Purvis
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Re: Purvis
von Joanna am 26.03.2025 11:52Es dauerte eine Weile, bis Corey zurückkehrte und während der Joanna nachdenklich in die Dunkelheit starrte. Wie so oft drehten sich ihre Gedanken um ihre Schwester. Was sie zu all dem hier sagen würde. Was sie tun würde. Lis war schon immer die schlauere und besonnenere von ihnen beiden gewesen. Joanna bezweifelte keine Sekunde, dass sie selbst in dieser Apokalypse einen Plan gehabt hätte, ein Ziel. Eine Idee. Und auch schnell Verbündete gefunden hätte. Ganz im Gegensatz zu Joanna. Aber wenigstens hatten sie hier jetzt einen halbwegs sicheren Unterkunft, welcher auch noch mehr als genügend Alkohol bereithielt. Ein Schlaraffenland. Hätte sie Corey nicht getroffen und sich mti ihr verbündet, hätte sie sich sicher die nächsten Monate hier verbarrikadiert. So lange, bis aller Alkohol vernichtet wäre und erst dann hätte sie sich weiter auf den Weg gemach. Aber sie ahtte Corey versprochen, mit ihr ihre Schwester zu suhcen. Ein Ziel. Eine Aufgabe. Da würde sie dann wohl auf den Alk verzichten müssen... teilweise. Aber das war es wert.
Zumindest redete sich Joanna das entschlossen ein.
Sie hörte Corey ehe sie sie sah und hob den Kopf, als diese durch die Tür trat. Es schien ihr ein wenig besser zu gehen, obgleich sie immer noch blass war. Corey ging gleich zu ihrer Tasche und einen Moment später flog schon etwas auf sie zu. Joanna erkannte es auf den ersten Blick, obwohl es Ewigkeiten her war, seit sie selbst das letzte Mal einen verwendet hatte. Sie hatten leider nicht viel Glück gehabt...
Obwohl sie wusste, was darauf zu sehen sein würde, bückte sie sich, um den Schwangerschaftsteste zu nehmen und sah die zwei Striche, die bestätigten, dass er posistiv und ihre Gefährtin somit schwanger war. Sie reichte Corey den Test zurück und betrachtete die Dunkelhäutige nachdenklich. Sie hatte noch keinen Gedanken daran verschwendet, dass tatsächlich selbst in dieser apokalyptischen Welt neue Kinder geboren werden konnten. Dass das Leben selbst in die nächste Generation weitergehen könnte. Eine Art grimmige Entschlossenheit bemächtigte sich Joanna. Sie würde diese Frau beschützen und zurück zu ihrer familie bringen. Mit allem was sie hatte, würde sie darum kämpfen. Das wäre ihr Beitrag zur Zukunft und wenn sie dabei draufging - scheiß drauf. Dann wäre sie wieder mit Lis' vereint und hätte doch noch irgendetwas gutes getan.
Als sie den Block erhielt, hockte sich Joanna hin und las die Worte, schnell winkte sie ab und schüttelte den Kopf. "Kein Problem.", sagte sie leise. Es war die Gewohnheit, die sie sprechen ließ. Draußen war es also hell. So hell es eben in dieser Welt mit der verpesteten Luft sein konnte. Sie konnte nicht anders. Mit einem kleinen schiefen Lächeln sagte sie: "Ich hatte mein Frühstück." und nickte mit dem Kopf zu dem Beutel mit den Alkohol-Flaschen, welchen sie gesammelt hatte. Dann schüttelte sie aber direkt den Kopf und griff nach dem Block um selbst zu schreiben.
~ Eine Reiswaffel würde ich nehmen, aber die kann ich auch unterwegs essen. ~ Kurz verharrte sie beim Schreiben. Ihre Sucht schrie sie nahezu an, hier zu bleiben. Hier, wo es so viele wunderbare Getränke gab. Sie sich keine Sorgen machen musste. Das hier war der perfekte Ort um zu bleiben. Warum sollte sie das einfach aufgegeben? Aber dann erinnerte sie sich an Coreys Schwangerschaft und an ihr versprechen, ihr zu helfen, zu ihrer Schwester zu kommen. Sollte sie wie durch ein Wunder überleben... könnte sie immer noch hierher zurückkehren oder. Und ein wenig Vorrat nahm sie sich ja auch mit...
Sie biss sich auf die Unterlippe, schloss die Augen, kämpfte nochmal mit sich... aber dann schrieb sie weiter: ~ Entspannung findet man in dieser Welt eh nicht. Lass uns aufbrechen und deine Schwester suchen. ~
Sie sah auf und wollte Corey den Block geben, als sie die MAlerei auf ihrem Handrücken sah. Mit einem Lächeln fügte sie rasch noch hinzu: ~ Schöne Blume ~ und deutete auf Coreys Handrücken.
