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Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Emily am 17.02.2022 21:23Es war spannend die Wandlung von Enoch zu beobachten. Wie er am Anfang zu diesem Treffen gekommen war, unsicher, voller Selbstzweifel, ein Junge, der versuchte sein aus den Fugen geratenes Leben irgendwie im Griff, unter Kontrolle zu halten. Doch nun war er schon so viel mehr. Sie sah, wie seine Anspannung wuchs, sein Zorn. Sie konnte es an seiner verkrampften Kiefermuskulatur ablesen, den leicht verengten Augen, den flachem Atem. All diesen wunderschönen süßen kleinen Indizien, die sein wahres Gemüt, seine wahren Gefühle offenbarten. Doch diese Wut - die war gut. Sie machten ihn stolzer, aufrechter. Entschlossener. Er vergaß sich klein zu machen, er vergaß unorganisiert zu sein und 'weniger' als er sein könnte. Er wuchs dadurch. Und diese Wandlung zu sehen - ja, das befriedigte Emily. Sie befriedigte sie auf eine sehr tiefgehende Art und Weise.
Sie bereute es nicht, ihm gezeigt zu haben, was sie tat. Wie sie ihre Zigaretten löschte. Sie bereute es auch nicht, ihn nach seiner Geschichte gefragt zu haben, auch wenn er diese Frage nicht in der Art und Weise beantwortet hatte, wie sie es erwartet oder sich gewünscht hätte. Doch es machte nichts. Es war eine kleine Haerausforderung. Und sie liebte Herausforderungen.
Sie gingen los. Begannen endlich mit der Mission ihres Treffens. Emily hatte das ganz deutliche Gespür, dass sich bisher alles so enwickelte wie es sollte. Auch wenn sie selbst noch nicht genau durchschaut hatte, worum genau es sich handeln mochte. Allerdings kristallisierte sich für sie so allmählich eine Ahnung aus der Dunkelheit heraus und es kribbelte in ihrem Körper dem nachzugehen. Ihrem Freund - der Dunkelheit - zu folgen. In Erfahrung zu bringen, was sie noch für sie bereit hielt, was sie noch alles erwarten mochte. Und vor allem, wie sich die Bindung zwischen Enoch und ihr dadurch noch weiter vertiefen würde. Diese Bindung, gegen die er sich so sehr wehrte, dass er sie nun direkt angriff.
Sie konnte nicht anders. Als er stehen blieb, zu ihr herumwirbelte, die Stimme in ungeahnter Weise erhob, seine Wut fast schon herausbrüllte und allein auf sie kanalisierte, umspielte lediglich erneut dieses seichte Lächeln ihre Lippen. Ganz ruhig blickte sie ihn an. Sein Ausbruch belustigte sie ehrlich gesagt fast schon ein wenig.
"Sag mir, Enoch.", erwiderte sie leise und ruhig, wobei sie den Kopf leicht zur Seite neigte, um ihn zu mustern. "Sehe ich für dich wie eine Superheldin aus?" Sie ließ es kurz wirken und aus ihrem Lächeln wurde fast schon ein Grinsen. Sie mochte alles sein, aber ganz sicher keine Heldin. Dafür liebte sie die Dunkelheit zu sehr. Dafür war sie zu anders. Das wusste sie selbst. Und Enoch wusste es ebenso gut. Sie schritt weiter. Er würde folgen, dessen war sie sich bewusst. Sie waren immerhin auf Patrouille. "Diese Gruppe hat sich zusammengefunden, um Probleme in der Nachbarschaft zu entdecken und wenn möglich zu bekämpfen, oder nicht? Mit unseren einzigartigen Fähigkeiten.", fuhr sie fort. Nun mit vollkommen rationaler Stimme, jegliche fast schon provozierende Belustigung oder mysteriöse Ruhe verschwunden. Sie war ganz sachlich. "Es spielt keine Rolle, wie wir uns nennen oder wie wir unsere Aufgabe definieren wollen: wir wollen etwas tun. Und wenn unsere Kräfte so chaotisch sind, dann sollten wir sie trainieren. Sie weiterentwickeln. Optimieren. Und so etwas sollte nicht unorganisiert oder chaotisch ablaufen. Ob du es willst oder nicht, die Gruppe hat sich bereits um dich herum gebildet. Jeder kann natürlich mitentscheiden, Einfluss nehmen und helfen. Aber wenn wir wirklich effektiv etwas tun wollen, dann wird jemand uns führen müssen." Sie sah ihn an und lächelte leicht. Nun schon beinahe freundschaftlich. "Und wir wissen beide, dass nicht ich das sein werde." Sie war der Schatten im Hintergrund. Die Dunkelheit, der Smog, der Rauch der sich langsam und unbemerkt in deinen Lungen absetzte und dich tötete. Sie war nicht die Führende, nein, sie war die Versteckte. Die Außenseiterin, selbst innerhalb der Außenseiter. Dessen war sie sich bewusst.
Und es störte sie nicht. Nicht wirklich jedenfalls. Immerhin hatte sie einen viel größeren, viel stärkeren Verbündeten.
Sie gingen weiter. Betraten die Gassen der Stadt. Sie hörte seine Frage. "Ich folge der Dunkelheit.", war ihre einzige Antwort auf seine Frage. Sie wusste nicht, wohin es sie führen würde. Aber sie wusste, dass es sie zu ihrem Ziel bringen würde, welches auch immer es sein mochte in dieser Nacht. Schweigend gingen sie über Bürgersteige, überquerten Straßen und durchdrangen dunkle Gassen. Sie kamen an Obdachlosen und Junkies vobei, deren Rauch Emily begierig mit tiefen Zügen inhalierte und sich sogleich selbst wieder eine Zigarette ansteckte. Und dann war es soweit.
