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Beth

30, Weiblich

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Re: Jak & Beth: Is there not a more comfortable way of travel?

von Beth am 27.04.2024 01:25

Mit dem langen Löffel fische ich eine Erdbeere aus dem hohen Glas, das reichlich angefüllt ist mit Eis (Erdbeere und Vanille), mit Erdbeerstücken und Schokoladensauce.
Es ist Nachmittag, New York, auf irgendeiner Erde. (Ich habe nicht wirklich darauf geachtet, um welche es sich dabei handelt.) In dieser Welt habe ich einen kurzen Bob, mit pastellrosa Strähnchen. Lange Ketten glitzeren im Ausschnitt des zerrissenen weinroten Spaghettitops wie auch als Schmuck an meinem Ohren. Der knielange Rock unter dem grünen Metalltisch ufert in Netzstrümpfe und Chucks aus.
Ich lehne mich etwas zurück, genieße das frische Eis in meiner Kehle, während mit im Schatten unter dem Sonnenschirm der Schweiß nun wenigstens nicht mehr so sehr auf der Stirn glänzt. Global Warming, Hitzewellen, Weltuntergang, wie man das auch nennen mag. Bereits tausende Male geschehen, andere Erden haben es bereits überlebt, andere nicht. Und immer hat es nur an einem kleinen Zünglein an der Waage gehangen.
Seufzend rücke ich meine Sonnenbrille mit riesigen Gläsern zurecht und sehe die Straße entlang. Menschen hier und Menschen dort, schwitzen in ihren Autos, zerlaufen auf dem Gehweg. Und drumherum der Lärm der Stadt; hupende und brausende Autos, Schritte tausender Menschen. Und alles brühtet in der Sommerhitze.
Mit meinen schwarzen Fingernägeln klopfe ich auf den Tisch, ehe ich den Eisbecher in die Hand nehme, um mich wieder in den metallenen Stuhl sinken zu lassen, nun immerhin essend.
Wieder auf einer Erdbeere kauend wende ich den Kopf etwas zur Seite, wobei sich die Bilder vor meinen Augen verschieben. Ich stehe neben Jodie, meine Hand auf ihrer Schulter und schlage ihr vor, mit ihr auszugehen. Für einen Moment konzentriere ich mich auf der Gespräch mit ihr und denke über ihrer Lage nach, doch dann drehe ich mich dem Kellner zu, der mich anspricht und sich erkundigt, ob ich noch etwas bräuchte. Mit einem kurzen Lächeln verneine ich, im Hintergrund immer noch Jodies Ausführungen folgend, ehe ich es wieder weit in den Hintergrund rutschen lasse, wie alles andere auch. Die Crux, zu jeder Zeit überall zu sein, ist leider, dass man es auch tun muss...weil...nun ja, ist eben ein Zustand. Man gewöhnt sich daran, doch manchmal vermisse ich es wie man sich als normaler Mensch fühlt; einen Fokus zu haben...sein Leben zu leben, nicht zwischen unendlichen Realitäten hin und her gleiten zu müssen, äh, zu können. Es ist..eigenartig, als drohe man, in einem ewigen Meer zu ertrinken, erdrückt von endlosen Möglichkeiten, Realitäten, Wirklichkeiten, aber gleichzeitig ist es auch so, als wäre man selbst nur ein Tropfen des Ozeans...Und in einer ganzen Wasserfläche gibt es keine Tropfen, es gibt nur das große Ganze oder das, was man eben abschöpft...
Manchmal erwische ich mich, wie ich einfach in einer Welt hängen bleibe und meine Gedanken dennoch gleichzeitig weitertreiben und ich mich beinahe zerrissen fühle, umher glitche.
Noch ein kurzer Blick zu Jodie, ehe ich dieses Ich wieder beiseite schiebe. So leid es mir auch tut, dass ich im Moment nicht vollständig und nur für sie da sein kann, aber ich werde bald wieder bei ihr sein.
Mittlerweile ist viel von meinem Eis geschmolzen, wie ich enttäuscht feststelle. Ich muss wieder langen in Gedanken gewesen sein.
Also stelle ich ihn auf den Tisch und gleite im Stuhl herunter, leicht schmollend.
Ich sehe zu den Passanten. Ein Fahrradfahrer überfährt beinahe einen kleinen Mann im Anzug und ich schmunzle, denn beide murren sich nur an, als wären sie nicht beide selbst schuld. Doch der fast angefahrene Kerl stolpert nur schimpfend zur Seite und rempelt dabei den nächsten an, der dabei gegen das kleine Zäunchen des Cafés torkelt, aber allenfalls irritiert wirkt, mit sich beschäftigt. Ich mustere ihn, er fällt etwas aus der Reihe, wirkt abwesend und dennoch seltsam angespannt. Einmal davon abgesehen davon, dass er eine seltsame Aura an sich hat und – zumindest für meine eigenen Augen – umherglitcht und zuckt. Wie ein Foto, das man bei Microsoft World einsetzen will, nachdem man einen Text geschrieben hat...Er...bringt die Umgebung irgendwie ein wenig durcheinander, wie ein Fremdkörper, der sich durch den falschen Organismus bewegt.
Mit seinem Shirt bleibt er an einem Dorn des Metallzauns hängen, direkt neben meinem Tisch. Ich schiebe die Sonnenbrille etwas meine Nase herunter und warte darauf, dass er meinem Blick auffängt. „Ich habe bereits auf dich gewartet", erkläre ich mit bedeutungsschwangerer Stimmer und sehe ihn ernst an. Es vergeht ein Moment, ehe ich los pruste. „Ich verarsch dich nur. Ihr Magni fallt aber auch immer gern auf diesen Witz rein!" Ich lehne mich über den Tisch und befreie sein Shirt aus dem Zaun und falte dann die Arme. „Hast dich wohl verirrt, hu?"