~ ZWANGSCUT - Thread wieder frei ~ Adria

Corinne
Gelöschter Benutzer
Re: Purvis
von Corinne am 10.03.2025 22:13Uns so kam es, dass Corey sich mit ihrer Taschenlampe einen Weg nach draußen bahnte. Sie traf zum Glück auf keinen dieser Untoten. Wäre auch recht unwahrscheinlich gewesen, denn sie waren die Nacht über ja leise gewesen. Dennoch hasste sie dei Dunkelheit und war froh wieder draußen zu sein. Dort checkte sie erst mal die Gegend mit ihren Augen ab. Es war bereits hell geworden, sofern man das so nennen konnte nach dem Vulkanausbruch damals. Es gab einen Untoten in einiger Entfernung, der war aber noch nicht auf sie aufmerksam geworden und so suchte sich Corey ein Gebüsch am Straßenrand. Nachdem sie sich erleichtert hatte, checkte sie den Untoten noch mal, aber er torkelte noch immer an Ort und Stelle herum und stellte keine Gefahr da. Außerdem drehte sich ihr der Magen wieder um, aber hier draußen war es ohnehin scheiß egal, wo es landete, also kotzte sie einfach zwischen zwei geparkte Autos. Sie verzog angewidert ihr Gesicht, aber wenigstens ging es ihr nun ein wenig besser, auch wenn sie wusste, dass es nichts mit einer Krankheit zu tun hatte.
Und so nahm sie wieder den für sie unsicheren Weg durch den dunklen Supermarkt auf sich. Sie erreichte die Tür zum Büro wieder ohne Zwischenfall und trat ein. Hier drinnen, in den Büro war es aber genauso dunkel, wie draußen. Nur Joannas Taschenlampe leuchtete. Corey schenkte ihr ein sanftes lächeln, nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte und ging dann zu den Kerzen, um sie abermals zu entzünden. Nachdem sie das getan hatte, entdeckte sie den Zettel von ihrer Weggefährtin. Sie warf ihr einen Blick zu und nickte schwach, obwohl das wahrscheinlich nicht überzeugend war. Bewusst setzte sie sich ein Stück von Joanna weg. Würde sie deren Alkohol jetzt riechen, müsste sie sich wieder übergeben. Zumindest die nächsten ein, zwei Stunden. Ihr war durchaus bewusst, dass Joanna schon jetzt, am frühen Morgen getrunken hatte. So war das wohl bei Alkoholikern. Aber Corey war es egal, obwohl Joanna so viel mehr Potential hätte, wenn sie nüchtern wäre ... oder auch nicht, denn dann würde die Vergangenheit an ihr nagen. Corey seufzte. Sie nahm ihren Rucksack und kramte darin herum. Dann zog sie heraus, was sie gefunden hatte. Sie wollte Joanna nicht unnötig Sorgen bereiten. Also warf sie ihr ihren eigenen, positiven Schwangerschaftstest zu, damit sie bescheid wusste. Dann nahm sie sich einen Block und Stift.
~ Tut mir Leid, dass ich in den Eimer ... du weißt schon. Ist nicht jeden Morgen so, versprochen. Draußen ist es bereits hell. Möchtest du etwas frühstücken und dann brechen wir auf? Oder willst du dich lieber noch einen Tag ausruhen? ~
Sie ließ des Block über den Boden schlittern, bis er bei Joanna landete. Dann spielte sie mit dem Stift in ihrer Hand, um sich abzulenken und malte sich eine Blume damit auf den Handrücken.
Re: Purvis
von Joanna am 02.03.2025 19:42Irgendwann regte sich Corey. Joanna konnte unmöglich sagen, wie viel Zeit vergangen war und wie fern der Morgen nach war. Selbst an der Sonne konnte man sich nicht mehr orientieren, dank der ständigen Asche in der Luft. Natürlich es wurde heller und dunkler - doch anders konnte man Tag und Nacht kaum voneinander unterscheiden. Jo hasste diese neue triste Welt. Hier drinnen konnte man noch weniger erkennen, wie spät es war. Man hatte nur die Schwärze des Supermarktes.
Joanna hatte die Augen zu, als sie plötzlich einen Lichtkegel wahrnahm. Sie zuckte leicht zusammen, öffnete ihre leicht brennenden Augen (der Nachteil an ihrem chronischen Schlafmangel), rieb sich über sie und sah dann hinüber zu Corey. Sie wirkte panisch (ob sie auch einen Alptraum gehabt hatte?), doch dann sprang sie schon auf und sah sich hektisch um. Tatsächlich sah es aus, als wäre ihr schlecht.
"Corey?", fragte Joanna, erst später bemerkend, dass es wenig Sinn gab, jemanden der taub war zu rufen. Ihre Knie knackten als sie sich aufrichtete und ihr Rücken schmerzte höllisch, ihr Kopf summte vom Alkohol des vergangenen Abends und ihre Hände - etwas schwitzig - zitterten leicht. Doch noch bevor sie auch nur einen Schritt tun konnte, hatte sich Corey schon in den Mülleimer übergeben. "Scheiße.", murmelte sie. Warum hatte sie in ihrem Leben eigentlich nie Gebärdensprache gelernt?
Sie trat zu der Dunkelhäutigen, welche bereits etwas auf ein Blatt Papier kritzelte. Schweiß glänzte auf ihrer Haut, sie wirkte blass um die Nase. Fuck, hatte sie sich irgendeinen Scheiß Magen-Darm-Virus oder sowas eingefangen? Gab es sowas überhaupt noch? Vielleicht eine Lebensmittelvergiftung?
Sofort - nachdem die die Worte gelesen hatte - entfernte Jo den Stuhl von der Tür, nahm das Handtuch vom Schlitz oben und öffnete. Sie sah Corey hinterher, die schnell hinauseilte. Sie machte sich Sorgen. Ah fuck.