"Dort!", rief sie und deutete auf eine schwarze Rauchwolke, in die in dem Dunkel der Nacht kaum zu erkennen war. Sie waren am Stadtrand, der Rauch entfernt und noch kaum zu erkennen. Es war wenig - das Gebäude aus welchem es drang konnte noch nicht lange in Flammen stehen. "Komm!", rief sie, zerdrückte den halb gerauchten Stummel der Zigarette in ihrer Faust, um sie dann in die Tasche sinken zu lassen (den heißen kurzen sanften Schmerz ignorierte sie gekonnt und rannte los. Ihre Schritte trommelten zunächst über Asphalt, dann über den Rasen, während sie sich dem Gebäude näherten. Etwas an ihm kam ihr seltsam vor,a uch wenn Emily nicht genau benennen konnte, was es war. Der Rauch schmeckte irgendwie... anders. Anders als sonst. Aufregender.
Ihre Augen suchten rasch die Enochs. "Was denkst du?"

Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Emily am 27.12.2021 14:29Für einen kurzen Moment tauchte ein Funken Hoffnung in ihr auf. Fast schon in einer Art Erwartungshaltung musterte sie Enoch, ihre blaugrauen Augen welche in der Dunkelheit fast schwarz erscheinen mochten waren wie ein Sog auf ihn gerichtet. Ein Sog, der alles einfangen wollte, alle Erfahrungen, alle... Geschichten. Doch nur wenige weitere Worte aus dem Mund ihres Gegenübers zerstieben die entfachten Funken erneut. Ein frustriertes und ja, auch enttäuschtes Lächeln umspielte einige Momente lang wieder ihre Lippen. Sie löste den Blick von Enoch, sah zu Boden und beobachtete einige Rauchpartikel welche dem Boden des Daches auf welchem sie saßen entgegensegelten. "Du verstehst mich nicht", war alles was sie absolut distanziert dazu sagte, ehe sie ein weiteres Mal einen Zug von ihrer Zigarette nahm und ihren geliebten Rauch inhalierte. Es war schade, dass Enoch sie nicht verstand oder vielleicht vielmehr nicht verstehen wollte. Aber selbstverständlich würde sie sich davon nicht abhalten lassen. Früher oder später würde sie schon hinter seine Geschichte kommen - und jene von den anderen aus ihrer Gruppe. Ihre eigene kannte sie immerhin. Sie wusste um ihre Faszination um den Rauch, die immer schon da gewesen war. Sie erinnerte sich, wie sie im Alter von neun Jahren zum ersten Mal eine Zigarette zwischen die Finger bekommen hatte und ihren ersten Zug genommen hatte. Was für Ärger sie danach Daheim nur erwartete.. Es war eine andere Zeit gewesen, aber natürlich hatte Emily sich davon nicht abhalten lassen und immer weiter geraucht, war ihrer Faszination gefolgt, hatte gelernt mit den Schatten zu verschwinden. Sie erinnerte sich daran wie sie angefangen hatte mit dem Rauch zu spielen, ihn aufzunehmen und ihn zu verändern. Und in der Schule dann, wie sie den Rauch erstmalig gegen andere anwendete. Gegen Mitschüler. Was für ein Gefühl es nur gewesen war... was für ein Gefühl der Macht...
Nun, wie auch immer. Ihr Gespräch hier hatte lange genug gedauert. Sie hatten sich aus einem bestimmten Grund hier getroffen und das war nicht nur, um gemeinsam in der Nacht zu philosophieren - auch wenn Emily dagegen niemals etwas einzuwenden hätte. Nein, sie wollten in dieser Nacht auf Patrouille gehen und ihrem Gefühl nach, dem, was die Dunkelheit ihr zuflüsterte, war es höchste Zeit, dass sie sich auf den Weg machten. Also rollte sie ihre schwarze Kleidung, die den hellen Arm zuvor noch komplett verhüllt hatte, hoch und tat das, was sie oft tat. Sehr oft.
Sie löschte ihre Zigarette.
Sie konnte selbst nicht genau beschreiben was für eine Anziehung diese Tat auf sie selbst hatte. Es war wie eine Sucht. Eine Sucht nach dem brennenden heißen Schmerz ihres Freundes. Es war wie ein Kennzeichen, eine Brandmarke, dass sie anders war. Anders als ihre Geschwister, anders als ihre Mitschüler damals, anders als einfach alle anderen. Sie war... mehr. Der Schmerz - er störte sie nicht. Er war ihr Freund. Es war fast eine Genugtuung. Ihre Augen waren unablässig auf Enoch gerichtet, während sie es ausführte. Sie zeigte diese Wunden nur selten an andere, noch seltener wie sie es tat. Es war etwas unheimlich privates, etwas unheimlich persönliches. Aber die Bindung zu Enoch war... besonders. Tiefer. Allumfassender. Und sie wollte unbedingt seine Reaktion darauf... diese Verbindung zwischen ihnen... noch mehr vertiefen.
Und was sie sah befriedigte sie. Sie konnte sein erstes Entsetzen beobachten und dann... war es etwa Scham? Und fast im gleichen Augenblick sah sie auch seine Bewegung, die Hände verborgen, über seine Unterarme streichend. Er... tat es. Sie wusste es. Vermutlich nicht mit Zigaretten, sondern eher die herkömmlichere Variante, aber dennoch. Es war eindeutig - wenigstens für sie. Und da war es. Diese tiefe Verbundenheit, welche nun sogar ein Lächeln auf ihre Lippen zauberte, während gleichsam seine Anspannung sichtlich wuchs und wuchs. Hatte sie ihn etwa getriggert? Es schien ganz so. Entzug? Er sprang auf, sichtlich aufgewühlt, während sie nach wie vor gänzlich ruhig war. "Verstanden.", sagte sie nur. Noch immer vollkommen ruhig, ohne Scham oder Reue, ohne Mitgefühl oder sonst dergleichen. Nein stattdessen sogar fast... zufrieden.