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Beth

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Jak & Beth: Is there not a more comfortable way of travel? [ZWANGSCUT]

von Beth am 26.04.2024 16:22

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Ein heißer Sommertag auf den Straßen New Yorks von irgendeiner Erde (Beth hatte nicht sonderlich darauf geachtet, wo sie die sonnenreichen Stunden verbrachte - Hauptsache auf der Straße vor irgendeinem Café mit einem Eisbecher vor sich auf dem Tisch!). Und während sie sich ihr Erdbeereis mit echten Früchten und Schokosauce schmecken lässt, tut sie das, was sie am liebsten tut: Sie beobachtet die Menschen dieser Welt auf den Straßen, lächelt über Besonderheiten, die es in anderen Realitäten nicht gibt und kiritisiert alle Dinge, die sie von hier und dort vermisst (Ich spreche von fucking Kiwi-Eis in einem heißen Waffelteig- das kann doch nicht so schwer sein, dass es nur ein paar Erden hingekriegt haben!) 
Doch wie sonst auch sind es die außergewöhnlichen Dinge, die ihre Aufmerksamkeit erst so richtig auf sich ziehen - wie Jak, der in dieser Welt gestrandet ist, die so ganz ist als die, in der aufgewachsen und in der er, na ja, eigentlich gebraucht wird...

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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Beth am 20.04.2024 14:50

Jodie verschwindet in ihre eigenen Gedanken und ich lass sie. Auch wenn sie damit zu kämpfen scheint. Doch...was soll man machen? Ich habe sie schon so kennengelernt, in sich selbst gefangen und zwischen Gedanken umher driftend, besonders, wenn von außen keine Reize kommen. Aber es ist schlimmer geworden seit ich sie das letzte Mal getroffen habe.
Ich runzle die Stirn und lasse meinen Blick erneut über die Zettel schweifen. So wirr. So viel auf dem einen, nur damit auf dem anderen ein einziges Wort steht.
Ich runzle die Stirn. Das Multiversum ist so endlos, voller Möglichkeiten und nichts, was es nicht geben kann, und doch...bedeutet das scheinbar auch, dass es alles geben kann, doch das heißt nicht, dass es die Dinge auch mehrfach geben muss, wie es aussieht. Immerhin gibt es mich nur einmal und auch Jodie gab es nur einmal.
So kann ich sie nicht sitzen lassen. Und so stehe ich schließlich bei ihr, meine Hand auf ihrer Schulter. Für einen Augenblick hält sie inne, schaut dann auf. Ihre Worte sind voller Verzweiflung und schließlich rutschen die Zettel wieder zu Boden, die sie mühsam aufgesammelt hat.
„Das habe ich nicht gemeint", erwidere ich dann. „Du musst nur mal von diesem Chaos weg, etwas rausgehen, einen Spaziergang im Wald machen oder einmal in die Stadt gehen." Ich mache eine kurze Pause. „Dein Kopf braucht einmal Luft, muss sich mal ausruhen – du kannst dich an nichts erinnern oder die Dinge wieder auf Kurs bringen, wenn du den ganzen Tag nur auf die gleichen Zettel und Wände starrst."
Schließlich krame ich eine Packung Taschentücher aus meiner Tasche und hocke mich neben sie, tupfe ihr mit einem Tuch die Augen etwas trocken, auch wenn sie gar nicht richtig weinte.
„Wir zwei machen uns heute einfach einen Selbstfindungsmädelsnachmittag", schlage ich dann vor. Natürlich gehen wir nicht zur Maniküre und ins Kino, aber wir werden die Zeit nutzen, um Jodie etwas Abstand zu gönnen und vielleicht können sich dann ihre Gedanken etwas sammeln, wenn nicht konstant im Kopf alles neu startet.
„Du bist in dir selbst gefangen", erkläre ich dann. „Deshalb weißt du nicht, wohin mit dir. Du bist hier umgeben von Erinnerungen, die du rasch auf irgendwelche Zettel gekritzelt hast, ohne dass du einen Bezug dazu herstellen kannst, geschweige denn weißt, was wann wie passiert ist. Du drehst dich im Kreis. Wann immer du einen Anfang gefunden hast, löst sich irgendwo anders wieder ein Ende und du musst wieder von vorn anfangen." Mit einem Finger meiner Hand auf ihrer Schulter streichle ich sie leicht. „Das muss mal ruhen – wenigstens für einen Nachmittag."
Ich stehe auf und reiche ihr meine Hand.