Langsam ging Jo zu ihrem Rucksack und dem Beutel mit den alkoholischen Flaschen. Zeit für Frühstück. Sie trank einige große Schlucke Wein. Setzte ab, lehnte sich an den Schreibtisch und sah zur Tür. Fuck, hoffentlich ging es ihr gut. Hoffentlich erwischte sie kein Zombie in diesem Zustand. Sie trank nochmal einige Schlucke, dann räumte sie die Flasche weg (obwohl sie immer noch durstig war) und schrieb - mit etwas ruhigeren Händen: ~ Alles okay bei dir? ~
Und dann wartete sie darauf, dass ihre neue Bekannschaft zurückkame.

Corinne
Gelöschter Benutzer
Re: Purvis
von Corinne am 01.03.2025 21:59Corey war noch ewig wach. Immer mal wieder leuchtete sie mit der Taschenlampe herum, wenn die Angst sie zu übermannen drohte. Dabei leuchtete sie auch ab und an einfach in Joannas Gesicht. Es schien sie nicht zu stören, jedenfalls wurde sie nicht wach davon. Ob das dem Alkohol geschuldet war oder ob es daran lag, dass Corey zu Licht eine ganz andere Beziehung hatte aufgrund ihrer Taubheit, das konnte sie derzeit nicht sagen. Nach fast zwei Stunden dann fielen Corey endlich die Augen zu. Sie konnte gar nichts mehr dagegen tun. Die Müdigkeit der letzten Tage holte sie ein. Und so bekam sie nicht mit, dass Joanna kurze Zeit später aufwachte und sich zur Aufgabe gemacht hatte, Wache zu halten, was Corey zu verhindern gewusst hätte, denn auch Joanna brauchte Schlaf.
Jedenfalls schlief Corey eine ganze Weile. Zumindest kam es ihr so vor. Hätte sie ihre Uhr im Auge behalten, dann wusste sie, dass sie kaum drei Stunden am Stück geschlafen hatte. Als sie wach wurde, setzte auch sie sich ruckartig kerzengerade auf. Nicht jedoch weil sie einen Alptraum hatte. Sie hatte gar nicht geträumt. Vielmehr versuchte sie die Situation blitzschnell zu erfassen und schaltete die Taschenlampe ein. Sie war noch in dem Büro, Joanna war aber weg. Die Tür! Hoffentlich war sie noch zu. Corey leuchtete dorthin und stellte erleichtert fest, dass sie immer noch geschlossen war und nichts vorgefallen war. Und da war auch Joanna. Corey lächelte leicht. Sie war also doch noch da. Langsam setzte sie sich richtig auf und ein kurzer Schwindel kam über sie, gefolgt von Übelkeit. Sie rieb sich ihren Kopf und verzog das Gesicht. Das war in den letzten Wochen so häufig vorgekommen, dass ihr am Morgen so kotzübel war. Nicht immer musste sie sich übergeben und sie hoffte auch diesmal nicht. Sie würde es sonst nie schnell genug an Joanna vorbei, durch die dunklen Flure und nach draußen schaffen. Außerdem würde so ein Untoter auch nicht vor ihr halt machen, wenn sie in sprichwörtlich ankotzte. Nein, das würde nicht klappen, aber ihr wurde immer schlechter, so richtig schlecht. Sie brauchte einen Plan B und zwar schnell. Mit einer Hand auf dem Mund sprang sie auf, stolperte die paar Meter zu einem Mülleimer beim Schreibtisch in welchem ohnehin nur zusammengeknülltes Papier war und übergab sich dorthinein. Es war nicht viel. Nur Flüssigkeit und vielleicht das ein oder andere winzige Stück Reiswaffel. Der Rest war schon verdaut. Sie lehnte sich ein wenig erschöpft und auch peinlich berührt an den Schreibtisch. Das ging noch mal gut, aber sie musste hier raus. Außerdem musste sie aufs Klo. Sie angelte nach dem Block in ihrer Nähe und schrieb darauf.
~ Sorry. ~
Das war fürs Übergeben. Sie hatte nicht beabsichtigt, dass Joanna das mitbekommen musste.
~ Darf ich aus der Tür raus? Ich muss mal. ~
Sie ließ den Block auf Joanna zuschlittern und er stieß, wie von ihr beabsichtigt gegen deren Fuß, damit sie, falls sie noch nicht wach war, wenigstens jetzt wach wurde. Denn egal wie, Corey musste da raus. Sie hatte geahnt, dass dieses Büro einen Haken hatte. Jetzt musste sie sich konzentrieren, durch die dunklen Gänge raus und später auch wieder rein, um ihre Sachen zu holen. Sie seufzte schwer.
Re: Purvis
von Joanna am 01.03.2025 19:14Coreys Flugzeug-Bau hatte Joanna gar nicht richtig mitbekommen. Erst als sie aus den Augenwinkeln etwas durch die Luft fliegen sah, sah sie instinktmäßig auf (der Instinkt war mittlerweile darauf gepolt, bei jeder unerwarteten Bewegung sofort aufzumerken und wachsam zu sein) - aber dann sah sie, dass es sich nur um einen Papierflieger handelte und lächelte leicht. Er sah wirklich gut und stabil aus. Vielleicht sollte sie das gleich auch einfach mal machen.
