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Enoch

31, Männlich

FSK 18 Mensch flexibel androsexuell Non-Binary androromantisch Profi erfunden

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Re: Enoch & Nina ~ Drugs are Cool (2017) | Triggerwarnung

von Enoch am 17.10.2022 03:35

Nachdem wir es endlich geklärt hatten, dass ich kein verrückter Fan war – weder von ihm noch von seiner Tochter – hatte ich endlich zum Wesentlichen kommen können. Das kam mir allerdings auch nicht sehr viel leichter über der Lippen – doch irgendwann hatte ich es geschafft und es stellte bei ihm genau die richtigen Schrauben, auf die ich gehofft hatte, dass ich sie damit treffen konnte.Er war sofort im Vater-Modus. Ein Zustand, den ich meinen Erzeuger nie hatte einschlagen sehen – allerdings hatte meine Mutter einen Modus für beide Elternteile gehabt. Man konnte also durchaus sagen, dass sie extra hart zugeschlagen hatte, wenn es hatte sein müssen. Doch das tat nichts zur Sache.
Ich unterbrach mich, als ich seine Worte hörte und nickte nur. Und auch wenn ich mich von meinem Lauf hierher noch wieder ganz erholt hatte, flitzte ich wieder los und hörte ihn dicht hinter mir, während wieder auf die Stelle im Wald zuhielt, an der ich Nina zurückgelassen hatte. Und je näher wir der Stelle kamen, umso größer wurde mein schlechtes Gewissen, denn ich hatte sie erst in diese Lage gebracht. Wenn ich nur meinen Mund gehalten hätte, dann wäre das alles nicht passiert und ihr Vater hätte davon nichts erfahren müssen. Vielleicht war es an dieser Stelle ja ganz gut, dass es passiert war und er von dieser Sache erfuhr, doch was alles andere anging...
Und als sie endlich in Sichtweite war, sprintete er an mir vorbei und warf sich beinahe zu ihr auf den Boden. Wenn die Situation nicht so ernst wäre, wäre ich beinahe neidisch auf sie geworden, dass sie einen solchen Vater hatte. Doch ich schluckte diesen bitteren Gedanken schnell wieder herunter, als auch sie erreicht hatte. Mittlerweile hatte ich Bauchschmerzen. Und die wurden noch schlimmer, als ich sah, wie er sie nun umsorgte.
Ich konnte gar nicht so genau zuhören und wollte mich nicht so sehr darauf konzentrieren. Was passiert war...? Nun, ich könnte natürlich lügen und sagen, dass wir uns zufällig begegnet waren und sie zusammengebrochen war, oder ich könnte die Wahrheit sagen. Beides wäre auf seine jeweils eigene Weise schmerzhaft.
Leicht irritiert musterte ich ihn. Irgendwie hatte ich gehofft, dass das alles vorbei wäre, sobald er hier bei ihr war und ich einfach meiner eigenen Wege gehen könnte, doch auf der anderen Seite...Es ergab nur Sinn, dass er sich noch anhören wollte, was geschehen war – immerhin konnte es helfen, ihr zu helfen.
Also kramte ich noch schnell meine Sachen zusammen und warf mir die Tasche über die Schulter. Dann schloss ich mich den beiden an, die bereits vorgegangen waren.
„Also", begann ich dann und wurde nun doch immer nervöser. „Eigentlich war alles ganz normal. Ich habe auf der Wiese gesessen und sie ist auf mich zugekommen, weil sie sich erkundigen wollte, was ich zeichne und weshalb ich dabei so viel fluche. Und wir haben uns unterhalten – ich wusste nicht, dass sie berühmt ist. Und, ähm, ich weiß nicht. Sie hat irgendetwas genommen, da bin ich mir sehr sicher, und im Gespräch ist sie irgendwann durchgedreht und zusammengebrochen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte und bin deshalb losgegangen, um Sie zu holen, weil sie nach Ihnen gefragt hat." Nun, grundsätzlich war das keine Lüge, sondern entsprach der Wahrheit – es fehlten nur ein paar Einzelheiten. Allerdings war ich mir sehr sicher, dass diese an dieser Stelle nicht so wichtig waren, oder...? Mein Magen verkrampfte sich noch ein wenig mehr bei diesem Gedanken. Doch ich blieb bei meiner Aussage, während ich neben den beiden herging. Ich wusste nicht, was nun aus der Premiere werden würde, auf die sie sich eigentlich gefreut hatte wie ich sie verstanden hatte. Was hatte ich nur angestellt. Und wenn ihr nun etwas passierte...?! Wieso konnte ich eigentlich nie nachdenken, bevor ich irgendetwas machte...

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Enoch

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Re: Enoch & Nina ~ Drugs are Cool (2017) | Triggerwarnung

von Enoch am 10.04.2022 01:49

Noch immer außer Atem hatte ich den Mann endlich erreicht, von dem ich hoffte, dass es sich dabei um Ninas Vater handelte. Ich hatte ihn noch nie gesehen – und in der Eile auch vergessen, sie danach zu fragen, wie er eigentlich aussah. Doch dieser Mann hatte einiges mit Nina gemein, wie ich nun besonders feststellte, als er sich mir ganz zuwandte und ich war guter Dinge, dass ich den richtigen erwischt hatte. Ich atmete auf und ignorierte einfach, wie schmutzig ich nach meiner kunstschaffenden Aktion und dem Gespräch mit Nina ich eigentlich geworden war – mit dreckiger Hose und schmutzgefärbten Handflächen. Schweiß klebte mir auf der Stirn und meine Wangen glühten. „Oh Gott sei Dank!", sagte ich leise aus und nickte vor mich hin, hörte ihn gar nicht richtig und musste mich erst dazu zwingen, seinen Worten zu folgen, damit ich verstehen konnte, was er mir sagen wollte. „Hä?", hakte ich nach, während ich immer noch um Atem rang und mir die Arme dabei in die Seite stützte. Seine Worte sickerten langsam in mein Bewusstsein und ich öffnete leicht den Mund. „Ahhhh", hauchte ich leise vor mich hin. „Ich, äh, nein", gab ich zu und lächelte halb verlegen, kratzte mich am Hinterkopf in meinen mittlerweile wilden Haaren. „Ich, ähm, bin kein...Fan", stellte ich etwas peinlich berührt klar. „Und ich bin auch nicht wegen...wegen der Premiere hier. Also, eigentlich schon, sondern viel mehr wegen...wegen Nina selbst." Nachdenklich runzelte ich die Stirn. „Wir habe uns im Park getroffen und unterhalten und...etwas stimmt nicht mit ihr. Ihr geht es nicht gut und sie meinte, sie bräuchte jetzt Sie, ihren Vater..." Meine Stimme war leise, doch ich war mir sicher, dass er mich trotz der umstehenden Menschen und den Vorbereitungen für den Abend gut verstehen konnte. „Ich soll Sie zu ihr bringen, damit sie wieder entspannen kann..." Doch je mehr ich sagte, umso eher dämmerte es mir, wie dumm ich dabei eigentlich klang. Ich könnte ihm doch gerade das Blaue vom Himmel herunter versprechen, um ihn...mit zu nehmen – wohin auch immer ich das führen würde. Was bedeutete...so schnell würde ich ihn sicher nicht hier weg bekommen – als Vater einer berühmten Tochter war er fadenscheinige Bemühungen sie oder auch ihn persönlich irgendwohin zu bekommen, sicher gewohnt und konnte sie durchschauen. Nur...dass meine Aussage Hand und Fuß hatte. Ich wusste nur nicht, wie ich ihm das beweisen sollte und biss mir, in Gedanken abdriftend, Ideen suchend, auf die Unterlippe. Schließlich sah ich allerdings nur eine Möglichkeit...die Wahrheit. Und so seufzte ich kurzum. „Ich...weiß, das klingt verrückt..." Dass ich mich verrückt anhörte, würde man auch nicht das erste Mal sagen. „...und dass Sie es vermutlich schon von vielen gehört haben. Aber...ich meine es ernst. Nina braucht wirklich Ihre Hilfe..." Ich sah ihn bittend an, flehend sogar. Aber womöglich machte es das bei meinem Auftreten und in meinem Zustand nur noch schlimmer, das wusste ich nicht genau. Ich war schmutzig und hatte einen auffällig schrägen Kleidungsstil. Wenn es darum, Stars und ihren Familien aufzulauern, wäre ich vermutlich Verdächtiger Nummer eins. Ich seufzte noch einmal, leise vor mich hin. Ich warf einen Blick über die sich sammelnden Menschen, die zum Teil erst einmal nur interessiert stehen blieben, um den Aufbau der Szenerie zu verfolgen, aber auch die Angestellten, die auf und ab gingen. Und...die Bodyguards. Es würde vermutlich nicht sofort auffallen, wenn er einmal verschwand, aber es würde wohl Fragen aufwerfen. Ich rang mit mir. Ich wollte es nicht sein, der ihm erklärte, dass seine Tochter drogenabhängig war...und ich hoffte inständig, dass es nicht so weit kam, um ihn dazu zu bewegen, mit mir zu kommen. Also hielt ich mich noch zurück, wartete ab, und sagte: „Sie müssen mir glauben." Doch ein Teil von mir wusste, dass es meine Worte nicht besser machten und ich stattdessen nur immer schräger klang. Ich biss mir auf die Zunge.

