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Sylvia

35, Weiblich

FSK 18 Mensch gut pansexuell panromantisch Geübter erfunden Apokalypse

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Re: Athena & Sylvia ~ Deep Secrets

von Sylvia am 05.09.2020 21:54

Sylvia zuckte zusammen und drehte ihren Kopf. Direkt über ihr, auf dem Felsblock, hockte Athena. Ausgerechnet Athena.
Verdammte scheiße, wie lange saß sie da schon? Wie lange beobachtete sie schon?! Und zusätzlich zu ihrem Erschrecken, kam nun noch eine leise Stimme in ihrem Hinterkopf dazu: Wie war sie so schnell hierhergekommen? Wäre sie gelaufen, müsste sie doch außer Atem sein, oder nicht? Aber das ist sie nicht. Kein Hinweis aufs Rennen. ...Also wie konnte sie so schnell hierherkommen?
Sylvia schluckte. Bedeutete das...bedeutete das, dass Athena wirklich die Göttin war?
Sie wagte nicht, erneut nachzubohren und wandte sich wieder um, den Blick von der Frau ab. Sie betrachtete ihre Wunde. Das Blut hatte sich langsam und stockend seinen Weg ihren Arm hinunter gesucht und bildete immer wieder schwere Tropfen, die hinunter auf den Waldboden fielen. Ob es wohl, wenn sie weg war, irgendwelceh wilden Tiere anlocken würde?
"Nein", sagte sie dann, jetzt wieder mit ruhigerer Stimme - wenn auch ein wenig rauer und heiserer als sonst - und schüttelte den Kopf. Sie schluckte das unwohle Gefühl in ihrem hals hinunter, nahm den unteren Teil ihres Shirts und drückte es auf die blutende Wunde - es war ihr egal, dass sie so jetzt Blutflecken auf das Oberteil bekam, die nie wieder herausgehen würden. Im Zweifelsfall würde sie es ohnehin nie wieder anziehen. Entweder, weil sie im Koma lag und das alles hier gar nicht passierte oder weil sie es beenden würde und dann hätte sie ohnehin kein Wasch-Problem mehr. "Ich werde es nachher einfach mit etwas Wasser säubern und dann heilt es von allein."
Damit kannte sie sich aus. Ind er Anstalt war sich um die Wunden gekümmert worden. Oft desinfiziert und verbunden worten - aber auch nicht,w enn sie nicht so tief waren. Es spielte keine allzug roße Rolle. Es würde sich nicht entzünden. Und selbst wenn...es war ihr gerade wirklich egal. Aber sie wollte nicht, dass es geheilt wurde, einfach so. Es würde...irgendwie den Zweck verfehlen, obwohl sie den Zweck noch nichtmal selbst genau benennen konnte. Aber es war ihr wichtig, dass es blieb. Als Erinnerung. Als Erinnerung ihres Schmerzes.
Sie atmete tief durch und schloss die Augen. "Was willst du?", fragte sie also die andere Frau über ihr. Ihr wieder irgendwelche Geschichten erzählen? Ihr wieder erzählen, dass nur sie slebst sagen konnte ob sie verrückt war oder nicht? So ein Bullshit.

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Re: Athena & Sylvia ~ Deep Secrets

