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Re: Lennox & Tessa ~ In Darkest Times Can Be Sparks of Hope (Sommer 2021)
von Tessa am 23.07.2024 15:17Tessa lächelte leicht. Es war ein ehrliches, nostalgisches, aber auch etwas trauriges Lächeln. "Ja...", stimmte sie leise zu, während ihre Hände wie von selsbt begannen, sich einen weiteren Absinth zu mixen. Nur noch ein paar und sie würde wieder auf was anderes umsteigen müssen. "Ja, sie war reif. Sie war großartig. Aber eben auch rebellisch. Sie ließ sich nicht gern Dinge vorschreiben oder sich etwas sagen." Was sie auch unglaublich an ihr geliebt hatte - denn es war ein Zeichen gewesen, dass Ricky ihren Weg immer gehen würde, dass sie sich nicht von irgendwelchen Hindernissen aufhalten lassen würde. Nein, sie würde ihren Weg gehen. Das hieß... sie wäre ihn gegangen. Da war er wieder. Der stechende, unerträgliche Schmerz in ihrer Brust.
Sie erwiderte den leisen Händedruck von Lennox und schenkte der Jüngeren ein Lächeln. "Ich danke dir.", sagte sie leise, holte tief Luft und seufzte dann. "Es ist schwer. Sie fehlt sehr, aber die Welt kümmert das nicht. Dreht sich einfach weiter und ich dreh mich mit." Sie senkte den Löffel mit dem ankaramellisierten Zucker in die grüne Flüssigkeit und rührte um. Dann nahm sie das Glas in die Hand und lehnte sich zurück. Kurz wischte sie sich über die Augen um sicher zu gehen, dass die Tränen weg waren.
"Genug von mir. Was gibt es bei dir neues? Abgesehen davon, dass du einen großartigen Job hast und alles. Wie geht es deinem Bruder, deiner Familie, dir selbst?", fragte sie, den Blick auf die küngere geheftet und trank noch einen kleinen Schluck ihres Absinths. Es interessierte die wirklich, was wohl in all den Jahren die sie leider keinen Kontakt gehabt hatten, geschehen sein mochte. Und es würde ihr Zeit geben, den Schmerz in ihrer Brust wieder zu betäuben.

Re: Lennox & Tessa ~ In Darkest Times Can Be Sparks of Hope (Sommer 2021)
von Tessa am 07.05.2024 20:55Tessa dachte nach. Auch daran hatte sie wirklich lange Zeit nicht mehr gedacht. Wie sie Ricky damals von ihrer Zeugung erzählt hatte. Von dem was passiert war. Tessa hatte sich immer vorgenommen, dass - wenn Ricky älter war (in dem Alter, in dem man abends auch gerne feiern ging) - zu warnen, ihr Getränk niemals unbeaufsichtigt zu lassen, damit niemand ihr KO-Tropfen unterjubeln konnte. Dazu war es leider nie gekommen. Tessa hatte das Gespräch allerdings schon geübt, war es durchgegangen, denn sie war sich sicher gewesen, dass es nicht mehr allzu lange gedauert hätte bis dahin... manchmal hatte sie sich gefragt, ob Ricky sich nicht schon so manchmal auf irgendwelche Partys geschlichen hatte, ihre kleine Rebellin. Leicht schüttelte sie den Kopf, um sich zu besinnen und trank noch einen kleinen Schluck Absinth, um sich wieder aufs Wesentliche zu besinnen. Das Gespräch damals.
