Felix' Wohnung

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Felix
Gelöschter Benutzer

Re: Felix' Wohnung

von Felix am 20.03.2021 12:52

Felix lächelte leicht. Die Worte seiner Schwester taten unbeschreiblich gut. Er hatte fast vergessen,w ie das war... wenn sie zusammen waren, gemeinsam. Aber es war wundervoll und er würde es wirklich nicht mehr missen wollen. "Das klingt wundervoll", sagte er also leise , zustimmend und griff sanft nach den Händen seiner Schwester. Es würde schwierig werden, das wusste er. Weil sein eigener Kopf einfach gegen ihn stand. Aber er hatte das Testosteron, er war dabei und wenn er erst wirklich sciher und gänzlich aus der Reichweite der Aetherianer raus wäre, dann würde... dann würde er sich vielleicht tatsächlich eines Tages annehmen können. Als Mann.
Die Engel mögen ihm verzeihen....
"Alles klar - bis gleich", sagte Felix kurze Zeit später und beobachtete, wie Dawn gemeinsam mit seinem kleinen Liebling hinausging. Hinaus zu einem Spaziergang in der Natur. Er wartete, bis die Tür zugegangen war, er die Schritte auf der Treppe hörte -
- und dann stürzte er auch schon zu der Schublade von der Küchenzeile, riss sie auf und hatte das kleine Plastiktütchen zwischen seinen zitternden Fingern. Fahrig öffnete er sie, wobei sich eine blonde Strähne aus seinem Dutt löste und ihm um den Kopf hing und mühsam, holte er sich eine dieser kunterbunten Pillen heraus. Ohne auch nur einen Augenblick noch zu zögern,w arf er sie sich mit rasendem Herzschlag in den Mund, sammelte Spucke und schluckte.
Auch früher hatte er  nicht immer Wasser dazu bekommen. Das konnte er.
Er wartete ein, zwei, drei Minuten, sich nur auf der Küchenzeile abstützend, die Stirn gegen den Hängschrank gelehnt und die Augen geschlossen.
Er spürte, wie er etwas ruhiger wurde. Bis die Stimulantie richtig wirkte, würde es noch fast ne Stunde brauchen. Wobei der Anfang natürlich jederzeit losgehen könnte. Er konnte es kaum erwarten. Er konnte es kaum erwarten, die Engel nach so langer Zeit wieder zu begrüßen. Sich mit ihnen zu verbinden und... und um Verzeihung zu bitten. Er wollte kein Ausgestoßener bei ihnen sein, sie waren so wundervoll...
Ein wenig nervös, aber auch durchaus mit Vorfreude (und einem leichten schlechten Gewissen, weil er jetzt doch schon wieder eine genommen hatte...), leckteer sich über seine rissigen Lippen und trank zunächst ein Glas Wasser. Dann ging er in sein Schlafzimmer, um auf die andere Seite des Doppelbettes Kissen und Decke aus der Truhe hinzulegen für Dawn. Gut, dass sie beide hier drin schlafen konnten, auch wenn... die nächsten beiden Nächte Dawn hier wohl alein schlafen würde.
Es tat ihm leid, aber konnte einfach nicht anders, er konnte nicht, er wollte, er musste zu den Engeln...
Und so trat er zurück in das große Küche-Ess-Wohnzimmer (oder wie immer man das nennen wollte) und holte seine Geige wieder hervor. Er legte sie an die Schulter, setzte den Bogen an, schloss die Augen...
...und spielte.

~*~*~


Er wusste nicht, wie lange er spielte, doch nach einer Weile spürte er, wie die Musik sich ausbreitete. Sie kam nicht länger nur von seiner Geige. Nein, die Töne, sie flogen in den Raum, umgaben ihn, von überall her. Sie kamen aus dem Fenster, aus den Wänden, aus der Luft, aus einfach allem und erfüllten jeden Centimeter von ihm. Die Musik wurde schneller, fröhlicher. Farben, die sich aufzulösen begannen, ihn aufsteigen ließen. Er spürte es. Er spürte es, wie er aufstieg.
Seine Füße verloren den Bodenkontakt. Er schwebte. Er begann höher zu schweben, höher und höher. Voller Erwartung stieg er auf, sein Herz im schnellen Takt der Musik. Der Wind der Noten spielte mit seinen Haaren. Er sah hinauf, konnte die Decke zwar erarhnen, doch sie würde fort sein, das wusste er, denn er stieg auf, er stieg auf zu den Engeln, die Musik als Einlass, sie hatte die Engel berührt, es war ihre Sprache, sie hatten sie erkannt, er war ein Teil davon, ein Teil von allem, von ihrer Welt, den Farben, der Schwerelosigkeit, der Musik, der...


