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Lennox & Tessa ~ In Darkest Times Can Be Sparks of Hope (Sommer 2021)
von Tessa am 27.10.2022 12:32

Juli 2007. Die junge Frau Tessa Leia hat vor kurzem erfolgreich ihren Bachelor in BWL abgeschlossen und ist darauf gemeinsam mit einigen ihrer Kommilitonen feiern. Eine Feier, bei welcher ihr KO-Tropfen untergejubelt und sie von einem fremden Kerl in einen Wald nahe Oregon City entführt und vergewaltigt wird. Als Tessa allmählich wieder zu sich kommt, stolpert sie los, noch immer unter Drogen gesetzt, um Hilfe zu finden - Hilfe, welche sie in Form der gerade mal 15-Jährigen Lennox Tanner findet...

Re: Tessa &' Tod: Ein einziger Tag...
von Tessa am 01.09.2022 16:41Ungefragt trat das Mädchen, das den Tod selbst verkörperte in ihr Blickfeld. Tessa konnte sie nicht ansehen und gleichzeitig konnte sie doch auch nicht wegsehen. Wie bei einem grausamen Unfall, grausigsten Bildern die zu schlimm waren als dass es der Geist ertragen wurde und doch war man unfähig den Blick einfach abzuwenden, als wäre er daran festgebunden. Genauso erging es Tessa gerade. Sie wird glücklich sein. Oh Gott, wie sie es hoffte. Wie sehr Tessa es hoffte. Sie glaubte nciht an ein Leben nach dem Tod, doch sollte so etwas auch nur ansatzweise existieren (und allein die Tatsache dass die Personifikation des Todes gerade vor ihr stand war doch fast ein eindeutiger Beweis dafür, oder nicht?), dann hatte ihre Tochter alles Glück verdient. Sie sollte lachen, so wie sie es im Leben getan hatte, spielen und Erfahrungen machen und... leben. Die Bitterkeit in diesen Gedanken ließen Tessa fast wieder brechen, sich sogar fast erbrechen. Wie konnte man von Leben sprechen oder denken, wenn man tot war? Wie sollte Ricky auch nur irgendwie jemals irgendetwas wieder erfahren können, so wie sie es verdient hatte?
Doch sie sprach diese Gedanken nicht aus, lauschte stattdessem dem, was der Tod wieder zu sagen hatte. Und diesmal... versetand sie. So schwer es ihr auch fiel, sie verstand. Wenn es nur nicht so schwer wäre... wenn es nur nicht so verdammt schwer wäre... Tessa suchte nach etwas anderem. Nach irgendetwas anderem - und ihr fiel etwas auf. Fast schon ein wenig ruckartig, mit einer Intensität, die vorher gefehlt hatte, richtete sich ihr Blick auf das Mädchen vor ihr. "Sie sieht mich leiden?", wiederholte sie die Worte - in ihrer rauen Stimme schwang nun eine andere, jedoch unbenennbare Emotion mit. "Das heißt... sie sieht mich? Beobachtet mich?" Der Gedanke dass Ricky wirklich irgendwie noch da sein könnte... Tessas Herzschlag beschleunigte sich ein wenig. Sie hatte niemals an solche Dinge geglaubt, war dazu immer viel zu pragmatisch gewesen, aber wenn...
"Ich glaube an die Wissenschaft.", sprach Tessa es nun endlich aus. "Ich habe nie wirklich einer Religion angehört und sie geglaubt. Ich glaube nicht an das Leben nach dem Tod oder an Geister oder..." Ruhig richtete sich ihr Blick direkt in die Augen des Mädchens. "...Bis vor einer halben Stunde hätte ich auch nicht geglaubt, dass es etwas wie dich gibt oder geben kann." Leicht schüttelte sie den Kopf und starrte durch ihre verwahrloste Wohnung. "Wer weiß. Vielleicht liege ich ja auch nur im Delirium und habe irgendeinen verrückten Traum." Es war nur mehr ein leises Murmeln. Einerseits hoffte sie das fast, andererseits auch nicht. Sie wollte nicht akzeptieren, dass es mehr gab, wollte nicht akzeptieren, dass es ihrrer Tochter schlecht ging, sie litt, wegen ihr. Doch andererseits war der Gedanke, dass Ricky irgendwie doch noch da war...
Sie presste die Kiefer zusammen. Wem machte sie eigentlich was vor? Übernatürlich oder nicht, sie würde ihre Tochter nie mehr in die Arme schließen können. Und dieses Wissen... tat weh. Tat schrecklich weh.
Sie trank etwas Wein.
Tessa setzte sich wieder. Sie musste es dem Mädchen begreiflich machen - irgendwie. Es war befremdlich, von einem äußerlichen Kind mit 'Schatz' angesprochen zu werden, und doch fühlte es sich nicht so befremdlich an wie es sollte. Tessa starrte auf die Weinflasche in ihren Händen. Und während sie sprach wandte sie den Blick von dieser auch nicht ab. "Wenn du alles über mich weißt..." Die Worte fielen schwer. "...dann weißt du auch, dass Ricky durch eine Vergewaltigung gezeugt wurde." Sie schluckte. "Ich war an meinem Tiefpunkt. Ich habe mich noch nie so dreckig, schwach und hilflos gefühlt. Mich sogar geschämt. Doch dann wurde mir dieses wundervollste Glück geschenkt. Ich kam wieder auf die Beine, um meinem Kind ein Leben ermöglichen zu können, um ihr eine Mutter zu sein. Und es war das Erfüllendste. Ricky hat mich gerettet." Sie wusste nicht wo sie jetzt wäre, wenn sie bei der Vergewaltigung nicht schwanger geworden wäre.
