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Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Enoch am 17.11.2023 16:46Erschöpft mir rauer Kehle und vollkommen am Ende brachte ich nicht mehr viel hervor. Ich wollte einfach nur noch nach Hause und schlafe...und für eine lange Zeit nicht mehr aufwachen...
Doch das müsste ich wohl wahrscheinlich sehr viel früher als es mir lieb war. Schon allein, weil wir den anderen erklären würden müssen, was dort diese Nacht geschehen war.
„Nur", begann ich leise und mir sehr rauer, heiserer Stimme. „Dass es kein Auftrag war. Keiner hat uns darum gebeten...wir haben es einfach getan. Etwas, was den meisten Menschen nicht gefällt..." Oder jedenfalls den älteren Generationen, von den jüngeren...da konnte ich mir vorstellen, dass wir sogar gefeiert wurden...? Aber das konnte ich nicht genau sagen und mir drehte sich auch zu sehr alles im Kopf, um lange darüber nachdenken zu können. Solches Handeln wie wir es betrieben hatten, nun ja, nicht jeder würde uns als Helden oder Helfer sehen, sondern ehe eine Bedrohung der Öffentlichkeit...Wie die meisten Menschen eben so waren.
Aber das war eine Sorge für wann anders...für morgen oder...später an diesem Tage. Ich hatte keine Uhr vor Augen und sowieso eben jegliches Zeitgefühl verloren, das mir noch geblieben war.
„Dann", sagte ich schließlich, nachdem es einen Moment ruhig geblieben war. „Sehen wir uns...nachher, nehme ich an?" Wir mussten das in der Gruppe ausdiskutieren, das konnten wir nicht nur zwischen uns lassen!
Ich richtete mich ächzend auf, um langsam den Weg nach Hause anzutreten – da hatte ich noch einiges vor mir, aber sobald ich wieder richtig orientiert hatte, fand ich auch die nächste U-Bahn-Haltestelle.
Auf meinen abgeranzten Sitz zwischen Betrunkenen, Kiffern und Obdachlosen fiel ich gar nicht so schlimm auf, als ich den Kopf an die Fenster lehnte, die Bahn endlich losrollte. Es roch hier und da nach Pisse und ich konnte die Verführungen und Verlockungen, die Versprechungen, andere Drogen um mich herum sprechen, sie in meinen Ohren wispern hören. Doch keine davon kam gegen das an, was in dieser Nacht passiert war. Diese Bilder, diese Gedanken, die wild durch die Köpfe gerauscht waren. Ich hoffte nur, dass Emily es mir nicht krumm nahm – ich konnte mir vorstellen, dass sie am ehesten vergessen wollte, was sie gesehen und gehört hatte...und da sie es sonst schon nicht mochte, wenn man zu viel über sie wusste, konnte ich mir ihren Graus, dass ich mit eigenen Augen gesehen und wahrgenommen hatte, was in ihrem Kopf vorgegangen war, bildlich vorstellen.
Mit einem Seufzen steckte ich mir meine Kopfhörer in die Ohren und stellte auf meinen Handy einfach irgendein Lied ein – viel bekam ich sowieso nicht mehr mit, denn einige Momente später war ich bereits eingeschlafen.
Ich musste vom Fahrer geweckt werden, als wir die Endhaltestelle erreicht hatten. Leicht benommen sprang ich aus der Bahn und machte mich auf die Stufen nach oben und die Straßen entlang. Ein kurzer Marsch...
Am nächsten Morgen...
Daran wie ich zu Hause angekommen war, konnte ich mich später gar nicht mehr richtig erinnern. Ich war unter die Dusche gesprungen und dann ins Bett getaumelt. Mehr war nicht hängen geblieben.
Nun, am nächsten Morgen, fühlte ich mich wie gerädert. Für eine halbe Stunde hatte ich nur an die Decke starren können, hatte mich nicht gerührt und gehofft, dass ein Wunder geschehen würde und das entweder beendete oder mich in den Tag warf. Dieses Wundern entpuppte sich schließlich als meine Mom, die besorgt an meine Tür gehämmert hatte – sie hatte zwar mitbekommen, dass ich erst in den Morgenstunden nach Hause gekommen war, aber sich sonst nicht weiter darum gekümmert. Nun hatte sie allerdings meine stinkenden rußverschmierten Klamotten gefunden, die ich mit mit viel Seife und Wasser hatte etwas vorspülen wollen, wie es mir jetzt erschien.
Wie dem auch sei, das Ganze artete in ein stundenlanges Gespräch aus, was mit mir geschehen sei, ob ich mich verletzt hatte...bei was auch immer.
Natürlich konnte ich ihr nicht erzählen, was geschehen war, aber...wie erklärte man, dass man aussah, als wäre man einem Hausbrand nur knapp entkommen – was wir ja nun auch wirklich geschehen war, nicht? Ich hatte keine Ahnung. Also tat ich, was ich am besten konnte – ich flüchtete aus der Situation und davor, Verantwortung zu übernehmen. Mit einem Blick auf mein Handy suggerierte ich, dass ich etwas wichtiges vergessen hatte, sprang auf, schnappte mir meinen Rucksack und war auch schon zur Tür heraus, ehe sie etwas sagen konnte.
Doch nur für den Fall rannte ich etwa zwei Blocks weit, ehe ich wieder an der U-Bahn-Haltestelle war. Ich musste so schnell wie möglich ins Versteck, ganz egal ob dort schon oder noch jemand war oder nicht.
Keuchend saß ich in der Bahn, keuchend und zitternd. Für mich konnte ich den gar nicht schnell genug hinter mich bringen. Doch die Bahn fuhr leider nicht schneller, im Gegenteil, heute gab es eine Reihe von Halten, die nicht verzeichnet waren, und wieder einmal zwei neue Baustellen und Fehlerbehebungen an den Gleisen, die die Fahrt verzögerten und in die Länge zogen.