~*~*~


Felix hörte das Öffnen der Tür nicht, als Dawn und Max nach etwas über einer Stunde von ihrem Spaziergang zurückkehrten. Gerade stand er da, die Arme weit ausgebreitet, die Geige in der einen, den Bogen in der anderen Hand, den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen. Als würde er alles in sich aufsaugen wollen. Doch dann, kaum war die Tür zugegangen, legte er wie in Trance Geige und Bogen wieder an und begann zu spielen. Laut, kräftig, sich dazu hin und her wiegend, ohne etwas von seiner Umgebung mitzubekommen, ganz in seine eigene Welt getaucht...

Antworten Zuletzt bearbeitet am 20.03.2021 12:52.

Dawn
Gelöschter Benutzer

Re: Felix' Wohnung

von Dawn am 15.02.2021 21:20

Sie seufzte leise, auch sie hatte nicht unendlich viel Geld. Aber für Felix wäre ihr kein Cent zu schade, sie würde alles versuchen um mit ihm und ihrem Neffen in eine bessere Zukunft blicken zu können. Also lächelte auch sie leicht, drückte seine Hand mit einem sanften nicken. ''Geld ist nicht immer die Lösung aller Probleme, aber wenn ... dann werden wir das nötige Kleingeld auch auftreiben. Ganz sicher. Wir haben eine ganze Welt die uns offen steht und wir finden einen Ort, an dem du heilen kannst. Und ... an dem du endlich vollkommen zu selbst sein kannst.'' Das war ihr so unglaublich wichtig. Er war ihr Bruder, so wie er früher ihre Schwester gewesen war. Es war egal, welches Geschlecht Felix als seins ansah, die Hauptsache war dass er glücklich war. Das war alles was sie sich gerade wünschte. 
Noch immer mit einem Lächeln auf den Lippen sah sie zu wie Felix aufstand und zu Max ging, diesen aus seinem Bettchen holte und sich letztendlcih beide zu ihr drehten. ''Das klingt nach einer tollen Idee.'' Sie ... hatte einen Neffen. Ein kleines Baby ... ein lebendes Baby. Sie liebte ihn schon jetzt mehr als es vorstellbar war. Als ... wäre es ihr Kind. Ein stechender Schmerz fuhr durch ihr Herz. Sie dachte an ihr Baby, an das tote Kind, welches sie zur Welt gebracht hatte. Nein. Daran wollte sie nun nicht denken! Sie ... nein. Sie erhob sich ebenso und nahm den süßen Max auf ihre Arme, unwissend, was in Felix' Kopf gerade vorging. ''Wir werden uns die schöne Natur vor dem Haus ansehen, hm?'', schmunzelte Dawn verliebt in den kleinen Jungen und nickte daraufhin zu den Worten von Felix. ''Okay, dann machen wir das doch so.''
Fast wie in einem verliebten Rausch ging sie zur Tür, entschlossen nun eine schöne Zeit mit Max zu haben und lächelte noch einmal zu Felix (Gott, sie hatte ihn so sehr vermisst!), ehe sie aus der Tür trat und dabei noch eine warme Decke für den Kleinen schnappte. Er sollte schließlich nicht kalt bekommen (sie hatte immerhin keine Ahnung ab wann Babys kalt hatten). Langsam ging sie die Treppen hinunter, suchte nach dem Kinderwagen und legte den Kleinen vorsichtig hinein. Die Decke folgte zugleich und gemeinsam mit ihm und dem Wagen verließ sie das Haus.