Ob Delirium-Traum oder nicht, ob alles was das Mädchen sagte real war oder nur ein Glauben, ob es wirklich geschah oder nicht: es konnte nicht schaden zu versuchen, Ricky zu helfen, sollte noch irgendetwas an Hilfe möglich sein. Was machte es für einen Unterschied, wenn sie wahrscheinlich eh im Koma lag? Sie trank noch zwei große Schlucke Wein. "Sie bedeutete mir alles. Und sie ist nicht mehr." Jetzt blickte Tessa wieder auf, aus rot umrandeten Augen. "Ich soll ihren Tod akzeptieren. Das habe ich. Ich weiß dass ich sie nie wieder lachen sehen, sie nie wieder in den Armen halten werde und es zerreißt mich an jedem einzelnen Tag. Also sag mir: wie soll ich mich von diesem Schmerz lösen? Wie mit diesem Schmerz leben?" Wenn nicht mit dem Alkohol. Vielleicht wäre es das Beste, doch einfach aufzugeben und gemeinsam mit ihrer Tochter endlich Seite an Seite weiterzuziehen - sollte so etwas existieren..

Re: Tessa &' Tod: Ein einziger Tag...
von Tessa am 27.08.2022 12:40Tessa saß da, das Gesicht wie eine eiserne Fassade und blickte dieses Mädchen an, welches nun so viel kraftvoller und lebendiger, ja fast schon wütend auftrat und Tessa ein Wort nach dem anderen um die Ohren warf. Dinge über welche Tessa nie auch nur einen Gedanken verschwendet hatte, weil sie niemand war der mit dem Kopf in den Wolken hing, sondern immer im hier und jetzt gelebt hatte. Sie hatte nie viel mit Legenden oder Göttern oder Übernatürlichkeiten anfangen können. Doch hier stand sie nun. Der personifizierte Tod und selbst eine Zynikerin wie Tessa glaubte es. Denn sie wusste zu viel, allein ihr Auftreten.
Noch immer war ihr Gesicht unbewegt - doch die Worte hatten ihr Ziel getroffen. Sie schluckte. Sagte nichts. Stand auf und ging mit langsamen Schritten zur Wand zwischen zwei Fenstern, wobei sie unterwegs - ohne es wirklich zu merken - eine fast leere Weinflasche zur nahm. Sie schwieg noch immer während sie aus dem Fenster starrte. Hinaus auf die Straße wo Menschen ihre Leben lebten und sich vielleicht darüber ärgerten, dass ihre Bar heute geschlossen hatte.
Ihr eigenes Leben war ihr egal geworden. Sie hatte kein Interesse mehr daran ihren Weg zu gehen. Nicht ohne ihre Tochter an ihrer Seite. Ihre Tochter, welche ihr mehr als einmal vermutlich das Leben gerettet hatte. Aber wenn dieses Mädchen, wenn... Tod... Recht hatte... Tessa senkte den Kopf leicht, die Augen geschlossen. "Ich will meine Tochter nicht aufhalten, weiterzuziehen.", sagte sie leise, mit rauer und belegter Stimme. "Sie soll nicht leiden. Sie soll glücklich sein. Sie hat alles Glück der Welt verdient." Ihre Lippen zitterten, und die bröckelig aufgebaute Fassade fiel wieder in sich zusammen. Die erste Träne fiel. Tessa wischte sie weg, den Schluchzer konnte sie gerade noch so unterdrücken, sodass nur ihr Körper für einen Moment erbebte. Sie zwang sich ruhig zu atmen und wandte dann endlich ihren Blick wieder zu dem Mädchen namens Tod, in dieses weise junge Gesicht und in Tessas Augen spiegelten sich Tränen. "Aber wie sollte sie glücklich sein können, wenn sie so früh aus dem Leben gerissen wurde? Wie soll ich sie loslassen, ohne..." Sie brach ab und beendete ihren Satz anders. "...sie bedeutete mir alles."
Ganz langsam, fast wie in Trance setzte sich Tessa wieder, und trank Wein aus der Flasche ohne es wirklich zu merken. Nur ein kalter bekannter Geschmack blieb in ihrer Kehle zurück. "Wie viel weißt du über mich?", fragte Tessa leise. Diesmal ohne das Mädchen anzusehen. "Wie viel weißt du über mein Leben?"

Re: Tessa &' Tod: Ein einziger Tag...
von Tessa am 18.08.2022 17:56Tessa atmete ein und aus. Ein und aus. Ihre Arme zitterten. Ihre Finger zitterten. Ihr Atem zitterte. Ihre Kehle fühlte sich rau und dick an, ihre Brust, als würde ein ganzer Gebirgszug auf ihr lasten und es ihrem Herz nahezu unmöglich machen, seine lebenserhaltende Funktion weiter aufrechtzuerhalten. Sie rang wortwörtlich um ihre Fassung. Versuchte verzweifelt ihre Emotionen wieder unter Kontrolle zu bekommen. Sie wollte sich nicht so gehen lassen. Wollte sich nicht so zeigen. Weder ihren vier Wänden, noch sich selbst - und ganz bestimmt irgendeinem anderen Menschen. Niemand sollte sie so sehen. Obwohl jeder es schon immer sah, wahrscheinlich, oder? Jeden einzelnen Abend wenn sie trank und an dem Punkt ankam, da sie nicht mehr fähig war, die Bestellungen aufzuschreiben, da Kopfrechnen nicht mehr funktionierte, ihre Sprache verwaschen und ihre Bewegungen grob wurden...