Nachdem der Stummel erloschen und sie diesen zunächst in ihrer Hand und anschließend in ihrer Tasche verborgen hatte, erhob auch sie sich von der Bank. Seine Stimme war kalt. Er wollte diese Verbundenheit nicht. Er wehrte sich. Doch das störte sie nicht. Schweigend lauschte sie seiner Beschreibung von der Gruppe. "Vielleicht sollte man das ändern", schlug sie, noch immer ganz ruhig vor und ruckte mit dem Kopf in eine Richtung als Zeichen dafür, dass sie sich in Bewegung setzten. "Gruppen, egal für welchen Zweck, sind immer besser organisiert wenn sie einen haben, der die Richtung vorgibt. Vielleicht sollten wir das im nächsten Treffen mit allen ansprechen." Bisher hatte sie Enoch eher als den Mittelpunkt gesehen, welcher die Gruppe um sich geschart hatte. Und sie glaubte, dass er ein guter Anführer wäre. Derjenige war, welcher am meisten in diesem Thema war. Sie selbst war eine Außenseiterin, die Außenstehende, die Neu-Dazugestoßene, so wie hier. Man würde sie nicht als Anfürherin annehmen und das wollte sie auch nicht sein. Das hatte sie noch nie sein wollen - sie mochte keine öffentliche Aufmerksamkeit und als Führende bekam man immer Aufmerksamkeit. Nein, sie würde sich am Rand halten. So wie immer.
Nur im Fall der Fälle würde sie wohl eingreifen. Lieber Ordnung, als Chaos.
Sie sah ihn an, bei seiner harten Frage. Ja, er wehrte sich. Er war steif geworden, plötzlich selbstbewusst, bestimmt. Das war doch eine gute Eigenschaft für einen Anführer. Sie lächelte leicht. "Was schon? Wir gehen auf Patrouille und halten nach Problemen Ausschau. Irgendetwas hält die Dunkelheit noch für uns bereit. Ich spüre es."
Und das war nicht gelogen. Die Nacht, die Dunkelheit... sie rief nach ihr..

Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Emily am 14.11.2021 13:40Sie hatte ihm aufgezählt, was sie alles von ihm wusste. Was sie bereits alles aus den Kleinigkeiten zus einer Person ahtte herauslesen können. Aus seinen Gesten, seinen Blicken, die Art wie er sprach und sich bewegte - einfach allem. Solch viele kleine süße und wichtige Informationen. So war sie eben. So war sie bereits immer gewesn, seit sie verstanden hatte, wie wichtig es war seine Gegenüber zu kennen. Und das war praktisch schon von klein auf gewesen. Sie war schon immer die Außenseiterin gewesen. Der Schatten am Rande der Gesellschaft, die nur da gesessen und beobachtet hatte. Immer nur beobachtet. Wabernd. Unscheinbar. Nicht wahrgenommen und doch immer da, spürbar, merklich. So wir ihr Freund der Rauch,w elchen sie gerade ein weiteres Mal durch ihre Lippen hinaus in die Nacht blies. Es war etwas wundersames und wunderschönes. Es hatte gebraucht bis sie herausgefunden, dass ihre Affinät zu Rauchen un dem Allen tatsächlich vom Rauch an sich stammte. Und noch länger herauszufinden, wie unglaublich und wunderbar facettenreich er war. Und mittelrweile wollte sie sich ihr Leben ohne diesen ihren Freund gar nicht mehr vorstellen. Er war ein Teil von ihr, ebenso wie die Dunkelheit welche sie immerwährend begleitet hatte. Anfangs dachte sie, auch dies könnte mit KRäften verbunden sein, aber nein. Die Dunkelheit... empfand sie einfach nur als anziehend. Es war wie ein unwiderstehlicher Sog der sie allseits begleitete. Ihr zweiter Freund. Noch versteckterer Freund. Und - wenn sie ganz ehrlich zu sich war - sogar vielmehr noch ein Liebhaber...
Wie auch immer, nicht alles konnte man aus den Oberflächlichkeiten, der äußeren Maske die ein Mensch präsentierte und die wenigen Schichten, die darunter zum Vorschein kamen, herauslesen. Und so sprach Emily ihre Fragen aus. Jene dinge, welche sie noch so viel mehr über Enoch interessieren würden. Doch seine Antwort... enttäuschte sie. Dachte er ernsthaft, darauf wäre sie aus? Das wäre ihre Intention bei diesen Fragen? Es enttäuschte sie wirklich. Und falls man sehr gute Menschenkenntnise besaß, konnte man es daran erkennen, wie Emily sich nun aufrichtete und sich wie eine Art kleine Klappe hinter blitzenden Augen verschloss. "Ich interessiere mich nicht dafür, wer sie als erstes entwickelte, woher diese Kräfte kommen, weswegen wir sie besitzen und welche Hintergründe man dabei noch hinterfragen könnte." Hoch aufgerichtet da sitzend, als würde besäße sie einen Besenstiel anstelle eines Rückgrats, sog sie erneut an ihrer Zigarette. "Im Gegenteil. Ich interessiere mich für die individuellen Erfahrungen mit diesen Gaben. Wie sie uns beeinflussen und wie wir sie beeinflussen. Wir alle haben sie irgendwann nach und nach entdeckt, wir alle haben sie zunächst unbewusst und schließlich bewusst angefangen zu verwenden. Wir alle haben Familien, welch davon Notiz oder nicht Notiz genommen haben. Unsere Umwelt - das Verstecken vor dieser." Nachdrücklich deutete sie mit dem Finger auf Enoch. "Diese Geschichten sind es die mich interessieren."