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Felix
Gelöschter Benutzer

Re: Felix' Wohnung

von Felix am 23.01.2021 18:04

Felix lachte leicht. Ehrlich. Was sie sagte... es war, als würde sie ihm aus der Seele sprechen. Sanft griff er nach ihrer Hand. "Das wünsche ich mir auch", lächelte er ehrlich. "Ich muss natürlich schauen, wie ich das alles hinkriegen würde... mit dem Umzug über so weite Strecke und allem. Erst recht... finanziell. Ich habe nicht viel Geld. Aber irgendwie kriegen wir das schon hin." Er verschränkte seine Finger mit den ihren. "Ich würde gerne mit Max zusammen zu dir nach Italien ziehen." Es würde streßig werden, das alles zu organisieren, keine Frage. Und natürlich auch ins Portmonee fallen. Zumal sein Job jetzt nicht die unglaubliche Einnahmequelle zu haben. Er hatte in seinem Vermieter eine unglaubliche Unterstützung und einen Freund gefunden. Aber .... bei Dawn, bei seiner Zwillingsschweste zu sein, das wollte er wirklich.
Ebenso, wie er wirklich, wirklich zu diesen kleinen Tablettchen in der Schulblade wollte... zu den Stimulanzien....
Das Gespräch verstummte. Durch seinen Körper pochte mit jedem Herzschlag nur noch das Verlangen. Das Verlangen aufzustehen, dort hinzugehen. Aber... nicht. Solange. Dawn. hier war.
Und bei dem, was sie vorschlug, kam ihm dann eine Idee. Er blickte auf, lächelte sie an. "Ja, warum nicht?", stimmte er ihr zu, stand auf und ging hinüber zu Max Kinderbett, um ihn herauszuheben. Sein Sohn lachte und Felix gab ihm einen festen Kuss auf den Hals. "Möchtest du mit Tante Dawn einen Spaziergang machen, kleiner Mann, hm?", fragte er ihn liebevoll und gab ihm gleich noch einen Schmatzer, woraufhin der kleine erneut lachte und mit seinem kleinen Händchen über seine Haut wedelte, in einem süßen Versuch, das Gesicht seines Vaters wegzudrücken.
Mit Max im Arm richtete Felix sich auf und sah zu Dawn. "Wie wäre es, wenn du und Max zusammen einen Spaziergang macht? Im Erdgeschoss unter der Treppe steht ein Kinderwagen, den kannst du nehmen." Und ich kümmer mich solange mal darum, wo du schlafen kannst."
Vielleicht. Er hatte es vor.
Nachdem er die Stimulanz eingeworfen hatte..

Antworten Zuletzt bearbeitet am 20.03.2021 12:27.

Dawn
Gelöschter Benutzer

Re: Felix' Wohnung

von Dawn am 18.01.2021 13:23

Nachdenklich sah sie zu Boden. In den vielen Jahren, in welchen die beiden getrennt waren, schien so vieles zwischen ihnen verloren gegangen zu sein. Sie hatten eine so einmalige, besondere und fast magische Verbindung zueinander. Sie konnten über Gedankenkraft miteinander reden, sie kannten die Gefühle der anderen, konnten einander blind verstehen, selbst wenn es nicht die eigene Einstellung oder Meinung war. Nun jedoch schien alles eher wie bei normalen Geschwistern zu sein, normalen Zwillingen. Dieses besondere Etwas war irgendwie fast erloschen und Dawn hoffte, dass sie es wieder richtig zum brennen bringen konnten. Mit der Zeit, irgendwann. Doch das stand wohl erst an zweiter, wenn nicht sogar dritter Stelle. ''Es wäre einfach schön, wenn wir nicht so weit voneinander entfernt leben würden. Wenn wir unsere Leben wieder richtig verbinden könnten, alles irgendwie normaler werden könnte. Das wäre einfach ... einfach alles was ich mir zur Zeit wünschen könnte. Dich bei mir in der Nähe zu wissen, sicher, mit Max. Weit weg von den Leuten. So, dass ihr beide keine Angst zu haben braucht. Einfach nur ein normales, ruhiges Leben.'' War das denn zu viel verlangt?
Für einen Moment brach die Stille ein, ihr Blick wanderte ein wenig umher. Kurz beobachtete sie Max, dann sah sie wieder zu Felix. ''Und nun?'' Es war eine so seltsame Situation, in welcher die beiden gerade steckten. Dieses ganze Gespräch war zwar natürlich etwas schönes, aber dennoch befremdlich und ein wenig unbehaglich. Einfach zu wissen ... wie beschissen es ihm gegangen war und welche Angst er auch jetzt noch haben musste. Sie konnte kaum damit umgehen. Es war schwer für sie und sicher noch schwerer für ihn. ''Ich wollte dich auch nicht von allem abhalten und wenn du etwas Zeit für dich brauchst um das Alles hier zu verstehen und zu realisieren, kann ich das gut nachvollziehen. Ich kann ... mich auch ein wenig zurückziehen, spazieren gehen oder so. Ich weiß nicht ...''