Und dann sprach diese fremde Stimme. Tessa reagierte nicht. Sie ließ die Worte in sich reinrauschen, während sie sich weiter darauf fokussierte, ein und auszuatmen. Ein und aus. Ein und aus. Ihre Fassade wieder aufzubauen, ihre so wichtige Fassade. Ein und aus. Bedauern überkam sie.
Sie hätte die Flasche nicht gegen die Wand werfen sollen.
Ich bin der Tod, doch die Entscheidung wer stirbt und wer lebt, liegt nicht bei mir. ("Ist mir egal", schoss es Tessa bitter durch den Kopf. Doch regen oder etwas sagen tat sie nicht. Sie atmete ein und aus.) Es machte sie fertig. Es machte sie fertig zu hören, wie der Tod über all diese Dinge sprach. Von Blumen und Wegen und Pfaden und Seelen. Es war ihr egal. Es war ihr alles egal und es spielte auch keine Rolle. Was sollte sie mit irgendwelchen metaphorischen Blumen und Pausen und Wegen anfangen? Sie wollte Ricky. Das war alles was zählte. Und es war nicht fair, dass sie gegangen war. Seelen kehrten zurück? Wie schön. Vielleicht sollte Tessa es dann doch endlich einfach selbst beenden. Dann könnten Ricky und sie gemeinsam ihren ach so wundervollen nächsten Pfad suchen.
Die Verbitterung der Gedanken, die einer nach dem anderen durch ihren Kopf schossen, schmeckte wie Galle in ihrer Kehle. Doch sie sagte nichts. Sie tat nichts. Sie saß da - und atmete ein und aus. Versuchte ihren Zorn, ihre Verbitterung, irgendwie wieder unter Kontrolle zu bekommen. Sie durfte nicht noch einmal so ausbrechen.
Schließlich herrschte Stille. Das Mädchen schwieg. Offenbar hatte sie gesagt, was sie sagen wollte - und doch hatte sie in Tessas Augen absolut NICHTS gesagt. Nichts was von Bedeutung war, nichts was irgendwie auch nur im Entferntesten half.
"Ich scheiße auf die Wege.", brachte Tessa raus. Ihre Stimme war. Sehr rau. Viel rauer als sonst. Ihre Hände zitterten. Sie schloss die Augen, atmete ein und aus und öffnete sie wieder. "Was willst du von mir?" Jetzt war ihre Stimme ruhiger. Ihr Blick starr in den des Mädchens gerichtet und ihre Emotionen wieder hinter einer ausgesprochen wackeligen Mauer verborgen.

Re: Rachels Wohnung
von Tessa am 28.06.2022 17:51Tessa startete sich selbst im Spiegel an, die Hände am Waschbecken abgestützt. sie trug tiefe dunkle schatten unter den Augen, die von der letzten Nacht noch ein wenig blutunterlaufen waren. Ihre Haut war blass und tatsächlich wirkte alles an ihr tot. Die letzte Nacht hatte sie nur verschwommen im Kopf. Sie war wieder aus gewesen und erst spät nach Hause zurückkehrt, wahrscheinlich etwas zu laut neben Rachel ins Bett gefallen. Der Schmerz pochte dumpf in ihrem Schädel, und mit jedem Pochen schien es, als wolle ihr Gehirn der Schädeldecke entweichen. Sie dachte an Ricky. Was sie sagen würde, könnte sie sie jetzt sehen. Gebrochen und geduscht und dennoch mit einer sehr wahrscheinlichen Alkohol-Fahne im Badezimmer stehen - und Angst habend.
Sie schloss die Augen und spritzte scih kaltes Wasser ins Gesicht. "Komm schon...", flüsterte sie sich selbst zu. Dies hier war der Tag an dem sich alles ändern sollte. Dies hier war der tag, an dem sie scih und Rachel retten wollte. Sie hatte so lange darüber nachgedacht, was sie tun könnte - und etwas besseres war ihr nicht eingefallen. Rachel war alles, was sie noch in ihrem Leben ahtte. Alles, für das es sich zu leben lohnte, ihr ganzer Lebenssinn war diese wundervolle Frau die gerade noch nebenan im Schlafzimmer im Bett lag. Tessa wollte ihr zeigen wie viel sie ihr bedeutete. Sie wollte ihr zeigen wie wichtig sie ihr war. Sie wollte... weitermachen.