Krampfhaft starrte ich die ganze Zeit auf mein Handy, um mich wenigstens irgendwie abzulenken. Leichter gesagt als getan, denn die erste Schlagzeile, die an diesem Vormittag noch trendete, handelte von einem Hausbrand, in dem sich ein Drogenlabor verborgen hatte...und zwei ominösen Menschen, die sich ins Haus gestürzt hatten und alle Anwesenden gerettet hatten, noch ehe Feuerwehr und Rettungskräfte hatten eingreifen können. Augenzeugen hier, Presse dort. Es war in aller Munde. Menschen mit besonderen Kräften hatte es zwar hier und dort schon mal gegeben, aber nicht selten war es noch ein großer und verrückter Bericht, der Quoten brachte, wenn junge Leute plötzlich Leben retteten und man ihnen nur Superkräfte unterstellen konnte. Es war das eine, einen Löffel mit Kraft seiner Gedanken zu verbiegen, aber eine andere, einem Hausbrand den kompletten Rauch zu entziehen.
Ich musste mein Handy wegstecken. Überall ging es nur darum und die Frage, wer die beiden waren. Es war unmöglich, dass die anderen das nicht gesehen hatten und Fragen stellten!
Mein Herz begann zu rasen, als ich mich über die Straße auf den Weg zu unserem Unterschlupf machte. Meine Hände waren ganz schwitzig, als ich die Treppen hinaufstieg.
Aber ich atmete etwas auf, als ich feststellte, dass ich noch allein war. Erschöpft ließ ich mich auf das Sofa fallen und kam nicht umhin, wieder mein Handy hervorzuziehen und die Hashtags nachzuverfolgen. Bisher war das Interesse das, was überwog, noch nicht viel Abneigung, eher so etwas wie eine...öffentliche Sorge, wofür die jungen Leute heute ihr Leben wegwerfen würden...Beitrag für Beitrag klickte ich mich durch. Und ich konnte mir ein gewisses stolzes Schmunzeln dabei nicht verkneifen. Wir hatten es mit dieser Aktion in die Medien geschafft...als das, was wir hatten sein und tun wollen...etwas Gutes für die Gesellschaft, die Kommune...
Ich war so vertieft, dass ich gar nicht richtig mitbekam, das die andere mediengesuchte Person aus den Videos von Überwachungskameras und inszenierten Bildern den Raum betrat.

Heaven never heard me calling Guess this is the reason I feel like hell Weatherman the rain is pouring, yeah, yeah I wanna be in time See I'm being honest right now I've been in this dark hotel So why do I keep myself locked in? Yeah I wanna be, I wanna be! Be in oblivion Don't wanna live like this Need something to knock me out Don't wanna feel Nothing can make me numb Nothing left but to run I need you to knock me out...
Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Enoch am 23.09.2023 01:20Laut war in dieser Nacht; es schmerzte mir in den Ohren mit einem gewaltigen Druck. Allerdings war das eine meiner geringsten Sorgen – meine Kehle war rau, und noch immer war mir speiübel, als wollte mein Körper einfach alles von innen nach außen kehren, um mich von jedem letzten Partikel des Qualms zu reinigen. Nur dass ich dem nicht nachkommen konnte. Ich hatte vor was-weiß-ich-für-wie-vielen Stunden das letzte Mal etwas gegessen, als spie ich nur Galle und Flüssigkeit, während sich mein Magen verkrampfte und mein Körper sich schüttelte.
Nur am Rande bekam ich mit, wie die Leute, die wir gerettet hatten, schnell das Weite suchten, durcheinander stoben, übereinander fielen, spuckten und keuchten, als das Geheul, von Sirenen die Nacht erfüllte. Ich wollte in diesem Moment nicht darüber nachdenken, was das zu bedeuten hatte – wollte mich allerdings viel mehr nicht mit den möglichen...ethischen Konsequenzen befassen, dass wir Drogenköche gerettet hatten und dabei irgendwie geholfen hatten, ihr kriminelles Handeln zu vertuschen, indem sie nicht mit der abgebrannten Küche in Verbindung gebracht werden konnten...
Ganz leicht schüttelte ich den Kopf – um meine Kopfschmerzen nicht noch schlimmer zu machen –, als ich mich langsam wieder auf den Rücken drehte, versuchte, selbst auf die Beine zu kommen. Es dauerte, aber am Ende sollte ich es doch schaffen, stand – etwas wacklig zwar – vor ihr. Sie sollte mir den Weg weisen. Ich wollte mich nicht darauf konzentrieren müssen, einen Weg nach Hause zu finden...oder wenigstens zurück in unser Versteck in der alten Wache...
Ich folgte ihr stumm...
In meinem Kopf war es dafür allerdings noch sehr laut – immer noch kreisten die Wünsche, Träume und Fantasien der Anwesenden durch meine Gedanken. Ein buntes Durcheinander von tollen Versprechen und schöneren Ideen einer Welt, die nur auf dieser anderen Ebene existieren konnte und sich jedem auf eine ganz eigene Weise eröffnete...und in die ich mich irgendwie einschleichen konnte...Jetzt wollte ich allerdings nichts sehnlicher als nie wieder andere diese Sache denken zu müssen. Es war einfach zu viel gewesen.
Und so stolperte ich hinter Emily her, nur wenig auf meinem Weg achtend, eine Hand an meiner Schläfe, sie sachte reibend...als würde es das besser machen.
Zunächst zogen sich die Schatten zu meinen Füßen, immer wieder erst in blau gehüllt, dann in rot, dann wieder blau. Doch die bunten Lichter erstarben bald und es wurde düsterer – ein Segen für meinen hämmernden Kopf! Der kleine Wald war allerdings nur begrenzt und irgendwann erreichten wir wieder die Straße. Als wäre eine Blase um uns herum geplatzt kehrte der gesamte Krach der Stadt auf einmal zurück, und Lichter blendeten aus allen Richtungen.