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Enoch

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Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18

von Enoch am 30.03.2022 13:18

Ich konnte nicht sagen, was genau es war, doch das feine Zucken, das ihre Lippen immerzu umspielte, wenn sie wieder eine gewisse Reaktion aus mir herausgekitzelt hatte, stachelte mich noch sehr viel mehr an. Ich wusste, dass es dumm war, so zu denken, dieses Verhalten machte mich ganz wuschig - und am liebsten wollte ich ihr jedes Mal wieder eine reinhauen, wenn sie es erneut an den Tag legte...
Doch ich beherrschte mich. Ich würde es nicht Diplomatie nennen, aber...gesunden Menschenverstand. Es würde nichts bringen, uns gegenseitig anzugehen - und vermutlich würde sie das nur noch viel mehr befriedigen und in ihrem Tun bestärken. Und so hielt ich mich zurück. Sogar ich, so impulsiv und von meinem plötzlich wechselnden Stimmungen gesteuert und immer wieder übermannt werdend ich auch sein mochte, biss mir in diesem Moment schlicht auf die Unterlippe und ballte die Hände zu Fäusten, aber blieb standhaft an Ort und Stelle. Doch meine Hände zitterten, der Puls hämmerte an meinem Hals und ich wusste, dass mein ganzer Körper leicht bebte.
Doch was sie schließlich sagte, brachte mich vollkommen aus dem Konzept...mein Puls versiegte und ich richtete mich überrascht noch etwas mehr auf, runzelte die Stirn. „Ich...", begann ich, doch brachte den Satz nicht gleich zu Ende, brauchte einen weiteren Anlauf. Ich räusperte mich. „Nein", gestand ich ehrlich und musterte sie noch einmal nachdenklich, wenn auch nur kurz. Ich wusste nicht recht, was ich dazu sagen oder nur davon halten sollte, deshalb ließ ich sie vorerst sprechen und versuchte, aus ihren Worten schlau zu werden - und ich musste zugeben, dass das ausnahmsweise einmal ziemlich leicht war; sie Dorsch nicht in Rätseln so wie sonst. Ich nickte kurz. Ja, jedenfalls war das einer meiner Gedanken gewesen...wenn man seine Kräfte hatte, warum nicht andere aus positive Weise daran teilhaben lassen. Doch vermutlich war ich an dieser Stelle zu idealistisch...allerdings schien sie mir darin auf eine gewisse Weise zuzustimmen. Auf einmal klang sie auch alles andere als von oben herab, sondern sehr viel nahbarer und ehrlicher. Diese Seite hatte ich von ihr bisher noch nicht gesehen - oder ihm, wenn, dann nicht genügend Beachtung geschenkt, da man ihn noch nicht zu schätzen gewusst hatte. Doch nun kam er wie eine angenehmer Windhauch an einem schwülen Sommertag - erfrischend und, wenn auch nicht erwartet, im perfekten Moment, um die Wogen zu glätten und die Stimmung wieder aufzuhellen. Ich spürte wie sich mein Groll langsam verzog, die Wut verrauchte und sich auch mein Magen wieder entspannte, während ich nun so neben ihr herging. Doch in diesem Moment sollten ihre gewichtigeren Aussagen erst noch kommen. Und über diese stolperte ich gewaltig. Für einen Moment musste ich stehen bleiben und starrte sie an, ehe ich mich wieder in Bewegung setzen konnte, um ihr zu folgen. Hatte sie das gerade ernst gemeint? Ich konnte keine Spur von Belustigung oder Scherzhaftigkeit in ihrem Gesicht erkennen - allerdings nahm ich Gefühle auch nur unbewusst war, auf einer anderen Ebene. Ich konnte in etwa einschätzen, was in jemandem vorging, aber konnte es nicht in Worte fassen und auch nicht mit dem Finger drauf tippen, was es genau war. Man konnte sagen, jemand mit ADHS besaß eine gewisses empathisches Vermögen, doch er vermittelte einem nur die Sinneseindrücke und nicht die Sache des Verstandes der Gefühle anderer. „Findest...findest du das wirklich...?", fragte ich dann nach einer langen Pause doch nach, in der wir uns durch die nur zeitweise von Fenstern und Straßenlaternen erhellte Dunkelheit bewegten. Ich wusste, dass ich mich damit sicherlich schon wieder zu einer Zielscheibe für ihre Spöttelei machte, doch ich konnte ihren Worten nicht einfach glauben. Ich war niemand, den man gern als einen Anführer haben wollte - ich war zerstreut und unkonzentriert, konnte nicht mehrere Dinge gleichzeitig und verzweifelte, wenn Dinge nicht so liefen wie ich sie mir in den Kopf gesetzt hatte. Nein, ich war kein guter Anführer - ich würde jede Gruppe in ihr persönliches Verderben stürzen...geschweige denn was auf uns zukommen würde, wenn ich eine Gruppe mit Menschen mit wahnwitzigen Superkräften führen sollte! Also fragte ich, denn ich konnte diese Worte nicht einfach so stehen lassen.
Schließlich nickte ich. Ja, solche Aussagen waren schon eher nach ihrem Standard und damit konnte ich auch gleich mehr anfangen - also was das Zwischenmenschliche mit ihr anging, wusste ich da wenigstens in gewisser Weise, woran ich war. Doch ich folgte ihr. Bisher hatte sich ihre dunkle Freundin nie geirrt und uns immer den Weg gezeigt, wenn es etwas zu tun gab - niemand sonst von uns konnte sie hören, doch dafür hörten wir unsere eigenen. Mittlerweile hatte ich festgestellt, dass jeder von uns ganz Ähnliches zu berichten hatte; jeder von uns hatte eine empathische und einfühlsame Verbindung zu deinem persönlichen Element. Es war, als würde es zu uns sprechen, wie ein Verbündeter, jemand, der uns führen und leiten wollte...wie ein Freund.
Die Obdachlosen und Junkies waren wieder das beste Beispiel für meinen Fall - ich konnte die Farben um sie kreisen sehen und der Geruch von allerlei Dingen hing an ihnen...nicht nur nach den Drogen selbst, sondern auch nach allem, was sie ihnen versprechen...ich konnte sie flüstern hören, die hohlen Wünsche und Bitten, mit denen sie daran klammerten - und sie diese Menschen dazu zwangen, immer wieder zu kommen. Ich fragte mich, ob ich, wenn ich...
Doch der Gedanke war schnell vom Tisch, denn Emily schien eine Spur zu haben - meine Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf sie und das Flüstern verschwand im Hintergrund, ein Säuseln und Singen in der Ferne.
Ich folgte mit meinem Blick in dir Richtung, in dir die zeigte und sah ihn nun sich, schwarzen Rauch - mitten in der Stadt! Und schon stürzte sie los. Nach einem Moment der Irritation tat ich es ihr schließlich gleich - ich sprach vom Gehweg auf den Asphalt und die Schritte meiner schweren Stiefeln gaben ein plumpes Hämmern von sich, das durch die nächtliche Straße hallte, auf der Gras wurde es dann dumpfer, aber auch dunkler. Dann hatten wir unser Ziel erreicht; Hitze machte sich in mir breit - und das lag nicht nur an dem Feuer ganz in der Nähe. Ich war nicht unsportlich und auch nicht außer Form, aber auch kein Marathonläufer...
Noch fast im gleichen Augenblick, in dem sie sich nach meiner Meinung erkundigte, hatte ich bereits die Stirn gerunzelt. Es roch eigenartig, aber nicht unbekannt. In den rauchigen Qualm des Feuers hatte sich noch etwas anderes gemischt - die Farben der Umgebung wirkten selbst verzerrt und durchmischt, bunt und knallig, zu intensiv für die Nacht und das Feuer selbst. Wabernder Nebel stieg zwischen dem Flammen auf und versprach die sonderbarsten Dinge, flüsterte sie mir ein, ohne zu wissen, dass es dabei bei mir nur auf taube Ohren stieß. Dieses Talent hatte zumindest den Vorteil, dass ich nicht abhängig werden konnte...wenn man von einem dauerhaften Konsum einmal absah, der mich allerdings nicht schädigte - dafür aber sich fast keine Wirkung erzielte. Wir ein Durstiger, der Wasserglas und Wasserglas trank, aber seinen Durst am Ende doch nicht stillen konnte.
„Drogen", brachte ich nur zwischen den Stimmen in meinem Kopf hervor.