Ein schwaches leichtes Lächeln legte sich kurz auf Tessas Lippen. "Tut mir leid, Ricky", flüsterte sie und machte den Wasserhahn zu. Sie trocknete sich ab, zog sich die Sachen an welche sie sich bereits mit ins Badezimmer genommen hatte - ein weites dunkelgrünes und ärmelloses Oberteil und eine enganligende hellblaue Jeans die einmal Rachel gehört hatte (sämtiche von Tessas eigenen Sachen waren gemeinsam mit der Bar verbrannt). Sie ging in die Küche um zwei Eier in die Pfanne zu hauen, trank nebenbei in wenigen Schlucken ein Bier leer, was sie hier stehen hatten und hockte sich zu ihrer bereits fertig gepackten Tasche - nur um sicher zu gehen, dass der Ring in der Schatulle in der Seitentasche noch da war. Noch da - und gut versteckt. Tessas Herz raste bei der Vorstellung was sie vorhatte. Sie hoffte es würde klappen. Auch wenn die Angst ihre Adoptiveltern nach all diesen Jahren wiederzusehen greifbar war.
In diesem Moment hörte sie Rachels Ruf. Rasch - mit zitternden Händen (ein Symptom was sie meistens morges nach dem Aufstehen hatte) - stopfte sie die Schatulle wieder zurück und stand auf. "Ja? Ich bin da Schatz.", rief sie in ihrer tiefen, leicht rauchigen Stimme und sah wie Rachel aus der Tür trat. Müde, zerzaust. Unglücklich. Kurzerhand trat Tessa auf sie zu, um ihr einen sanften guten Morgen Kuss zu geben. "Wir schaffen den Tag zusammen, okay?", flüsterte sie leise. Und vielleicht würde danach auch alles besser werden. Weitergehen. Den nächsten Schritt. Vielleicht war es einfach das, was sie brauchten. Irgendwie.
"Ich mach uns grade ein Rührei", fügte sie hinzu und trat zurück an die Pfanne, um die bereits fest gewordnen Eier etwas vom Pfannenboden zu lösen und so ein Verbrennen zu verhindern. Es würde werden. Ja, es würde schon werden. Es musste werden...

Re: Tessa &' Tod: Ein einziger Tag...
von Tessa am 09.05.2022 17:30Natürlich hängst du noch an ihr. Aber sie hängt auch noch an dir.
Tessa schloss die Augen. Diese wenigen Worte hatten ausgereicht, um die Tränen hinter ihren Augenlidern kommen zu lassen. Sie unerwünscht in ihre Augen zu drücken. Mühsam, doch vergeblich versuchte die Barfrau sie noch zurückzuhalten. Als die erste Träne fallen wollte, wischte sie sie sofort weg und atmete tief und zitternd durch, was nur weitere heftige Messerstiche in ihrem Herzen verursachte. Aber sie hängt auch noch an dir. Die Art und Weise wie das Mädchen es gesagt hatte war es, was Tessa derart aus der Fassung brachte. Die Tatsache, dass sie von Ricky in der Gegenwart gesprochen hatte. Dass sie noch lebte. Die Tatsache dass sie etwas über Ricky wusste. Sie anscheinend kannte. Und dass... dass Ricky sie auch vermisste...
Shit, sie vermisste sie so sehr. So sehr, dass sie es nicht einmal in Worte fassen konnte. Jede einzelne Faser in Tessas Körper schrie einfach nur nach ihrer Tochter. ICH WILL RICKY ZURÜCK.
Zitternd atmete Tessa erneut ein, ohne wahrgenommen zu haben, dass sie vorher die Luft angehalten hatte. Sie brauchte einen Drink. Nein - nicht nur einen. Mehrere.
Sie stand auf, holte sich was sie brauchte, fand einen Gin den sie ihre Kehle hinunterstürzen konnte. Ihr Leben lang war sie sehr stolz auf ihre Selbstbeherrschung gewesen, doch seit Rickys Tod spielte das alles keine Rolle mehr, war es ihr alles einfach egal geworden. Nichts war mehr wichtig. Nichts.
Nur langsam kehrte sie zu dem Mädchen zurück und brachte ihre Lippen endlich dazu die Fragen zu formen, die ihr auf der Seele brannten seit die Fremde ihre Bar betreten und den gesamten Tag so dermaßen unerwartet auf den Kopf gestelt hatte. Doch was dann für eine Antwort kam...
...damit hatte Tessa nicht gerechnet.
Sie konnte nichts erwidern. Sie stand einfach da, starrte das Mädchen an und versuchte zu verarbeiten, was diese gerade gesagt hatte. Ich bin der Tod. Aber wie konnte da sein? Wie konnte jemand der Tod sein? Andererseits wusste dieses Mädchen Dinge. Dinge über Ricky, die sie nicht wissen durfte. Oder? Die restlichen Worte des Mädchens - oder des Todes, wenn sie denn die Wahrheit sprach (was Tessa schwer genug fiel zu glauben) - nahm sie kaum war. Das Blut rauschte ihr in den Ohren, erstickte jegliche anderen Geräsuche. Ihre Hand die nicht die Gin-Flasche umklammerte hatte sich zur Faust geballt, sie zitterte. Der Druck hinter ihren Augen von aufgestauten Tränen war dem Zorn gewichen. Dem reinen brennenden Zorn der Verzweiflung. Der Ungerechtigkeit.
