blick eilte Sofia bereits auf sie zu, zauberte dabei - woher auch immer - Handücher her, in welche sie sie sofort einwickelte.
"Danke...", formte Ana mit den Lippen ohne zu wissen, ob dabei wirklich Ton ihre Lippen verließ. Winzige Hoffnung funkte in ihrem Inneren, dass Sofia ihnen vielleicht wirklich helfen würde. Bei der Frage räusperte sich Ana leicht, um ihre Stimme wiederzufinden.
"Wir... wir hatten keine andere Wahl.", gab sie zu und zuckte leicht mit den Schultern. "Danke... danke, dass wir mit dir kommen durfen.", fügte sie an und folgte Sofia Richtung Ausgang. "Das hier ist übrigens mein Sohn Thomas. Thomas, das ist..." Sie zögerte. Sie hatte ihren Beruf vor ihrem Sohn nie geheim gehalten, allerdings war er auch noch zu klein, um ihn wirklich zu verstehen. Mit einem entschuldigendne Blick zu Sofia, in der Hoffnung, sie würde ihr vergeben, sagte sie: "...Sofia. Eine Freundin, okay?"
Thomas, normalerweise immer extrovertiert, offen und neugierig, nickte nur und bibberte. Er gehörte in eine warme Badewanne und dann in ein Bett. Was, wenn er ernsthaft krank würde? Das würde sie sich nie verzeihen...

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Re: Boston [Amerika]
von Anastasija am 11.07.2025 21:51Die junge Serbin war in Schock.
Nasse blonde Haarsträhnen klebten ihr im Gesicht, ihr Sohn klammerte sich an ihrem Bein fest, zitternd, maulend, weinend. Sie war überfordert. Sie fühlte sich in der Zeit zurückversetzt. Fünf Jahre in der Vergangenheit, als sie schon einmal so wie jetzt allein auf einer fremden Straße gestanden hatte und nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Damals war sie schwanger gewesen, von ihren Eltern verstoßen, weil sie sich weigerte, das Kind abzutreiben, das nun an ihrer Seite stand. Und jetzt...
Sie schluckte schwer und versuchte immer noch zu begreifen, was geschehen war. Jonathan hatte sie einer Domina empfohlen, während er angeblich wieder etwas geschäftliches hatte regeln müssen. Sie war zu besagter Adresse und hatte sich mit der Domina namens Sofia die Zeit vertrieben. Es hatte ausgesprochen Spaß gemacht. Ein schöner Nachmittag, der ihre Dauer-Lust wundervoll befriedigt hatte. Und dann?
Sie war zurück zum Hotel gegangen. In der Lobby hatte ihr Sohn auf sie gewartet, mit geröteten und ängstlichen Augen. Offensichtlich hatte er geweint. Sie hatte ihn in den Arm genommen, getröstet, doch was geschehen war konnte - oder wollte - er ihr nicht sagen. An der Rezeption dann war ihr erklärt worden, dass die Suite - welche Jonathan gebucht hatte - nicht mehr belegt sei. Dass Jonathan am Nachmittag ausgecheckt habe und abgereist sei.
In Schockstarre hatte sie gemeinsam mit ihrem Sohn das Nobel-Hotel verlassen... und stand nun auf der verregneten Straße Bostons, irgendwo im Nirgendwo. Die Nacht war hereingebrochen. Es war kalt. Sie hatte keinerlei Sachen. Jonathan musste ihre Tasche mitgenommen haben. Womöglich für ein neues Flittchen, dass er wie sie auf der Straße aufgegabelt hatte. Der Gedanke tat weh. Unbeschreiblich weh.
"Mama??", schniefte Thomas an ihrem Bein und zerrte an ihrem Jeans-Mini-Rock, der dunkel vor Nässe war. "Mir ist kalt... und ich hab Hunger..."
Anastasija wusste nicht, ob es Tränen oder Regentropfen waren, die ihr über die Wangen liefen. Was sollte sie jetzt tun? Thomas würde hier draußen krank werden!! Einen winzigen Augenblick lang dachte Ana an ihre Schwester - Paraskeva - aber die war gerade meilenweit weg und davon abgesehen mit mehreren Studien beschäftigt. Da konnte sie sicher nicht ihre dumme Schwester und 5-Jährigen Neffen als Ballast gebrauchen. Und dann... dachte sie an Sofia. Wieder ein schmerzhaftes Stechen in ihrem Herz. Aber einen Versuch war es wert.
"Komm!", versuchte sie in möglichst aufmunterndem Ton zu ihrem Sohn zu sagen. "Ich weiß, wo wir hin können." Und sie betete, dass sie damit Recht behalten würde. Sie stiegen in die nächste U-Bahn und fuhren schwarz mit - zum Glück wurden sie nicht kontrolliert. Nur wurde sie in ihrem knappen, freizügigen Aufzug mal wieder angestarrt. Sie hörte, wie man hinter ihrem Rücken darüber tuschelte, was für eine furchtbare Mutter sie sei, was für ein schlechtes Vorbild für ihr Kind, wie sehr der Junge ihnen leidtue. Auch das tat weh, obwohl sie das nicht wollte.
Sie stiegen aus und sie führte Thomas - noch immer an ihrer Hand (und noch immer war er viel schweigsamer als sonst, was ihr gehörige Angst machte) zu dem Ort, wo sie heute schon einmal gewesen war. "Bitte, bitte, bitte...", flehte Anastasija leise, und öffnete die Tür, um in den dunkelrot beleuchtete Vorraum einzutreten. Leise Musik spielte im Hintergrund. Ana und Thomas tropften den dicken, dunkelroten Teppich voll. Sie trat zu der Dame hinter dem Thresen. "Entschuldigung? Ist... Sofia noch da? Ich... ich meine... Mistress Lilly?", fragte sie, mit blauen Lippen und Gänsehaut auf den Armen. Thomas drückte sich wieder eng an sie. Sie wollte nur ihren Jungen beschützen.
Wie hatte Jonathan nur gehen können? Vielleicht war da alles nur ein Alptraum. Einfach nur ein schrecklicher, fürchterlicher Alptraum, aus dem sie bald erwachen würde...

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Boston [Amerika]
von Anastasija am 11.07.2025 21:36![]()

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