Ich kniff die Augen zusammen, als ich mich an Emily wandte. Ich schluckte kurz, ehe ich die Kraft fand, etwas zu erwidern. „Ja, das müssen wir wohl...", gab ich kleinlaut zu. Es war nicht so, dass wir Regeln für so etwas hatten, aber...wir waren eine Gruppe, eine Crew, wenn man so wollte. Und wir mussten uns vertrauen, wollten doch zusammenarbeiten...Da sollten Alleingänge nicht ohne Absprache erfolgen. Und es konnte den anderen nur nützlich sein, zu hören, was wir geschafft hatten...oder vielleicht auch nicht – wieder hatte ich das Bild der flüchtenden Drogenköche im Kopf. „Aber...nicht heute. Ich muss echt nach Hause..." Ich hätte im Stehen einschlafen können, musste ich offen gestehen. „Und...wir müssen ehrlich sein...", fügte ich schließlich noch leiser, noch krächzender hinzu und sah sie etwas eindringlicher an. „Dass wir fast, na ja, gestorben wären." Bisher hatte sich das alles so leicht angefühlt, einmal abgesehen von dem Zugunglück damals. Doch dieser Einsatz hatte uns beinahe das Leben gekostet, weil wir einfach vorgestürmt waren, statt einen Plan zu machen...wir beide, niemand hatte speziell die Schuld daran. Aber...das war nicht gut gewesen. Um ein Haar würden wir nun nicht hier stehen, nach Kräften ringen, husten und keuchen, und uns überlegen, was wir den anderen sagen sollten.

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Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Enoch am 16.07.2023 03:53Ich hatte so etwas noch nie gemacht – bisher hatte ich nur den Stimmen lauschen und die Bilder verfolgen können, die sich durch die Gedanken der anderen drehten. Doch...wir alle lernten immer wieder etwas neues über uns, huh?
In Meinem Kopf hallten die Träume noch nach und es pochte mir hinter der Stirn nach der Anstrengung, sie alle auf einmal zu ersticken. Als hätte man lange nicht richtig atmen können und dann, auf einmal, gab es ein Überangebot an frischer Luft und Sauerstoff und es fickte einen so richtig, weil es den Körper, den Verstand, alles, so richtig überforderte.
Ich schüttelte kurz den Kopf, versuchte, das seltsame Gefühl des Zuvielseins in meinem Hirn abzuschütteln, als ich ihren Weg mit meinem Blick verfolgte. Meine Frage ignorierte sie. Doch als ich merkte, dass sich der Rauch wieder verzog und uns wieder Raum zum Atmen gab, war mir eigentlich alles klar; es hatte funktioniert und sie war wieder ganz da!
Endlich wieder Luft. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie sehr uns der Rauch bereits eingeschlossen hatte – und das nur für den Augenblick, den sie weggetreten gewesen war! Mein Hals war rau wie Sandpapier, als ich mich daran machte, ihr zu folgen und zusammen mit den Überlebenden bahnten wir uns einen Weg durch die Drogenhölle – wortwörtlich – zurück nach draußen.
Die Hitze erschwerte das Atmen und ich war tropfnass. Aber...wie schafften es...
Keuchend und krächzend fiel ich gleich vornüber ins feuchte Gras. Auf Händen und Knien hielt ich mich, als der erste Schwall kam und ich mich übergeben musste. Scheiße verdammte! Mein Hals wie vom Schleifstein bearbeitet und dann auch noch Erbrochenes...die unschönen Reste meines Abendessens schmückten nun als den Rasen vor dem mittlerweile in sich zusammenbrechenden Drogenlabor, als ich mich auf die Seite fallen ließ. Der Geruch nach Feuer und Qualm überlagerte zum Glück den Gestank der seltsamen Masse von Kotze und Spucke nur Zentimeter von meinem Ohr entfernt. Immer wieder mal musste ich husten, als ich dem aufsteigenden Rauch verfolgte, wie er den Nachthimmel in ein undurchdringliches schwarzes Tuch verwandelte, das Mond und Sterne verdeckte, nur um mit den Funken seinen eigenen Nachthimmel zu formen.
„Ja", brachte ich rau hervor und setzte mich auf. Es pochte immer noch heftig im Schädel – ich brauchte zu Hause erst einmal eine Aspirin...am besten vor der stundenlangem eiskalten Dusche. Mit zusammengekniffenen Augen und drehte ich mich noch ein Stück weiter auf meine andere Seite, um mich auf dem gleichen Weg wieder auf die Beine zu hieven, über den ich am Boden gelandet war – auf Händen und Knien. Es dauerte etwas, aber nach etwa zwei Minuten stand ich neben ihr, mehr oder weniger. Hechelnd wie ein Straßenköter und nach frischer Luft schnappend, keuchend vor Anstrengung. Ich kam mir vor wie 100.
„Na dann...Lead the way" Ich deutete vage in eine Richtung. Ich wollte ehrlich gesagt einfach nur ins Bett. Ich hatte nicht mal die Kraft, diesen kleinen besonderen Sieg auszukosten, den wir hier irgendwie errungen hatten. Aber was sie jetzt auch vorhatte, fürs Erste würde ich ihr folgen. Wenn es uns nur an einen Ort bringen würde, der etwas weniger Dantes Inferno trifft auf Love Parade gab.

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Re: Enoch & Nina ~ Drugs are Cool (2017) | Triggerwarnung
von Enoch am 16.07.2023 03:25Endlich hatte ich den Mut gefunden und den Mund aufgemacht – da bereute es ein Teil von mir auch gleich wieder; denn auch wenn ich selbst nicht unbedingt ein Zweig im Wind war, nun doch recht muskulös, war das eher kein Vergleich zu ihm. Und, nun ja, ich hatte ihm eben gestanden, dass ich sehr wahrscheinlich, also...wirklich sehr sehr wahrscheinlich, für den Zustand seiner Tochter verantwortlich war.