von Sylvia am 05.09.2020 18:23

Sylvias Mundwinkel zuckte. Jahrhunderte. Die Frau hatte sich verbessert, aber Sylvia hatte es dennoch gehört. So schnell es gekommen war, so schnell wie die ansatzweise lächelnde Regung in ihrem Gesicht auch schon wieder verschwunden. Es war ja nicht nur das. Es war nicht nur, dass Nici in ihren Armen gestorben war. Es war das vorher gewesen. Die Leiche ihrer Schwester gefunden zu haben, in die zu kleine Tiefkühltruhe gepresst, sämtliche Glieder zertrümmert, der Blick ihrer toten kalten Augen... das eingeritzte A auf der deformierten Brust... Unerwünscht tauchte das Bild wieder vor ihren Augen auf. Das Bild,w elches sie niemals vergessen würde. niemals. Ihr wurde schlecht und nur langsam konnte sie dieses drückende GEfühl der Übelkeit wieder wegatmen. So wie sie es damals in der jahrelangen Therapie gelernt hatte.
Sylvia blickte die Frau schlagartig an. "Was nicht getan?", fragte sie sofort nach. Sie wollte es wissen. Eigentlich hatte sie widersprechen wollen. Sie hatte viele Fehler gemacht und sollte die Geschichte mit dem Zwillingsbruder stimmen (wie gesagt... sie würde es nachprüfen, wenn es soweit war), dann hätte sie wegen nichts einen Nervenzusammenbruch erlitten. Einen jungen Mann gefährdet, weil sie zu dumm war, auf Zimmernummern zu achten, zu dumm um Unterschiede zu erkennen und rationale Schlüsse ziehen zu können. Sie wäre ungeeignet für ihren Job und wäre es auch all die letzten Jahre gewesen.
Wer wusste, wie viele Fehler sie unbewusst noch gemacht hatte?
Das mumlige schuldige Steingefühl in ihrem Magen war wieder da. Nein. Das sollte nicht sein. Bitte, bitte nicht, das dürfte nicht sein. Das konnte sie ihren Patienten, ihren Kollegen, vor allen ihren toten Schwestern nicht antun. Das durfte nicht die Wahrheit sein.
Sie musste die Antwort haben. Sie musste es wissen. Einfach...einfach um zu wissen, was zu tun war...
Doch die Göttin - oder Nicht-Göttin - wich schon wieder aus. Sylvia ließ sie zwar aussprechen, doch sie spürte, wie es in ihr zu brodeln begann, mit jedem weiteren Wort, dass diese Frau von sich gab.
"Verdammt! Was ist so schwer daran, auf die Frage zu antworten??!" Sylvia stand auf den Beinen - sie konnte sich nicht daran erinnern, aufgesprungen zu sein - und schrie Athena an. "Ich will nicht hören, ob ich verrückt bin oder nicht oder welch besondere Erfahrung es waren!! Lass das...lass das einfach mein Problem sein, okay?! Das einzige, was ich wissen will, ist, was jetzt stimmt! Ich will wissen, wer du bist!! Athena, die Göttein der Weisheit und Kriegskunst, oder irgendeine Frau von einer Convention, der Drogen untergejubelt wurden. SAG ES MIR!"
Sylvia konnte sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal so zornig gewesen war. Wann sie das letzte Mal vor Zorn geschrien hatte. Doch so stand sie hier nun, Auge in Auge blickend mit der Göttin.
Die Göttin blieb stumm. Der Zorn in Sylvia wurde übermächtig, geboren aus der Verzweiflung, der Ungewissheit, was nur los war. Sie spürte schon wieder, wie ihre Augen feucht wurden, diesmal vor Wut. "Fick dich...", flüsterte sie nur leise, Worte, die Sylvia sonst nie in den Mund nimmt, stürmte an der Göttin vorbei und raus aus der Hütte.