Nachdem sie Corey also den Block gegeben hatte und diese las und antwortete, schnappte sich Joanna ebenfalls ein Blatt Papier, setzte sich in einen ungefähren Schneidersitz (einen richtigen bekam sie mit ihrer fehlenden Koordination im Augenblick nicht hin) und begann auch einen Papierflieger zu falten. Ihrer war deutlich schräger, als der Coreys, weil sie gerade um Längen nicht so genau arbeiten konnte wie die änderen und die Faltenden nicht genau traf. Als sie ihn durch die Luft segeln lassen wollte, stürzte er bereits auf dem ersten Meter ab. Dennoch musste Joanna leicht grinsen und fuhr sich dann mit einer Hand über Augen und Stirn. Shit. Sie war echt betrunken. Aber sie hatte heute auch echt viel getrunken. Das brachte das mit sich. Ihr war auch zur Hölle schwindlig. Nur gut, dass sie zum Glück schon immer einen recht festen Magen besessen hatte.
Ein Block. Joanna nahm ihn, blinzelte erneut um ihre Augen irgendwie auf die Buchstaben zu fokussieren (was ihr Kopfschmerzen verurschte), aber dennoch schaffte sie es irgendwie noch zu lesen. Sie nickte nur bei dem ersten Absatz. Ja. Ja, das stimmte. Und Lis' Tod - generell der Tod ihrer Familie, der Unfall - würde sie auf ewig verfolgen. Damit hatte sie sich abgefunden. Die Schuld wurde sie nicht mehr los.
Als sie Coreys Geschichte vom Biss lag, befiel sie eine kalte Gänsehaut. Sie konnte es sich nur allzu lebendig vorstellen. Das musste schrecklich gewesen sein. Insbesondere, die kleine Zombie-Dame dan umbringen zu müssen. Sie kannte das. Sie selbst hatte auch schon gegen infizierte Kinder kämpfen müssen. Und jedes Mal schien es einen innerlich zu zerfetzen. Zumindest am Anfang. Irgendwann stumpfte man wohl gegenüber alles ab. Eine der Dinge, bei der der Alkohol half.
Mit schwerer Hand, setzte sie den Stift auf das Papier. ~ Gerne. ~, schrieb sie auf das Angebot der Versorgung ihres Bisses. Damit hatte sie wirklich nicht gerechent. Aber sie war wirklich dankbar. ~ Auch für dein Vertrauen. Bis morgen ~
Sie schob Corey, welche sich bereits hingelegt hatte, dan Block hin, legte sich dann selbst auf den Boden - als "Kissen" benutzte sie ihren Rucksack, und bereits innerhalb weniger Minuten, hatte der Rausch sie in einen Schlaf befördert.
Nur zwei Stunden später wachte sie mit einem Ruck aus einem Alptraum auf. Sie hatte schon seit dem Unfall jede Nacht Alpträume gehabt, diese aber mit dem Alkohol immer gut ertränken können. In dieser apokalyptischen Welt jedoch waren die Alpträume schlimmer geworden und der Alk half nicht mehr. Erschöpft rieb sich Joanna die brennenden Augen. Unbewusst nahm sie einen Schluck Wein und sah dann kurz zur schlafenden Corey. Sie hatte ihr versprochen, wachsam zu sein. Entschieden packte Joanna die Flasche weg, setzte sich direkt an die verbarrikadierte Tür und hielt Wache: sie lauschte. Hin und wieder nickte sie ein und schlief eine halbe Stunde, doch die restliche Zeit saß sie da, lauschte auf etwaige Zombie-Geräusche und stand manchmal sogar auf um durch das Glas zu spähen, ob sie zwischen den dunklen Regalreihen nicht vielleicht irgendeine Art Bewegung erkennen könnte. Trinken tat sie die restliche Nacht über nichts, sondern schlief in den winzigen Etappen die ihr Körper ihr gestattete, ihren Rausch nach und nach aus.

Corinne
Gelöschter Benutzer
Re: Purvis
von Corinne am 28.02.2025 00:34Während Joanna schrieb, räumte Corey das Essen zusammen. Nichts davon steckte sie in ihren Rucksack. Es gehörte ihnen beiden. Also zog sie einen kleinen Pappkarton zu sich, der in der Nähe herumlag und früher mal haufenweise Druckerpapier beinhaltet hatte. Das wäre ein wares Paradies für Corey gewesen. Sie hätte ein Bild nach dem anderen malen können, aber heute war daran nicht mehr zu denken, obwohl hier genügend Blätter und Stifte rumlagen. Sie räumte das Essen in eben diesen Karton und schob ihn ein wenig auf die Seite, damit niemand heute Nacht darüber fiel, sollte er aufstehen müssen. Zum Frühstück würden sie ihn sowieso wieder brauchen. Danach betrachtete sie einfach wieder die Flammen der Kerze. Joanna brauchte länger als zu Beginn, was wahrscheinlich am Alkohol lag. Sie angelte sich ein Blatt Papier heran, dass mit irgendwas bedruckt war und das man definitiv nicht mehr zum schreiben gebrauchen konnte. Was darauf stand, las sie nicht, aber sie begann einen Papierflieger damit zu falten. So einen richtigen, keinen null-acht-fünfzehner. Als sie fertig war, ließ sie ihn durch die Luft segeln. Ein paar Meter flog er, aber stürzte dann ab. Die Faltarbeit war nicht präzise gewesen, aber es diente auch nur zum Zeitvertreib. Dann reichte Joanna ihr wieder das Papier. Corey las die Sätze komplett und biss sich dann auf die Unterlippe.
~ Es spielt keine Rolle wie lange etwas her ist. Manche Ereignisse verblassen nicht und wenn doch, bleiben die Gefühle. ~
Das schrieb sie zu Joannas Verlust ihrer Schwester wegen. Sie verstand die Blonde nun ein wenig besser und auch die dahintersteckende Alkoholsucht. Dann sah sie wieder auf und betrachtete die eigentlich noch immer Fremde lange. Sie überlegte, wie viel sie schreiben sollte, was sie noch realisieren würde und entschied sich für die Kurzversion ihrer Geschichte.