Und doch...ich konnte nicht leugnen, dass es mich auch irgendwie beruhigte, mir das von der Seele gesprochen haben zu können. Ich mochte vielleicht nicht so aussehen, aber ich musste zugeben, dass mein sensibles Herz es nicht ausgehalten hätte, diese Information einfach zu verschweigen und für immer in meinen Gedanken zu vergraben.
Als er dann jedoch auf mich zutrat, begannen die Gedanken in meinem Kopf sich wild im Kreis zu drehen und instinktiv suchte ich nach dem nächsten Fluchtweg, wich sogar einige Schritte zurück bis ich das Metall der freiheitversprechenden Türklinke fand. Die Augen weit aufgerissen. Mein Körper hatte auf Gefechtsmodus geschalten – war dabei allerdings eher für Flight als Fight. Ich riss bereits schützend meinen Arm nach oben, als es so schien, dass er seine Hand heben wollte, was er dann jedoch sein ließ; ein kleiner Moment der Beruhigung, auch ich ließ meinen Arm wieder sinken. Allerdings sollte es ganz anders kommen als ich es erwartet hatte. Da war wohl doch mehr Trauma im Spiel als echte Gefahr...?
Meine Augen waren noch geweitet, als ich ihn anstarrte. Ich hatte eher eine Standpauke erwartet – ein Teil von mir wohl oder übel sogar Gewalt, auch wenn es mir nun einen Moment später eher irrational vorkam, dass dieser Mann die Hand gegen mich erhoben hätte. So erschien er mir nun auf den zweiten Blick nicht.
„Ich...", begann ich mit nicht mehr als einem Hauchen, als er sich auch schon wieder umgewandt hatte und zum Tisch trat. Ich entspannte mich etwas und stellte fest, wie sehr ich die Türklinke umklammert hatte – meine Knöchel waren weiß geworden und mein ganzer Arm schmerzte von der Anstrengung.
Unschlüssig betrachtete ich das Geld und die Flasche Wasser. Es kam mir noch immer nicht richtig vor, die beiden Dinge anzunehmen, doch nun kam das Gefühl hinzu, dass es unhöflich wäre, es ihm auszuschlagen; immerhin war er mir nicht böse trotz dessen, was ich womöglich seiner Tochter angetan hatte, dass er eine Entschuldigung gefunden hatte (ja, ich wusste, dass er recht hatte, dass es viele Auslöser hätte geben können und es nicht explizit meine Schuld war...sein musste – wie auch immer –, dass viele Dinge zu dieser Situation hätten führen können, aber irgendwie wollte ich es trotzdem nicht wahrhaben).
Langsam hob ich schließlich die Hand und nahm das Wasser und den Schein. „Danke", meine Stimme war immer noch etwas kehlig, als ich mich noch einmal zu Nina wandte. „Ich denke...die Medien werden mir ohnehin sagen, wann es ihr wieder besser geht...", begann ich vorsichtig und merkte, dass meine Ohren dabei leicht rot wurden. „Aber wäre es dennoch möglich, dass ich es...äh, direkt erfahren könnte, wenn sie wieder auf den Beinen ist...?"...das würde meinem Gewissen wirklich enorm gut tun...Aber das fügte ich natürlich nur in Gedanken hinzu.
Für einen Moment blieb es ungemütlich still zwischen uns, ehe ich in einer meiner vielen Taschen nach einigem Kramen, bei dem ich die Flasche mal umständlich in die eine, dann noch unbequemer in die andere Hand nahm, ehe ich schließlich einen Schnipsel Papier fand – ich machte mir ständig irgendwelche Notizen, damit ich Dinge nicht aus den Augen verlor. (Auf dem Zettel stand nur „Mittwoch, 7:00 Uhr!" und ich musste gestehen, dass ich keine Ahnung hatte, woran ich mich damit erinnern wollte). Mit einem Stift kritzelte ich schwer erkennbar meine Handynummer auf und legte ihn dann auf die Kommode. „Dann, äh, bis...irgendwann..." Mit gerötetem Gesicht bis hinunter zum Hals öffnete ich schließlich die Tür und eilte zurück zum Park, um meine Sachen aufzulesen und für diesen Tag erst einmal nach Hause zu gehen. Mit verkrampftem Magen musste ich beobachten wie die Menschen, die extra für Nina in den Park gekommen waren, entweder auf freien Stücken schon wieder gingen oder langsam klar wurde, dass etwas nicht stimmte. Nein, dass wollte ich mir nicht antun – also tat ich, was ich immer tat: Ich flüchtete vor den Auslösern schlechter Gefühle und baute darauf, dass ADHS die schlechten Gedanken schon vertreiben würde, solange ich nur nicht daran erinnert wurde. Nur zu blöd, dass für den Rest des Abends mein gesamter Fokus darauf gelegt war, was am Nachmittag geschehen war...und ich deshalb erst gegen fünf Schlaf finden konnte...

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Re: Enoch & Nina ~ Drugs are Cool (2017) | Triggerwarnung
von Enoch am 05.03.2023 05:39Hilflos stand ich mittlerweile in einer Ecke und wusste nicht so recht, wohin mit mir. Ich war hier eindeutig fehl am Platz – und die Tatsache, dass ich an ihrem Zustand auch noch schuld war, verbesserte die Lage für mich auch nicht gerade. Unruhig trat ich von einem Fuß auf den anderen und hatte angefangen, mit einer Hand an einem Fingernagel der anderen Hand herumzuspielen, daran herumzuzupfen und zu -pulen. Das half...ein wenig.
Ich nickte leicht.