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Felix
Gelöschter Benutzer

Re: Felix' Wohnung

von Felix am 08.01.2021 15:50

Felix hörte die leichte Alamierung in Dawns Stimme - und ihm war sofort klar, dass sie ihn falsch versetanden hatte. Eine...fast schon erschreckende Erkenntnis. In ihrer Kindheit war ihnen das nie passiert. Hatte ihre unglaubliche, einmalige Verbundenheit wirklich so sehr darunter gelitten? Hatte er so sehr darunter glotten? Wegen den Aetherianern?
Er lächelte. "Keine Sorge. Ich meine nicht, dass du hierherziehen sollst", sagte Felix also rasch und lächelte seine Schwester an. "Ich meinte, für die Zeit während du hier bist. Bevor du wieder nach Italien fliegst. Dann müsstest du dir kein Hotel nehmen oder so." Und ja. Er wusste es. Er wusste, dass Dawn auch bei ihm schlafen konnte. Hier. Er hatte genügend Platz und sein Bett war sicher auch breit genug für Dawn und ihn. Es war nur... Ein wohliges, verlangendes, unaufhaltsames und so verlangendes Schaudern zog sich durch seinen Körper, machte seinen Mund wässrig, sein Herz hämmerte aufgeregt. Das alles allein verursacht von dem Gedanken an die Stimulanzien, die dort in der Schubladen lagen...
Sobald Dawn weg wäre... also nicht mehr in seiner Wohnung...
Seine Hände waren schwitzig. Er zwang sich zum dem Gespräch zurück. Verdammt seine Schwester war bei ihm! Dawn! Die er seit 18 Jahren nicht gesehen hatte, die ihm so viel bedeutete. Verdammt, er musste sich am Riemen reißen!
"Es klingt auf jeden Fall nach einem guten Plan", stimmte Felix ihr ehrlich zu und lächelte. "Ich würde mich freuen, zu euch nach Italien kommen zu können." Er zögerte einen Moment. "...je... weiter ich von den Aetherianern weg bin, desto besser ist es. Deto wahrscheinlicher werden sie mich und vorallem Max nicht finden." Kurz sah er zu seinem Kind, einem kleinen Sohn, dass gerade eingehend die Wand inspizierte und mit seinen kleinen spuckebesudelten Finger unsichtbare Muster malte. So klein und etwas so besonderes. Er liebte ihn so sehr...
"Ja", stimmte Felix seiner Schwester lächelnd zu. Ja, es war wirklich wunderschön. "Ich bin froh, dass du gekommen bist. Dass du... nach mit gesucht und mich gefunden hast." Und er wusste, er hatte es ihr wirklich nicht leicht gemacht. Hätte sich auch auf die Suche machen können. Er hatte ein kleines schlechtes Gewissen. Und doch hatte seine Schwester es auch so geschafft und sie waren wieder vereint.
Und er würde seine Schwester auch nie mehr loslassen...

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Dawn
Gelöschter Benutzer

Re: Felix' Wohnung

von Dawn am 28.12.2020 15:19

Dawn kannte die tiefgründige Verbindung von Felix und der Musik natürlich nicht, selbst wenn sie es gerade gesehen hatte, konnte sie das genaue Ausmaß wohl nie wirklich erfassen. Der Glaube war etwas, das ihr nie 'geschenkt' worden war. Oft hatte sie sich gewünscht, an Gott oder an Schutzengel glauben zu können. Besonders in der Zeit der Schwangerschaft mit Tyler. Wie gerne hätte sie wirklich zu einem Gott beten können, dass die Ärzte sich irren oder dass ihr Sohn im Himmel einen guten, wunderschönen, warmen Platz bekommen würde. Wie gerne hätte sie das damals gekonnt. Auch jetzt wünschte sie sie könnte sich einreden, dieses wunderschöne Baby irgendwann im Himmel wieder in ihre Arme schließen können. Doch nach dem Tod kam nichts, sie würde ihren Sohn niemals wiedersehen, niemals wieder in den Armen halten, niemals und diese bittere Erkenntnis hatte sie zerschmettert. Es tat noch immer weh, jeden Tag. Immer wenn sie an ihn dachte, wenn sie an diese Zeit dachte und daran, wie diese Drogen ihr Baby getötet hatten. Wie sie ihr Baby mit diesen Drogen getötet hatte.
''Eine Wohnung? Hier?'' Natürlich im Augenblick eine wundervolle Vorstellung, doch wusste sie nicht, ob sie das so einfach konnte. Sie konnte Harper nicht allein lassen. Sie hatte sich ja immerhin auch etwas aufgebaut, waren dabei eine Zukunft zu planen und hier wollte sie eigentlich auch gar nicht mehr leben. Nicht, nach all dieser Scheiße. Italien war für sie ein Neustart. Doch sie musste Felix einfach noch mitnehmen. ''Wir haben ja noch Zeit das alles zu überlegen. Ich werde auch nicht die ganze Zeit neben dir sitzen, du brauchst ja auch deine Zeit. Ich werde einfach mal über alles schlafen und dann sehen wir Morgen, was sich so ergeben hat.'', schlug die junge Frau vor. Sicher wäre es schön, wenn die beiden nicht so unglaublich weit voneinander entfernt lebten. Das hatten sie nun wirklich schon zu lange. Viel, viel zu lange. ''Es tut gut, diese ersten Worte ausgesprochen zu haben. Hier zu sein. Bei dir. Euch. Es tut gut.''