"Nun... erstmal hat sie gefragt, warum er das getan hat. Ich hab ihr erklärt, dass manche Männer eben schlimme Dinge tun, wenn ihnen der Sinn danach steht und sich nehmen was sie wollen, ohne Rücksicht auf Verluste oder zu Fragen. Darüber hat sie eine Weile nachgedacht und dann... war sie ziemlich wütend.", sagte Tessa, den Kopf geneigt, der Blick irgendwo ins Nirgendwo gerichtet. "Nicht auf mich, aber auf ihren Vater. Sie hat den Unterkiefer vorgeschoben - das hat sie immer gemacht wenn sie störrisch, stur oder wütend war - und gesagt, dass sie so einen Vater gar nicht will und braucht. Und dann hat sie mich umarmt. Gesagt, dass ich eine gute Mum bin. Und gefragt, ob wir einen Film schauen können." Tessa lächelte leicht. Jetzt wo sie einmal ins Reden gekommen war über Ricky, war es schwer aufzuhören. "Wir haben nur selten Filme gemeinsam geschaut, weil ich in der Regel arbeiten musste. Aber an diesem Tag habe ich es ermöglicht. Ich habe ein paar meiner Mitarbeiter angerufen und sie gefragt, ob sie spontan eine Schicht übernehmen können. Und dann habe ich die Zeit mit meiner Tochter verbracht... Cap und Cappa haben wir geschaut. Den Film mochte sie sehr. War einer ihrer Lieblingsfilme..."
Mit glasigen Augen starrte sie vor sich hin. Dann blinzelte sie, erinnerte sich an Lennox und schenkte ihr ein kurzes trauriges Lächeln. "Du hättest sie gemocht.", wiederholte sie und trank ihren Absinth aus. "Danke.", sagte sie dann, voll ehrlicher tiefgründiger Dankbarkeit. "Ich habe schon ewig nicht mehr über Ricky geredet. Es... tut gut. Es ist, als wäre sie fast wieder greifbar."

Re: Lennox & Tessa ~ In Darkest Times Can Be Sparks of Hope (Sommer 2021)
von Tessa am 22.04.2024 15:09Tessa musste lächeln. Es war zwar ein trauriges, aber dafür auch ein ehrliches Lächeln. "Danke dir.", sagte sie ehrlich, als Lennox Ricky solche Komplimente machte - und meinte, sie habe viel von ihr geerbt. Irgendwie... freute es Tessa, das zu hören. Damals während der Schwangerschaft hatte sie tatsächlich Phasen gehabt, wo sie Angst hatte. Angst, dass ihre Tochter völlig anders aussehen könnte als sie und sie somit immer an ihren Erzeuger (den Tessa nicht kannte) erinnern würde. Aber das war nicht der Fall gewesen. Ricky war ihre Tochter gewesen, ihre ganz allein, blonde HAare hin oder her. Und Lennox' hatte Recht. Das ein oder andere konnte man von Tessa tatsächlich in Ricky wiederfinden. Lange hatte Tessa nicht mehr daran gedacht oder darauf geachtet. Warum hatte sie da nicht mehr dran gedacht?
Die Barfrau lehnte sich zurück, legte den Kopf ein wenig in den Nacken und sah kurz an die Decke, während sie ihr Glas Absinth, langsam zwischen den Fingern drehte. "Sie war fröhlich.", begann sie dann zu erzählen und sah wieder zu Lennox. "Begeisterungsfähig und für alles Neue zu haben. Sie ließ sich nicht gerne etwas sagen. Wenn es Regeln gab oder sie etwas tun sollte, dann wollte sie immer auch wissen warum. Sie brauchte die Erklärungen. Sie hat mir gerne nach der Schule hier in der Bar geholfen, besonders wenn viel los war und es nötig war. Sonst war sie oft mit Freunden unterwegs. Sie war künstlerich begabt, hat es geliebt zu malen und Tonfiguren zu basteln und so Kram. Hatte immer ne 1 in Kunst." Gedankenverloren lächelte Tessa vor sich hin. "Und sie-" Sie räusperte sich leicht. "-sie ist immer für andere eingestanden. Sie war selbst vielleicht ein bisschen rebellisch, hat sich nicht immer an alle Regeln gehalten - das ein oder andere Mal hab ich ein oder zwei Augen zugedrückt - aber sie hatte das Herz am rechten Fleck. Ungerechtigkeit hat sie gehasst und ist immer für die eingestanden, die gepiesackt oder gemobbt wurden. Ich bin... war... unendlich stolz auf sie." Tessa blickte jetzt in das Grün ihres Getränks. "Sie mochte die Geschichte von dir. Irgendwann, als sie alt genug war - in der Grundschule - hat sie nach ihrem Vater gefragt und da hab ich es ihr erzählt. Auch von dir, dass du mich am Straßenrand aufgelesen und dich für mich eingesetzt hast. Dass du mich ins Krankenhaus begleitet hast. Sie hat dich 'ihre Heldin' genannt. Sie hätte dich gern getroffen." Jetzt löste sich doch eine Träne. Rasch wischte Tessa sie beiseite. Sie umfasste ihr Glas fester und hob es hoch, um mit Lennox anzustoßen. "Weißt du was? Lass uns auf sie trinken. Auf Ricky."