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Re: Enoch & Nina ~ Drugs are Cool (2017) | Triggerwarnung

von Enoch am 06.03.2022 22:19

Ich musste ehrlich gestehen...ich war mit meinem Latein an Ende. Ich wusste, dass ich das zu verantworten hatte – und ich konnte nicht leugnen, dass es mir mittlerweile deutliche Bauchschmerzen bereitete, sie so zu sehen und daran zu denken, dass ich sie in diese Lage gebracht hatte, weil ich sie hatte erschrecken wollen. Bei dem letzten schnürte sich meine Kehle zu und ich schluckte immer wieder, um den Klos zu entfernen, doch es gelang mir nicht.
Ich räusperte mich, doch als ich zu sprechen beginnen wollte, brachte ich keinen Laut heraus. Auf der anderen Seite wusste ich auch nicht, was ich dazu sagen sollte – immerhin hatte sie behauptet, dass ich keine Lippen hatte. Jedenfalls nicht mehr, als noch einmal nachzuhaken. Ich schluckte wieder, doch es brachte mir nichts. Stattdessen ging ich noch etwas mehr auf Abstand. Wenn mich nicht alles täuschte, dann roch es nach Urin, nicht? War es so schlimm. Ich seufzte und biss mir kurz auf die Unterlippe – das war ja eine super Aktion von mir gewesen; ich hatte gerade ein kleines Mädchen mental zerstört...und die Drogen in ihrem Körper hatten dabei das übrige getan. Es war ein Effekt gewesen, auf den ich angespielt hatte, doch wenn ich nun zwangsläufig darüber nachdachte, wollte ich mich selbst dafür ohrfeigen. Niemand sonst auf dieser Welt hätte das so vorhersehen können wie ich – denn immerhin hatte keiner sonst eine solche Beziehung zu Drogen und deren ganz spezielle Wirkungen...Und auch wenn ich es bisher noch nicht erklären konnte, ich hatte in diese Richtung eine ganz besondere Begabung – und ich hätte gerade deshalb sehr viel weiser sein sollen. Doch manchmal, da war ich einfach der kindischste von allen – und über meine Taten nachdenken...erst, wenn es schon zu spät war und ich nicht mehr ändern konnte.
Doch mich nun deshalb fertig zu machen, machte wohl auch keinen Sinn, nicht? Jetzt sowieso nicht mehr. Nun ging es wohl eher darum, wie man ihr noch helfen konnte...Doch auch an dieser Stelle wusste ich nicht mehr weiter – ich hatte es mir reden versucht und auch einen Gedanken daran verschwendet, irgendetwas mit meinem Talent anzustellen, doch bei diesem Thema wusste ich nicht mal, wie und was ich tun könnte...außer es ordentlich vor Augen zu haben und zu wittern, was sie genommen hatte und wie es in ihrem Körper wirkte. Aber immerhin schien sie da eine Idee zu haben... „Dein Dad?", wiederholte ich noch einmal und musste gestehen, dass mich der Gedanke etwas irritierte, denn normalerweise wollte man als jemand, der konsumierte...na ja, nicht, dass seine Eltern davon in irgendeiner Weise Wind bekommen konnten. Doch sie beteuerte es noch einmal. Ich runzelte die Stirn – mir war irgendwie unwohl bei dem Gedanken, sie hier nun so allein zu lassen. Allerdings...auf der anderen Seite war ich auch hauptsächlich dafür verantwortlich, dass sie überhaupt erst in diesem Zustand war.
Deshalb nickte ich und erhob mich. „Ich...ich geh ihn holen", erklärte ich. „Bleib ganz ruhig. Wir kriegen das hin!" Nun, ihr Vater hoffentlich, den ich konnte nicht mehr viel ausrichten.
Ich krempelte also die Ärmel meines Hoodies hoch und nahm die Beine in die Hand. Auf dem Event, hatte sie gesagt. Ich wusste ja so ungefähr, wo das war. Was ich allerdings nicht wusste, wie es mir wie Schuppen von den Augen fiel, als ich vermutlich bereits den halben Weg hinter mich gebracht hatte...ich wusste nicht mal, wie ihr Vater aussah – er hieß Thomas, hatte sie gesagt, doch...viele Menschen hießen Thomas. Ich hatte nichts in der Hand, woran ich ausmachen konnte, dass es sich bei dem Mann um ihren Vater handelte. Ich blieb wie angewurzelt stehen – sollte ich zurückgehen...? Ich wusste es nicht – und der Gedanke, wieder zu ihr zu gehen, ohne etwas erreicht zu haben, weil ich wieder zu schnell gedacht hatte, und so schüttelte ich die Idee ab. Ich bekam das schon hin. Vielleicht würde ich einen Manager finden und wäre ihr Vater nicht, keine Ahnung, unter den Menschen, die besonders überwacht wurden...? Jedenfalls vom Publikum sollte ich ihn unterscheiden können, oder? Also gut...
Ich hatte mich wieder in Bewegung gesetzt und hatte kurz darauf auch den Ort des Geschehens erreicht. Wenn ich mich jetzt hier so umsah, war es wirklich so verwunderlich wie sie es am Anfang gefunden hatte, dass ich sie nicht kannte – immerhin hingen hier überall Plakate, auf denen sie abgebildet war in der Hauptrolle eines neuen Films. Allerdings war das in diesem Moment überhaupt nicht wichtig. Und so schüttelte ich kurz den Kopf und trat durch die Menge. Und schlagartig wusste ich es...ich hätte zurückgehen sollen. Wieder wollte ich mich ohrfeigen, aber stattdessen ging ich weiter zwischen den Menschen entlang. Wenn er der Vater der Hauptrolle des hier vorgestellten Films war, dann...dann konnte er doch gar nicht so weit weg sein. Er musste doch unter Bewachung stehen und sich bei eventuellen Managern aufhalten, oder nicht? Und dann hörte ich Bruchstücke eines Gesprächs – ich runzelte die Stirn. Sie hatten gerade Nina gesagt! Und etwas davon, dass sie hatte den Wald erkunden wollen. Ich richtete mich kerzengerade auf. Jemand in einem Anzug hatte es gerufen und ein anderer stand neben einem trainierten blonden Mann. Seine Züge kamen mir bekannt vor! Konnte es nicht...? Wieder einmal schien ich mehr Glück als Verstand zu haben. Doch was es auch war, es war gut, dass es geklappt hatte. Und so machte ich mich auf dem zu ihm. Dabei dachte ich darüber nach, was ich ihm überhaupt sagen sollte. Nina schickte mich, dass ich das erwähnen sollte, war mir klar, doch wie lockte ich ihn hier weg, um ihm zu seiner Tochter zu bringen...? Ich konnte nur hoffen, dass ihm die Bitte seiner Tochter, zu ihr zu kommen, reichte. Also holte ich tief Luft und trat näher. „Ent...Entschuldigen Sie...?", sprach ich ihn vorsichtig an und spielte dabei leichtnervös mit meinen Fingern. „Sind...Sind Sie Thomas...Thomas Price?" Ich bemerkte, dass mich das Sicherheitspersonal genau beobachtete...Doch ich konnte es ihnen nicht verdenken, wenn man sich nur mal mein Auftreten und meinen Aufzug ansah...