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Felix
Gelöschter Benutzer

Re: Felix' Wohnung

von Felix am 27.12.2020 16:35

Die Geigenmusik war etwas wundervolles. Sie war von den Engeln selbst geschickt und er liebte sie ber alles. Bereits noch in der Sekte war es diese Musik gewesen, welche ihm geholfen hatte, welche wie ein Anker für ihn geworden war. Es war das einzige dort gewesen, welches nicht einer Hölle entsprach, die eigens für ihn geschaffen zus ein schien. Er hatte seine Geige geliebt, hatte auf jede Unterrichtsstunde hingefiebert und seine Freizeit überwiegend damit verbracht, zu spielen - von den meisten anderen wurde er aufgrund seiner 'Besessenheit' ohnehin die meiste Zeit ferngehalten.
Und die Aetherianer ... sie sahen es als Zeichen, dass er so viel Begabung mit der Geige zeigte. Sie sahen es als Zeichen, dass die Musik ihm so viel Spaß machte und ihm solch große Freude bereitete. Sie waren sich sicher, dass er auserwählt würde. Vielleicht war das der Grund, weswegen sie all die vielen Jahre nicht aufgegeben hatten. Warum sie nie aufhörten zu versuchen, nie aufhörten zu hoffen, dass der Dämon doch noch eines Tages aus ihm evertrieben und er ausgewählt würde.
Manchmal fragte sich Felix, wie es gelaufen wäre, wenn das eingetreten wäre - bevor er Max bekam, selbstverständlich. Wie es gewesen wäre, ins Heiligtum umgesiedelt und von allen anderen Aetherianern angehimmelt zu werden. Was für ein Gefühl es wohl gewesen wäre, den Engeln so nah zu sein, wie sonst niemand, mit der Gewissheit zu leben, von den Engeln auserwählt zu sein, ein Freund von ihnen und irgendwann sogar - wie man munkelte - ein Teil von ihnen zu sein.
Unglaublich.
Felix merkte, wie er sich in seinen Gedanken verrann und rasch zog er sich zurück in die Realität. Schalt sich selbst mit einer imaginären Ohrfeige (häufig gab er sich auch eine richtige, doch er wollte Dawn wirklich nicht noch mehr Sorgen bereiten, wollte sie nicht irritieren). Er war fort von dort. Er wollte nicht mehr an die Engel glauben. Verdammt, das musste er doch endlich mal verinnerlichen!
Er lächelte Dawn an. Ihre Worte...passten. Es machte ihn wirklich glücklich. Überglücklich sogar. Ließ ihn alles um sich her vergessen. "Ja", sagte er also zustimmend. "Ja, es macht mich wirklich glücklich."
Doch noch glücklicher, noch großartiger, noch viel unbeschreiblicher würde es werden, wenn er die Stimulanz nahm. Wenn er sie einarf und dann begann langsam zu spielen. Während der Rausch ihn dann allmählich erfassen, ihn mitreißen würde, hinein auf eine völlig andere Ebene, hinauf, hinauf, so weit hinauf auf die Ebene der Engel. Direkt zu ihnen.
Ein unbeschreibliches, unbegreifliches Gefühl, welches er sich gerade so sehr ersehnte, so sehr brauchte.
Was ihn zu dem Problem brachte, was mit Dawn war.
Er wusste, dass er sich auf Stimulanz auf einer völlig anderen Ebene befand, dass die Stimulanz ihn ca. drei Tage ausknocken würde. Komplett. Vor allem der zweite und dritte Tag würden Horror (außer er würde auserwählt... aber wie wahrscheinlich war das schon?) Er wollte nicht, dass Dawn ihn so sah.
Langsam nickte er. Er hatte diese Worte von ihr schon befürchtet - und er konnte sie natürlich auch gut verstehen. Ohne diesse Sehnsucht in ihr, die immer weiter anstieg, die seine zitternden schwitzigen Finger endlich zu der Tablette greifen lassen wollten, hätte er das natürlich auch vorbehaltlos gewollt.
"Nein, es ist schon okay. Ich kann das verstehen", sagte Felix rasch und legte seine leicht zittrige und kalte Hand sanft in die ihre. "Ich kann sonst meinen Vermieter mal fragen, ob er noch eine Wohnung hier frei hat. Dann wärst du ja dennoch direkt bei mir. Sonst schläfst du halt einfach bei mir, das kriegen wir sicher auch hin." Sanft lächelte er sie an. Er freute sich wirklich, dass sie sich endlich, nach all den Jahren wider hatten. Er wünschte nur, sie wäre etwas später gekommen. Wenn er diese Sehsncuht gerade wieder fertig gestellt und wieder einsetzbar war. Er kämpfte, doch er wusste schon jetzt, den Kampf würde verlieren. Allein der Gedanke an die kleine Pille ließ seinen Mund mehr Speichel produzieren, sein Herz etwas schneller schlagen. Er wollte es unbedingt.
Er konzentrierte sich wieder auf Dawn und was sie über Harper erzählte. "Hey, alles okay. Du darfst so lange bleiben wie du willst. Und vielleicht schaffen Max und ich es ja auch irgendwie mit nach Italien. Wenn wir dort eine Wohnung finden." Die Chancen standen doch gut, dass die Aetherianer ihn und Max in Italien nicht finden würden. Oder?
Nicht unter neuem Namen. In einem anderen Land auf einem anderen Kontinent.
Oder??