Sie schüttelte den Kopf und einen Augenblick später war die vor Spannung nahezu knisternde Energie in der Luft erloschen und ersetzt worden durch zwei junge Erwachsene die rauchend auf einem Dach saßen, von wo aus man einen club beobachten konnte. In einer klaren Nacht, einer schönen Nacht. Alles normal.
Emilys Mundwinkinkel zuckten zu einem leichten Lächeln. Ihre Zigarette war schon wieder heruntergrbrannt. Sie sah sich um - kein Mülleimer in Sicht. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie warf Enoch einen Blick zu, gespannt auf seine Reaktion, als sie den einen Ärmel ihres schwarzen Mantels, gemeinsam mit dem langärmligen schwarzen Shirt was sie darunter trug hochzog und so ihren hellen weißen Unterarm zum Vorschein brachte. Er war von rundlichen weißen Brandnarben übersät. Ohne zu zögern oder gar eine Miene zu verziehen drückte die ihre Zigarette an ihrem Unterarm aus. Es zischte leise, heißer Schmerz zuckte durch ihre Haut und als sie den erloschenen Stummel in ihrer Hand verbarg, verblieb auf ihrer blassen Haut eine rote Wunde, die bereits jetzt durchsichtige Wundflüssigkeit aufwies. Doch Emilys Blick ruhte nicht auf der Wunde, sondern auf Enoch. Sie steckte den Stummel in ihre Tasche. Sie hinterließ nicht gerne Beweise an den Orten, an welchen sie sich aufhielt. Dabei zog sie das Shirt und den Mantel gleichermaßen wieder über ihren Arm. Die brennende und pochende Wunde war verdeckt.
Als wäre nicht das geringste passiert knüpfte sie an das vorige Gespräch an. "Man könnte meinen, ich sei die Anführerin dieser Truppe und nicht der Neuankömmling", sagte sie in ihrer ruhigen Stimme, aber mit leichtem Lächeln. "An Patrouillen verharrt man nicht auf einem Fleck. Und wir haben uns hier für eine Patrouille getroffen, nicht wahr?" Ihre schwarzen Augen musterten Enoch noch immer ruhig. "Und ich glaube die Nacht ruft uns." Zumindest sie. Etwas war dort draußen was sie rief. Und sie würde ihre Schritte davon leiten lassen, sehen wohin diese sie führen würden.
Diese Nacht vertraute sie - wieder einmal - auf ihre beiden besten Freunde, die sie niemals im Stich ließen: den Rauch...
...und die Dunkelheit.

Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Emily am 08.09.2021 18:12Ganz ruhig, bedacht und ohne Unterbrechung sprach Emily einen Fakt nacheinander aus. Diese ganzen süßen Kleinigkeiten, welche sie aus seinen Gesten, seinem Blick, seiner Kleidung, der Bewegung seiner Augen und seinem Atem gelesen hatte. Seinem Hautton, seine Hände. Alles. Alles hatte sie darauf gebracht und sie sprach ohne Verurteilung, ohne Drängen. Maximal mit dem Hauch einer Neugierde. Sie wusste gerne über ihre Gegenüber Bescheid. Der Grund, weswegen sie sich die Menschenkenntisse, das Lesen selbst noch der kleinsten Gesten dermaßen angeeignet hatte, es praktisch zu ihem Sien übergegangen war. Es war interessant. Diese wunderbaren Eigenarten eines jeden Einzelnen. Die Guten - und auch die Schlechten Seiten. Und vor allen Dingen: die Geheimnisse.
Nichts war so verführerisch, wie Geheimnisse. Die dunklen Geheimnisse. Doch sie waren oft auch die schwersten zu entziffern. Was den Reiz daran nur umso mehr steigerte.
Und während sie so ruhig sprach, beobachtete sie Enoch dabei. Und selbst dabei gab er ihr so viele Informationen. es war eindeutig, wie unwohl ihm war. Wie sehr es ihm missfiel, dass sie so viel über ihn wusste. Er war jemand, der sein Leben gern für sich behielt, vor anderen versteckte. Und dieses Verhalten, diese fast schon Stress-Reaktion seines Körpers, welche sie hier beobachten konnte, zeigte ihr nur zu gut, dass auch er gewisse Geheimnisse besaß. Gedanken. Und vor allem zeigte es ihr, dass sie richtig lag. Ein Gefühl der Überlegenheit, des Stolzes und der Zufriedenheit stellte sich bei ihr ein. Wie immer, wenn ihre Prognosen von jemandem bestätigt wurden. Sie wusste was sie konnte und sie liebte es, die Beweise dafür zu stehen. Das bestritt sie nicht.
"Man kann vieles aus einem Menschen lesen", antwortete sie ihm noch immer ebenso ruhig auf seine Frage und sog erneut an ihrer Zigarette. Der Rauch entkam ihren Lippen, während sie sprach. "Aber nicht alles. Wir alle - unsere Gruppierung -", seicht bewegte sie die Hand mit der Zigarette zwischen den Fingern um die imaginären anderen ihrer Gruppe mit einzufassen. "- haben diese Fähigkeiten. Es interessiert mich, wie du sie entdeckt hast. Deine Fähigkeiten. Wie du sie entwickelt hast. Es interessiert mich, was du denkst. Hierzu. Zu der Welt. Zu dir. Allem." Sie lächelte leicht. Und das Lächeln war voller Mysterien, voller Geheimnisse. Ein fast undurchdringbares Lächeln. "Jeder hat viele Schichten. Jeder hat auch dunkle Schichten. Jeder hat Geheimnisse. Ich auch." Noch immer war dieses leichte Lächeln auf ihrem Gesicht. Manchmal war ihr die Dunkelheit näher als ihr lieb war, aber dann wiederum musste sie gestehen... mochte sie es, dass die Schatten so nah waren. Es war wie ein Freund, welcher sie nie verlassen würde. Es war nichts Gutes, das war ihr bewusst. Doch ein Leben ohne es wollte und konnte sie sich ebenso nicht vorstellen.