Re: Lennox & Tessa ~ In Darkest Times Can Be Sparks of Hope (Sommer 2021)
von Tessa am 26.03.2024 16:34Auf diesen Spruch lächelte Tessa nur leicht. Ja, den Spruch gab es, den hatte sie auch schon gehört. Allerdings fand sie sich selbst darin nicht unbedigt wieder und war sich ziemlich sicher, dass Einstein beim Schreiben oder Sagen dieser Weisheit auch nicht unbedingt an jemanden wie sie gedacht hatte.
Sie beschäftigte sich also mit ihrem Absinth und erklärte Lennox stockend die Wahrheit über Rickys Verbleib. Auf die Reaktion musste sie nicht lange warten. Sie schluckte schwer - es war rau in ihrer Kehle, als würde dort etwas stecken, was nicht hingehörte. Sie versuchte es mit einem weiteren kleinen Schluck Absinth hinunterzuspülen. "Schon in Ordnung.", sagte sie rasch, als Lennox sich zu entschuldigen suchte. "Es... es waren ein paar Teenager, die es ganz lustig fanden einige große Äste auf die Schienen zu legen um zu schauen, ob der Zug sie zerteilen kann." Sie ballte die Hand zur Faust und schloss die Augen. Sie atmete erneut durch. Es tat noch immer weh. Es tat so höllisch weh. Wegen einer paar verdammter dummer Jugendliche hatte ihre Ricky, ihre Tochter, sterben müssen. "Sie haben es erst vor kurzem rausgefunden. Vor ein paar Tagen kam es in der Zeitung." Sie lächelte bitter und versuchte die Galle hinunterzuschlucken, versuchte das Stechen in ihrem Herzen als würde jemand konsequent ein Messer in ihrem Fleisch herumdrehen zu ignorieren. "Warte einen Moment.", bat sie ihre alte Bekanntschaft und stand auf, um kurz in ihre Wohnung zu verschwinden. Sie musste ein wenig suchen und kickte dabei die ein oder andere Flasche weg. Dann aber fand sie es: ihr Lieblingsbild von Ricky, wo sie lachend in die Kamera strahlte, mit ihren wehenden blonden Locken. "Hey Große.", flüsterte Tessa mit zitternder, tränenerstickter Stimme und gab dem Glas einen Kuss. Sie atmete durch, drängte die Tränen zurück und kehrte in den Schrankraum zurück. Sie setzte sich wieder neben Lennox.
"Hier. Das war sie. Es... wurde ein paar Wochen vorher aufgenommen. Also... vor dem Unfall." Sie reichte ihr den Bilderrahmen und trank ihren Absinth aus. Das war schnell gegangen. Ohne groß darüber nachzudenken, mixte sie sich bereits den nächsten, während Lennox Ricky's Foto betrachtete.