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Dawn
Gelöschter Benutzer

Re: Felix' Wohnung

von Dawn am 26.12.2020 13:28

Auch Dawn hatte mit der Zeit immer weniger an ihren Bruder gedacht, die Erinnerungen an ihn waren mit den Jahren immer blasser geworden. Damals, als er noch ihre Schwester war und mit ihr gemeinsam gespielt hatte. Als die beiden unzertrennlich waren, als Felix damals merkte, dass er irgendwie nicht im richtigen Körper war. Die Paranoia, die nach und nach immer mehr Besitz von ihrer Mutter genommen hatte. Die Angst ... welche sie an diesem Tag verspürt hatte, als diese die Waffe auf ihre Schwester gezielt hatte, weil diese so viel lieber mein Bruder wäre. Zumindest waren das ihre Erinnerungen. Das war das, was die beiden wussten und was auch jeder Polizist im Nachhinein so abgesegnet hatte. Über all diese Erinnerungen hatte sich ein grauer Schleier gelegt, obgleich vieles davon prägend gewesen war. Er hatte ihr immer gefehlt, es war immer so gewesen, als würde ein Teil von ihr fehlen. Doch nun, nun wo sie hier saßen, miteinander sprachen und die Zukunft gemeinsam anpacken wollten, da fügte sich das fehlende Teil wieder ein. Was der Körper nicht alles verdrängen konnte ... All diese Wut, diese Trauer, dieser tiefsitzende Schmerz, die Enttäuschung. Das alles hatte sie irgendwann nicht mehr empfunden. Nicht mehr so. Doch die Dinge, die Felix widerfahren waren brachten ihre tief vergrabenen Gefühle wieder hoch. Sie hasste ihre Mutter für das, was sie getan hatte, dafür, dass Dawn an diesem Abend keine andere Lösung sah als sie zu töten. Wäre das nicht passiert, dann wäre auch alles andere nicht gewesen. War es vielleicht ... ihr Fehler gewesen? Hatte sie ... eine falsche Entscheidung getrofffen? Fragen, die sich die junge Frau bereits des öfteren gestellt hatte. Dinge, die sie belasteten.
Doch dieses wunderschöne Lied, welches Felix ihr vorspielte, die Art, wie er die Melodie spürte und lebte, liebte. Es war schön, lebendig. Ehrlich. Sie liebte es. Sie konnte sehen, was es mit ihm machte und wie diese Musik, die Töne ihn in eine andere, schönere Welt brachten. Diese ... schönere Welt, welche sie sich besser Vorstellen konnte als die beiden zu diesem Augenblick zu glauben vermochten. Sie spürte es schon fast selbst. Sicher die Verbindung, aber nicht nur ... nein. Musik konnte vieles bewirken, besonders wenn man sich darin verlieren konnte. ''Es ist wirklich schön zu sehen, wie sehr du es liebst zu spielen. Es macht dich glücklich. Für den Moment schien alles perfekt zu sein.'', überkam es ihre Lippen ehrlich. Ein Lächeln zierte ihre Lippen. Er hatte wirklich ein großes Talent und vor allem eins, dass er mit ganzem Körpereinsatz lebte. Das gab es nicht so oft. ''Wenn ich ehrlich bin, möchte ich nur ungern irgendwo anders als bei dir unterkommen. Aber ich kann verstehen, wenn das zu früh ist. Ich habe das Gefühl nun all diese Jahre nachholen zu müssen. Es macht mich schon fast nervös.'', schmunzelte Dawn. ''Ja, wir leben in Italien. Ich kann wohl auch erst einmal bleiben. Ich weiß nicht ... irgendwie kommt mir das alles nun ungeplanter vor als es eigentlich sein sollte.'' Alles was nun wichtig war war Felix und sein Sohn.