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Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18

von Enoch am 01.02.2022 14:23

Sie schien von mir wohl nicht die Antwort bekommen zu haben, die sie erwartet hatte. Doch im Grunde störte ich mich wenig daran. So wunderlich und düster sie auch war – Dinge, die mich normalerweise an einem Menschen auf gewisser Weise anzogen –, so unheimlich war sie mir außerdem. Nicht dass ich wirklich Angst vor ihr hatte, doch ich wurde aus ihr auf eine ganz andere Weise nicht schlau als es sonst bei meinen Mitmenschen der Zustand war. Und das sorgte immer wieder für Bauchschmerzen bei mir
Und so wandte ich mich bald aus meiner nachdenklichen Haltung heraus zu ihr um. „Und vielleicht will ich das auch gar nicht", entgegnete ich. Denn wenn ich ehrlich war, versuchte ich es wohl auch gar nicht. Ich hatte so eine Ahnung, in welche Richtung sie mit ihren Gedanken ging, doch auf der anderen Seite...tat ich es auch nicht. Das wurmte mich genauso sehr wie es mich abschreckte, deshalb lehnte ich es lieber ab als mich weiter damit befassen zu müssen. Eine Strategie, die ich leider viel zu oft im Leben verfolgte...
Ich schüttelte leicht den Kopf und seufzte ich mich hinein. Dabei ging es mir gar nicht um sie, sondern eher um mich selbst. Wie oft hörte man, dass man sich den Dingen stellen sollte, aber ich hatte mich nie dazu durchringen können. Doch ich wollte nicht einmal mehr darüber nachdenken...die nächste Bewältigungsstrategie, die mich nur immer weiter in den Ruin trieb.
Aber ich wollte weder über mein Verhalten und dessen Macken noch über ihre tieferen Beweggründe nachzudenken, immer weiter Fragen zu stellen.
Und glücklicherweise kam auch eine Ablenkung, die sich allerdings als alle andere als glücklich herausstellte.
Ein kalter Rückenschauer rannte mir über den Rücken und meine Nackenhaare stellten sich auf. Ich konnte nicht wegsehen bis es zu spät war, nur um dann aufzuspringen und mich abzuwenden. Wie konnte sie so etwas nur tun...
Meine Unterarme brannten und mir war eine Mischung aus heiß und kalt zumute. Ich krallte die Fingernägel in meine Oberarme, um nicht zusammenzubrechen. Ich wusste nicht, wie ich dabei empfand; ich fühlte mich zum einen schwach, zum anderen war ich unglaublich wütend auf sie – weil sie sich das selbst antat, weil sie mir das antat und weil es ihr so unglaublich egal zu sein schein.
Ich konnte sie nicht mehr ansehen. Auch nicht, als sie angefangen hatte, über die Struktur unserer Gruppe zu reden, auch wenn sie mich damit noch ein wenig mehr ärgerte. Da hatten wir es wieder; ich wurde nicht schlau aus ihr. Zum einen meinte ich zu wissen, dass sie mich nicht absichtlich provozieren wollte, zum anderen machten mich ihre Worte vollkommen irrational und brachten mich auf die Palme – meiner Meinung nach ein Zustand, in den sie Menschen gern brachte, wenn sie nicht gerade mit ihrem Rauch spielte.
Verstanden? Das Wort hallte in meinem Kopf wider. Gar nichts hatte sie verstanden, so war es. Doch ich sagte nichts dazu und ich reagierte auch nicht, gab keine Reaktion dazu von mir. Sie ließ es ja doch nicht bleiben – höchstens, wenn ich anwesend war, doch nicht einmal das war sicher. Bei dem Gedanken daran kribbelten und brannten mir noch immer die Unterarme und die alten Narben, die ich so lange nicht mehr angerührt hatte und die mich dennoch jeder Zeit, wenn mein Blick auf die nackte Haut fiel, auslachten und erniedrigten, wie schwach ich eigentlich war und wie zerstört mein Körper doch im Grunde war, weil mein eigener Geist am Ende war...
Und doch...
Hastig fuhr ich herum. „Was willst du ändern?" Mein Tonfall war rasiermesserscharf und meine Gesichtszüge verhärtet. „Was wenn wir uns gar nicht organisieren wollen oder müssen? Wir sind nicht mehr als eine Gruppe von Menschen, die irgendwelche chaotischen Kräfte besitzen. Wir sind nicht die Avengers oder die X-Men! Das hier ist die wirkliche Welt, wir sind echte Menschen, keine Superhelden, keine Mutanten, wir können nicht einfach herumlaufen und versuchen, die Menschen als eine Bande von Super-Soldaten zu retten. So funktioniert das nicht!" Und so sehr ich auch schimpfte, umso mehr erwischte ich mich einmal wieder bei dem Gedanken, dass man doch, wenn man schon. Ich selbst musste mich ermahnen, nicht einmal darüber nachzudenken. Nicht hier, nicht jetzt, das würde ihr doch nur in die Taschen spielen. Und leider hatte sie am Ende wohl auch recht, wenn man etwas bewegen – oder auch nur herausfinden wollte...Aber nein! Ich wollte ihr nicht zustimmen, ich wollte es einfach nicht! Das ging gegen meine (sehr fragwürdigen) Prinzipien.
Vor Frust keuchend hatte ich noch immer die Arme vor der Brust verschränkt und weigerte mich, sie direkt dabei anzusehen. Allerdings war dieser Abend noch nicht gelaufen – wir hatten uns hier nicht zum Philosophieren getroffen oder, was ja nun eher der Fall war, um zu diskutieren und zu streiten...Widerwillig musste ich deshalb gestehen, dass sie recht hatte und ich mit ihr gehen sollte, wenn wir diese Patrouille nun fortsetzen wollten. So seufzte ich leicht frustriert auf und ließ meine Arme fallen, auch wenn meine Hände im Ansatz zu Fäusten geballt waren. „Na dann!", presste ich hervor und versuchte, es nicht ganz so bösartig klingen zu lassen. Sie hatte ja recht, irgendwo, so ungern ich das auch laut aussprechen wollte. Wir gingen auf Patrouillen oder halfen den Menschen auf die eine oder andere Art, wenn wir die Möglichkeit dazu hatten, und dennoch war das alles nicht so leicht. Wir waren keine Superhelden, das Ganze konnte extrem schief gehen, wenn wir uns dumm anstellten – oder wenn uns jemand auf die Schliche kam, der dem eher nicht so positiv gegenüber stand.
Ich wusste, dass schmollen nicht die richtige Haltung an dieser Stelle war, doch zu oft verfiel ich in solches Verhalten – so auch jetzt wieder. Ich war bereit, ihr zu folgen, allerdings hatte ich noch immer den Groll im Bauch und den Kloß im Hals, den ich herunterzuschlucken versuchte, während ich mich weigerte, sie direkt anzusehen. „Wo soll es hingehen?" Immerhin wollte sie doch der Dunkelheit folgen – dann sollte sie auch die Richtung angeben, in die sie sie führte. Sicher wusste sie damit ohnehin mehr, aber das würde ich ihr nun nicht sagen.

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Re: Enoch & Nina ~ Drugs are Cool (2017) | Triggerwarnung