Ihr Blick war in den dunklen Himmel gerichtet. Etwas rief. Sie wusste nicht was, aber etwas... Sie beschloss Enoch zu erlösen. Er musste ihr nichts sagen. Noch nicht. Nicht jetzt. Nicht unter Zwang. Alles der Reihe nach. "Wir sollten uns auf den Weg machen, nicht wahr?", fragte sie und wandte ihrem Blick zu. Für einen Moment war sie wieder nur eine junge frau, mit einer Zigarette in der Hand und tiefen unergründlichen Augen, auf einem Dach sitzend. Mysterium, Geheimnisse, Schatten waren wieder verschwunden. Die intensive Anspannung, die noch kurz zuvor geherrscht hatte, diese stechende Tiefe, war verschwunden. Es war nur ein klarer schöner Abend. "Für unsere Patrouille."
Sie sog erneut an ihrer Zigarette.

Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Emily am 28.07.2021 18:18Manchmal war es ein wirklich eigenartiges Gefühl, Teil dieser Welt zu sein. Sie zu beobachten, von außen, ohne wirklich am Leben teilzuhaben. Man sah und spürte Situationen und Gefühle, welche niemand anderes sah und entdeckte. Es konnte von winzigen Fliegen hingehen, bis hin zu dem Türsteher eines Clubs mitten in der Nacht, welcher seiner Freundin einen Antrag machen wollte. Das Gefüge der Welt war komplex und kompliziert. Jeder lebte sein Leben, blind für alles ums ich herum, dabei war alles, jeder Mensch miteinander vernetzt. Allein der Rauch verband alles, man mochte es nicht meinen, doch es war überall zu finden. Durch Waldbände, Zigarettenqualm, der sich vermischte oder der Qualm von Joints, Rauch von Fabriken von großen Türmen, Schiffdampfern oder einfach nur Kaminen - man fand ihn überall.
Letztlich war alles verbunden. Man musste nur lernen zuzuhören. Zu beobachten. Jeder Centimter dieser Erde, jeder Mensch war miteinander verbunden. Und das untrennbar. Sie sog erneut an ihrer Zigarette. Ein leichtes myteriöses Lächeln legte sich auf ihre Lippen bei der Frage, welche Enoch ihr stellte. Langsam wandte sie ihm ihren Blick zu. "Das wird sich zeigen, nicht wahr?" Sie konnte nicht die Zukunft vorhersehen. Sie konnte nur beobachten, was jetzt war und daraus ihre Schlüsse ziehen. Aber jede Information, die man aus seiner Umgebung filterte, konnte später von wert sein. Wer wusste, was diese Informationen über den Türsteher ihr eines Tages bringen würden - falls sie ihm ein zweites Mal begenen sollte in anderer Situation.
Sie betrachtete ihn. Enoch. Der Junge, welche Stoffe aus seiner Umgebung filtern und absorbieren konnte. Der ihre Kräfte für sich nutzen konnte, jedoch auch grundlegend von ihnen geschädigt wurde, ohne Möglichkeit der Rückkehr. Sie wusste es. Sie hatten sich über ihre Fähigkeiten gegenseitig aufgelärt, als Emily dieser Gruppe beigetreten war. Doch darüber hinaus hatten sie keinerlei Informationen miteinander getauscht. Sie lehnte sich zurück, während sie sich ruhig und als wäre sie mit dieser Bewegung auf die Welt gekommen, eine weitere Zigarette ansteckte. Sie sah noch nichtmal hin, während sie dies tat.
"Erzähl mir von dir.", bat sie ruhig, ihn dabei aus ihren unergrundlichen, im Augenblick passend grau erscheinenden Augen betrachtend. "Ich weiß, dass nur ein Elternteil dich großgezogen hat, ich tippe auf die Mutter. Ihr hattet - und habt - nicht viel Geld. Du musstest früh erwachsen werden, um dich um alles zu kümmern, da du oft alleine warst, was dich später zu einem Außenseiter gemacht hat. Anders als die anderen, nicht wahr? Erst recht noch mit diesen Kräften da zu, die kein anderer hat, kein anderer verstehen kann." Noch immer ganz ruhig blickte sie ihm geradewegs in die Augen. Sie nahm einen weiteren Zug ihrer Zigarette. "Es würde mich freuen, noch mehr über dich zu wissen." Sie würde es auch so nach und nach heruasbekommen. Doch oft war die eigene Sichtweise, die man von sich hatte, ebenfalls ausgesprochen erhellend. Sie fragte sich, warum er tat, was er tat. Wie es zu dieser Gruppierung gekommen war, wie sie sich zusammengefundne hatten. Sie fragte sich, wann er seine Kräfte entdeckt hatte. Gelernt hatte, sie zu nutzen und einzusetzen.