Re: Tessa &' Tod: Ein einziger Tag...
von Tessa am 23.01.2024 18:06Darüber dachte Tessa lange nach. Noch immer war ihr Blick auf ihre verkrampften, zitterten Hände gerichtet. Allerdings löste sich die verkrampfung allmählich, was das Zittern aufgrund des Entzuges jedoch keineswegs besser machte, im Gegenteil. Sie kaute auf den Lippen und versuchte in ihrem dröhnenden, schmerzenden Kopf der nur an Alkohol denken wollte, nachzudenken. Etwas aus seinem Leben zu machen... es klang sinnig, was die Todes-Frau da sagte. Tessa blieb zwar bei ihrem Standpunkt, dass wenn manchen Menschen gar nicht die Zeit oder Möglichkeit gegeben wurde, aus ihrem Leben etwas zu machen (man dachte an Kleinkinder oder sogar Babys, die sterben mussten), was daran sollte bitte fair sein, was daran sollte irgendeine Art von Sinn haben? Aber gleichzeitig ertappte sie sich auch dabei, wie sie sich die Frage selbst stellte: Was habe ich aus meinem Leben gemacht? Was machte ich grade daraus?
Sie hatte sich eine Bar aufgebaut. Oder übernommen, aber wenn man ehrlich war, hatte sie sie im Verlauf der Zeit zu ihrer eigenen gemacht. Ihr ganzer Stolz und - neben Ricky, die immer an erster Stelle stehen würde - ihr Baby. Die Bar bedeutete ihr unendlich viel. Aber was ging das Leben selbst an. Was machte sie daraus??! Im Augenblick... trank sie nur. Sie trank um wachzuwerden und den Kater zu vertreieben. Sie richtete die Bar her und trank mit ihren Gästen, die ihr ohnehin immer wieder mal etwas ausgaben. Sie wischte, sie mixte, sie schenkte aus und abends wartete dann ihr geliebter Absinth auf sie, bis sie irgendwann kaum noch gradeaus gucken, geschweige gehen konnte, irgendwie mehr schlecht als recht die Bar abschloss, um dann auf ihrem Sofa einzupennen, damit am nächsten Tag der Spaß von vorne losging. War das wirklich 'etwas aus seinem Leben machen'?
Nein. Nein, eigentlich nicht. Eigentlich gar nicht.
Tessa versenkte den Kopf in ihren Händen. Ihr Schädel schmerzte so heftig, ihr war nach Weinen zumute, nur dass keinerlei Tränen kamen und am liebsten wollte sie einfach... einfach gar nicht mehr Denken. Gar nicht mehr. Doch selbst jetzt, in dem zustand in dem sie gerade war, war ihr bewusst, dass sich dieser kleine Spruch des Todes-Frau in ihr Hirn festgesetzt hatte und sie nicht mehr loslassen würde. Was man aus seinem Leben macht. Verdammt, das würde sie jetzt verfolgen..
Nur ganz langsam nickte Tessa mit dem Kopf. Es schien, als hätte sie endlich verstanden, was der Tod ihr schon den ganzen Tag hatte mitteilen wollen: wenn jemand sterben sollte, dann starb er. Niemand war daran schuld, und es geschah einfach. So wie bei ihrer Ricky. Ihr Herz war schwer und ihr ganzer Körper, ihre ganze Seele schrie mittlerweile nach Alkohol. Nach Alkohol und Schlaf. Tiefen, festen, langen Schlaf. "Ich verstehe.", sagte sie tonlos in ihrer tiefen, rauchigen Stimme und stand langsam auf. Sie sah zu der Frau. "Ich sollte zurück in meine Bar. Ich... danke, dass du gerade noch kurz geblieben bist. Und danke, dass du es mir ermöglicht hast, mich von Ricky zu verabschieden." Kurze Stille trat ein. Tessa fiel es scher zu denken, schwer vernünftige Worte zu formulieren. "Ich... schätze, eines Tages sehen wir uns dann wieder." Sie lächelte schwach, wandte sich um, und machte sich auf den Weg.
Auf den Weg, raus aus dem Krankenhaus und hin zu ihrer Bar. Hin zu ihrem Absinth, dem Vodka, all den wunderbaren Getränken. Hin zu Rickys Zimmer, zum Sofa, zu den Erinnerungen, zu allem was heute geschehen war. Zurück zu ihrem Leben. Doch es würde nicht mehr der normale Alltag sein. Denn eine Frage blieb.