~ Es war damals, als alles begann und die ersten Untoten in Austin auftauchten. Ich wollte gemeinsam mit meiner Schwester meine Mutter abholen, aber sie war bereits tot. Zwei Untote, ihre ehemaligen Nachbarn, waren dabei sie aufzufressen. Kaylee und ich töteten sie, dabei hatten wir nicht bedacht, dass diese Nachbarn ein Kind hatten, bis es dann aus dem Nichts hinter mir auftauchte und mich biss. Keine Ahnung, ob ich immun bin. Wenn die Immunität wirklich mit der Genetik zu tun hat, dann liegt es vielleicht daran, dass meine sowieso im Arsch ist oder vielleicht haben wir bei der Versorgung auch etwas anders gemacht. ~
Und damit hatte sie doch mehr geschrieben, als sie wollte, zur Not konnte Joanna es am nächsten Morgen lesen. Abermals sah sie auf und betrachtete die offensichtlich Angetrunkene und auch ein wenig intensiver als zuvor deren Hand, so gut es eben im Kerzenschein möglich war. Dann schrieb sie wieder.
~ Vielleicht bist du es auch. Man weiß doch nie, wie es sich verhält, aber wenn du willst, kann ich deine Hand morgen versorgen, dann spannt sie nicht mehr so, juckt vielleicht weniger, aber ich denke, wir sollten jetzt etwas schlafen. ~
Sie schob Joanna das Geschriebene zu. Ihr war aufgefallen, dass der Alkohol jene immer mehr vereinnahmte. Schlaf schien da die beste Lösung. Sie öffnete den Zopf ihrer Haare und ihre wilden Afrolocken fielen ihr auf die Schultern. Ausziehen tat sie aber nichts, nichts mal ihre Schuhe, dazu fühlte sie sich zu unsicher in dieser Welt. Stattdessen legte sie ihre Taschenlampe und ihr Messer bereit. Ihre Waffe zog sie aus ihrem Gürtel und schob sie unter die Decke, auf welcher sie schlief. Mit dem Kopf legte sie sich dicht daneben, dann zog sie die Decke über ihre Schultern, griff die Taschenlampe und umklammerte sie, wie ein Kind sein Stofftier. Wenn sie die Kerzen ausmachten, dann war es in Coreys Welt nicht nur mucksmäuschen still, sondern auch noch stockdunkel. Früher war das nie ein Problem gewesen, heute machte es ihr Angst.
Re: Purvis
von Joanna am 27.02.2025 14:04Joanna döste dahin. Aber das hieß nicht, dass sie taub war. Mit schwerem Kopf gönnte sie sich einfach diesen Moment der Ruhe, der Auszeit. Es war angenehm, einfach mal an nichts zu denken. An absolut gar nichts. Das war eine der Dinge und Zustände, die ihr so am Alkohol gefielen. Wenn alles einfach egal wurde, man nur noch atmete und keine Gedanken und Sorgen fühlte.
Dann spürte sie plötzlich eine Berührung auf ihrem Knie. Sie öffnete die Augen, brauchte einen Moment um wieder aufzunehmen wo sie war und schenkte Corey dann ein kleines Lächeln, ehe sie den Block nahm. Es brauchte etwas, ihren dösigen Kopf dazu zu überreden, wieder zu lesen und vor allem: zu verstehen. Aber nach ein oder zwei Minuten schaffte sie es, sich auf die geschriebenen Worte zu fokussieren.
Auf dem ersten Absatz legte sich nur ein schwaches Lächeln auf ihre Lippen. Es war nicht unbedingt so, als hätte sie eine Wahl gehabt. Ihr Mann war infiziert worden. Es war schnell gegangen. Sehr schnell. Und dann hatte er sie angegriffen. Sie hatten gekämpft. Er hatte sie gebossen. Sie hatte keine andere Möglichkeit gehabt, als sich zu verteidigen. Und... nun. Ihn zu töten. Es wra der reine Überlebensinstinkt gewesen, den sie - warum auch immer - noch in sich trug und der sogar stark war. Stärker als alles andere in ihr, würde sie sogar meinen. Wenn sie nur wüsste warum. Sie seufte leise, versuchte ihre sich zerstreuenden Gedanken zu sammlen und auf den nächsten Absatz zu konzentrieren. Ach ja. Richtig. Das andere Trauma. Sie nickte, als Antwort und es dauerte eine ganze Weile, bis ihr einfiel, dass das eher unnütz war. Also schrieb sie mit unsauberer Schrift (Koordination war im Augenblick nicht mehr ihre Stärke): ~ Das war 2015. Also 10 Jahre her. Und ja. Dadurch hab ich den Halt verloren. ~ War sinnlos, das zu leugnen. Und die Schuld, die sie damit auf sich geladen hatte, mit diesem Unfall, würde sie auch niemals los werden. Bis sie starb. Aber vielleicht konnte sie nun wengistens jemand anderen wieder mit ihrer Schwester vereinen. Irgendwie tat es gut, jetzt wieder ein Ziel zu haben. Einen tatsächlichen Lebenssinn, mehr als... nun. Einfach nur zu überleben.