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Felix
Gelöschter Benutzer

Re: Felix' Wohnung

von Felix am 09.11.2020 19:33

Unwillkürlich musste Felix lächeln und erwiderte den Druck ihrer Finger leicht. Er hatte keine Ahnung, wie es sein konnte, dass er all die Jahre ohne sie hatte überstehen können. Und nicht nur das - dass er sogar irgendwann kaum noch an si egedacht hatte. Wie war das möglich? Sie war seine Zwillingsschwester, sie waren so sehr verbunden und er liebte sie so sehr... er wollte sie niemals hergeben. Niemals.
"Ja. Halten wir das fest", lächelte er mit aller Ehrlichkeit. Er wollte erfahren, was seine Schwester erlebt hatte, was sie durchgemacht hatte. Anfangs, in den ersten Jahren bei den Aetherianern, hatte er sie schließlich gespürt - und auch später, zwar immer seltener aber dennoch. Er wusste, dass auch sie schwere Zeiten hat durchmachen müssen und gerne würde er erfahren was, würde für sie sein. So wie es Geschweister nun einmal waren.
Aber er verlangte nicht, alles jetzt direkt, bei ihrem ersten Treffen seit achtzehn Jahren zu erfahren. Nein. Er wollte es genießen, dass sie wieder vereint waren, wollte es genießen, dass sie eine Familie sein würden. Eine richtige Familie.
Nur einen kleinen Schatten gab es natürlich: sein Glaube. Oder... der Glaube der Aetherianer, der aber immer noch in ihm steckte. So tief verwurzelt, so tief in ihn hinein verankert, dass er ihn kaum herausreißen konnte, obwohl er sich wirklich darum bemühte. Doch das war viel, viel leichter gesagt, als getan. Und Felix vermisste die Verbindunheit mit den Engeln. Er vermisste sie so sehr..
Der perfekte Moment, um geige zu spielen, um Dawn zu zeigen, was er bei den Aetherianern auch gelernt hatte, was zu seiner Leidenschaft geworden war, zu seinen Worten. Obgleich er gleichzeitig nicht aufhören konnte, an die Stimulanzien zu denken. Sein Herz schlug in seinem Kehlkopf, sein Finger zitterten, seine Handinnenflächen waren von einem leichten Schweißfilm überzogen doch am stärksten war diese Sehnsucht in ihm. Die Sehnsucht und das Verlangen zu den Engeln zurückzukehren, aufzusteigen in ihre Ebene, bei ihnen zu sein, von diesem allumfassenden Gefühl umgeben zu sein...
Und wäre Dawn nicht hier, so hätte er sie sicher schon genommen.
Er wischte seine Hände kurz provisorisch an seiner Hose ab, lächelte leicht...
...und begann zu spielen.
Er merkte gar nicht, dass sich seine Augen leicht schlossen, während er spiel. Er lächelte unentwegt. Es kam aus seinem tiefsten Inneren. Seine zitternden Finger übertrugen das Zittern auf die Saiten, wo sie in ein wundervolles Vibrato verwandelt wurden. Er bewegte sich leicht dazu, mitgehend. Zunächst mit den sanften, leiseren Tönen, lauter werdend, in Moll, traurig erscheinend, aber berührend, näherte sich den Engeln, weiter, näher, lauter - und dann war er da und mit einem breiten Grinsen ging er dorthin über. Die Bewegung seiner Finger wurde schneller, sein Bogen wippte beinahe schon über die Seiten, spielte häufig zwei gleichzeitig, während er die Töne griff, fröhlich, beschwingt, anders und spannend und schnell. Und schließlich, mit einem kräftigen letzten Ruck, einer hohen aufsteigenden Note, war er angekommen und ließ mit einem breiten Lächeln die Geige und den Bogen wieder sinken, öffnete die Augen, strahlte Dawn breit an.
"Danke", lächelte er ehrlich, geschmeichelt von ihrem Lob. Er könnte noch Stunden weiterspielen, doch wollte er Dawn damit nicht belasten. So legte er seinen wertvollsten Besitz ganz vorsichtig beiseite und kehrt, nach wie vor breit lächelnd, zu Dawn an den Tisch zurück.
"Ich spiele jeden Tag", erzählte er ihr glücklich und blickte zu seinem Instrument. "Mindestens eine Stunde, für gewöhnlich mehr. Kommt drauf an, wie viel Zeit ich hab. Sie ist das einzige, was ich von dort mitgenommen habe." Er nickte zur Geige. Er hatte nicht ohne sie gehen können. Hatte sie den ganzen Tag mit sich getragen, immer darauf geachtet, dass se ihm ja nicht gestohlen wird, wenn er in der Bahn, auf einer Parkbank oder unter einer Brücke geschlafen hatte.
Einen Moment betrachtete er noch das mahagonifarbene Holz, dann wandte er sich an Dawn um. "Wo kommst du eigentlich unter? Wie lange bist du hier? Du hast doch gesagt, dass du und Harper jetzt in Italien wohnt, richtig?", fragte Felix. Falls sie einen Ort brauchte, um unterzukommen, würde er ihr sehr gerne helfen. Sicher konnte er seinen Vermieter fragen. Natürlich würde er Dawn auch zu sich nehmen. Hierher. Doch... seine Gedanken waren schon wieder bei den Stimulanzien. Alles in ihm zog ihn dorthin. Er wusste nicht, wie lange er diesem Sog noch standhalten würde und er wollte nicht, dass Dawn ihn so sah...