Es war eine schöne klare Nacht. Sie blickte wieder hinunter zu dem Türsteher. Ein anderer Mann war grade auf ihn zugetreten. Der Türsteher lächelte erleichtert, klopfte dem anderen fast schon brüderlich auf die Schulter, lachte so nervös und laut, dass es sogar bis zu ihnen hinaufschallte, ehe er sich dann umdrehte und sich die Gasse entlang auf den Weg machte. Auf den Weg zu seiner Freundin, ganz sicher. Sie fragte sich, ob diese Nacht für ihn wohl ein Happy End oder ein Desaster würde. Ein kleiner Teil in ihr hoffte fast auf ein Desaster.
Desaster, Dunkelheit, Elend - es war spannend. Sie wollte diesen Menschen helfen, sie wollte etas Gutes tun. Vielleicht war das doch auch der Einfluss ihrer Familie auf sie, die allesamt Lebensretter waren. Doch da war diese nicht zu versteckende Dunkelheit in ihr. Immerwährend da. Schon immer und würde es auch immer sein, dessen war sie sich bewusst. Und es gab einfach immer wieder Momente, in denen sie ihnen nachgab. Tatsächlich in der Realität, in Aktionen (am Häufigsten in Racheaktionen, Diebstählen oder kleineren Gefährdungen hier und da), aber noch bedeutend häufiger ini hrem Kopf, ihrer Fantasie. Wenn sie sich vorstellte, was geschehen könnte. Sie konnte und wollte es auch gar nicht unterdrücken.
Es war ein Teil von ihr..

Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Emily am 19.07.2021 19:04Der zusätzliche Rauch, der nun von Enoch herüberströmte, glitt in ihre Nase, in ihre Poren, in ihre Lunge. Sie roch es. Sie wusste, dass andere Raucher und ehemaliger Raucher erklären, dass man selbst den Geruch des Rauches nicht mehr wahrnahm, geruchsblind dafür wurde. Doch bei ihr war das nie der fall gewesen. Vielleicht war es, weil sie eine solch besondere Beziehung zum Rauch hatte - vielleicht auch, weil sie eine solch besondere Wahrnehmung ihrer gesamten Umgebung gegen über hatte. Es spielte letztendlich auch keine große Rolle. Sie sog es nahezu in sich auf - konnte sämtliceh Rauchsorten anhand des kleinsten Partikelunterschieds auseinanderhalten. Bei großen Bränden konnte sie sagen, was verbrannt war - ob Leichen darunter waren, oder nicht. Ob es viel Holz oder geschmolzenes Plastik oder sonst etwas war. Sie erkannte die Luftverschmutzung, den Smog, erkannte, ob Kamine gut gepflegt wurden oder nicht und selbstverständlich erkannte sie auch die verschiedenen Zigarettenmarken, ganz zu schweigen von den verschierenden möglichen Drogen, die man rauchen konnte. Es warne so feine und wunderschöne Nuancen, eine ganze Welt der Entdeckungen, welche ganz allein ihr vorbehalten war und stets auch nur ihr vorbehalten sein würde. Sie hatte zwar diese Gruppe gefunden (oder vielmehr: die Gruppe hatte sie gefunden), diese Gruppe an Menschen, welche so ähnlich waren wie sie... und dochw aren sie alle absolut einzigartig und nichts konnte dem etwas entgegensetzen. Niemals würde Enoch den Rauch, den er da grade inhalierte auf die gleiche Weise empfinden können, wie sie. Es war mehr als nur süchtig machend.
Es war ihre Existenz.
Sie erwiderte nichts auf seine Erwiderung wieder. Emily war nicht der Typ für Smalltalk. Sie beobachtete, hielt sich ansonsten aus Gesprächen normalerweise raus. Es gab so viel mehr zu entdecken und zu erfahren, wenn man eben nicht mitten im Geschehen stand - sondern einfach nur aufmerksam war. Allen Parteien gegenüber. Der Schatten war immer und überall. So war es schon immer gewesen und so würde es auch immer sein.
Sie nahme rneut einen tiefen Zug ihrer Zigarette, die wieder einmal fast gänzlich heruntergebrannt war. So etwas ging meistens ziemlich schnell bei ihr. Und sie inhalierte tief. Mit dem Hauch eines Lächelns ließ sie einen schmalen weißen Finger auf die Kippe nieder und löste so einige Aschepartikel. Tief sog sie die Luft ein. Ein schöner, vielversprechender Abend. Ihre dunklen Augen hatten sich wieder auf den Türsteher gerichtet, der ungeduldig auf seinen Feierabend wartete, um sich mit seiner Freundin treffen und ihr einen Antrag machen zu können.
Erst als Enoch sie konkret fragte, ob sie etwas habe, nickte Emily dort hinunter. "Jeder Passant, jeder Besucher dieses Clubs erzählt eine Geschichte, wenn du nur weißt zuzuhören. Alles gibt dir Informationen, einfach alles. Dieser Türsteher ist nervös, blickt ständig auf sein Handy. Die Uhrzeit. Teuer, im Übrigen, wodurch ich vermute, dass dies hier nur ein Nebenjob hat. Er wartet auf seinen Feierabend, um Mitternacht schätze ich, denn die Zeiträume in denen er auf sein Handy schaut werden immer kürzer. Und siehst du die rechteckige Beule in seiner Hosentasche, wo er immer wieder hingreift?" Sie wartete kurz ab, damit Enoch hinsehen konnte. "Es hat genau die Form des Schachtel eines Verlobungsringes. Hinzukommt der Zipfel der Krawatte an seinem Hals unter seiner Jacke. Er wird sich nach Feierabend mit seiner Freundin treffen, um ihr einen Antrag zu machen."
Sie nahm den letzten Zug ihrer Zigarette, ließ sie auf den Boden fallen und drückte sie sorgfältig mit ihrer Schuchspitze aus, während sie gleichzeitig den letzten Strom des Rauchs in die Atmosphäre entließ. Es war ein wirklich schöner Platz hier. Ungestört. Still. Dunkel. Geheim. Und perfekt zu Beobachten. Es gefiel ihr hier.

Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Emily am 15.06.2021 19:00Im Nachhinein konnte Emily nicht sagen, wie lange sie wirklich hier auf der Bank gesessen und den Club unter ihr beobachtet hatte. Es konnten Stunden gewesen sein. Sie verlor sich oft im Detail. Verlor sich darin, einfach die Situation aufzunehmen, die Gegebenheiten, das Beobachten der Personen. Sie hatte es schon immer getan, selbst in ihrer Familie. Vielleicht war sie deshalb nie wie die Anderen gewesen. Sie war nicht wirklich ein Teil der Gesellschaft. Sie war der Schatten am Rand. Da, aber doch nicht da. Man kannte sie, erinnerte sich vielleicht dunkel an sie, doch konnte man sie nie greifen, sie nie erreichen - wie ihr geliebter Rauch. Sie wusste nicht, ob diese Ähnlichkeit ihre Fähigkeit bedingte oder ob diese Fähigkeit ihr Selbst bedingte und letztendlich spielte es auch keine Rolle. Letztlich schloss sich alles zu einem Kreis zusammen. Selbst die anderen Personen, welche sie kennengelernt hatte, diese wundersame Gemeinschaft mit verschiedenen Fähigkeiten, jeder auf seine eigene Art und Weise einzigartig. Besonders. Sie war noch nie von irgendetwas ein Teil gewesen. In ihrer Schule war sie schon immer eine Außenseiterin gewesen. Eine Seltsamkeit. Ebenso in ihrer Familie. Sie hatte so viele Geschwister und alle waren so erfolgreich, hatten so wichtige Jobs, waren Lebensretter. Und sie?
Man hatte immer veruscht sie zu bevormunden, aber das hatte sie nie gewollt. Sie war ihr eigener Mensch, traf ihre eigenen Entscheidungen und war ihren eigenen Weg gegangen. Von Anfang an. Ob er richtig oder falsch war, darüber ließ sich streiten, doch es war ihr Weg. Und so war er für sie auch der Richtige, hatte er sie letztlich doch genau hierhin geführt. Zu diesen Anderen. Sollte sie tatsächlich ein Teil einer Gruppe werden? Emily war nicht in der Lage sich vorzustellen, wie das wohl sein mochte. Irgendwo dazu zu gehören. Aber sie hatte - neben den Fähigkeiten - etwas mit diesen Menschen gemein: sie wollte den Menschen helfen. Auf die ein oder andere Weise. Mit dieser Gabe. Vielleicht also... ja. Vielleicht also würde es doch etwas werden.
Wortlos holte sie bei Enochs Ankunft und dessen Frage ihre Zigarettenpackung heraus. Sie rauchte sämtliche Marken, manchmal fertig gedreht, manchmal drehte sie sie auch selbst. Auch gekifft hatte sie schon viel, selbstverständlich. Und früh angefangen. Viel früher als alle anderen vermutlich. Sie schämte sich nicht dafür. Es lag in ihrer Natur. Die Bilder von all den schwarzen Lungen hatten sie niemals abgeschreckt. Gut möglich, dass ihre eigene bereits so aussah. Wahrscheinlich sogar. Doch damit fühlte sie sich verbunden. Das Schwarz, die Abwesenheit aller Farben... das hatte schon immer zu ihr gepasst. Die Schwarzen dicken Rauchwolken am Himmel... Asche die langsam zu Boden segelte...
Mit ihren schlanken Fingern hatte sie eine der letzten Zigaretten aus ihrer Packung hervorgezogen und reichte sie Enoch. Mit einer ebenso bewussten Bewegung zauberte sie ihr Feuerzeug hervor und reichte es ihm ebenfalls, damit er sie sich enzünden konnte. Gleichzeitig nahm sie erneut einen tiefen Zug ihrer eigenen Zigarette.
"Ich freue mich, dich zu sehen", beantwortete Emily Enochs Frage nach ihrem Grinsen ruhig. Gesittet. So mysteriös, wie sie von außen für andere erschien, so sprach sie häufig auch. Sie mochte es, was das für eine Wirkung auf andere Leute haben konnte. Distanziert und doch etwas in den Bann ziehendes. Der Schatten, der sich nicht an die Regeln hielt, sich von seinen Wurzeln löste und allein loszog. Loszog, aber jederzeit auch vermochte zu verschwinden.
Sie beobachtete Enoch, wie er sich setzte. Bei ihrem ersten Kennenlernen hatte sie ihn als einen Jungen eingeschätzt, der ausgesprochen passioniert war, in dem, was er tat. Er wirkte ein wenig kränklich, als würde er dabei allzu leicht sich selbst vergessen, so groß war seine Passion. Er hatte graue Finger gehabt, von Grafit stammend, der Mine in Bleistiften. Zeichnen schien seine Passion zu sein. Ob die oder eine von mehreren vermochte sie nicht zu sagen, doch dass er sich so sehr in geliebter Arbeit zu verlieren vermochte hatte ihr ebenfalls mitgeteilt, dass er vermutlich gewisse Probleme damit hatte, sich zu organisieren und dementsprechend auch mit Pünktlichkeit. Heute war er pünktlich. Sie meinte diesen gewissen Stolz in seinen Augen funkeln zu sehen, ebenso in seiner aufrechten Haltung. Es war ein guter Tag für ihn. Eine Tatsache, die sie erfreute und die ihr Lächeln leicht vertiefte. Sie wandte ihren Blick wieder nach vorne, erneut hinunter zu dem Club in dem die Mädchen längst verschwunden waren und der Türsteher grade einsam und mit verschränkten Armen da stand. Hin und wieder sah er auf seine Uhr. Bald mochte es Mitternacht sein, nicht wahr? Vermutlich wäre dann Schichtwechsel. Und er hatte noch eine Verabredung. Emily war die verdächtige Beule in seiner Hose nicht entgangen, zu der er immer wieder hinfasste wie um sich zu vergewissern, dass sie noch da war. Perfekt quadratisch. Die kleine Box für einen Verlobungsring?