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Re: Sharons "Inner World"

von Beth am 20.04.2024 14:09

Ich pruste. Parasit. Wie gastfreundlich. Ganz davon abgesehen, dass ich gar nicht hier sein will. Die Olle tut ja so, als wäre ich absichtlich hier herein gekommen, nur um alles zu zerstören, was im Kopf dieser armen Frau vor sich geht. Doch ich sage nichts dazu. Das Weib lässt sich scheinbar eh nicht davon überzeugen, dass ich ihr wie niemandem sonst verbundener wäre, wenn ich hier so schnell wie möglich wieder herauskäme. Mit einem Schnippen, am besten. Und nie wieder zurückblicken.
Und dann kommt er, der Schrank, der...Beschützer, der Türsteher. Und irgendwie sieht er genauso aus, wie ich ihn mir vorgestellt habe, auch wen er keine Brille und kein Flanellhemd trägt. Aber irgendwie schreit an ihm alles dennoch Nerd.
Und er packt mich sofort nach einer saloppen Vorstellungsrunde. „Hey", schreie ich auf. „Ich wäre auch so mit gekommen – denn falls ihr Idioten es nicht bemerkt habt...ICH WILL GAR NICHT HIER SEIN!" Aber ich sehe nicht ein, so behandelt zu werden und wehre mich deshalb gegen seinen Griff wie von einem Schraubstock. Dabei schimpfe ich die ganze Zeit vor mich hin. Bis...
Mit einem Ruck werfe ich mich gegen ihn und schreie noch einmal „HEY!" Und im gleichen Moment geht ein Schlag durch den Urwald und meine Kopfschmerzen verschlimmern sich um ein Vielfaches. Er verliert den Griff um meinen Arm und für einen Augenblick sieht es für mich so aus, als würden alle stillstehen, wie im Stand-By-Modus.
Ich hole tief Luft. „Du Ficker-" Mit einem Finger piekse ich Simon in die Brust. „Kannst mich auch gern einfach so zu Fuß dorthin bringen, wo auch immer ich hin muss, um dieses Irrenhaus wieder zu verlassen." Ich drehe mich um. „Und du Arschloch sprichst mich nie wieder an." Ein Finger zitternd in Richtung Legolas. „Und du, du dumme Schlampe, fick dich einfach, ich versuche dir seit einer gefühlten Ewigkeit zu erklären, dass ich hier nur raus will. Und das hast du nun davon." Ich weiß nicht, ob und wenn, was ich kaputt gemacht habe mit diesem Rundumschlag von eben. Und was auch immer es ist, es tut mir leid, aber das kann ich diesem Weibsbild in schwarz natürlich nicht sagen – und auf der anderen Seite...ist sie, wie gesagt, selbst daran schuld. Wer nicht hören will, muss eben fühlen, auch wenn ich mir nicht sicher bin, wie ich diese Welle ausgelöst habe, wahrscheinlich reicht meine bloße Anwesenheit an einem Ort, an dem ich gar nicht sein soll...und eigentlich auch gar nicht sein kann.
„Also...gehts jetzt los, oder was?" Ich wende mich wieder Simon zu und mein Kopf bringt mich um. Je schneller das alles vorbei ist, umso besser!

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Re: Sharons "Inner World"

von Beth am 02.03.2024 20:58

Es wird scheinbar etwas besser – wenn auch nur kaum merklich. Es ist nicht zu übersehen, dass ich unerwünscht bin – auch wenn ich mir keinerlei Einschüchterung anmerken lasse. Nie wieder...nie wieder werde ich jemandem auf der Straße helfen, der mir zufällig begegnet! Ich bin ohnehin schon nicht gut darin, anderen vernünftig zu helfen, da kann ich es doch gleich ganz aufgeben, um mich selbst zu schützen.
„Aha", sage ich, sehe sie nur kurz an, ehe ich mir wieder den Kopf mit der einen Hand halte und mit der anderen Halt am Baum suche. „News Flash, ich wollte auch nicht einziehen."
Legolas reagiert nicht auf meine Worte, sagt erst etwas, als das Weib ihre Tirade beendet hat. Gott, kann die vielleicht schreien, und die Blitze, die illusorisch um sie herumzucken, vervollständigen das Bild nur noch. In jeder anderen Situation hätte ich das bewundert. Doch jetzt, so eine Überraschung das auch sein mag, will ich selbst nur weg. Nicht weil sie es mir befohlen hat, Himmel, nein, sondern weil ich einfach nur einen Abgang machen will, um mich aufs Ohr zu legen und das Ganze so schnell wie möglich zu vergessen. Soll Legolas seine Probleme doch allein klären, er hat doch die beste Mami, die man sich vorstellen kann...Pffft. Olle Schrulle!
„Girl, I'm trying", fauche ich auf ihre Worte zum Verschwinden hin. Wenn ich mit den Augen klimpern und in die Hände klatschen oder vielleicht Cha Cha nackt auf einem Esel tanzen muss, ich würde es tun...Aber im Moment bin ich so von meinen Kopfschmerzen gefangen und unterdrückt, dass ich nicht mal mehr ein Gefühl für die Außenwelt hat...für...
Gott! Scheinbar hat das doch etwas Gutes! Die Stimmen sind verschwunden, die endlosen Bilder, die zuckenden Lichter und Wirklichkeiten. Ich...fühle mich seit Langem mal wieder...wie ich. Ich, als ich allein, nur ich, mit mir allein, mit meinen Gedanken, Erinnerungen, Träumen und Hoffnungen...Keine Mischung aus Millionen und Abermillionen verschiedenen Möglichkeiten, Ideen und Theorien, Erinnerungen, die nicht meine sind, Erfahrungen, die ich mache...aber die nicht ich ich mache...Die...nur ein Teil von mir macht, irgendwo tausende Lichtjahre und doch fern jeder zeitlichen Trennung entfernt...
„Oh", lasse ich die nächste Spitze fallen. „Kommt jetzt der Schrank, die Schlägertype, die mich aus dem VIP-Bereich und am Ende gleich ganz aus dem ganzen Club wirft?" Simon...Ich komme nicht umhin, mir dabei nur einen großen Nerd mit Brille und Flanellhemd vorzustellen, wuschelige Haare, etwas durcheinander. Na der soll seinen Spaß mit mir haben – wenn das hier dann endlich endet würde ich sogar freiwillig mitgehen!
Ich richte mich endlich auf, immer noch ein Wummern und ein Dröhnen hinter den Schläfen, und lehne mich halb entspannt, halb herausfordernd an den Baum. Noch immer wehre ich mich gegen jede Art von Einschüchterung – und den Funken, den es dort gibt, lasse ich nicht nach außen dringen. Ich verschränke die Arme vor der Brust und warte auf die Dinge, die nun kommen sollen – hoffentlich geht es schnell...