von Enoch am 20.01.2022 21:42

Mit gerunzelter Stirn hockte ich vor dem Mädchen. Das hatte ich mir anders vorgestellt – ein Umstand, der schon dumm genug aus dem Grund war, dass ich genau wusste, was geschehen konnte, wenn einem jemand den Trip vermieste. Mittlerweile machten sich Schuldgefühle in mir breit, und die gefielen mir gar nicht. Ich wusste zwar, dass ich Mist gebaut hatte, aber ich wollte das nur ungern zugeben, wie es in meinem Leben eben so oft geschah.
Und hatte ich im ersten Moment noch Hoffnungen gehabt, sie mit dem Gespräch über ihrem Ruhm und wo er herkam zu sprechen, so musste ich einige Zeit später schon wieder einsehen, dass mir das nicht weiterhalf. Ich hatte sie kurz abgelenkt, doch sie verfiel sehr schnell wieder in ihre Verzweiflung kaum hatte sie mir geantwortet. Sie bekam die Antwort selbst ja schon nicht richtig zustande.
Seufzend sah ich auf meine Hände und lehnte mich etwas zurück, schlang meine eigenen Arme um meine Beine.
Ich verfiel ins Nachdenken, wie es so oft war, wenn ich mit starken Gefühlen von anderen konfrontiert war; ich war wie gelähmt und konnte nicht über meinen Schatten springen, um etwas zu tun, außer da zu sitzen und sie einfach nur anzusehen und ihr bei ihrem Leid...zuzusehen, ohne etwas für sie tun zu können und sie zu unterstützen. Ich konnte nur anwesend sein, doch ich war mir nicht sicher, ob ihr das half. Leider konnte ich sie deshalb auch nicht mehr ansehen, sondern mein Blick war auf einen Punkt neben sie gerichtet, bevor er immer wieder mal woandershin wanderte, auf das Gras zu ihren Füßen, auf ihre Hände, die sie nun auf die Ohren gelegt hatte. Ich hatte zwischendurch sogar den Mund geöffnet, aber es wollte mir kein Ton über die Lippen kommen, weshalb ich sie bald wieder schloss, nur um noch etwas schuldbewusster da zu hocken.
Ihre schockierte Reaktion ließ mich zurückzucken. Damit hatte ich doch eigentlich auch rechnen können und trotzdem hatte ich diesen Vorschlag gemacht. Es war doch klar, dass man das nur hatte falsch verstehen können. Die Hitze stieg mir ins Gesicht bei dem Anblick ihrer Reaktion und ich wusste, dass ich ein deutlich errötetes Gesicht haben musste – meine Ohren glühten, meine Wangen brannten und mir war ganz warm geworden, Schweiß brach aus.
Wieder öffnete ich den Mund, doch zunächst wollte mir nur sinnlose Geräusche entkommen, ehe ich es endlich schaffte, ihnen einen Sinn zu geben: „Es tut mir leid!", platzte ich heraus und brachte es noch immer nicht fertig, ihr ins Gesicht zu sehen, auch wenn sie mich mittlerweile wieder ins Auge gefasst hatte. „Das war eine dumme Idee, eine sehr dumm Idee, lassen wir das einfach!" Meine Stimme zitterte und klang weich und ausgeglichen. Kein Wunder! Ich hatte meine Hände abwehrend erhoben, aber auch sie hatte es endlich fertig gebracht, etwas zu sagen – wenn sie nicht gerade hysterisch wie von der Todesangst gepackt lachte. Wir war auf einmal zu warm in meiner Kleidung und ich wollte am liebsten aufspringen und den Park verlassen, nach Hause laufen und sie nie wieder sehen – auch keine Filme von ihr schauen und sollten sie mir jemals begegnen, sie weiträumig umgehen. Aber dann...
Der Sinn ihrer Worte war nur langsam durch meine allumfassende Scham gedrungen, doch als er mich endlich erreicht hatte, konnte ich meinen Ohren nicht trauen: Wie sollte ich sie küssen, wenn ich doch keine Lippen hatte...? Hatte sie das wirklich gesagt? Hatte ich mich auch nicht verhört? Ich runzelte die Stirn und betrachtete sie, auch wenn ich ihr dabei nicht in die Augen sah. „...Lippen?" Das war das einzige Wort, das ich herausbringen konnte. Es klang seltsam rau und gekrächzt. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte – und auch nicht, ob ich dazu überhaupt etwas hören wollte, mich über ihre Worte unterhalten oder mich noch weiter damit auseinandersetzen wollte, und doch...ich konnte es nicht glauben. Ich brauchte irgendetwas zur Bestätigung, irgendeine Antwort – wie auch immer die ausfallen sollte.
Als sie dann allerdings wieder aufschrie, traf mich das vollkommen unerwartet – ich zuckte zusammen und schreckte leicht zurück. Zu sehr hatte ich mich auf sie und ihre Worte konzentriert, um jetzt nicht vollkommen aufgeschreckt zu werden von ihrem jähen Gefühlsausbruch. Ich musste jetzt wohl einfach damit leben, dass sie es nicht vergessen würde – ob ich sie nun darum gebeten hatte oder nicht. Man konnte seine Worte nicht einfach löschen – und das verstärkten Pein und Scham nur noch weiter.
„Dein Dad?", wiederholte ich dann, als mich wieder gefasst hatte und richtete mich wieder etwas auf. Ich sprach die Worte eher für mich als für sie aus, auch wenn es sich dabei gleichzeitig um eine Nachfrage handelte – an wen auch immer ich diese gerichtet hatte. „Ich kenne deinen Dad nicht...", erklärte ich dann und zog nachdenklich die Augenbrauen zusammen. „Ist...ist er hier?" Zumindest hatte sich meine Zunge ein wenig gelockert und ich hatte auf diese Weise etwas gefunden, womit ich ihr wenigstens irgendwie helfen konnte...oder es eben versuchen konnte, ob es nun funktionierte oder nicht. Zögerlich hob ich die Hand, als sie sich schließlich auf dem Waldboden zusammenrollte. Ich wollte sie berühren, sie trösten, doch ich konnte es nicht über mich bringen, sie zu berühren – zu groß war die Angst, dass ich es für sie dabei noch viel schlimmer machen könnte, dass ich sie verletzen könnte...So schwebte sie ein Stück von ihr entfernt in der Luft zwischen uns, während ich unsicher auf ihre Seite starrte. Vielleicht sollte ich wirklich ihren Vater suche...vielleicht könnte ich das ja sogar schaffen. Doch...ich wusste gar nicht, wo ich damit anfangen sollte... „Dein Dad...", setzte ich noch einmal an, doch ich konnte den Satz nicht beenden, ich wusste nicht einmal mehr, was und wie ich eigentlich hatte fragen wollen, deshalb schloss ich meinen Mund nur schnell wieder, ließ die Worte zwischen uns stehen und keiner führte sie mehr weiter. Auch meine Hand zog ich wieder zurück – ich schaffte es nicht, sie zu berühren, also ließ ich es lieber ganz. Sie schien ohnehin bereits so große Angst vor mir zu haben, ich wollte es nicht noch schlimmer machen, in dem ich sie berührte, wenn sie sich in diesem Ausnahmezustand befand. Ich ließ mich also wieder ins Sitzen sinken, schlang die Arme unschlüssig und zurückgezogen um meine Beine und sah ihr dabei zu, wie sie einen Nervenzusammenbruch erlitt. Ich war wohl zu gar nichts gut, außer Menschen ins Unglück zu stürzen...

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Enoch

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Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18

von Enoch am 26.12.2021 01:58

Ich wusste es fast sofort – und das obwohl ich eher selektiv sensibel für solche menschlichen Feinheiten war – wie sich ihre Stimmung wandelte. War sie eben noch offen und freudig gewesen, so machte sie nun eine Hundertachtziggradwanderung. Und sie war auf einmal wieder so verschlossen wie es sie es die ganze Zeit war.
Ich biss mir bei dieser Erkenntnis leicht auf die Zunge und drückte die Fingernägel meiner freien Hand fest in das Fleisch meiner Handfläche. Da hatte ich einmal so eine Chance und konnte an die wohl Verschlossenste in unserer Gruppe herankommen und sie einmal öffnen, auch etwas über sie erfahren und sich nicht immer nur anhören müssen, was sie alles aus uns lesen konnte, wenn wir einfach nur unserem Leben nachgingen, da vertat ich diesen Moment einfach in meiner Unachtsamkeit. Doch ich hatte es wirklich nicht erahnen können. Ich war eben nur selektiv sensibel. Manchmal, da sprach meine Intuition zu mir und konnte mich immer auf dem richtigen Weg halten, und in einem anderen Moment, kam mir ein passender Gedanken und eine wichtige Idee erst lange nachdem ich den Mund geöffnet und spontan etwas gesagt hatte – und machte damit alles kaputt.
Und so zwang ich mich, ihr schließlich aufmerksam zuzuhören, sah sie dabei allerdings nur halb von der Seite her an. Ich wusste, dass mir das Blut bereits in die Wangen und die Ohren geschossen war – und das nicht nur, weil sie sich heiß anfühlten. So etwas ärgerte mich und vermutlich würde ich über diese Dummheit noch Tage, nein, sogar Wochen nachdenken. Denn wenn mich das ADHS einmal mit Aufmerksamkeit beglückte, dann nur auf eigene Dummheiten und Fehltritte bezogen – die wurden mir noch jahrelang immer wieder von Form von Diashows, Déjà-Vus und Fieberträumen vor Augen gezwungen. Wie viel Kraft es mich wieder kosten würde, das alles hinter mir zu lassen, nur damit es doch wieder mal spontan auftauchte.
„Diese Geschichten", begann ich dann schließlich und zwang mich zur Ruhe. Ich konnte es doch jetzt auch nicht mehr ändern. So gern ich meinen Kopf gegen eine Mauer geschlagen hätte, so wenig würde es doch daran ändern, was geschehen war. „Diese Geschichten interessieren uns sicher alle. Aber...bisher wissen wir nichts. Wenn uns nicht irgendwann einmal eine spontane Eingebung kommt, tappen wir wohl noch einige Zeit lang im Dunkeln." Ich zuckte leicht mit den Schultern, auch wenn mir dieser Gedanke, dieses Zugeben von absolutem Unwissen sicher genauso wenig leicht über die Lippen kam wie ihr, dieses Eingeständnis, keine Ahnung von etwas zu haben; so etwas verletzte mich zutiefst. Doch was unsere Kräfte, Gaben, Talente oder wie man sie auch nennen wollte, anging, soweit wusste von uns keiner mehr als ein anderer. Wir alle tappten gleichmaßen im Dunkeln. Nicht dass ich das nicht genauso sehr ändern wollte wie Emily.
Noch immer nachdenklich bemerkte ich erst spät, dass sie mich direkt ins Auge gefasst hatte und...lächelte. Sogar ich spürte, dass sich die Situation wieder etwas erleichtert hatte – auch wenn es damit ebenso das Prickeln aus unserem eindringlichen Gespräch von zuvor genommen hatte. Und wieder kam meine Wut hoch. Aber ich zwang mich, sie doch wieder herunterzuschlucken. Sie brachte in diesem Moment niemandem etwas – und machte mich nur blind für das Wesentliche... Auch wen es mir nicht in diesem Augenblick nicht ganz sicher war, worin dieses „Wesentliche" bestand...
Stattdessen beobachtete ich etwas schockiert, wie sie sich ihre Zigarette an ihrem eigenen Arm ausdrückte. Ich kam nicht umhin, mein Gesicht dabei angewidert zu verziehen und mich abzuwenden – ganz besonders dann, als ich sah, wie ihr Arm ansonsten aussah, und dass er voll mit lauter gleichgroßen feinen, silbrigen Narben. Ich kam nicht umhin, dabei mit den Händen leicht über meine eigenen, in diesem Moment zum Glück verdeckten Unterarme zu streichen. Ich hatte wohl das wenigste Recht, mich über solches Verhalten zu wundern und zu beschweren, immerhin waren meine Arme und Beine Zeugen von jahrelangem Ritzen, Schneiden, Schlagen und Kratzen, um irgendwann einmal das Blut zu sehen...
Ich bekam eine Gänsehaut, wenn ich nur daran dachte – in den letzten Monaten hatte ich es endlich unter Kontrolle bekommen, mich seit mehr als einem halben Jahr nicht mehr selbst verletzt, so groß manchmal der Druck und die Lust auch gewesen sein waren. Und ihre Tate bewegte etwas in mir, die mich nicht still sitzen ließ. Ich sprang stattdessen auf und ging leicht auf und ab. „Wenn du das noch einmal von mir machst, kannst du deine nächtlichen Streifzüge wieder allein machen." Ich wusste, dass sie damit ganz sicher kein Problem hatte, aber ich meinte es todernst. So etwas brauchte sie vor mir nicht anfangen. Ich spürte, wie es mir an den Unterarmen und den Beinen kribbelte und es mich in den Fingern juckte, angestauter Druck im Bauch. Ich wollte das nicht.
Und so wandte ich mich ab, die Hände in den Taschen, sah ich zu dieser Seite des Daches zur Stadt hinunter, lehnte mich dabei nach vorn, sodass ich mich mit dem Bein auf dem Sims auf dieser Seite abstützen konnte. Ich kaute heftig auf meiner Unterlippe herum.
Und erst als wieder etwas sagte, warf ich einen Blick über die Schulter in ihre Richtung. Ich wollte nicht über das von eben sprechen, aber zum Glück sprach sie es auch nicht mehr an. „Wir haben keinen Anführer", erklärte ich schließlich, noch immer über die Schulter ihr zugewandt. „Und auch keine Hierarchie. Wir wissen ja nicht einmal, was wir sind, geschweige denn, was wir tun sollen, wenn uns schon irgendjemand oder irgendetwas diese Macht geschenkt hat." Meine Stimme war eintönig und kalt geblieben. Ich war nicht unbedingt mehr allzu sehr zum Plaudern ausgelegt. Der Moment war vergangen – und ausnahmsweise war es einmal nicht meine Schuld, dass ein Augenblick zerstört worden war!
„Drück dich klarer aus", forderte ich dann und wusste genau, dass sie im Grunde sowieso nur mit mir spielte. „Was hast du jetzt vor?"