Corey bewegte sich. Joanna blickte von dem Block auf, ehe sie auf die letzte Frage antworten konnte und sah, wie Corey ihr T-Shirt hochzog. Eine Zombie-Mal zog sich über ihre Seite. Man konnte die Biss-Spuren. Eigentlich hätte das wohl Angst in ihr wecken sollen, oder Vorsicht oder... was auch immer. Tatsächlich jedoch fühlte sich Joanna eher erleichtert. Ob das der Alkohol war? Sie war froh, nicht die Einzige zu sein. Und dass Corey wusste, wie das war. Als Antwort daruaf, zog sie ihren eigenen Pullover nach oben, sodass man das ganze Ausmaß der vernarbten Haus sehen konnte, welche sich über ihren Unterarm zog, auf ihr Handgelenk und bis hin zu den Fingergelenken streckte. Knapp oberhalb ihres Handgelenkes konnte man den dunkel vernarbten Biss erkennen, den sie James zu verdanken hatte. Nachdem sie sicher war, dass Corey es gesehen hatte, zog sie den Ärmel wieder runter und schrieb: ~ Keine Ahnung, wann es war. Zeitrechnung in dieser Welt ist schwierig. Ich schätz mal so 1 Jahr nach dem Ausbruch? Am Anfang war es nur ein kleiner Fleck, direkt um die Bisswunde. Aber er breitet sich immer weiter aus. Wie man sieht. ~ Sie zögerte kurz, sich fragend, ob sie noch wach und klar genug war, für dieses Gespräch; andererseits interessierte es sie: ~ Wie wurdest du gebissen. Und heißt es, du bist immun? ~ Sie reichte Corey den Block mit einem kleinen, aber ehrlichen Lächeln zurück.

Corinne
Gelöschter Benutzer
Re: Purvis
von Corinne am 27.02.2025 02:57Nachdem Corey Joanna das Geschriebene gereicht hatte, sah sie jene gerade noch lange genug an, um zu erkennen, dass sich ihre Lippen bewegt hatten. Und da Joanna nicht komplett nach unten schaute und Corey ihr ziemlich genau gegenüber saß, konnte sie einen Großteil der Worte von Joannas Lippen ablesen. Nicht alles, aber es reichte, um den Sinn des Satzes zu erkennen und Corey grinste daraufhin. Ja, Kaylee war eine echte Nachzüglerin gewesen. Ihre Mutter hatte geglaubt, sie sei in den Wechseljahren, dabei war sie gerade mal so alt wie Corey heute und Corey wusste, dass sie definitiv nicht in den Wechseljahren war, obwohl ihr das in diesen Zeiten vielleicht sogar lieber wäre.
Sie seufzte leise und während Joanna schrieb, nahm sie sich noch eine zweite Reiswaffel. Nicht, weil sie hungrig war, sondern weil es wohl nötig war. Sie bestrich sie mit dem gleichen Belag wie zuvor und knabberte daran herum. Sie hatte die Hälfte aufgegessen, als Joanna fertig war und während sie las, aß sie den Rest. Dann nahm sie sich wieder den Stift und begann zu antworten.
~ In diesen Zeiten muss man Dinge tun, die man nie für möglich gehalten hat, aber wenigstens hast du deinen Mann nicht so zurückgelassen und seine Seele erlöst. ~
Ob das nun stimmte oder nicht, dass wusste wohl niemand. Aber Corey mochte den Gedanken. Es erleichterte es ungemein die Untoten noch einmal zu töten. Manchmal wünschte sie sich, sie hätte ihren Mann auch wenigstens töten können, dann wüsste sie, was ihm zugestoßen war, aber insgeheim wusste sie es ohnehin. Und insgeheim hatte sie damit schon abgeschlossen. Dann kam sie zu dem Abschnitt mit Joannas Schwester und sie presste kurz ihre Lippen zusammen. Das erinnerte sie an ihre eigene Tochter, die sie sozusagen auch auf dem Gewissen hatte. Sie schluckte schwer.
~ Tut mir auch Leid wegen deiner Schwester. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie du dich dabei gefühlt hast. Wie lange ist das schon her? Ist das der Grund, warum du trinkst? ~
Beinahe hätte sie die Fragen wieder durchgestrichen, aber Joanna hätte sie dennoch lesen können und so war Corey nun mal, direkt. Heutzutage spielte alles andere sowieso keine Rolle mehr. Man musste schnellstmöglich rausfinden mit wem man es zu tun hatte, nur das zählte. Sie blickte auf und beobachtete Joanna für einen Moment und wie sie dort an die Wand gelehnt saß und döste. Der Alkohol schien zu wirken und Corey fühlte sich damit zunehmend unwohler, aber sie ließ sich gekonnt nichts anmerken. Es hatte ja auch weniger mit der Tatsache zu tun, dass Joanna trank, sondern mehr damit, dass sie jetzt beide so gut wie taub waren. Nachdem sie die Blonde beobachtet hatte, wanderte ihr Blick auf deren Hand und dann schrieb sie wieder.