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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Beth am 02.03.2024 14:13

Ich schmunzle. „Hm", mache ich. „Magie ist doch auch nur ein Wort für Dinge, die man bisher noch nicht wissenschaftlich erklären kann." Ich zucke mit den Schultern und erspare ihr die Details, dass es dort draußen eine Realität gibt, in der man meinem Talent, wenn man es so nennen konnte, einen Namen gegeben hat – man nennt es dort, ganz salopp, „Slippen", vom englischen Wort für „rutschen" oder aber auch „herausgleiten". Und man hat es dort sogar im Labor nachstellen können – allerdings mit wenig Erfolg...Ich muss es ja wissen, denn in dieser Realität ist ihr Versuchsobjekt für dieses Experiment mein Konterpart in dieser Welt gewesen. Die Arme...also ich...nein, sie. Ach, das ist immer noch so verwirrend manchmal! Wie auch immer, ich-sie ist in dieser Realität in Tausende Teile zerrissen worden...sie ist also nicht nur in eine andere Wirklichkeit geslippt, sondern geradezu in alle möglichen Realitäten zerrissen worden...Leider genau an dem Tag, an dem ich in meiner Welt gestorben bin. Sie ist vermutlich der Auslöser, weshalb es jetzt in allen Welten und Realitäten nur noch ein Beth gibt – nämlich, ich, jederzeit, überall.
Na ja, so viel dazu. Ich habe diese Tasse aus einer anderen Wirklichkeit geslippt, in der ich gerade nicht vorrangig anwesend bin – Schwarmintelligenz kann sich auch fokussieren –, und jetzt ist sie eben hier.
Nachdenklich betrachte ich sie, als sie mir das Wirrwarr in ihren Gedanken schildert. „Das klingt doch aber immerhin schon nach einem Anfang!", sage ich hoffnungsvoll und hebe die Arme. Aber auf der anderen Seite scheint auch noch viel dazwischen zu fehlen. Oder jedenfalls sind die Dinge da, aber durcheinander und lassen sich logisch nicht in eine Reihenfolge bringen. Und da ich keine andere Jodie habe finden können, die ein ähnliches Schicksal geteilt hat, müssen wir die Reihenfolge wohl anders herausfinden. Immer noch erstaunlich – unendliche Realitäten, unendliche Möglichkeiten und doch...sind wir beide einzigartig. Niemand sonst wie wir da draußen – ich...wie ein riesiges Netzwerk aus allen Beths aus allen Möglichkeiten der Existenz, eine Schwarmintelligenz, die Raum und Zeit durchspannt, und Jodie...das Mädchen, in deren Realität Aiden nicht hat geboren werden können und auf eine gewisse Weise mit seiner Schwester verschmolzen ist...um ein Mädchen mit Superkräften zu schaffen...unbewusst, aber doch...ein sonderbarer Ausgang.
Wie hat es die seltsame Alte in irgendeiner Welt am Rande des Abgrunds gesagt...Die Eva, die erste und die letzte Frau des Multiversums, und die lebendige Beta-Sonne. Sie ist verwirrt gewesen, von Dieselabgasen, atomarer Verseuchung und Smog, aber...in ihren Augen hat sie diese Sicherheit gehabt, als sie meine Hand umklammerte...
Ich bekomme ein Gänsehaut nur beim Gedanken daran – und schüttle das schnell wieder ab.
Stattdessen schildere ich Jodie meine Erkenntnisse – und es dauert etwas, bis es bei ihr ankommt.
Ich trete zu ihr. Die Hoffnung, die eben noch den Raum erfüllt hat, ist verschwunden, als sie sich auf ihren Stuhl hat fallen lassen. Doch als ich bei ihr ankomme, greift sie wahllos nach irgendwelchen Blättern auf dem Boden – es ist deutlich, dass sie dabei nicht auf irgendeine Ordnung achtet, sondern...sich nur beschäftigt.
Ich seufzte und runzle leicht die Stirn. Das kann ich nicht so lassen! Tag und Nacht hängt sie in dieser Hütte, überall diese Seiten mit einzelnen Sätzen, verschmierter Tinte oder endlosen Texten ohne Punkt und Komma.
Ich lege ihr eine Hand auf die Schulter. „Ich denke, etwas Abstand kann dir nicht schaden", erkläre ich ihr vorsichtig. Ich kann verstehen, weshalb sie sich so in diese Sache wirft – immer wieder, eigentlich die ganze Zeit. Immerhin hat sie nicht nur Aiden verloren, nein, sie hat auch verloren, wer sie wirklich ist...ihre Vergangenheit liegt in Scherben, umher schwirrende Fetzen aus Erinnerungen, die sie nicht ordnen kann, so sehr sie es auch versucht, gefangen in sich selbst, darin, dass andere ihr sagen, wer sie ist und so sie herkommt...oder sie ist verlassen in Einsamkeit und Unwissenheit. „Du musst mal hier raus – dann bekommst du vielleicht einen anderen Blickwinkel auf...all das..." Ich mache eine ausladende Handbewegung wie sie es eben noch getan hat, und fasse damit das Chaos aus persönlichen Gegenständen und Papier so gut es geht ein.