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Re: Enoch & Nina ~ Drugs are Cool (2017) | Triggerwarnung

von Enoch am 26.12.2021 00:58

Ich konnte es mir gar nicht so recht mitansehen – und doch zwang ich mich dazu, sie genau im Auge zu behalten, denn immerhin trug ich die Schuld an dem, was ihr nun wiederfuhr; dass sie diesen Höllenritt durchmachen musste. Und ich musste offen gestehen, dass ich bei diesem Anblick ein schlechtes Gewissen bekam. So sehr ich mich also abwenden wollte, sogar das Bestreben hatte, sie einfach hier sitzen zu lassen, so sehr zwang ich mich, genau an Ort und Stelle zu verbleiben und sie mir genau anzusehen. Ich wollte es mir gern so richtig reindrücken, wie ich es immer tat, wenn ich die Situation wieder zugespitzt hatte, wenn ich wieder dafür verantwortlich war, dass es eskaliert war und alles den Bach heruntergegangen war. Wenn ich wieder erst gesprochen und dann gedacht hatte, wenn ich erst gehandelt und dann überlegt hatte, wie es noch durchsetzen könnte. Wie ein ADHS-Kind eben; unaufmerksam und unfokussiert und gleichzeitig wie gebannt von den kleinen Dingen, frustriert durch die fehlende Perfektion in der Welt und besonders in einem selbst, und zur Weißglut getrieben, weil es wieder nicht nach seinem Kopf gegangen war.
Ich schluckte leicht und setzte mich im Schneidersitz zur ihr auf den Boden, wobei das Leder meiner Stiefel leicht quietschte und knarzte. Und weiterhin musterte ich sie, wie sie wild durch die Gegend sah und sich gleichzeitig bemühte, von allem Abstand zu halten.
Was sollte ich nun tun? Ich konnte wohl nur versuchen, was man mit mir immer machte, wenn ich vollkommen drauf und auf und davon war: Mich wieder auf den Boden der Tatsachen holen und beruhigen bis die Wirkung nachließ und ich es wieder mit eigenen Augen sehen konnte und mit meinen eigenen Gefühlen spüren konnte; nichts mehr verwaschen war durch den Stoff. Ich war ihr mindestens einen Versuch schuldig, auch wenn ich darin ganz und gar nicht gut war. Ich hatte eigentlich kein Talent dafür, den Menschen auf eine Weise gut zuzureden, dass sie sich beruhigt und sicher fühlen konnten. Die Gefühle und emotionalen Zustände anderer lähmten mich eher und machten mich handlungsunfähig; ich verstand ja, was geschah und ich wusste auch, dass ich etwas tun musste...doch ich konnte es einfach nicht. Meine Intuition schaltete sich in solchen Momenten vollkommen ab und ich wusste nicht mehr, was richtig und was falsch zu tun und zu sagen war. Die Gefühle anderer...das konnte ich einfach nicht. Ich kam ja nicht mal mit meinen eigenen so richtig zurecht...
Doch ich schüttelte leicht den Kopf. Darüber nachzudenken, machte die Lage für mich nun auch nicht besser – und sie würde auch dem Mädchen nicht helfen, das scheinbar gerade den ersten schlechten Trip ihres Lebens hatte – und davon vollkommen am Ende wirkte ohne die Aussicht, dass es jemals enden würde. Und tat ich das erste, was mir in den Sinn kam – ob es nun hilfreich und richtig war oder nicht: Sie sollte mir von einem Film erzählen, in dem sie mitgespielt hatte. Ihre Zusammenfassung war dürftig, aber... „Ich möchte sagen, den habe ich schon einmal im Fernsehen gesehen und Werbung, als er damals rauskam, habe ich auch gesehen", erklärte ich dann und lächelte dabei sogar leicht, nicht sicher, ob sie es dort, wo sie jetzt war, überhaupt so wahrnahm oder ob es die Sache nicht vielleicht sogar noch schlechter machte. Ich achtete darauf, ihr nicht direkt in die Augen zu sehen und mehr oder weniger beiläufig zu klingen, ruhig und gesittet, entspannt und friedlich. Ich war nicht unbedingt sehr gut darin, solche Zustände zu vermitteln, war ich doch eher hibbelig und aufgeregt – und das sie meiste Zeit über, denn auch jetzt zupfte ich Grashalme aus und spielte mit meinen Schnürsenkeln, weil ich nicht ohne eine rasche Handlung am Rande konnte –, aber ich wollte ihr so viel bieten wie ich eben konnte.
„Magst du mir denn...", setzte ich gerade an, doch kam nicht dazu, den Satz zu beenden, da hatte sie selbst wieder etwas gesagt – und brachte mich damit vollkommen aus dem Konzept. Ich schluckte und runzelte dann die Stirn. „Ich soll...ich soll was?", erkundigte ich mich und sah sie nun direkt an, leicht verwirrt und noch verunsicherter. Meinte sie das wirklich ernst? Immerhin verstand ich, welchen Sinn sie dahinter vermutete, welche Erleichterung, doch ich hielt es für etwas sehr drastisch, nicht? Ich hatte zwar immer etwas für Drama übrig, aber ich sollte ein Kind schlagen? Und dann noch eine Berühmtheit, die sie ja zu sei schien – zu welch einem Monster würde mich da machen? Vor allem, wenn man mein Make-Up und den Kleidungsstil bedachte. Ich wäre doch für alle noch sehr viel mehr ein Aussätziger als ich es nicht jetzt sowieso schon war. Ich wollte diese Idee also nicht in die Tat umsetzen – so sehr ich ihr auch gern helfen wollte.
Nachdenklich hatte ich den Blick gesenkt. Ihre nächsten Worte machten für mich sehr viel eher Sinn, auch wenn ich sie ihr vermutlich genauso wenig ermöglichen konnte. Ich biss mir zögernd auf die Unterlippe und sah dabei wieder auf meine Finger, die wieder an den Schnürsenkeln herumspielten. Schließlich kaute ich mir kurz an den Nägeln der anderen Hand herum, deren schwarzer Nagellack bereits gesplittert und an einigen Stellen etwas abgeblättert war, weil ich solche Dinge immer wieder tat, wenn ich nervös war. „Ich...ich habe auch noch eine andere Idee...", brachte ich dann unsicher hervor. Ich wusste nicht, ob sie etwas brachte und ob ich sie wirklich erfolgreich umsetzen konnte – und zu welch einem Menschen es mich dann machen würde. Vielleicht wollte ich ja doch lieber der Schläger sein als...nun ja, so etwas? Aber am Ende kam es bei der öffentlichen Meinung zu mir dann wohl auf das gleiche heraus, welche Möglichkeit ich auch umsetzen würde. Einmal hatte diese Idee aber schon geklappt. Ich wusste nicht, was ich damals gemacht hatte, aber vor drei Monaten auf einer Party, da war dieser eine Kerl so drauf gewesen. Ich hatte es aus anderen Gründen getan – immerhin war er super heiß und ich mega betrunken gewesen –, aber ich hatte ihn geküsst. Und als meine Lippen auf seinen gelegen hatte, hatte ich es gespürt...all das Zeug, dass er geschluckt und geraucht hatte. Es war durch meinen Körper gerauscht – im Schnelldurchlauf hatte es ein Schlachtfeld hinterlassen, als hätte ich mich mit der dreifachen Dosis abgeschossen, doch es war mir blendend gegangen. Es war ein unglaublicher Rausch gewesen, von dem bei ihm nichts mehr übrig gewesen war, als sich unsere Lippen wieder gelöst hatten. Genauso wenig bei mir. Als...als hätte ich es einfach aufgenommen und geschluckt, auf nimmerwiedersehen, nichts mehr da, kein Schaden mehr, bei niemandem. Doch es hatte nur bei einem Kuss geklappt. Sie war minderjährig (einmal davon abgesehen, dass es sich bei ihr um ein Mädchen handelte). Aber wenn es ihr doch helfen konnte. Immerhin war der Kerl von jetzt auf gleich wieder fast vollkommen nüchtern gewesen. „Ich...", setzte ich also wieder an. „Ich könnte dich küssen." Oh Gott! Hatte ich das jetzt wirklich so eiskalt gesagt?! Ich spürte, wie mir das Blut in die Wangen schoss. Ich konnte sie nicht ansehen. „Ich weiß, wie das klingt, aber glaub mir, wenn ich es tue, kann dir das helfen, ehrlich. Ich habe da...so eine spezielle Gabe." Oh man, es wurde immer schlimmer. Ich würde wohl wegen Verführung Minderjähriger heute noch verknackt werden...
Ich lehnte knabberte wieder heftig an meinen Nägeln herum. „Weißt du was, wir vergessen einfach, dass ich das gesagt habe und, äh, überlegen uns etwas anderes." Ich hatte schnell gesprochen. Ich wollte schnell hinter mir lassen, dass ich ihr das wirklich angeboten hatte. Pervers, schoss es mir durch den Kopf. Egal aus welchem Grund ich es getan hätte.