Gut, die mussten wohl auch erfahren, weshalb Nina an diesem Tag, auf den sie sich so gefreut hatte, womit sie vor mir so angegeben hatte, vor einem Wildfremden, nicht teilhaben konnte. An einem Tag, an dem es irgendwie um sie hatte gehen sollen. Und nun war sie wegen mit auf einem richtig miesen Trip.
Ich hatte Bauchschmerzen und meine Kehle schnürte sich zu – und es drohte, mich zu ersticken, als er schließlich mit einem 20$-Schein und einer Flasche Wasser um die Ecke kamen. Die Schuldgefühle waren nicht mehr auszuhalten. „Das kann nicht annehmen", krächzte ich und betrachtete das Geld in seiner Hand. So verführerisch es war, aber...das konnte ich...nein, niemals. „E-Enoch." Ich biss mir auf die Unterlippe. Wieder konnte ich ihn nicht ansehen – und starrte stattdessen nur auf das Geld in seiner Hand.
Und für einen Moment war es unerträglich still. Sie Stille war so schwer, dass ich fürchtete, sie würde mich zerquetschen und unter sich begraben.
„Mr....Mr. Price, ich muss Ihnen etwas sagen", brachte ich es schließlich leise hervor, meine Stimme so rau wie ein Reibeisen. Ich vermied jeden Blickkontakt, sah noch immer nur auf seine Hand. „Ich...ich glaube, dass ich dafür verantwortlich bin, dass Ninas...Trip so sehr abgerutscht ist." Es tat mir beinahe körperlich weh, das über die Lippen zu bringen, doch es war die Wahrheit und nur um die sollte es jetzt gehen. Ich war kein Held, der sie im Park gefunden und gerettet hatte, kein stiller Helfer, nein, eigentlich hatte ich es nur wie immer machen wollen: Ich richtete irgendwelche Scheiße an und versuchte, sie so schnell wie möglich zu begraben, statt sie auszubaden, indem ich so tat, als wäre es einfach so gewesen, schnell Hilfe holte, selbst in die Rolle eines Opfers wechselte, um nicht erwischt zu werden...Was ich damit sagen wollte: Ich war immer gut darin gewesen, für meine Fehler nicht geradezustehen. Doch in der Regel hing an diesen Fehlern kein Leben, nicht die Psyche eines Menschen oder was nicht noch alles bei dieser Aktion hier Schaden nehmen konnte...Und das konnte ich nicht so stehen lassen. Es würde mich auf kurz oder lang umbringen. So wie mich eigentlich alle Fehler umbrachten, doch ich redete mir immer ein, dass es doch nur halb so schlimm war, wenn man den Fehler beheben konnte, wenn ich nicht der Schuldige war, man die Sache dann einfach wieder geradebog. Doch das hier war etwas anderes...Ich schluckte. „Es tut mir sehr leid. Ihre Tochter ist wirklich ein wundervoller Mensch, ein Sonnenschein und ich wünsche ihr alles, alles Gute und gute Besserung. Und...ich denke...es ist besser, wenn ich jetzt gehe..." Ich machte eine Handgeste zur Tür und wich dann langsam zurück, doch jeder Muskel meines Körpers war angespannt – und erwartete panisch die Reaktion, die er mir noch schuldig war...

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Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Enoch am 15.02.2023 15:45Mein Herz schlug wie wild in meiner Brust. Ich war mir nicht sicher, ob das eine gute Idee gewesen war, aber..zugegeben, das hatte ich auch von Anfang schon gesagt, doch wenn Emily sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, war es sehr schwer, dem zu entgehen und sich ihr zu widersetzen; auch wenn sie noch nicht lange bei uns war, das hatten wir alle sofort bemerkt (ich für meinen Teil wohl am ehesten am Tag unseres Treffens).
Und doch folgte ich ihr brav, so schweißtreibend es auch war – ich war mittlerweile klitschnass, die Haare klebten mir im Gesicht und meine Kleidung hing schwer von mir. Doch ihre Macht war gerade an dieser Stelle deutlich zu spüren – trotz der hohen Flammen und dem Meer aus glühend heißem Verderben von allen Seiten...gab es keinen Rauch mehr, der uns in die Lungen kriechen und unser Leben bereits fordern konnte, noch ehe wir auch nur den Hausflur verlassen hatten.
Und dann hatte ich endlich einen glorreichen Moment...allerdings alles andere als schillernd, doch ich wusste uns nicht anders zu helfen – und hatte die Hoffnung, dass das Flammenmeer all das Baumaterial eventuell bereits so sehr angegriffen hatte, dass auch eine schwere Holztür nachgeben würde; und der naive Gedanke sollte nach einigen Anläufen sogar belohnt werden. Wenn meine Haut nicht durch das Feuer und die Hitze bereits puterrot gewesen wäre, so hätte Emily wohl sehen können, dass ich errötet war, nachdem mir aufgefallen war, wie dumm diese Idee eigentlich gewesen war. Auf der anderen Seite allerdings war ich mir sehr sicher, dass sie es eventuell gar nicht realisiert hatte – denn sie stürzte augenblicklich an mir vorbei in den Raum, wo sich die Überlebenden befanden.