"Wenn du der Tod bist...", flüsterte Tessa, zwang sich mühsam ihre Stimme ruhig zu halten, konnte das Zittern jedoch nicht verbergen. "...warum sie? Warum meine Ricky?? Verdammt, sie war 13!!! Sie hatte ihr ganzes Leben noch vor sich!! Sie war so begeisterungsfähig, hat die Welt und das Leben geliebt, sie war so... so... so fucking verflucht einzigartig!!! ALSO WARUM MUSSTE SIE GEHEN UND NICHT IRGENDEIN ANDERER??!" Sie brüllte jetzt, brüllte dieses zierliche Mädchen vor sich an und warf die noch fast volle Ginflasche derart heftig gegen die Wand, dass sie in tausende von Scherben zerfiel und einen dunklen Fleck hinterließ, der in Rinnsalen sich sofort nach unten hin ausweitete und als Pfütze auf dem verdreckten zugemüllten Boden sich ansammelte.
Tessas Beine gaben nach, sie sackte auf dem Sessel zusammen, verbarg ihr Gesicht in ihren zitternden Händen und versuchte die Trauer, die Wut, die pure Verzweiflung in sich irgendwie wieder unter Kontrolle zu kriegen.
Es war nicht fair. Es war verdammt nochmal einfach nicht fair...
Noch nie hatte sie die Fassung so sehr vor einem anderen Menschen verloren..

Re: Tessa &' Tod: Ein einziger Tag...
von Tessa am 27.03.2022 11:06Tessas gesamte Muskulatur war angespannt. Es kam ihr noch immer surreal vor, was gerade geschehen war, was sie gerade getan hatte. Noch nie hatte sie die Bar spontan zugesperrt -zumindest noch nie ohne triftigen Grund. Und dieses Mal hatte sie es getan, nur weil ein junges Mädchen sie darum gebeten hatte? Nein nicht nur deswegen. sagte eine leise Stimme in Tessa und sie wusste sofort, dass die Stimme recht hatte. Es gab mehrere Gründe. Im Grunde genommen arbeitete sie doch nur noch, weil es eben ihre Arbeit war. Weil sie sonst nichts meht tun konnte. Sie konnte nichts mehr tun außer zu arbeiten, doch sie empfand keinerlei Freude mehr daran und wenn sich ihr eine Ausrede bot die Arbeit hinzulegen - und ihr das zusätzlich noch frühes Trinken, einen Absinth am frühen morgen bescherte, dann ja, war sie darauf eingegangen. Vor allem der Alkohol war für sie zu einem verführerischen und nicht zu widerstehendem Lockmittel geworden. Sie konnte nicht anders. Jeden Abend war es ein Glücksfall ob sie es noch schaffte die Tür zuzusperren oder nicht. Meistens konnte sie sich noch nicht einmal daran erinnern. Aber es gab noch einen Grund, weswegen sie der Aufforderung des Mädchens gefolgt war und sogar die Bar geschlossen hatte.
Ricky. Und im gleichen Augneblick wo Tessa dies dachte und ihr Herz einen schmerzhaft stechenden Satz machte, hatte auch das Mädchen wieder diesen Namen in den Mund genommen. Tessas Atem wurde sofort schwer, er schien in ihrem Schädel wiederzuhallen, jeder Atemzug wie ein Wirbelsturm. Ihre Kehle war staubtrocken. Der Zucker ankaramelisiert. Mit leicht zitternden Fingern ließ Tessa den Löffel in das grüne Getränk gleiten, rührte um und leerte das ganze Glas mit drei großen Schlucken.
Der Alkohol rann rasend und stark ihre Kehle hinunter. Da sie zum Frühstück nur eine Scheibe Brot gehabt hatte (wie immer) raste der Absinth auch direkt in ihren Kopf. Ein angenehmes Gefühl und ein Gefühl, welches sie gerade unbedingt gebraucht hatte. Sie musste sich gleich direkt noch einen machen. Jetzt jedoch richtete sich ihr Blick erstmal auf das Mädchen. Tessa war klar, was für einen Eindruck sie auf sie machen musste. Allein die Wohnung die wie ein einziger Saustall aussah schrie es ja schon heraus. Aber es spielte doch ohnehin keine Rolle mehr. Alles spielte keine Rolle mehr.
Aber was dann kam... damit hatte sie nicht gerechnet. Ihre Hand verkrampfte sich um das leere Glas. Ihr Puls raste, jeder Herzschlag schien in ihren Ohren zu dröhnen, während sie dieses Mädchen das abgesehen von dem Aussehen überhaupt nichts mehr von einem Mädchen an sich hatte, anblickte. Es gab so vieles was sie sagen wollte. So vieles was sie aussprechen wollte, so vieles was sie nicht verstand, was sie fragen wollte. Doch nichts von alldem verließ ihre Lippen.
"Sie war meine Tochter.", sagte sie rau und erneut war es, als würde irgendjemand ein Messer in ihr blutzerfetztes Herz schlagen. "Und sie war die beste Tochter, die man sich wünschen konnte. Wie sollte ich nicht an ihr hängen?" Ihre Mundwinkel zitterten. Sie spürte, dass der inneren Schmerz ihre aufgebaute Mauer drohte zu durchbrechen. Das konnte sie nicht zulassen. Ruckartig stand sie auf, ging durch das Zimmer und riss eine der Schranktüren auf. Nichts. Nur leere Flaschen. Sie riss die nächste auf, sah eine volle Flasche Gin und nahm sie sogleich an sich. Der Verschluss war schnell aufgedreht, schnell waren mehrere große Schlucke genommen. Sie musste sich gleich noch Wasser irgendwo reinfüllen. Dann konnte sie den Absinth auch weitertrinken. Immer noch vor dem Schrank stehend in diesem einzigen stickigen Chaos sah sie dann wieder zu dem Mädchen. Die Flasche in der Hand.