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Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18

von Enoch am 14.11.2021 04:58

Noch immer war mir nicht wohl dabei, dass sie so viel von mir wusste. Angespannt starrte ich auf den Stoff meiner Kleidung zwischen meinen Fingern und warf dann und wann dem Türsteher noch einen Blick zu. Ich musste bemühen, überhaupt zu atmen, so flach war meine Atmung geworden. Doch allzu offen wollte ich gar nicht zeigen, wie sehr es mich mitnahm, dass sie einfach aus dem Nichts so viel wusste – denn das allein sprach auch schon wieder seines Zeichens Bände, das war offensichtlich.
Ich war mir sicher, dass sie es dennoch bemerkte. Sie konnte so viel in der Welt erkennen und lesen, was anderen verborgen blieb, weil sie die losen Enden nicht verbinden konnten, die Knoten und Verbindungen nicht an den richtigen Stellen setzen konnten. Selbst mir fiel es manchmal sehr viel schwerer als ihr – denn ich brauchte meistens ein Medium, um meine Gedanken entsprechend sortieren zu können. Ich musste meine Gedanken oft entweder aufschreiben, sie auszeichnen oder aber einen gewissen, unkontrollierten Fluss, der sich einstellte, wenn ich an Sachen herumbastelte.
Ich schluckte und nickte dann leicht, ohne sie sofort anzusehen. Natürlich konnte man das, vieles in den Menschen lesen, doch Talent gehörte auch dazu – und eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Und speziell am letzte haperte es bei den meisten bereits; wenn sie so ihrer Wege gingen, achteten sie oft gar nicht auf das, was zu ihrer Linken und Rechten geschah, wie mit Scheuklappen wandelten sie durch den Alltag.
Einige Zeit später fand ich allerdings meine spitze Zunge wieder; war sie bis eben noch gelähmt gewesen und hatte mir nicht gehorchen wollen – oder meine Worte hätten sehr viel schwächer und wenig zufriedenstellend geklungen, als ich es gewollt hätte. Wenn sie denn schon alles von mir wusste...Was wollte sie dann noch wissen? Wenn ich ehrlich war, war ich gar nicht bereit, sehr viel mehr zu erzählen – einfach auf ihre Fragen hin. Ich biss mir kurz auf die Zunge bei dem Gedanken. Ich wollte meinen, dass ich mich mit ihr von allen aus der Gruppe am besten verstand, und dennoch wollte ich ihr nun gar nicht mehr viel mehr verraten – und ich wusste genau, dass es sich dabei vor allem um Trotz handelte. Nicht selten hatte ich solche Züge wie ein kleines Kind – wir hatten wohl wieder einen derartigen Moment erreicht, an dem ich gern mit dem Fuß aufstampfen und deutlich Nein schreien wollte, weil ich am liebsten gar nicht mehr tun mochte.
Erst jetzt, eine ganze Zeit später, hatte ich wieder die Kraft, ihr so richtig einen Blick zuzuwerfen, alles freches Grinsen einmal dahingestellt. Dass sie Geheimnisse ihres Zeichens hatte, konnte ich mir sehr gut vorstellen. Immerhin hatte sie natürlich recht: Jeder hatte seine Seiten, die im Schatten lagen und die man nicht jedem zeigte. Einige hatten mehr davon als andere. Oder sie waren wie ich und wollten einfach so gut wie nichts von sich zeigen, auch wenn sie eindeutig wussten, wie viel sie eigentlich preisgaben und sie längst nicht so geheimnisvoll waren wie sie es gern gewesen wären. Und immer wieder versetzte es mir einen Stich ins Herz, wenn ich so deutlich damit konfrontiert wurde.
Ich atmete schließlich tief ein und aus. „Das mag ja auch alles sehr interessant sein, aber von den meisten Hintergründen hat keiner von uns eine Ahnung, damit bist du nicht allein. Wer auch immer von uns am längsten seine Kräfte hat, kann trotzdem nicht sagen, woher sie kommen und wieso und wann genau er sie entwickelt hat." Wenn mich nicht alles täuschte, müsste es sich bei diesem jemand um mich handeln – immerhin hatte ich schon in meiner Kindheit seltsame Dinge angestellt und alles in den Mund genommen, verschluckt, gegessen oder inhaliert, ohne ernsthaften Schaden zu nehmen; im Gegenteil, es hatte mir meistens sogar noch sehr viel mehr gegeben, als ich zuvor von mir hatte behaupten können. Ich pulte mit den Fingern wieder am Stoff meines Overalls herum. Und hatte ich nicht noch...? Mittlerweile war die Zigarette zwischen meinen Fingern deutlich heruntergebrannt; sie glomm nur noch nutzlos dahin, nutzlos war sie geworden. Ich schüttelte leicht den Kopf, nachdem sie einen Moment lang nachdenklich betrachtet hatte, ehe ich sie wegschnippte. „Und so gern ich auch mehr wüsste, im Augenblick ist da wohl noch schwerer herankommen, ehe wir mehr wissen – und mehr wissen wir nur von Zeit zu Zeit." Ein Teufelskreis. Wir wussten nichts, nicht einmal, wie wir unsere Talente optimal zum Einsatz bringen konnten, doch wir konnten nur mehr über sie herausfinden, wenn wir sie auch entsprechend nutzten – doch wie, ohne allzu genaues über sie zu wissen? Auch meine Neugier sprang immer wieder darauf an, doch wir konnten auch nur schwer, über uns selbst hinweggehen. Wir verstanden uns leider selbst am besten – und konnten uns nur schwer selbst ergründen, was unsere Kräfte anging. Am Ende schienen sie auch sehr individuell zu sein – und solange wir uns nicht eindeutig und im Detail kannten...
Wenn ich ehrlich war, dann war ich erleichtert, al sie schließlich das Thema wechselte. „Auf den Weg?", hakte ich nach und warf ihr wieder einen kurzen Blick zu. „Ich nehme an, du hast einen Plan, wo es hingehen soll?" Sie war in der Regel jemand, der wohl sehr selten ohne einen direkten Plan agierte – und im Planen war sie dann wohl sehr schnell, so schnell und eindeutig sie die Welt um sich herum analysieren konnte. Und mittlerweile war ich wieder gespannt und neugierig geworden, was in ihrem Kopf so vorgehen mochte bei ihren Worten. Immerhin meine Anspannung konnte sich so wieder etwas lösen, langsam aber doch.