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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Beth am 07.01.2024 14:16

Ich hebe eine Augenbraue. Ich bin ihr nicht wirklich böse – immerhin kenne ich sie mittlerweile schon zu lange, um das nicht zu verstehen. Sie klammert sich an jede Hoffnung, dass ihr Aiden einmal zurückkehren könnte – und natürlich stehen die Chancen sehr schlecht, dass einmal zufällig hier jemand vorbeikommt, der sie nicht explizit sucht. Also...vermutlich nur ich oder geisterhafte Gestalten wie Aiden.
Deshalb bedenke ich sie mit keinem weiterem zynischen Kommentar und trete an ihr vorbei in die Hütte.
Das Chaos, das mich begrüßt, kommt ebenso nicht allzu unerwartet. Also schaue ich ihr dabei zu, wie sie Ordnung zu machen versucht.
Ich nicke leicht, lasse die Finger über die Küchenzeile wandern. Das Papier, das ich kurz aufgehoben habe, fast vergessen. Ich kann mir ohnehin nur wenig Sinn aus ihren wirren Gedanken und Erinnerungen machen. Zu dem Zeitpunkt bin ich noch nicht...wie jetzt gewesen, war noch nicht, was ich nun bin. Die meisten Menschen teilen nun immerhin selbst ihre tiefsten Geheimnisse mit mir – unfreiwillig...ich kenne sie nur einfach. Aber...Jodie wie sie hier in dieser Realität ist...ist einzigartig in einem unendlichen Multiversum mit unendlichen Möglichkeiten. Allein das ist ein Paradox, wenn man recht darüber nachdenkt...Und es bedeutet auch, dass alles, was in ihrem Leben vor mir gekommen ist, außerhalb meiner Reichweite ist.
Für andere Dinge gilt das nicht. Eben für solche Sachen, die unendlich sind...
Mit einer Drehung meines Zeigefingers in der Luft dreht sich auch eine Tasse auf der Anrichte, ehe sie abrupt zum Stehen kommt. Jodies Tasse, die sie fallen ließ, nun vollständig wiederhergestellt..na ja, jedenfalls in dieser Realität, in einer anderen muss sich jetzt eine andere Jodie überlegen, wo sie ihre Tasse gelassen hat. Allerdings bekommt diese auch keinen Besuch von einer Beth – also geht ihre Tasse auch nicht zu Bruch. Siehe da: Ein perfektes Duplikat eines Objektes, das es eigentlich nur noch einmal vollständig gab...
Ich runzle die Stirn.
„Es muss doch gewisse Eckpunkte geben, an denen du dich entlang hangeln kannst – du bist ja nicht einfach aus dem Himmel gefallen, hast etwas angestellt, Aiden verloren und sitzt seitdem einfach hier...Es muss doch ein ganzes Leben in diesem Papierkram verborgen sein – und in einem Leben gibt es immer gewisse Eckpfeiler...", grüble ich. „Geburtstage, Dates, Schule, Berufsbildung, Jobs...Hobbys..." Nachdenklich lasse ich meinem Blick über die wenigen Zettel schweifen, die sie noch nicht aufgehoben hat. In diesem Chaos ist ein Leben verborgen, das sie leider für sich allein wiederfinden und zusammensetzen muss, denn...
„Also...", beginne ich vorsichtig. Ich weiß nicht, wie ich das richtig anfangen soll. „Gefunden habe ich etwas", erwidere ich schließlich, zögere dann, ehe ich weiterspreche. „Aber...nur, dass...dass keine Jodie dort draußen so ist wie du..." Ich mache eine Pause, um das erst einmal sacken zu lassen. „Es gibt Jodies, die haben einen Bruder – Aiden...mit dem sind sie zusammen aufgewachsen in wohl behüteter Kindheit, aber es gibt auch Jodies, die sind Einzelkinder...aber ohne jedes Anzeichen für besondere Kräfte oder einen außergewöhnlichen Lebenswandel..." Erneut setze ich eine Pause, damit sie das aufnehmen kann. „Was ich damit sagen will...Ich kann dir auf diese Weise nicht helfen. Keine Jodie hat durch, was du erlebt hast, keine ist wie du und deshalb wird uns keine helfen, mehr über dich herauszufinden...oder uns zeigen können, wie man wieder zu Aiden durchdringen kann, ihn wieder zurückholen könnte, sollte es eine Chance geben..." Ich seufze und wende mich ab, spiele mit dem Rand der Tasse, die ich für sie zurückgeholt habe. „Es tut mir leid", erkläre ich. „Aber du bist vollkommen allein im Universum." Nach einem kurzen Moment schnaube ich. „Willkommen im Club, übrigens. Bisher sind es aber nur wir zwei, die vollkommen einzigartig sind...trotz unendlichen Möglichkeiten."