Nur langsam näherte sie sich ihr wieder, setzte sich aber nicht sondern blieb stehen. "Wer bist du?", fragte sie, ihre Stimme wieder ruhiger. Der Geschmack des Gins brannte in ihrem gesamten Mundraum. "Warum bist du hier? Was soll das heißen 'du hast sie in Empfang genommen'? Was weißt du über... Ricky?" Der Name kam ihr nur schwer über die Lippen. Wieder war da das Messer. Nur dieses Mal wurde es zusätzlich auch noch in ihrem zerstörten Brustkasten gedreht. Ihre Hand auf der Sofalehne liegend verkrampfte sich leicht, sie nahm einen weiteren schnellen Schluck, doch dann verweilte ihr Blick auf dem Mädchen - wartend auf Antworten.

Re: Tessa & Zara | Sometimes all you need is faith...
von Tessa am 25.03.2022 14:46Tessa stand hinter der Bar, einen Lappen in der Hand und wischte die Theke. Im hintergrund spielte leise die Musik vom Radio. Fröhlich. Die Barfrau genoss die unbesorgte Atmosphäre. Sonnenstrahlen tanzten durch die Fenster und ließen kleinste Staubpartikel in der Luft erscheinen, wie sie hin und her flogen in ihrer ansonsten unsichtbaren Welt. Hinter der Tür die in ihren Wohnraum führte konnte sie poltern hören und einen Augenblick später tauchte Ricky auf. Sie zog einen gepackten Koffer hinter sich her, strahlte ihre Mutter an und fiel ihr auch schon um den Hals. Der blumige Duft stieg Tessa in die Nase und lächelnd erwiderte sie die Umarmung ihrer Tochter. "Ich werde dich vermissen, Große.", sagte sie mit ihrer tiefen rauen Stimme und strich dem Teenager-Mädchen eine blonde gelockte Haarsträhne aus dem Gesicht. "Ich dich nicht. Ich werde die Freiheit genießen!", zog diese ihre Mutter auf, sprang schon wieder zurück und hatte ihren Koffer bereits in der Hand, um nun entlang der Bar auf die Eingangstür zuzugehen, wobeis ie nochmal innehielt um zu ihrer Mutter zu sehen.
"Pass auf dich auf. Und hab Spaß!", meinte Tessa, den Blick noch immer auf ihre wundervollste Tochter gerichtet.
"Es ist nur eine Klassenfahrt Mom! Was soll schon passieren?", grinste Ricky und griff nach der Türklinke. Und für einen Augenblick durchzuckte Tessa das Wissen. Sie wusste was passieren wurde, sie wusste es. "NEIIIN!", brüllte sie, stürzte mit einem ausgestreckten Arm nach vorne, nach vorne um ihre Tochter aufzuhalten, um Ricky davon abzuhalten diese Tür zu öffnen. Doch dann hröte sie schon das laute Klingerln des Zuges, die quietschenden Reifen die noch verzweifelt versuchten auf den Schienen zu bremsen um nicht in die Bar, nicht in ihre Tochter reinzurasen und...
Tessa hustete. Es war ein rauer, schwerer Husten, tief aus der Lunge kommend. Sie drehte sich auf den Boden den sie nicht sehen konnte und hustete. Hustete erneut. Schnappte nach Luft, nach Sauerstoff, einfach nach irgendetwas. Doch alles war schwer, es roch fürchterlich stechend, ein Geruch den sie kannte es roch nach... nach...
Feuer.
Tessa öffnete die Augen, hustete erneut. Ihr war schwindelig, so verflucht schwindelig. Aber dennoch sah sie aus schreckgeweiteten Augen was da vor ihr war. Das Dunkel des Abends wurde erhellt von hellroten und orangen, zum Teil sogar blauen Flammen. Sie leckten aus den Fenstern, die unter ohrenbetäubenden Splittern zerbarsten. Tessa nahm die Frau neben sich, deren schmale Hand mitfühlend und besorgt auf ihrer Schulter lag gar nicht war. "Nein...", flüsterte sie. Angst durchflutete sie nun in Wellen. Panik. "Ricky... RICKY!!!" Sie versuchte sich aufzurichten, doch die Beine gaben unter ihr nach. Wieder hustete sie. Versuchte aufzustehen, auf die Lammen zu, doch einige Alkoholflaschen explodierten, eine Stichflamme schoss aus der Tür raus und erneut ging Tessa zu Boden. Mit schreckgeweiteten Augen, derweil die Hitze über ihr Gesicht leckte, starrte sie den Rest ihres Lebens an, der gerade einfach nur in Flammen aufging. Ihre Hände begannen zu zittern während sich allmächlich eine absolute und vollkommene Lähmung in ihr ausbreitete. Sie konnte nur noch an Rickys Zimmer denken. An ihr Bett, ihre Zeichnungen an den Wänden, ihr Regal, all ihre sachen die ale noch unverändert in dem Zimmer gestanden hatten seit sie weg war. Und das Buch welches sie geschenkt bekommen hatte. die ganzen Bilder von Ricky. Ihr Herz versetzte ihr einen Stich. Es war alles weg. Alles.
Sie hatte nichts mehr von ihrer Tochter.