Ich wusste nicht recht, was wir nun tun sollten und während ich mich zwischen den entsetzten Männern umsah, sah ich erst auf den zweiten Blick, dass Emily einen der Männer, der bereits bewusstlos geworden war, auf den Rücken gedreht hatte und...seine Lippen auf seine legte! Erschrocken beobachtete ich das Schauspiel und...realisierte erst einige Momente später, was sie tat – jedenfalls meinte ich eine Ahnung zu haben; und die sollte sich bestätigen, als sie sich wieder erhob und der Mann die Augen aufschlug. Sie befahl, dass sie verschwinden sollten, doch keiner von ihnen rührte sich und...ich sah nun auch den Blick ihrer glasigen Augen – sie waren gerade alle in einer ganz anderen Welt, das Feuer war ihnen ganz fern. Ich war mir sicher, dass sie bei der Menge an Stoff, den sie hier einatmeten, überhaupt in der Lage waren, sie zu verstehen und zu erkennen, was eigentlich vor sich ging. Für den Mann am Boden war der „Kuss" von eben vermutlich so etwas wie das geilste Erlebnis gewesen, das er jemals auf einem Trip gehabt hatte. Doch sie waren in diesem Moment vorerst nicht mehr wichtig, denn zu meiner anderen Seite war Emily eben selbst zu Boden gegangen, auf die Knie gesunken, ihr Blick flackerte und ich konnte das Flüstern hören – der Rauch, den sie auf den Lungen des Mannes gezogen hatte, musste noch genug Stoff enthalten haben, um sich in ihr einzuschleichen.
Hastig kniete ich mich neben sie und vermied es einen Blick auf unseren schrumpfenden Raum zu werfen, als das Feuer immer näherrückte. Ich legte ihr eine Hand an die Schulter. „Emily, höre nur auf meine Stimme bat ich und ignoriere alles, was du siehst, was du spürst und was du hörst, das ist nicht real." Meine Hand wanderte zu ihrer Stirn und ich spürte ihren Schutz um uns herum schwinden – es stieg wieder dunkler Rauch auf und ich spürte das Brennen in meiner Lunge, spürte, wie mir der Rauch langsam selbst die Sinne nahm. Scheiße, das dauerte zu lange! Panisch sprang ich auf und sah mich im Raum um. Ich versuchte, mich zu konzentrieren, versuchte ruhig zu atmen, um nicht noch mehr kostbaren Sauerstoff zu verbrauchen, der langsam immer knapper wurde, je länger das Feuer uns wieder einschloss – und umso länger Emily uns den Rauch nicht mehr vom Hals halten konnte.
Ich schloss die Augen. Ein und aus und ein und aus.; ich lauschte den Geschichten, die der Nebel erzählte, der sich in den Geist der anderen geschlichen hatten, und ich wartete etwas und wartete bis es so intensiv war, dass ich mich beinahe selbst in den fremden Welten der anderen sehen konnte - in bunten Farbem und ungelebten Ideen und Wünschen, neue Perspektiven und Gedanken von einer neuen Welt und einem besseren Leben...Ich schnipste vor mir in der Luft...Puff!
Jeder schöne Traum, jede Fantasie, jeder Wunsch und jede Halluzination, die die Drogen uns in den Kopf gesetzt hatten verflogen mit einem Mal und lösten sich im Raum auf. Schlagartig wurde der Blick der Männer klar und sie sahen sich irritiert um und Panik machte sich breit – und auch Emily kam wieder zu sich...Ich stellte mich über sie und reichte ihr eine Hand. „Geht es wieder?"

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Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Enoch am 18.12.2022 02:21Angst hatte sich in mir breit gemacht – die heißen Flammen waren meiner Haut fern genug, um mich nicht ernsthaft zu verletzen und der Rauch blieb auf sicherer Distanz, um mir nicht in die Lungen zu fahren. Und dennoch...Es brannte auf meiner Haut und ich war schweißgebadet – die Kleidung klebte mir am Körper, die Haare auf meiner Stirn. Die Feuchte tropfte von meinem Körper.
Ich folgte ihr auf dem Fuße und musste zugeben, dass ich ziemlich beeindruckt war, denn so richtig im Aktion hatte ich ihre Gabe noch nie gesehen – sie war sehr beeindruckend. Allerdings behielt ich das für mich. Sie wusste sicher ohnehin schon, wann und wie sie bewundert wurde. Und ich wollte nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer geben – und ja, ich war mir der Ironie dieses Gedankens in Anbetracht unserer derzeitigen Situation sehr bewusst.
Doch für den Augenblick schien sie ebenso hilflos wie ich, als ich meine Frage stellte. Und sie hielt inne und konzentrierte sich. Ich beobachtete sie dabei neugierig und runzelte gleichzeitig die Stirn, denn ich konnte mir keinen Reim darauf machen, was sie da wohl anstellte. Allerdings musste es funktioniert haben, denn kurz darauf wirkte sie einem Bluthund ähnlich, der soeben eine Witterung aufgenommen hatte. Ich folgte ihr, weiter hinein in die glühenden Flammen.
Und dann...hatten wir sie gefunden, die Eingeschlossenen. Die Tür war verklemmt und der Türknauf war glühend heiß und gab auch nicht nach. Ich biss mir auf die Unterlippe. Als ob wir jetzt auch noch Zeit zum Nachdenken hatten...Das Gebäude stürzte im einem furchtbaren Getöse zusammen und das ohrenbetäubende Rauschen der Flammen machten es mir unmöglich mich ausreichend zu konzentrieren, um eine sinnvolle Lösung zu finden – und mich wollten die Leute als einen Anführer sehen?! Ich sah sie an und dann wieder zur Tür und hoffte, dass es nicht so unmöglich war wie ich befürchtete. Vielleicht würde ja das Material aufgrund der Hitze und des Feuers nachgeben...? Doch es war der erste Gedanke, der mir gekommen war...Also...trat ich zu. Beim ersten Mal tat sich nichts, stattdessen stolperte ich leicht rückwärts, konnte mich allerdings schnell wieder fangen. Ich versuchte es noch ein weiteres Mal und meinte, ein Knarzen gehört zu haben – die Tür hatte ganz sicher etwas nachgegeben. Also noch ein drittes Mal – und siehe da, auch ich sollte einmal Glück haben: Die Tür gab nun ganz nach und brach aus dem geschwächten Rahmen (also Kinder, niemals nachmachen, eine heile Tür würde niemals nur durch einen Tritt nachgeben!). Aber nun standen wir wohl vor einem neuen Problem: Der Raum war noch schwächer geworden. Es knarzte und knarrte von überall und das lärmende Feuer – mein Schädel drohte mir zu platzen und mir wurde schlechte. Ich fing an, daran zu zweifeln, dass wir das hier überleben würden... „Du bist wieder am Zug", brachte ich über die Lippen – und hoffte, dass sie es hören konnte.