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Re: Sharons "Inner World"

von Beth am 22.11.2023 15:30

Etwas verwirrt runzle ich die Stirn. Beth, die...Ist das...ist das rassistisch gemeint? Ist Legolas etwa ein Rassist?! Leicht schüttle ich den Kopf, darüber mag ich gerade nicht nachdenken. „Ja, was auch immer", erwidere ich deshalb und will gleich zur Sache kommen, lausche seinen Ausführungen und wage mich dann an meine Idee.
Wenn ich es doch nur gelassen hätte...

Mit emtsetzlichen Kopfschmerzen komme ich an...ja, wo auch immer. Es ist heiß und ich bekomme nur schwer Luft, bin außer Atem. Und es hilft auch nicht, dass ich nicht erwünscht bin – ein unfassbarer Druck auf meinem Schulter und es läuft mir eiskalt den Rücken runter. Mein Blick ist noch für einen Moment verschwommen, aber ich kann sie schon spüren, lange bevor sie neben mir aufschlägt wie ein geladener Blitz.
Ich blinzele mehrmals, mustere sie, besehe mir dann noch mal meine Umgebung. Da ist es wieder, dieses Glitchen, alles glitcht und zuckt und zittert. Eine Welt vor meinen Augen, die sich mir nicht zeigen will, und dennoch kann ich sie durchschauen.
Mein Kopf dröhnt. Etwas daran ist so vollkommen falsch, dass es sich so anfühlt, als würde es mir gleich den Schädel spalten.
Und dann war da noch diese Frau...ihre Präsenz ist erdrückend, geladen von Zorn und Wut. Aber ich bin frustriert und vom Schmerz geplagt. Unstoppable Force trifft auf Immovable Object!
Ach!", schreie ich ihr also wütend entgegen. „Kurzer Reality Check: Niemand gehört in den fucking Kopf von irgendjemand anderem!" Ich balle die Hände zu Fäusten und stemme mich mit aller Gewalt gegen ihre Aura. Von so einer Bitch würde ich mich nicht unterkriegen lassen. „Ist ja nicht so, als wäre ich hier, weil mir langweilig ist. Alter, allein die Anreise ist ein Krampf!" Ich spucke aus. Und hoffe, dass ich damit nicht irgendeine Hirnkrankheit in dem armen Weib auslösen würde. Aber so wie ich das sehe, ist das hier nur die...abstraktere innere Welt...von irgendjemanden und ich sitze nicht wirklich gerade in jemandes Gehirn...Also...jedenfalls hoffe ich das inständig...oder ich würde mich übergeben. Mir ist so bereits schlecht...noch von meinem Herweg. Scheiß! Das ist nicht Mittelerde und auch nicht sonst irgendetwas, das mit Herr der Ringe zu tun hatte. Was ist das nur für ein krankes Spiel?!
Ich seufze bitter auf.
„Der da hat mich eingelassen, Frau Türsteherin!", fauche ich sie an und zeige mit etwas zittriger Hand ins Dickicht, das vor meinen Augen immer wieder glitcht und etwas verrutscht, mal hier hin, dann wieder dorthin, aber...ihn kann ich darin ganz deutlich erkennen: Legolas. „Hey", rufe ich ihm deshalb zu. „Will sich der Gastgeber etwa verstecken, nachdem er jemanden in Club geschmuggelt hat?! Deine Mami ist jetzt ganz schön sauer auf mich!"
Dann funkle ich sie wieder an, muss mich mit meinem Arm an einem Baum abstützen. Die Welt dreht sich immer noch leicht, und diese Kopfschmerzen...Ich habe das Gefühl, dass es mich noch einmal zerreißen will...es dieser unbekannten Entität allerdings genauso wenig gelang wie ich es bei meinem Auftritt hier auf die Reihe bekommen hatte, mich in die Luft zu sprengen...Auch wenn in meinem Körper und meinem Kopf alles den Anschein macht, als wäre es gleich so weit. „Glaub mir, ich suche eigentlich auch nur die Hintertür, durch die ich gekommen bin." Meine Stimme wird etwas schwach zum Ende des Satzes. Ich fürchte, dass es mir unmöglich ist, mich an diese Situation zu gewöhnen – entweder liegt es an ihr, dass sie mich nicht hier haben will, oder an der Tatsache, dass ich einfach nicht hier her gehöre...oder an einer Mischung aus beidem. Ich will nur, dass es endet...

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Antworten Zuletzt bearbeitet am 22.11.2023 15:34.