Dumpf frage sie sich, was geschehen war. Aus der Ferne konnte sie Sirenen hören die sich näherte. Hatte sie Gäste gehabt? Waren sie alle noch da drinnen? Verbrannt? Tot? Hatte das Feuer mehra ls nur ihre Erinnerungen und ihr Zuhause verzehrt. Tessas Hände zitterten. Ihr war schwindlig. Leicht kippte sie gegen die Person neben ihr, die sie noch immer kaum beachtet hatte. Gar nicht realisierte, dass sie da war. Denn es spielte keine Rolle mehr. Es war alles egal. Es war alles...
...vorbei.

Re: Tessa &' Tod: Ein einziger Tag...
von Tessa am 02.02.2022 11:24Noch immer betrachtete Tessa das andere Mädchen mit Sorge. Was mochte mit ihr passiert sein, was sie so dermaßen aus der Bahn geworfen hatte, was sie so starr daistzen ließ. Hatte es etwas mit Ricky zu tun, dass sie hier war? Ging es ihr nicht gut? Oder hatte sie irgendeinen Anfall? Gerade als Tessa das Mädchen loslassen wollte, um ihr rasch ein Glas Wasser zu füllen für den Fall, dass sie etwas würde trinken wollen, sprach sie erneut. Es hatte nichts mit der Stimme des Mädchens von vorher gemein. Sie klang anders. Rauer. Kratziger. Tessa. "Ja, ich bin es.", bestätigte Tessa und nahm rasch die Hand wieder vom Arm des Mädchens. Offenbar konnte sie sie wieder wahrnehmen. Das war schonmal ein Fortschritt. "Ist alles in Ordnung?", fragte sie erneut. "Möchtest du etwas trinken?" Sorge erfüllte sie, denn das gerade - das war definitiv kein gutes Zeichen gewesen. Gerne wollte sie ihr irgendwie helfen wenn sie konnte - und genauso recht war es ihr, wenn sie das Thema nur irgendwie weglenken konnte von ihrem eigenen Schmerz. Egal wie. Sich dabei um andere zu kümmern war immer eine gute Methode - und einer der Gründe, weswegen Tessa trotz all des Aufwands und der Überlastung nach wie vor diese Bar ganz alleine führte.
Dann jedoch, als das Mädchen - nein die Frau - sich aufrichtete, war wieder etwas anders. Tessa ließ den Arm endgültig sinken. Sie saß da, wie die Königin des Landes. Nein der Welt. Mit einer Präsenz, welche einfach alles auszufüllen schien, bis in den letzten Winkel. Und sie war nicht die einzige, der es auffiel. Sie hörte nahezu, wie nach und nach die morgendlichen Gespräche in der Bar verstummten.
mein Kind? ... dich mal persönlich zu sehen...? Tessa runzelte die Stirn, öffnete leicht die Lippen und wusste nciht das geringste zu erwidern. Es war zwar wahr, dass Tessa ihre leibliche Mutter niemals herausgefunden oder kennengelernt hatte, doch das Mädchen vor ihr würde es ganz gewiss nicht sein - immerhin war sie ja jünger als Tessa! Hinzu kam dieser seltsame Ausdruck... woher sollten sie isch kennen, wenn nicht persönlich? Obwohl... hatte sie vielleicht mal mit einer Klassenkameradin von Ricky telefoniert, alas diese nicht daheim war? Mochte es dieses Mädchen gewesen sein? Tessa erinnerte sich nicht.
"Ich weiß nicht wovon sie sprechen.", begann Tessa, doch die Autorität und Bestimmtheit, welche Tessa normalerweise an den Tag legte, mit welcher normalerweise sie diejenige war, welche den Raum mit vollkommener Natürlichkeit ausfüllte, fiel neben dieser allumfassenden Präsenz in sich zusammen. Tessa wollte ihr sagen, dass sie nichte infach die Bar zumachen konnte, dass sie sich verdammt nochmal einen anderen Tag aussuchen oder früher, morgens kommen sollte, wenn sie in Ruhe mit ihr sprechen sollte. Doch die Worte 'Ich habe hier eine Bar zu führen!' fielen auf halbem Weg zu ihrem Mund in sich zusammen, ausgelöscht durch den alleinigen Blick dieses Mädchens. Er schien sie auf ganz unangenehme Weise zu röntgen. Und wenn Tessa schloss, könnte sie auch schon trinken, nicht wahr?
Sie spürte, wie sie ohne es sich noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen nickte. Ihr Kopf ruckte in Richtung der Tür hinter dem Thresen - der Tür in ihr eigenes Reich, ihre Wohnung. Die dunkel, zugemüllt und voller leerer Flaschen an allen Ecken und Enden war. Aber Tessa hatte das eigentümliche Gefühl, dass es dieses Mädchen nicht stören würde und dass sie sogar schon wusste, was sie erwartete. Sie führte das Mädchen - dessen Name ihr schon wieder entfallen war (hatte sie ihn überhaupt gesagt), ins Wohnzimmer. Eine Flasche gegen die sie aus Versehen stieß rollte leise klirrend davon. Die Luft war abgestanden, verbraucht und roch nach Alkohol. "Setz dich und warte. Ich komme, wenn ich bereit bin.", sagte Tessa mit ihrer dunklen, wie imme rleicht verruchten Stimme und war froh, das zumindest ein Teil ihres Selbst und ihrer selbstverständlichen Präsenz zurückgekehrt zu sein schien.