~ Wie ich schon schrieb, es gibt auch Menschen, die immun sind, wir werden sehen, welches Szenario bei dir eintritt. Wie lange ist es her, dass du gebissen wurdest? ~
Im Moment machte Joanna ja noch einen lebendigen Eindruck. Corey hatte schon so viele gesehen, die sich verwandelt hatten, dass sie sagen konnte, wann jemand kurz davor stand. Und ihre Beobachtungsgabe war es auch gewesen, die diese Vermutungen bezüglich des Virus aufgestellt hatten. Allzu viel hatte sie damals von ihren Journalistenkollegen nicht mehr erfahren, dafür ging alles viel zu schnell. Sie sah wieder auf und winkte, aber Joanna reagierte nicht. Corey seufzte wieder, beugte sich zu ihr rüber und tippte mit dem Block an ihr Bein, dann ließ sie jenen einfach in ihren Schoß fallen und nachdem sie sicher war, dass sie wieder etwas bei sich war, schlug Corey ihre Decke zurück und hob ihre Jacke samt Shirt hoch. An der rechten Seite, unterhalb ihrer Rippen und zwischen ihrer Hüfte, kam ein Mal zum Vorschein. Ein Biss, der jedoch nicht infiziert, sondern verheilt war und nur noch eine dunkle Narbe darstellte.
Re: Purvis
von Joanna am 25.02.2025 18:39Hatte sie es gesehen? Einen Augenblick lang, nachdem Joanna sich am Handgelenk gekratzt und dann aufgeblickt hatte, glaubte sie zu sehen, wie Coreys Blick nach oben ging. War ihr Blick auf der verrunzelten, vernarbten Haut gewesen, auf dem Zombiemal, welches sich langsam aber sicher immer mehr ausbreitete? Scheiße. Sie hoffte es nicht. Sie könnte nur allzu gut verstehen, wenn das das Misstrauen wieder entfachten wurde. Ja sogar, wenn Corey sie dann hier ud jetzt einfach humbringen würde. Doch Corey machte keinerlei Anstalten, nach ihren Waffen zu greifen. Im Gegenteil. Eingewickelt in die Decken, wie sie es früher als Kind in ihrem Schlafzimmer gerne getan hatte, um Eskimo oder sonst was zu spielen, nahm sie den Block und begann zu schreiben.
Jo fokussierte sich entsprechend aufs Essen und Trinken. Nache iner weiteren Reiswaffel - diesmal ohne Belag - legte sie alles beiseite. Ihr Hunger war gesättigt (man hatte sich in dieser Welt an wenig Essen gewöhnt - außerdem hatte Alkohol viele Kalorien, was ihr in diesem Fall ausnahmsweise zugute kam). Danach wartete sie, bis Corey ihr den Block wieder reichte.
Unwillkürlich musste sie lächeln, als sie die Antwort auf ihre durchgestrichene Frage las. 21 Jahre jünger? "Wow, krass. Dann war sie ja echt ne ziemliche Nachzüglerin.", sagte sie. Zu spät fiel ihr ein, dass Corey sie ja nicht hören konnte. Aber die Aussage war es nun echt nicht wert, aufgeschrieben zu werden. Zumal das Thema gleich um einiges ernster wurde. Interessiert und beeindruckt las Joanna, was Corey alles über das Virus herausgefunden hatte. Und ja, das ergab Sinn. Es ergab Sinn, warum sich ihr Mann nach der Infektion praktisch sofort verwandelt hatte, ebenso wie viele andere. Es erklärte, warum sich manche nur mit der versuchten Luft vom Vulkan infizziert hatten und bei anderen ein Biss nötig war. Und es erklärte, warum es bei wieder anderen - wie ihr selbst - nur ein schleichender Prozess war. Wie eine tickende Zeitbombe, bis sich die Viren zu sehr vermehrt hatten und ihr System doch übernahmen. Und dass sie Journalistin gewesen war, erklärte, woher sie so vieles wusste. Sie biss sich auf die Unterlippe und schloss für einen Moment die Augen. Fuck. Corey hatte ihre Zombie-Mal wohl doch gesehen. Sie atmete tief durch, und schlug eine neue Seite auf, um dort antworten zu können: ~ Ja. Mein Mann hat mich gebissen, nachdem er infiziert war und sich verwandelt hat. Ich musste ihn töten. ~ Es war seltsam, wie etwas so traumatisches, was sie jede Nacht im Traum heimsuchte, so einfach aufzuschreiben war. Als hätten ihre Finger nur darauf gewartet, waren sie wie von selbst über das Blatt geglitten. Sie schluckte schwer und schlug die Seite zurück, um Coreys Worte weiterzulesen.
Scheiße. Corey fragte nach ihrer Schwester. Also alles Traumatische auf einmal? Scheiß drauf. Was machte es für einen Unterschied? Diesmal nahm Jo gleich mehrere große Schlucke des Weins (allmählich spürte sie den Alkohol doch überdeutlich in ihrer Blutbahn und ihrem Kopf kreisen) und antwortete erneut auf der anderen Seite: ~ Nein. Sie starb lange vor dem Ausbruch bei einem Autounfall, den ich baute. ~ Sie wollte in dieser Welt kein Lügen und kein Verstecken mehr. Alles was in der alten Welt gewesen war, war ohnehin nichtig geworden. Fuck, Gott sei Dank musste Lis das nicht erleben. Und selbst für diesen Gedankengang fühlte sich Joanna schlecht. Als wäre sie froh, dass ihre Schwester tot sei...