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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Beth am 22.11.2023 15:02

Von drinnen ist einiger Lärm zu hören und...ist das eben splitternde Keramik gewesen?!
Ich runzle leicht die Stirn. Mag es zwar, nun ja, ich sein, aber deshalb muss sie ja nicht gleich über ihre Einrichtung stürzen, um zur Tür zu kommen!
Fast möchte ich noch einmal Klopfen, besinne mich dann aber eines Besseren und lasse es lieber bleiben. Sie lebt allein hier draußen – wenn sie noch mehr teure Keramik zerstörte, hat sie heute Abend vielleicht nichts mehr, von dem sie essen und trinken kann!
Also falte ich die Hände und warte.
Dann geht die Tür auf.
Heeeeey.
Fast hätte ich Tadaaa gerufen, aber der Ausdruck auf ihrem Gesicht macht mir auch so den Auftritt schon kaputt. Wirklich? Enttäuschung?! Pfft.
„Äh, Entschuldigung?!", sage ich entrüstet und blicke sie schief an. Es ist ja nicht so, dass ich mir nicht vorstellen kann, aus welchem Grund sie enttäuscht ist – immerhin hat eben so etwas wie ein Geist an die Tür geklopft, nur dass es leider nicht IHR Geist ist, der, den sie verloren hat, und der mit der Grund ist, aus dem sie überhaupt hier, einsam, in der alaskanischen Wildnis haust wie so ein Einsiedler.
Aber genau deshalb bin ich doch jetzt hier! Etwas mehr Enthusiasmus wäre nett!
Wenigstens kommt es am Ende doch noch zu unserer Umarmung und dann trete ich an ihr vorbei in ihr kleines Zuhause. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass hier eine Bombe eingeschlagen hat – und mal unter uns, auch das würde mich bei Jodie nicht wundern. Ich habe nicht viel aus ihrer Vergangenheit erfahren können – es ist sehr schwer nachzuverfolgen, denn es gibt so gut wie keine andere Versionen von ihr dort draußen. Und die, die ich finden kann, die...sind nicht wie sie. Sie sind normal aufgewachsen – einige mit einem Zwillingsbruder, andere ohne. Aber keine davon...ist wie Jodie. Es ist...als wäre sie eine ganz außergewöhnliche Anomalie, in der sich zwei mögliche Realitäten so überschnitten, dass damit gewisse Naturgesetze gebrochen worden waren, als sie geboren wurde. Ein Mensch, besessen von einem Geist, der eigentlich ihr Zwillingsbruder geworden wäre, und der ihr auf eine gewisse Weise besondere Kräfte verlieh...
„Nah", erwidere ich schließlich und winke ab. Ich habe eigentlich auch nicht vor, hier zu bleiben – also, na ja, dass wir beide hier bleiben, ist nicht im Plan. Immerhin will ich sie ja aus ihrem Schneckenhaus holen!
Ich mache noch ein paar Schritte in die Hütte und beobachte sie, wie sie zügig ein paar Dinge von rechts nach links, von hier nach dort räumt, in der Hoffnung, damit das Chaos etwas zu beseitigen – kurzer Check: Nein, es funktioniert nicht. Ich hingegen beuge mich kurz nach vorn und hebe einen der zerknitterten Zettel auf, die überall herumliegen. Auf den ersten Blick ergibt nichts darauf Sinn – und viele Papiere ähneln sich stark. Doch auf den zweiten Blick...macht es immer noch nicht viel her. Deshalb werfe ich das staubige Stück Papier mit einem Kaffeefleck an der Seite lässig über die Schulter und gehe weiter.
Ich grunze kurz auf. „Als ob Unordnung bei dir etwas neues wäre", kichere ich. Und überhaupt ist so etwas doch auch gar nicht schlimm – mein Zimmer und später meine Wohnung sind schon immer ein Schlachtfeld gewesen.
„Was hast du fallen lassen?", frage ich nebenbei, während sie immer noch hier und dort etwas räumt. „Und, viel wichtiger, bist du schon weitergekommen...in der Frage nach der Ordnung deiner Erinnerungen...?" Allerdings verrät mir ein weitere Blick durch den Wohnbereich, dass dem vermutlich nicht so ist. Wenn überhaupt, dann herrscht eine noch größere Unordnung als das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe.
Und doch bin ich auch etwas nachdenklich, als ich mich an die Küchenzeile lehne und noch mal auf einige der Notizen sehe. In ihrem Kopf muss es ganz genauso aussehen. Natürlich ist es da sehr schwer, bestimmte Dinge zu finden – geschweige denn eine gewisse Ordnung einbringen zu können, wenn einmal alles durcheinander geraten ist.
„Ich weiß, es hilft vielleicht nicht, aber...wir haben doch schon mal über die, nun ja, Unendlichkeit des Multiversums und seiner Möglichkeiten gesprochen...nicht?", hebe ich dann an. Ich habe ihr nie erzählt, dass ich andere Jodies gefunden habe, aber keine wie sie war...Vielleicht ist es an der Zeit, genau das zu tun...