Antworten Zuletzt bearbeitet am 09.11.2020 21:33.

Dawn
Gelöschter Benutzer

Re: Felix' Wohnung

von Dawn am 09.11.2020 11:58

Für Dawn wirkte es nicht so, als wäre es nichts Wichtiges. Allgemein wirkte seine Körpersprache nicht so, als würde es ihm gut gehen. Doch konnte man davon ohnehin nicht ausgehen. Am liebsten hätte sie ihn ausgequetscht, nachgebohrt bis sie alles wusste, aber sie entschied sich dagegen. Sie selbst hatte ihm auch nicht alles gesagt, eigentlich fast gar nichts. Also durfte sie das von ihm nun auch nicht verlangen, oder? Nein. Alles würde mit der Zeit kommen ... Das wichtigste war, dass die beiden nun hier waren und füreinander da sein konnten. Heute und für immer. ''Halten wir einfach fest, dass wir nach und nach über alles reden, okay?'' Damit gestand sie zwar auch, dass da noch mehr bei ihr selbst war, doch zeigte sie ihm auch, dass sie wusste, dass er ihr nicht alles erzählte und dass das okay war. 
Eine Reihe von natürlich vorkommenden Drogen, die sogenannten Entheogene, werden traditionell in einem kultischen oder schamanischen Kontext genutzt, so etwa der Fliegenpilz in Sibirien und Ayahuasca von den Amazonasindianern. Es existieren einige offiziell anerkannte Gemeinschaften, in denen der geregelte Gebrauch halluzinogener Substanzen eine zentrale Rolle einnimmt. Im Hinduismus ist der entheogene Gebrauch von Cannabis allgemein üblich, psychoaktive Hanfzubereitungen werden unter anderem auf religiösen Festen zu Ehren des Gottes Shiva konsumiert, welcher der Menschheit die Hanfpflanze überbracht haben soll. Demnach wäre es nicht allzu befremdlich für Dawn, von Felix' Sucht zu erfahren. Sein Paradies war auch einmal ihr Paradies.
''Du kannst spielen, was auch immer du möchtest. Ich bin mir sicher, alles klingt wundervoll.'' Mit aufmerksamen Blick und einem lächeln auf den Lippen rutschte sie so, dass sie Felix gut sehen konnte, während er seine Geige auspackte. Sie konnte sofort erkennen, wie verbunden er sich mit der Musik fühlte. Es schien ihn wirklich zu erfüllen. Es war eine Leidenschaft. Seine Leidenschaft. Ganz egal wie und warum sie enstanden ist. Dawn beobachtete wie die vier Saiten mit den Haaren des Bogens gestrichen wurden und lauschte der klangvollen Melodie, die dabei entstand. Ein ruhiges, warmes Gefühl der Sicherheit breitete sich in ihrem Körper aus. Ihn spielen zu hören gefiel ihr so sehr, dass sie gar nicht bemerkte, wie sie ihre Augen schloss und langsam bunte Farben und prachtvolle Bilder vor ihr erschienen. Solange er spielte schien sie in einer eigenen, kleinen Welt zu versinken. Erst als er aufhörte, öffnete sie ihre Augen wieder und für eine Weile herrschte eine angenehme Stille im Raum. Noch immer zierte ein Lächeln ihre Lippen. ''Das war wunderschön.''

Antworten Zuletzt bearbeitet am 17.11.2020 16:03.
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