Was machte sie aus iherm Leben?
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Re: Lennox & Tessa ~ In Darkest Times Can Be Sparks of Hope (Sommer 2021)
von Tessa am 15.01.2024 12:06"Chaotisch ist gar kein Ausdruck.", lachte Tessa leicht zum Thema ihres Wohnzimmers. Auch das war nicht untertrieben. In ihrer Wohnung - nicht nur dem Wohnzimmer - flogen überall leere, oder volle Flaschen herum, dreckige Wäsche stapelte sich in einer Ecke und das Geschirr war sicher auch nicht gespült, geschweige denn dass der Müll rausgebracht wäre. So ordentlic und sauber die Bar morgens war, so verwahrlost und dreckig war es hinter der Tür, in ihrem privaten Bereich, so verkommen war Tessa in Wirklichkeit. Aber das war nichts, worum sie grade einen Gedanken verschwenden wollte. Sie setzte sich mit Lennox an den Tisch, der normalrweise für ihre Stammgäste reserviert war und hatte ihre Getränke gleich mitgebracht.
Sie stießen an und Tessa nahm einen Schluck ihres Absinths. Sofort breitete sich der unvergleichliche Kräutergeschmack nach Wermut, Anis und Fenchel in ihrem Mund und ihrer Kehle aus und wärmte sie von ihnnen. Sie stellte das Glas ab und drehte es leicht zwischen den fingern, als auch schon die Frage kam. Atmen fiel ihr schwer. Normalerweise redete sie nicht darüber. Vor niemanden. Aber... Lennox war sie dies schuldig, richtig? Der jungen Frau, die sie damals am Straßenrand aufgesammelt hatte, die sich über ihren Bruder hinweggesetzt und sie sogar im Krankenhaus begleitet hatte. Diese junge Frau hatte die Wahrheit verdient.
"Ricky ist tot.", kam es dann einfach, plötzlich und tonlos über ihre Lippen. Sie sah nur in die grüne Flüssigkeit ihres Getränkes. "Sie starb bei einem Zugunglück. Bei der Rückkehr von der Klassenfahrt. Vor einem Jahr." Damit war es raus. Und sie trank noch einen Schluck Absinth, um den Schmerz in sich zu betäuben. Ihr immerwährender Kampf.

Re: Tessa &' Tod: Ein einziger Tag...
von Tessa am 14.11.2023 16:27Nein. Ich habe sie eben auf die andere Seite gebracht. Tessa konnte es vor sich sehen. Konnte die dunkelhäutige Frau wieder mit ihrer Ricky sehen. Wie sie sie ins Licht geführt hatte. Ihre wundervolle Tochter. "Dann ist sie jetzt bei Ricky." Sie merkte gar nicht, dass sie ihre Gedanken aussprach, in einer tonlosen, und doch irgendwie verletzten Stimme. Der Schmerz über den Verlust ihrer Tochter würde niemals aufhören, niemals enden. Die Ungerechtigkeit des Lebens würde niemals enden. Aber zumindest konnte sich tessa nun endlich sicher sein, dass es Ricky auf der anderen Seite gut gehen würde. Sie konnte scih sicher sein, dass es eine andere Seite gab. Und dass sie sie wiedersehen würde. Was... nur die Gedanken, dass sie es streng genommen selbst in der Hand hatte, wann sie sie wiedersehen würde, ziemlich laut machte.
Nichts für jetzt. Sie bereute ees, die Kaffeebrühe gegen die Wand geschmissen zu haben. Hätte sich gerne den Rest jetzt die Kehle hinuntergestützt in der verzweifelten Hoffnung sich vormachen zu können, es wäre Alkohol. Ihre Hände zitterten vollkommen unkontrolliert, ihr war kalt, ihre Nerven waren nicht nur angespannt, sie waren praktisch schon am Reißen. Es war ein zu langer Tag gewesen, zu viel war passiert, zu viel verwirrendes, zu viel schreckliches. Sie brauchte Alkohol. viel Alkohol und Ruhe. Und doch konnte sie ihren Beinen grade unmöglich befehlen sich zu bewegen. Es ging nicht. Und... ein Teil von ihr war dankbar, dass diese... diese Todes-Frau grade da war und sie nicht gänzlich allein mit ihren Gedankenkreisen alleine ließ.