Hier war Wald, nichts als Wald, Bäume über Bäume, nicht das geringste Anzeichen dafür, wo zum Teufel sie sich befinden könnte.
Sylvia war es egal. Sie rannte, sie rannte und sie rannte, bie sie schließlich an einigen großen Felsen ankam. Sie stieß einen wutentbrannten Schrei aus und trat so heftig sie konnte gegen einen der Brocken. Den Schmerz in ihren Zehen ignorierte sie. Ihr Herz raste. "Fuck, fuck, fuck!", murmelte sie und dann schrie sie in den menschenverlassenen Wald: "FUCK!"
Sie konnte das nicht, sie wollte das nicht. Wenn sie nur eine Antwort bekäme... wenn sie wüsste, was los wäre!! Sie wusste was sie tun würde. Ja. Grimmig nickte Sylvia. Würde Athena ihr sagen, sie wäre Athena, die Göttin. ...Nun, dann würde das bedeuten, dass Sylvia irgendwo in einer Anstalt lag. Vielleicht im Koma, vielleicht mit irgendwelchen starken Halluzinationen oder Psychosen, was machte es für einen Unterschied? Es war okay. Ihre Eltern und Kollegen würden sich vielleicht sorgen machen und sie...sie würde vielleicht diese, ihre Gedankenwelt erkunden, bis sie wieder in der Realität aufwachen würde. Wer wusste, was sie aufdeckte. Ob sie Nici und Julia sehen würde? Ihr wurde aufgeregt und schlecht zugleich.
Und wenn Athenas Drogen-Geschichte stimmte...wenn Sylvia einfach nur abgefuckt war, unfähig, gebrochen... wenn sie nichtmal mehr ihren Job als Krankenschwester ausführen konnte...ganz ehrlich? Was sollte das dann alles für einen Sinn haben? Was sollte sie dann noch hier.
Sylvia schluckte und strich sich mit einer Hand durch ihre blonden Haare. Wäre das der Fall. Nun. Dann würde sie den Schritt wohlg ehen. Sie war ihn schon früher gegangen, in ihrer Jugend, aber immer aufgehalten worden. Doch hier war niemand. Sie würde irgendwann als vermisst gemeldet werden, vielleicht würde man ihre Leiche irgendwann finden, aber dann wäre Sylvia schon lange wieder mit ihren Schwestern vereint. Es wäre okay.
Ohne es zu merken hatte sich Sylvia auf dem dreckigen Waldboden niedergelassen, mit dem Rücken an einem der großen Felsbrocken. Ihre rechte Hand hatte sich um Dreck und Erde verkrallt, um Blätter und Steine. Etwas schnitt sie in ihre Handinnenfläche. Und als Sylvia die Hand öffnete, sah sie einen flachen, scharfkantigen Stein, der von den Felsbrocken abgesplittert sein musste vor unbestimmter Zeit. Ein kurzes kleines Lächeln zuckte über Sylvias Gesicht.
Jetzt und hier, machte es doch ohnehin keinen Unterschied mehr, oder?
Mit dem seichtesten Lächeln auf dem Gesicht - und ohne noch weiter darüber nachzudenken - setzte Sylvia den scharfkantigen Stein an ihren linken Unterarm an und zog ihn mit Druck über ihren Arm hinweg. Ein kurzer stechender Schmerz, die Haut zweigeteilt und schon trat das Blut zutage.
Oh wow. Das weckte Erinnerungen.
Erschöpft lehnte sich Sylvia zurück und starrte hinauf in Richtung Blätterdach und Himmel. Irgendwann würde sie schon rausfinden, wie es weitergehen sollte. Irgendwann, irgendwie...
...ihre Hand verkrallte sich um den scharfkantigen Stein, der sie erneut piekste. Irgendwann würde Athena ihr schon die Antwort geben, nach der die sich so sehnte.
Und wenn nicht...wenn nicht, wusste sie wirklich nicht, was sie tun sollte...