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Re: Enoch & Nina ~ Drugs are Cool (2017) | Triggerwarnung

von Enoch am 24.10.2021 16:03

Ich hatte weiterhin nur wenig Scham dabei, sie zu necken und zu ärgern – tatsächlich hatte ich mittlerweile sogar frech ein schiefes Grinsen auf dem Gesicht. Und hey, es war ja auch nicht alles gelogen und an den Haaren herbeigezogen, nur um sie aufzuziehen, denn ich musste ehrlich gestehen, dass ich sie wirklich nicht kannte. Doch, was ich natürlich nicht verriet, regte sich an und für sich auch etwas in meinem Hinterkopf bei dem Anblick ihres Gesichtes. So, als hätte ich sie zumindest schon einmal auf eine gewisse Weise gesehen. Aber ich kümmerte mich in diesem Moment weniger darum. Stattdessen stichelte ich noch weiter. Doch im Augenblick schien sie nicht von ihrem hohen Ross herunterzukommen – wie beflügelt hatte sie weiter gelassene Züge und sie strahlte vor Glückseligkeit. Ein Anblick, um den man sie beneiden könnte, wenn er mich nicht so sehr reizen würde. Es war ja nicht so, dass ich den Leuten ihre freudige Stimmung nicht gönnte, doch in diesem Falle zog ich mich meistens einfach zurück und bastelte in meiner Garage herum oder unternahm etwas anderes...etwas, bei dem ich den Menschen allgemein aus dem Weg gehen konnte. In diesem Augenblick allerdings konnte ich nicht weg, denn wenn ich ehrlich war, wollte ich sie auch nicht einfach stehen lassen – immerhin...hatte ich mir diesen Platz im Park gesucht und es mir hier bequem gemacht und auch wenn ich bisher nicht geschafft hatte, was ich eigentlich hatte unternehmen wollten (und ich auch immer noch zu frustriert war, um es weiterzumachen), war der Ort sehr schön und ich wollte ihn noch nicht aufgeben.
Und am Ende hatte sie auch nicht ganz unrecht, Tiere waren großartig und ich hatte sie mitunter sehr viel lieber in meinem Leben als jeden Menschen...einmal abgesehen von ein paar kleinen Ausnahmen. Aber ich schwieg weiterhin, hob nur eine Augenbraue, neigte den Kopf leicht zur Seite. Und nein, ich kannte sie auch jetzt immer noch nicht – eine Tatsache, die sie zwar zu irritieren schien, sie aber nicht weiter beirrte, sondern sie nur zu stärkerem Strahlen veranlasste. Ich wartete nur schon auf ihre Antwort, doch...sie kam nicht; ich kam ihr zuvor, denn mir war etwas aufgefallen – nämlich ihr kleines Geheimnis, das sie für so wohlgehütet gehalten hatte, doch nun war die Katze aus dem Sack und...die Lage veränderte sich schlagartig und grundsätzlich...
Sie brach in sich zusammen und ich musste zugeben, so gut es sich zum einen angefühlt hatte, sie damit konfrontieren zu können und ihr zu zeigen, wie heftig Gefühle einen in ihrem Zustand aus der Bahn werfen konnten, so viel Mitleid bekam ich auf der anderen Seite auch, als ich sah, wie schnell und wie fatal sie in sich zusammenbrach; am Ende war sie doch noch ein Kind, ein Teenager, und ihre Gefühle holten sie noch sehr viel schneller und intensiver ein als bei jemandem, der widerstandsfähiger gewesen wäre, der es bereits kannte oder der...einfach reifer war. Ich würde mich dort zwar auch nicht unbedingt mit einschließen, doch vom Prinzip her konnte ich es wohl noch besser wegstecken als sie, wie es aussah. Aus meiner Lektion wurde so also schnell ein Alptraum und ich schluckte leicht, verdrehte schließlich die Augen und überdachte meine Haltung – nicht nur körperlich. Hatte ich eben noch mit verschränkten Armen aufgebaut über der zierlichen jungen Frau gestanden, lockerte ich nun meine angespannten Schultern und löste meine Arme, bedachte sie mit einem offeneren und sanfteren Blick.
Vorsichtig trat ich auf die zu, darauf bedacht, sie nicht noch weiter zu erschrecken. Ich redete ruhig auf sie ein, auch wenn ich das Gefühl hatte, es damit nicht sonderlich viel besser zu machen – wenn nicht sogar noch schlimmer. Ich hatte meine Hand noch immer zögernd erhoben und stellte schließlich die Frage aller Fragen, um die sich dieses Gespräch die ganze Zeit gedreht hatte – und weshalb es schlussendlich wohl überhaupt erst eskaliert war. Nachdem ich noch einmal tief durchgeatmet hatte, legte ich ihr schließlich die Hand auf die Schultern; ich konnte es in ihrem Körpern spüren, in ihrem Blut, in ihren Muskeln, überall, das Gift, das einem ein so wundervolles Gefühl geben konnte, während es einen langsam, aber sicher von innen heraus zerfraß und unser Körper doch immer und immer mehr davon forderte, weil er die Zerstörung nicht wahrnahm über das Hochgefühl hinweg, das darin mit schwang. Und für einen Moment, da konnte ich...
Doch da stieß sie mich bereits weg und kroch davon, um sich in einiger Entfernung wieder zusammenzurollen. Die Verbindung war damit abgebrochen, nun konnte ich es nur noch riechen und auf der Zunge schmecken, wann immer ich einatmete, doch je tiefer ich einatmete, umso mehr nahm ich davon in mich auf – ich spürte ein Prickeln unter Haut und tausende Geistesblitze schossen mir durch den Kopf. Bisher hatte ich damit noch nicht allzu viel zu tun gehabt, außer wenn ich selbst etwas intus hatte, aber darum ging es in diesem Augenblick auch gar nicht, gedacht hatte ich an etwas anderes, was mir dann und wann schon einmal am Rande untergekommen war, dass ich, wann immer ich jemanden wie ihr in einem solchen Zustand unter Drogen nahegekommen war, dass ich die Substanz unweigerlich in mich aufgenommen hatte...auf verschiedene Art und Weise.
Ich atmete noch einmal tief durch, es brannte kurz in meiner Nase und prickelte wieder, dann nickte ich leicht. „Na ja", sagte ich schließlich. „So viele Filme schaue ich gar nicht und die meisten Schauspieler kenne ich ohnehin nicht beim Namen." Ich zuckte leicht mit den Schultern, konnte mich sogar zu einem kurzen einfühlsamen Lächeln durchringen. Ich kam ein kleines Stückchen näher, auch wenn ich deutlich verstanden hatte, dass sie das nicht wollte, doch ich für meinen Teil wollte, wenn ich nun einmal ganz offen war, auch nicht, dass es ihr so schlecht ging. Und ich wollte ihr gern ein wenig helfen – zumindest hoffte ich, dass es ihr etwas helfen konnte – jedenfalls sagte mir das mein Gefühl, in diesem einen Moment einmal, auch wenn ich mich sonst nicht allzu sehr darauf verlassen konnte...weil ich es nicht verstand und nicht sonderlich gut darin war, auf das richtige zu hören, was es mir mitteilen wollte. „Worum...ging es in dem Film denn? Und was für eine Rolle hast du gespielt?", fragte ich deshalb schließlich. Mit ihr zu reden und ein normales Gespräch zu führen, könnte auch einen Teil dazu beitragen, ihr zu helfen – hoffte ich jedenfalls. Und am Ende...vielleicht hatte mein eigensinniges Talent ja doch einmal etwas für sich...oder auch nicht – immerhin hatte ich in jedem anderen Moment absolut keinerlei Kontrolle darüber...

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