"Wie soll man etwas aus seinem Leben machen, wenn einem keine Zeit dazu gegeben wird?", fragte sie zurück, und sah endlich auf um in die dunklen Augen ihres Gegenübers zu sehen. Augen die so tief und unergründlich waren, wie das Universum (der Tod) selbst. Ihre Fäußste verkrampften sich jetzt inieinander. So feste, dass in ihren bebenden Fingern die Fingerknöchel weiß hevorstachen.
"Nein, das hilft nicht.", sagte sie bitter, bei dem Versuch vom Tod, sie zu beruhigen. Sie atmete durch - und auch das viel schwer. Es war, als hätte sich ein Felsen auf ihre Brust gelegt und erschwere ihr das Atmen. Sie sah wieder hinunter auf ihre Hände. Dachte nach - was schwierig war mit den Kopfschmerzen, die tief - sehr tief - in ihrem Schädel pochten und hämmerten und nur durch einen guten Schluck Absinth würden gestillt werden können. Oder Vodka. "Also...", begann sie endlich und vrsuchte wieder trotz dieser Schwere in ihrer Brust zu schlucken. "Also hätte ich ihren Tod nicht verhindern können? Selbst wenn ich sie aufgehalten hätte? wenn ich... wenn ich verhindert hätte dass sie einfach nach draußen stürmt?" Wieder sah sie auf. Und in ihrem Blick lag ein vollkommen stummes, aber fast endlos verzweifeltes Flehen, dessen sich Tessa selbst wohl kaum bewusst war.

Re: Lennox & Tessa ~ In Darkest Times Can Be Sparks of Hope (Sommer 2021)
von Tessa am 19.10.2023 15:09Mit einem Lächeln geleitete Tessa ihre alte Bekanntschaft hinein, schloss die Tür mit dem GESCHLOSSEN-Schild wieder (vorsichtshalber schloss sie sogar mit Schlüssel noch ab, nur damit niemand aus Versehen hineinstolperte) ehe sie sich auch schon zum Thresen begab, um ihnen erstmal ein paar leckere Getränke zu machen. Den ganzen Nachmittag freute sich Tessa schon auf ihren Absinth und gemütlich mit Lennox zusammen zu sitzen. Wieder betrachtete sie die junge Frau. Es war unglaublich, was aus der Teenagerin von damals geworden war. Andererseits hatte sie schon damals Mut und einen Dickkopf gehabt - was sie beides ja weit hatte bringen müssen. Tessa freute sich ganz ehrlich für sie. Sie hatte diesen Weg den sie machte mehr als verdient.
"Das kann ich nur erwidern.", sagte sie also mit ihrer tiefen, leicht verruchten Stimme. "Immerhin verdanke ich es dir, überhaupt noch hier am Leben zu sein." Was nichtmal übertrieben war. Wäre Lennox nicht gewesen... vielleicht wäre Tessa erfroren. Unter ein Auto geraten. Hätte sich das Genick gebrochen oder sonst was. Das Mädchen hatte ihr damals am Wald- & Straßenrand das Leben gerettet.