Heaven never heard me calling Guess this is the reason I feel like hell Weatherman the rain is pouring, yeah, yeah I wanna be in time See I'm being honest right now I've been in this dark hotel So why do I keep myself locked in? Yeah I wanna be, I wanna be! Be in oblivion Don't wanna live like this Need something to knock me out Don't wanna feel Nothing can make me numb Nothing left but to run I need you to knock me out...
Re: Enoch & Nina ~ Drugs are Cool (2017) | Triggerwarnung
von Enoch am 18.12.2022 01:37Ich hatte meine Sachen nur schnell in meinen schwarzen Rucksack gestopft und mir diesen über die Schulter geworfen. So ganz wohl war mir bei dem Gedanken nicht, die beiden zu begleiten – immerhin war ich ja daran schuld, dass Nina erst in diese Lage gekommen war...Auf der anderen Seite war ich mir durchaus bewusst, dass ich ihn so allein mit ihr in seinen Armen wohl kaum durch den Park und durch die Stadt laufen lassen konnte.
Und so ging ich mit ihnen mit und erklärte vorsichtig – ständig auf der Hut, mich nicht selbst zu verraten –, was geschehen war. Und ich musste zugeben, er mochte seine Tochter in den Armen tragen, aber damit kam er dennoch auf ein beträchtliches Tempo. Ich würde mich selbst nicht als sportlich betrachten, aber immerhin als fit. Aber ich kam neben ihm ganz schön aus der Puste – das musste das Adrenalin sein, ich konnte es förmlich riechen...was allerdings genauso gut an meiner kleinen...Spezialität liegen konnte. Meine Stirn war feucht und die Haare klebten auf der Haut. Meine Stiefel waren schwer und ich hatte es einfach gewusst, dass ich mich für diesen Tag falsch angezogen hatte...in jeglicher Beziehung...zu warm, zu unmobil. Und dennoch bemühte ich mich, mit ihm Schritt zu halten. Vom gleichzeitigen Erzählen hatte ich schon Seitenstechen. Ich keuchte leicht.
„Aha", brachte ich nur hervor, als er mich auf das Hotel verwies.
Alles schien furchtbar lange zu dauern – bis er die Hotelkarte gefunden hatte, der Weg durch die Lobby, den wir so gesittet wie möglich zu halten versuchten (wohl mehr schlecht als recht, wenn man so triefte und keuchte wie wir es taten und er ein wimmerndes Mädchen in den Armen hatte, das eigentlich auf einer Filmpremiere im Park sein sollte, das man von Plakaten kennen könnte), aber natürlich starrten die Menschen uns an. Und ich war dankbar, als sich die Fahrstuhltüren endlich schlossen und er sich mit einem leichten Ruck in Bewegung setzte und nach oben rauschte. Ich musste mich für den Moment an die Wand lehnen, weil ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Ich hatte höchsten Respekt für diesen Mann, der Nina noch immer in den Armen hielt und zwar keuchte und geschwitzt war, aber dennoch keinen Moment Schwäche zeigte.
Mit zittrigen Fingern führte ich dann die Schlüsselkarte zum Schloss – es dauerte einen Moment – und öffnete die Tür, ließ die beiden eintreten. Sachte, aber auf Abstand bleibend folgte ich vorsichtig.
Je mehr er um sie herumsprang, einen Eimer brachte, sie bequem auf dem Bett zurechtlegte, einen Waschlappen und Wasser holte. Wann immer er wieder an mir vorbeikam, versuchte ich mein bestes, ihm nicht im Weg zu stehen und vermied direkten Blickkontakt. Meine Kehle war wie zugeschnürt. Ich hatte wirklich Schwierigkeiten, mir dieses Schauspiel ausgemachter väterliche Sorge anzusehen, ohne dass mein schlechtes Gewissen noch größer wurde – sofern das überhaupt noch möglich war.
Auch als er mich bald darauf noch einmal ansprach, vermied ich es, ihm direkt in die Augen zu sehen und fokussierte meinen Blick stattdessen auf einen Punkt leicht neben seinem Gesicht an der Wand. Ich zuckte leicht und versucht lässig mit den Schultern. „Wer erwartet so etwas schon." Mein Lachen daraufhin klang allenfalls nervöl statt ironisch. Doch ich hoffte, dass ihm der Unterschied nicht auffiel – oder er ihn für etwas anderes abtat. „Aber ich möchte nichts trinken, alles gut." Auch wenn es das natürlich nicht war, schon gar nicht bei Nina, aber ich hoffte einfach, dass er das nicht als taktlos aufgenommen hatte. Die Drang, sich immer doppelt und dreifach zu erklären, kickte nur schon wieder einmal, da war ich mir sicher.
„Kann...kann ich noch etwas helfen?", erkundigte ich mich schließlich, nachdem es bis auf Ninas Wimmern still geworden war – zu still und viel zu lange...

Heaven never heard me calling Guess this is the reason I feel like hell Weatherman the rain is pouring, yeah, yeah I wanna be in time See I'm being honest right now I've been in this dark hotel So why do I keep myself locked in? Yeah I wanna be, I wanna be! Be in oblivion Don't wanna live like this Need something to knock me out Don't wanna feel Nothing can make me numb Nothing left but to run I need you to knock me out...
Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Enoch am 17.10.2022 04:37Ihre Antwort war ruhig und eindeutig. Wie eigentlich alles, was sie sagte. Selten mit besonderem Gefühl, aber immer mit einer deutlichen Intensität, eindringlich und klar. Doch was das für unser Gespräch in diesem Moment bedeutete...Es irritierte mich nur noch mehr...Ich war ein so dermaßen unorganisierter Mensch, so durcheinander und wirr...Ich konnte zeitweise nicht einmal eine sinnvolle Ordnung für meinen eigenen Alltag finden, geschweige denn eine Gruppe von Menschen anführen...die allesamt Superkräfte hatten. Und doch. Man sollte sich immer nur an den Dingen messen, die man auch tatsächlich schon getan hatte und nicht solche Dinge einwerfen, von denen man nur glaubte, sie nicht zu können, aber es noch nicht probiert hatte. Eine Abstimmung wollte sie eventuell anleiern? Ich wusste nicht, wie mir das gefiel. Wenn ich ehrlich war, dann fürchtete ich mich vor einer solchen Abstimmung – was, wenn man mich doch als Anführer sah? Ich wüsste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Aber ich könnte es am Ende wohl auch nicht ändern. Ich wollte allerdings auch nicht mehr darüber nachdenken. Ich versuchte den Gedanken abzuschütteln. Allerdings schwieg sie und ich wusste nicht, was ich noch sagen konnte – also geisterte die Idee noch weiter in meinem Kopf herum, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte, indem ich mich ablenkte.
Also spukte das immer weiter in meinem Kopf, während wir nebeneinander hergingen und sie sich wieder eine Zigarette ansteckte. Mäh, ich hatte gerade keinen Appetit auf eine weitere – allerdings hatte ich schon lange festgestellt, dass Emily eine eindeutige Kettenraucherin war. Nur dass ihr das nichts auszumachen schien – nur den Menschen um sie herum, logischerweise. Sie selbst schien nicht mal einen Husten zu haben, den man noch typischerweise immer wieder hören würde. Auf der anderen Seite...Emily war auch etwa genauso normal wie wir in dieser Gruppe es alle waren. Und wir hatten irgendwie auch alle unsere Eigenheiten, die mit unseren Talenten einhergingen. Und ich wäre der letzte, der ihr das Rauchen verbieten würde – ich rauchte selbst auch und gerade ich wusste, wie wichtig gewisse Dinge für uns manchmal waren...ob sie nun objektiv betrachtet gesund waren oder nicht.
Aber dann...dann gab es wohl endlich genau die richtige Ablenkung, die ich schon den ganzen Abend gesucht hatte – von allem...Von meinem Leben, von meinen momentanen Problemen und von den Dingen, die sie mir gerade in den Kopf gesetzt hatte. Noch ehe ich´s mich versah, war Emily auch schon losgestürzt – ich brauchte noch einen Moment, ehe ich es begriffen hatte und mich ihr anschloss und mit meinen schweren Stiefel, die ein dumpfes Plump – Plump – Plump von sich gaben, wann immer ich auf auftrat, hinter ihr her schoss. Der Geruch stieg bald auch mir in die Nase – kratzig und rau...Qualm von einem Feuer, in dem allerdings noch sehr viel mehr steckte. Eine sonderbare Mischung. „Drogen." Das Wort kam mir schneller und ungehaltener über die Lippen, als ich es erwartet hätte, doch mit meinen Kräften war so etwas kein sehr langes Ratespiel. Und auch in einigen Meter Abstand trieb mir das Feuer den Schweiß auf die Stirn – es war heiß und eklig. Die wunderbaren Versprechen, die mir eingeflüstert wurden, hätten beinahe verhindert, dass ich die Hilferufe hörte, doch der Schrei in Todesangst zerschlug die Hoffnungen und Träume vor meinem inneren Auge wie ein fahrendes Auto, das in ein Schaufenster krachte. Ich war wieder hellwach und riss die Augen auf. Nur...wie sollten wir das anstellen? Ehe ich allerdings Zeit dazu bekam, mich mit Emily darüber zu besprechen, war sie bereits losgelaufen und bedeutete mir, ihr zu folgen. Zögerlich setzte ich mich in Bewegung. Ich war mir nicht sicher – sollte ich mit hineingehen? Sie konnte den Rauch ablenken, aber das Feuer wäre immer noch da. Ich könnte all die Versprechen zum Schweigen bringen, auf dass sie sich nicht ruhelos in der Nachbarschaft verbreiteten. Aber...gut. Ich folgte ihr in das Flammenmeer, das nun zumindest nicht mehr verqualmt war. Ich konnte auch von hier drinnen anfangen, während wir uns den Weg zu den Hilfesuchenden freimachten. Ich atmete tief ein, während ich hinter ihr hergingen – immer wieder und immer wieder. Und ich hörte sie wieder, die Angebote und Träume und Bitten. Sie schlichen sich in meine Ohren und krochen weiter bis in mein Gehörn. Die vielen Bilder verschwammen zu einem einzigen Farbenwirbel vor meinem inneren Auge. Mehrmals musste ich blinzeln, damit ich die Augen für die echte Welt offen behalten konnte, während ich mich darauf konzentrierte, dem Rauch, den sie auf sicheren Abstand von uns hielt, sein unnatürliches Gift zu nehmen. Neun war eine Sache wenigstens geklärt....zumindest ein wenig.
Als ich mich dann wieder gefangen hatte, sah ich mich um, soweit wir es eben konnten. „Hast du eine Spur, wo wir hin müssen?" Immerhin hatte sie eine außergewöhnliche Verbindung zum Rauch und zur Dunkelheit – vielleicht verrieten sie ihr, wo sich die Eingeschlossenen befanden...oder die eingeschlossene Person. Ich selbst war in diesem Moment sehr orientierungslos. Ich hatte keine direkte Idee, wo sie sich befinden könnten. Und in dem ohrenbetäubenden Rauschen des Feuers konnte ich auch keine eventuelle Rufe mehr ausmachen.

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