Sie verließ das Mädchen und kehrte in die Bar zurück, wo ihre ersten Schritte zur Tür führen und das 'Geschlossen'-Schild nach außen hängte. Dann wandte sie sich ihren Gästen zu. Aller Augen waren auf sie gerichtet. "Sie können alle in Ruhe ihr Frühstück beenden und austrinken.", rief Tessa. "Allerdings muss ich Sie dann leider bitten zu gehen, da mir ein wichtiger Zwischenfall entgegengekommen ist." Wobei sie noch nicht einmal wusste, um was für einen Zwischenfall es sich handeln musste - zudem hatte sie noch nie die Bar geschlossen, nur weil irgendjemand mit ihr reden wollte. Noch dazu jemanden, an den sie sich nichte rinnern konnte sie zu kennen? Aber jetzt war es zu spät. Jetzt zog sie es durch. Und immerhin würde gleich der Absinth auf sie warten...
"Spätestens morgen haben wir dann wieder ganz regulär geöffnet. Ich danke für Ihr Verständnis." Und damit ging sie herum, nahm die allerletzten Bestellungen auf, räumte leere Gläser ab und kassierte die Kunden, ehe sie sie hinaus begleitete. einen nach dem andern. Als das nach einer halben Stunde schließlich keiner mehr da war - und sie potentiellen neuen Kunden bedauerlich wieder hinaus gewiesen ahtte, schloss sie ab, spülte rasch noch das letzte und holte sich ihren Absinth unten aus dem Schrank. Noralerweise trank sie den nur abends in der Bar - und nicht in ihrer Wohnung. Allerdings hauptsächlich, weil sie, wenn sie in ihre Wohnung gelangte - schon weit zu betrunken war, als um sich noch einen Absinth mischen zu können. Sie füllte sich ein Glas mit ein paar Finger breit voll Wasser, schnappte sich die Dose mit den Zuckerwürfeln und betrat ihre Wohnung, wo immer noch das Mädchen saß. Ohne ein Wort setzte sich Tessa, stellte die Sachen ab und füllte das Wasserglas mit bedeutend mehr Absinth auf. "Also... was kann ich für dich tun?", fragte Tessa, ihre normale Fassung wiedergewonnen, warf dem Mädchen einen Blick zu und legte derweil einen Zuckerwürfel auf den Löffel. Dann ließ sie ihr Feuerzeug knipsen und hielt die Flamme direkt unter die Seite des Löffels, um so den Zucker leicht karamellisieren zu lassen. Ihr Blick richtete sich von der Flamme erneut auf das Mädchen. Wartete darauf, was jetzt wohl kommen möge...

Re: Tessa &' Tod: Ein einziger Tag...
von Tessa am 15.12.2021 16:57Gespannt wartete Tessa, den Blick noch immer in die Augen der Fremden gerichtet, die langsam anfangen wollte zu sprechen. In Tessas Gedanken ratterte es derweil immer noch. War es wirklich aus Rickys Schule? Einer ihrer Freunde? Oder irgendwo anders her? Einer AG oder irgendeiner Veranstaltung? Aus dem Waisenhaus früher? Nein, in welche Richtung dachte sie denn jetzt, das machte ja gar keinen Sinn. Dafür war das Mädchen altersmäßig viel zu weit entfernt von Tessas Alter. Aber woher dann?? Woher könnten sie sich kennen, was Tessa vergessen hatte...?
Und dann kam ein Wort nur. Ein einziges Wort nur was nahezu einen Pfeil geradewegs durch ihren Brustkorb in ihr Herz sirren ließ. Ricky. Ihr flacher Atem wurde schneller, ihre Hände klammerten sich einerseits an die Theke, andererseits an die Orangensaft-Flasche, aus der sie eben noch einem Kunden etwas eingeschenkt hatte. Sie hatte Ricky gesagt. Tessa hatte sich nicht verhört. Das wusste Tessa. Niemals würde sie sich bei dem Namen von ihrem kleinen Mädchen verhören. Also kannten sie sich doch über Ricky. Tessa schluckte, ihr Herz stach bei jedem einzelnen Schlag. Als würde jemand Nägel überall verteilt immer und immer wieder reinhämmern. Schlag, Schlag, Schlag. Atmen fiel so schwer, so.. unendlich schwer...
Dennoch bemühte die Barbesitzerin nach Kräften, sich nichts anmerken zu lassen. So zu tun als wäre alles wie immer, alles normal. "Du... du kanntest also Ricky?", fragte Tessa schließlich mit rauer Stimme und hoffte, dass sie nicht so belegt klang, wie sie sich anfühlte. Doch das Mädchen schien sie ohnehin gar nicht wahrzunehemn. Ihr Blick war ganz glasig, irgendwo ins Nirgendwo gerichtet. Jetzt überkam Sorge Tessa. Entschlossen schob sie ihren eigenen inneren Schmerz wie so oft gekonnt beiseite und beugte sich zu dem Mädchen, musterte sie aus ehrlich besorgten Augen. "Hallo? Kannst du mich hören? Hey, ist alles in Ordnung?" Sanft und fragend berührte sie das Mädchen am Oberarm, in der Hoffnung, sie wieder ins Hier und Jetzt zu holen.









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