Auf die Frage wie es lief, winkte Tessa ab. "Das Übliche. Alles gut. Die Leute erzählen, trinken, lachen." Sie lächelte, schüttete den Scotch in ein sauberer Glas und schob ihn ihrer Freundin über den Thresen zu. Dann karammelisierte sie mit dem Feuerzeug ihr Stück Zucker auf dem Löffel ein wenig, ehe sie es in den mit Wasser verdünnen Absinth einrührte. "Ich würde dich ja in mein Wohnzimmer einladen, aber meine Wohnung willst du nicht sehen, glaub mir.", sagte Tessa wahrheitsgemäß - und offener, als sie eigentlich sein wollte. Whoops, da sprach wohl doch der heute bereits konsumierte Alkohol ein wenig aus ihr. Aber spielte keine Rolle. Sie nickte zum Stammtisch. "Wolln wir es uns da gemütlich machen?", fragte sie und ging bereits voran um den Absinth dort abzustellen. Nach kurzem Zögern, holte sie gleich auch die Scotch- & Absinthflasche, die Zuckerwürfel und eine Flasche Wasser, damit sie nicht ständig würde aufstehn müssen. Sie hob ihr Glas. "Auf Lebensretter." Ihr Lächeln hatte etwas trauriges und sie nahm einen guten Schluck ihres Absinths.

Re: Tessa &' Tod: Ein einziger Tag...
von Tessa am 20.09.2023 12:40Die letzten Stunden waren in einer einzigen Taubheit vergangen. Und Tessa war so nüchtern wie lange nicht. Ein Gefühl, dass sie überhaupt nicht mochte, aber grade auch nicht ändern konnte. Die Angst, dass Mädchen könnte in genau dieser Zeit sterben, wo sie Tessa gerade am nächsten Kiosk war um sich billigen Alk zu kaufen und die Kehle hinuinterzustürzen war zu beängstigend. Sie würde sich schuldig fühlen. Und sie fühlte sich jetzt schon schuldig genug. An allem. Und so starrte die BArfrau stattdessen auf diesen widerlichen dünnen Krankenhaus-KAffee zwischen ihren fingern und versuchte in dessen nicht vorhandenen Tiefen nach irgendeinem Sinn in dem allen zu suchen. Vergeblich. Natürlich vergeblich. Das Leben ahtte keinen Sinn. Es hatte einfach keinen sinn. Und Tessa wusste nicht mehr, woran sie glauben oder nicht glauben sollte. Sobald sie zurück in ihrer Bar war irgendwann, würde sie sich vollends die Kante geben - udn morgen sähe alles wieder anders aus. Alles wäre wieder anders. Aber erstmal musste das Mädchen durchkommen. Das Mädchen musste durchkommen.
Tessa trank einen Schluck der braunen Brühe, verzog das Gesicht und als sie aufsah, sah sie eine bekannte Gestalt. Es war die dunkelhäutige Frau, die heute auch in ihrer Bar gewesen war. Die... die Ricky mit ins Licht geführt hatte. Es war eindeutig die gleiche Frau. Und nicht nur das war gleich. Auch die Asstrahlung. Aber die Ausstrahlung, die... die war die, die das Mädchen gehabt hatte. Oder nicht..?
So oder so - kaum hatten ihre Blicke sich gekreuzt, wusste Tessa was los war. Sie wusste es. Sie antwortete nicht auf die Frage, wleche die Frau (nein, der Tod) ihr mit tiefer warmer Stimme stellte. Stattdessen sagte sie nur mit tonloser, selbst wie tot wirkender Stimme: "Sie ist tot, richtig? Sie hat es nicht geschafft." Sie hob eine vor Entzug zitternde Hand und fuhr sich übers Gesicht. Sie konnte den Impuls nicht überwinden und warf den halbleeren Pappbecher mit der Kaffeebrühe beiseite, schleuderte ihn vons ich weg, sodass die braune Flüssigkeit in Spritzern auf Boden und Wand verteilt wurde. Tessa war es egal. Atmen fiel ihr schwer. So schwer. Ihre Augen drückten, aber weinen würde sie später. Später, wenn sie endlich etwas richtiges zu trinken in Händen halten würde. "Das Leben spielt nicht fair."