"Ein faszinierender Platz", teilte Emily Enoch ganz zusammenhanglos mit und nahm erneut einen Zug. "Von hier aus kannst du die Menschen wunderbar beobachten, ohne dass sie auch nur die geringste Notiz von dir nehmen. Und die Einsamkeit genießen." Obgleich sie mit Unauffälligkeit in der Regel keine Probleme hatte. Sie war nun einmal der Schatten. Hier und da nahm man sie vielleicht wahr und ihre Aura entging einem nicht, wenn man sich auf sie fokussierte - doch abgesehen davon würde sie immer nur am Rand bleiben, immer nur unklar, immer nur...
...nicht fassbar..

Re: Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18
von Emily am 10.06.2021 14:18Seit einer Stunde saß sie hier und beobachtete den Club-Eingang auf der Straße gegenüber. Nur wenige kamen heraus, doch je dunkler es wurde, desto mehr Leute verschwanden durch die Tür. Mittlerweile war Kälte aufgegangen, die ihre helle Haut an den offenen Stellen prickeln ließ. Ihre dunklen blaugrauen Augen waren unverwandt auf den Türsteher und diese Tür dort hinten gerichtet - und ohne den Blick von dort fortzunehmen hob sie zum wiederholten Mal ihre x-te Zigarette an die Lippen und inhalierte tief den Rauch. Sie liebte das Gefühl, sie hatte es schon immer geliebt. Sie hielt ihn in ihrem Mund, schmeckte ihn und stieß ihn schließlich nur langsam in einem schmalen Spalt aus, fast zeitgleich mit der Nase wieder einatmend. Es brannte leicht. Sie mochte das Gefühl. Es war ein... vollkommnendes Gefühl.
Zwei weitere Gestalten in kurzen Kleidern - das eine rot und voller Pailetten, das andere etwas länger glatt in einem dunklen Blau - kamen die Straße entlang. Emily beobachtete sie. Sie mochte es, Menschen zu beobachten. Sich zu fragen, woher sie kamen und wohin sie gingen. Was sie beschäftigte und was für Menschen sie unter ihrer geschminkten und natürlichen Fassade wohl waren, was in ihnen lauern mochte. In jedem lauerte irgendetwas. Das hatte sie bereits immer gewusst und in dieser Hinsicht täuschte sie sich nicht.
Sie beobachtete das Mädchen mit dem roten Kleid, dem offenbar vor kurzem das Herz gebrochen worden war (die Augen waren gerötet, die Schultern hingen, sie trug dicke Schminke um es zu kaschieren und wurde von ihrer Freundin gestützt) und die andere, welche eher ein wenig groberer Natur zu sein schien (ihre Bewegungen und ihre Körperstatur die aussagte, dass sie ein Hobby in Richtung Boxen oder dergleichen ausführen mochte) sprachen dafür, als sie weitere Schritte vernahm. Ganz leise nur, ganz seicht - dennoch nahm Emily sie wahr. Und einen Augenblick später saß Enoch neben ihr. Sie erinnerte sich an ihn und an den Tag, als sie ihn und die anderen kennenlernten. Es war ... schön gewesen. Andere zu treffen. Andere, die... mehr waren. Auf so unterschiedliche Arten und Weisen. Viel mehr als ihre Geschwister je sein könnten. Ihre Geschwister waren natürlich gute Menschen, retteten viele Leben - aber sie hatten nicht das, was Emily besaß. Oder was Enoch besaß. Oder die anderen, die sie an jenem Tag kennenlernte. Sie hatte nie geglaubt wirklich die einzige zu sein, die so war, doch den Beweis zu haben, andere wirklich kennenzulernen... das hatte gut getan.
"Guten Abend", begrüßte Emily den jungen Mann und sog erneut tief an ihrer Zigarette. Bald würde sie sich wieder neue besorgen müssen. Wie eigentlich jeden Tag. Nicht immer spielte das Geld mit, aber... es gab ja viele Methoden um an das zu kommen, was man wollte. Darauf war Emily nicht stolz. Aber es war dennoch eine gute Möglichkeit. Erst als der Rauch ihre Mundhöhle erneut gänzlich verlassen hatte, wandte sie ihm langsam den Blick zu, mit einem seichten Lächeln auf den Lippen.

Enoch & Emily ~ Burning Drugs (2021) | FSK18 (Beendet)
von Emily am 10.06.2021 14:03

Vor zwei Wochen trafen Emily Corbin und Enoch Hastings überraschend aufeinander als sie beide versuchten bei einem Zugunflück der Untergrundbahn zu helfen und Leben zu retten - dabei stellten sie beide sogleich fest, dass sie mehr zu können schein, als hätten sie beide verborgene tiefe Gewässer in sich. Kurz entschlossen wurde Emily in die kleine Gruppe von Nachbarsleuten in New York City aufgenommen, die versuchen mit ihren besondren Kräften positives zu bewirken und zu helfen. Heute Abend treffen sich Emily & Enoch vor einem Club, um sich etwas besser kennenzulernen und anschließend eine Patrouille zu beginnen - die bedeutend ausufernder endet, als beide hätten ahnen können...










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