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Beth

30, Weiblich

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Re: Beth & Jodie ~ Back to Life (September 2023)

von Beth am 02.11.2023 14:00

Der Wind weht mir frisch um die Nase, fährt in meine Haare und droht fast, sie mit sich zu reißen, ein blond-rosa Schleier vor meinen Augen, umher tanzend, immer wieder mal den Blick freigebend auf die Stadt zu meinen Füßen. Mit ein paar Schritten habe ich den Weg zur Kante zurück gelegt, um mich zu setzen. Meine Chucks in der Luft baumelnd, lehne ich mich zurück, mein schwarzer Mantel gibt dabei widerwillig der Bewegung nach, am Ende beugt er sich jedoch trotzdem meinem Willen.
Es ist ein kalter Herbsttag in New York. Hier oben über den Dächern noch einmal sehr viel deutlich spürbar. Aber ich genieße die Aussicht von hier oben, auf die Straße nach unten zu sehen und einmal eine andere Perspektive zu gewinnen. Es kann einem klarmachen, wie klein man doch am Ende ist – und es hilft mir beim Fokussieren...auf das Hier und Jetzt, die Welt, in der ich gerade stecke...Meine Heimaterde, auf der alles angefangen hat. Ich bin nur selten hier – schon allein, weil alle, die ich kenne, denken, ich sei tot...nun, ich bin ja auch gestorben, in dieser Realität. Mein Tod, mit dem alles seinen Anfang genommen hat. Ein guter Ort, um etwas zu meditieren...oder jedenfalls zu versuchen, seine Mitte zu finden. Ironisch, nicht?
Ich lass mich nach hinten sinken, schaue in den grauen Himmel hinauf. Dies ist nur ein New York von vielen Millionen dort draußen. Und keiner der Menschen auf den Straßen dort unten weiß das überhaupt. Ein echt abgefuckter Gedanke. Irgendwo dort unten läuft jetzt gerade eine Jennifer herum, mit einem „YOLO"-Tattoo am linken Unterarm, die sich eine Schalter Zigaretten kauft. Aber...wenn ich mich nur auf die Seite drehe und die Augen schließe, sehe ich vielleicht Jennifer...und sie ist Anwältin, Kinderärztin, Designer...Und doch...würde auch sie denken, dass sie die einzige dort draußen ist.
Ich seufze, schließe meine Augen wirklich für einen Moment.
Doch ich sehe nicht Jennifer, keinen John oder Michael. Ich sehe...
Eine Freundin. Wie ich starrt sie in den Herbsttag hinein...fast in der Hoffnung, als würde ihr jemand antworten, wenn sie nur angestrengt genug lauscht. Mit einem leichten Schmunzeln öffne ich wieder meine Augen. Ich habe eine Idee.
Ich richte mich wieder auf, werfe noch einmal einen Blick auf die Stadt. Dann neige ich den Kopf zur Seite und ziehe ihn dann in einer schnellen Bewegung wieder an seinen angestammten Platz.
New York ist verschwunden. Stattdessen sehe ich einer blonden Frau mit Akne direkt ins Gesicht. Ich bin in einem Juwelier – und sie hält mir eine silberne Halskette mit einem großen blauen Stein entgegen. „Miss...?", hakt sie nach und betrachtet mit leicht besorgt. Ich schenke ihr ein sanftes Lächeln. „Ich nehme sie", erwidere ich und greife in meine schwarze Lederhandtasche, um zu bezahlen.
Fünf Minuten stehe ich auf einer matschigen Straße, die Halskette um meinen Hals, und betrachte mich in einem leeren Schaufenster eines geschlossenen Geschäfts. Yara, wie meine Variante hier heißt, ist ein ziemlicher Emo und ich muss zugeben, dass ich mich an mir kaum sattsehen kann – schwarze Haare mit einer fetten blauen Strähne im Pony, der die Hälfte meines Gesichts bedeckt, schwarz gemalte Lippen und ein satter Lidstrich an den Augen mit blauen Reflexen. Dann, eine schwarze Lederjacke, Netzstrümpfe und kniehohe Lackstiefel mit flachen Absätzen, mein karierter Minirock ist Sigillen und Pentagrammen geschmückt. Die silbernen Ohrringe mit einer langen Kette und umgedrehten Kreuzen hängen mir bis auf die Schultern. Mehrere Lederbänder schmücken meine Arme.
Ich mache mich auf den Weg zur Bushaltestelle – ich muss noch etwas rausfahren – und besorge mir dann in der kleinen Stadt einen Fahrer, der mich für ein paar Dollar zu der Adresse fährt, die ich ihm nannte. Auf der Fahrt sehe ich aus dem Fenster. Alaska ist ein schöner Ort, wenn man die richtigen Ecken kennt, natürlich. In der Spiegelung des Fensters kann ich Jodie auf ihrer Veranda sehen. „Ich komme Jodie", hauche ich der Spiegelung zu, ehe sie mit der Landschaft vor dem Fenster verschwimmt und ich wieder nur aus dem Fenster sehe.
Etwa zwei Stunden sind vergangen. Mit einem Lächeln verabschiede ich mich von meinem Fahrer, der die Landstraße weiter fahren wollte – er wohnt wohl wohl einige Ortschaften weiter´und kennt deshalb diesen einsamen See mit nur einer einzigen Hütte.
Ich laufe die letzten hundert Meter und erreiche dann endlich die Vordertür. Sachte klopfe ich und warte gespannt. Es ist etwas her, dass wir uns kennengelernt haben. Es ist mehr...ein überraschendes Aufeinandertreffen gewesen. Seitdem ist einige Zeit vergangen – ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie die Zeit im Blick gehabt hat...es scheint eine Schwäche von ihr zu sein. Aber deshalb bin ich ja hier!
Schließlich öffnet sich die Tür. „Heeey", sage ich und halte meine Arme hoch wie zur Umarmung. „Bereit, dass man sich mal aus diesem Loch holt?"

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