Re: Tessa &' Tod: Ein einziger Tag...
von Tessa am 31.07.2023 17:53Schritte in der Bar. Tessa zuckte zusammen. Sie hatte doch geschlossen. Hatte sie nicht geschlossen? Doch, das hatet sie. Ganz sciher. Sie versteifte sich. WEr konnte denn... eine Fremde dunkelhäutige Frau trat ein. Sie schien den Tod zu kennen, legte ihr eine Hand auf die Schulter. Und nahm dann Rickys Hand. Unwillkürlich spürte Tessa, wie sie einen Schritt zurückmachte. Das hier war mehr, als ihr doch eigentlich so rationaler Verstand verkraften konnte. Sie beobachtete das erneute Schimmern, beobachtete wie sie Verschwanden und fragte sich ernsthaft, obs ie jetzt bald endlich aus dem Deliurium oder was immer es sein mochte erwachen würde. Ob sie im Krankenhaus oder in ihrer Bar oder wie immer auf ihrem Sofa die Augen aufschlagen würde und feststellte, dass nichts von alledem geschehen war.
Das Mädchen blinzelte und Tessa konnte in ihr die eigene Verwirrung wiedergespielgelt sehen. Die Aura, die das Mädchen zuvor noch als der Tod selbst ausgestrahlt ahtte, war vollkommen verschwunden, der Zauber verblasst. Sie sah schockiert aus. Panisch. Und dann stürzte sie auch schon davon. Die Barfrau hatte keine Chance darauf zu reagieren, keine Chance etwas zu sagen. Sie stand einfach nur da, starrte auf die Stelle wo sie gewesen war und dann auf die Stelle wo Ricky eben verschwunden war. Es hatte sich so real angefühlt. So ungeheuer real.
Und doch stand sie jetzt weider allein in ihrer stickigen Wohnung und das einzige was zu hören war, war das leise Ticken der Uhr. Denn ironischerweise würde die Zeit niemals aufhören zu laufen. Die Zeit..
Quietschen, Krachen, Schreie. Tessa zuckte zusammen. Instinktiv rannte sie los, ihre Schuhsohlten machten leichte quietschende Geräusche auf dem klebrigen Boden, sie lief durch die Bar, durch die Vordertür die aus ominösen Gründen offenstand (die dunkle Frau) auf die Straße. Und erstarrte, die Augen aufgerissen. Das konnte jetzt nicht wahr sein. Das durfte jetzt echt nicht wahr sein. Dieser Tag war einfach zu viel. Noch ehe Tessa wusste, was sie tat, hatte sie ihr Handy hervorgeholt. Hatte den Krankenwagen gerufen, in erstaunlich nüchterner Stimme, kurz und präzise die Angaben gemacht, die sie brauchten. War zu dem Mädchen gestürmt, das eben noch ihre Welt auf den Kopf gestellt hatte. Und jetzt kniete Tessa neben ihr, presste die Hände auf Wunden und fragte sich, was das sollte. Autfahrer brüllten sich an, der Unfallfahrer entschuldigte sich hundert Mal, Tessa ignorierte sie alle. Es war alles nur noch ein einziger Fluss, sie bekam kaum etwas mit und würde sich später auch kaum an etwas erinnern. Ob es am Alk lag, der in ihrem Blut zirkulierte, ob es einfach ihre eingeschränkte Wahrnehmung war wegen den Traumata, wegen ihres Gemütszustandes, wegen einfach allem... es spielte wohl keine Rolle. Plötzlich stand sie an der Seite, irgendjemand hatte ihr einen Kaffee in die Hand gedrückt, doch er schmeckte widerlich. Sie brauchte Alkohol. Sie brauchte Alkohol. Das Mädchen wurde auf eine Trage geschnallt. Sie trat vor.
"In welches Krankenhaus wird sie gebracht?", hörte sie ihre eigene Stimme fragen. Sie wusste, dass Ricky weitergegangen war, spürte es - dennoch war dieses Mädchen ihre Verbindung zu ihrer Tochter gewesen und Tessa fühlte sich ihr gegenüber verfplichtet, ihr gegenüber schuldig - und vor allem konnte sie diese Verbindung nicht sterben lassen. Nicht auch noch den letzten Rest. Nein. "Wird sie es schaffen?"
Sie musste es einfach wissen.









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