Wenigstens der letzte Absatz erhellte wieder ein wenig etwas. Joanna hätte gar nichts im Gegenzug für ihre Hilfe gewollt. Somit war das, was Corey aufschrieb, mehr als nur genug. Sie lächelte und endete ihre eigenen, deutlich weniger Worte mit: ~ Deal. Wir werden sie finden. Versprich mir nur eines, ja? Sollten die Symptome bei mir anfangen, töte mich ~
Und damit reichte sie Corey den Block, lehnte sich mit ihrer Flasche Wein von der sie noch einen Schluck nahm an die Wand hinter ihr und gab sich einem Dösen hin, der ihr mit ihrem Alkoholpegel leicht viel. Ein einfaches, dämmriges Dahingleiten, welches wohl - wenn man sie nicht störte - in einen Schlaf übergehen würde, der eine Stunde, oder mit etwas Glück sogar zwei Stunden - halten würde.

Corinne
Gelöschter Benutzer
Re: Purvis
von Corinne am 25.02.2025 05:18Corey bekam den Schluck des Weines mit, den Joanna nahm, aber sie sagte dazu nichts. Sie war ehrlich gewesen, Corey wusste, was Sache war, also konnte sie sich damit arrangieren. Ändern konnte sie es sowieso nicht. Während Joanna schrieb, legte sie die Decke, auf der sie saß, zwei, drei mal zusammen. So wurde sie wenigstens ein wenig dicker, aber trotzdem war der Boden noch hart. Sie nahm ihre zweite Decke zur Hand und schlang sie um ihre Schultern. Das gab ihr wenigstens einen Funken von Geborgenheit. Nach geraumer Zeit kam dann wieder etwas Geschriebenes bei ihr an. Corey las es aufmerksam durch und hob an der Stelle, an der sie von ihrem infizierten Mann schrieb, kurz ihren Kopf. Sie suchte Joannas Blick, bis sich ihre Augen für den Bruchteil einer Sekunde trafen und dann schaute sie auf deren Hand. Ihr war sehr wohl aufgefallen, dass Joanna mit einer Wunde an dieser Stelle kämpfte. Sie war sich nur nicht ganz sicher gewesen, ob es wirklich ein Biss war. Dann senkte sie ihren Kopf wieder und las weiter. Zum Ende hin hätte man schwören können ein minimales Lächeln auf ihren Lippen zu sehen. Corey nahm den Stift und begann zu schreiben. Natürlich konnte sie auch die durchgestrichene Frage lesen und schrieb mit einem Smiley dahinter.
~ Sie ist ganze 21 Jahre jünger. ~
Dann widmete sie sich dem eigentlichen Text und begann unter Joannas Erklärung und das Angebot zur Hilfe zu schreiben.
~ Die Sache mit deinem Mann tut mir Leid. Nicht jeder überlebt einen Biss, infiziert sind wir aber wohl alle. Das Virus wurde anscheinend durch den Vulkan freigesetzt, also flog es logischerweise durch die Luft. Es scheint Menschen zu geben, die resistenter dagegen sind, als andere. Die Leben mit dem Virus, für sie scheint der eigentliche Biss eines Untoten das Problem zu sein. Anscheinend gelangt dadurch eine erhöhte Konzentration des Virus in den Blutkreislauf. Verbunden mit den Fäulnisbaktieren, ist das tödlich und bringt einen zurück. Und nein, ich war von Beruf investigative Journalistin. Hatte eigentlich mehr mit Politikern, Reichen und Magnaten zu tun. Aber als alles losging hatte ich die erste Zeit noch Kontakte, andere Journalisten, die in dem Bereich tätig waren und mich auf dem Laufenden hielten. Wurdest du gebissen? ~
Zumindest erklärte Corey es sich so oder so hatte man damals die Vermutung gehabt . Sie war keine Ärztin oder Wissenschaftlerin, aber wohl anscheinend recht klug, wie man schon in jungen Jahren bei ihr festgestellt hatte. Die Frage mit dem Biss, die sie so willkürlich angehängt hatte, tat ihr ein wenig Leid, aber sie musste sie stellen, um vorbereitet zu sein, auch wenn Joanna noch einen recht fitten Eindruck machte, abgesehen von dem Alkohol im Blut. Sie machte einen neuen Absatz.
~ Für deine Schwester tut es mir auch Leid. Ist sie ebenfalls infiziert worden? ~
Dann hielt sie inne. Nicht, weil sie nicht wusste, wie sie auf Joannas Hilfe reagieren sollte, sondern wegen etwas ganz anderem. Sie schloss kurz ihre Augen und atmete tief durch. Ihre Schwester war nicht die Einzige, die sie suchte und hoffe, dass sie noch am Leben war. Da war ihr eigener Mann, ihre zwei Söhne, die sie schon zu Beginn dieser Apokalypse aus den Augen verloren hatte, aber erwähnte sie nicht. Die Chancen, dass sie sie wieder lebend treffen würde, standen ohnehin bei 0,01 %. Aber sie wusste, wenn sie noch lebten, dann hielten sie sich an den Plan nach Spanien zu kommen. Nach einer gezogenen Minute schrieb sie erst weiter, aber sie hatten es hier ja ohnehin nicht eilig.
~ Danke, wenn es dir wirklich nichts ausmacht, dann wäre ich dir wirklich dankbar, wenn du mir helfen würdest. Außerdem könnte ich dein Gehör gebrauchen und im Gegenzug biete ich dir einen klaren Verstand an, wenn du betrunken bist? Und eine Aufgabe, ein Ziel, Freundschaft? ~
Sie schob Joanna das Blatt zu und mummelte sich dann wieder in die Decke ein. Ihre dunklen Augen beobachteten dabei das züngelnde Spiel des Feuers der Kerzen und im Augenwinkel bekam sie das nervöse Schattenspiel der Flammen mit.








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