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Re: Athena & Sylvia ~ Deep Secrets

von Sylvia am 03.09.2020 19:27

Ein wenig überrascht blickte Sylvia auf. Hatte sie sich verhört, oder hatte da gerade Verständnis auf der Stimme der anderen gesprochen? Anteilnahme? Ihre Mundwinkel zuckten minimal nach oben, für eine Sekunde lang zu einem Hauch eines angedeuteten Lächelns. Es war verrückt, oder nicht? Alle anderen waren immer in Panik und in so tiefem Mitleid und Sorge, wenn sie erfuhren, dass man sich selbst verletzte oder verletzt hatte... doch im Grunde genommen hatte es ihr damals geholfen, nicht völlig durchzudrehen. und das gleiche Gefühl hatte sie nun, nach all der Zeit, erneut. Wäre sie gerade alelin in diesem Raum und läge hier irgendwo eine Klinge - sie kam auch mit einfachen spitzen Gegenständen zurecht - ein Rasierer tat es auch - würde sie eine weitere Linie den anderen, schon lange vergangenen, hinzufügen. Und sie fühlte sich ruhig dabei, ganz ruhig. Obgleich ihr Kopf in der Theorie wusste, dass es einem Rückschritt gleichkäme, einem Rückfall. Dass sie es nicht tun sollte, aber...
...mal ganz ehrlich. Was war schon dabei?
Allein die Gedanken daran, ließen sie wieder ein kleines wenig ihre Fassung wiedergewinnen. Brachten sie ein kleines bisschen ins Hier und Jezt zurück (was auch immer das 'Hier und Jetzt' auch war) und ließen sie halbwegs kongruente Gedankengänge formulieren. Diesmal wäre sie vorbereitet, auf die Antwort der Anderen. Diesmal wüsste sie, wie sie damit umzugehen hatte, wie sie es für sich interpretieren müsste. Doch eine so klare Antwort wie im Krankenzimmer, bei Nicolas - oder Leandro, wie auch immer - bekam sie dieses Mal nicht.
Sie lauschte den erklärenden Worten der Frau, wandte ihren Blick dabei nicht von dieser ab. Sie war hin und hergerissen. Doch ineiner einzigen Sache, war sie sich wirklich sciher. Sie ließ die Frau ausreden, die ihr zwar unglaublic viele Worte gegeben hatte, die aber letztendlich nichts aussagten. War sie das, was sie zu sein vorgab? Eine Frau, welche unter Drogeneinfluss getan hatte? Mit einer unerwarteten Heftigkeit krümmte sich zuckend alles in Sylvia zusammen, schrie sie nahezu an, das Kreischen füllte ihre Ohren aus. Nein. Nein, das wollte sie nicht. Aber dann blieb nur die andere Möglichkeit: dass sie eine Göttin war und nur versuchte, sie jetzt wieder davon abzubringen. Aber es gab keine Götter. Darin war sich Sylvia sicher, was wiederum bedeuten würde, dass sie ihren Verstand in der realen Welt verloren hatte. Vielleicht war sie ja sogar schon tot und das hier war so eine seltsame Nachwelt? Sie horchte in sich hinein. Sie hörte ein leises Wimmern, aus den Ecken ihres Verstandes, einen leichten stechenden Schmerz in ihrer Brust. Aber nicht zu vegleichen mit dem Kreischen zuvor.
Sie schluckte. Ihre Kehle war rau. "Ich hab nicht geglaubt, es sei vergiftet, ich hab nur... ach keine Ahnung. Danke." Sie hatte noch immer das dicke Gefühl im Hals. Sie nahm den Tee wieder entgegen und nippte daran. Es schmeckte angenehm. Sie ließ den Becher wieder sinken und sah zu der Frau.
"Du hast recht", gab sie zu. "Ich glaube nicht an Götter oder an Magie. Ich glaube an die Medizin und an die Wissenschaft, ich glaube an das reale Leben. Aber..." Diesmal konnte sie mit einem kurzen Durchatmen die Tränen zurückdrängen, bevor sie flossen. "...meine kleine Schwester Nici ist in meinen Armen bei einem Autounfall gestorben. Deswegen bin ich Krankenschwester geworden. Um Menschen zu helfen. Um sowas...wenn irgend möglich verhindern zu können. Lieber bin ich komplett verrückt und geisteskrank, als mir einzugestehen, versagt zu haben. Als mir einzugestehen, dass ich so sehr noch von meiner Vergangenheit verfolgt werde, dass ich nichtmal meinen Job als Krankenschwester ausführen kann, dass ich in meinem normal arbeitenden Kopf unterbewusst so kaputt bin, mir sowas einzubilden und wegen nichts einen Nervenzusammenbruch zu erleiden. Nein..." Sie schüttelte den Kopf. Durch das vorige Weinen waren ihre Augen rot umrandet und dennoch blickte sie die Frau jetzt klar an. "Dann wäre ich lieber verrückt."
Wieder atmete sie durch. Wie sie es damals in der Psychatrie gelernt hatte. Ein und aus. Ein und aus. Die Augeng eschlossen, doch jetzt öffnete sie sie wieder.
"Aber vor allem möchte ich einfach wissen, wie es um mich steht. Ich möchte wissen...ich möchte wissen, ob ich verrückt bin, oder unfähig. Also frage ich nochmal: Bist du Athena? Wie du es im Krankenzimmer gesagt hast?"

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Re: Athena & Sylvia ~ Deep Secrets

von Sylvia am 03.09.2020 16:06

Sylvia wusste nach wie vor ncht, was hier vor sich ging.
Sie wusste nicht, ob sie sich das alles nur einbildete. Ob das alles heir nur vielelicht irgendwelceh Psychosen waren, irgendwelceh Halluzinationen, ob sie in Wirklichkeit in irgendeiner Geschlossenen lag und verrückt vor sich hin brabbelte (diese Möglihckeit erschien ihr zumindest weitaus plausibler, als dass Götter und Magie tatsächlich existieren sollten). Sie wusste auch nicht, ob die Frau gerade mit ihrer Erklärung vielleicht sogar versucht hatte, die Wahrheit zu sagen. Aber wenn es war wahr...dann wäre alles vorbei. Dann hätte Sylvia alle enttäuscht, am meisten ihre toten Schwestern und sich selbst. Das könnte sie nicht ertragen. Es wäre alles vergebens gewesen.
Sylvia reagierte nicht, als Athena auf sie zukam, ihr den Becher aus der Hand nahm und sich neben sie setzte. Und sie wherte sich auch nicht, als diese ihre Handgelenke umfasste und ihre Arme umdrehte, sodass die etlichen weißen Narben, noch hervorgehen durch die durch das Kratzen gerötete und wunde Haut, deutlich zu sehen waren.
Es war etwas reales. Etwas, was sie wusste, etwas reales. Diese Tatsache allein genügt, dass Sylvia merkte, wie sie ein wenig ruhiger atmete, obgleich ihr Herz immer noch raste.
"Die habe ich mir selbst zugefügt in meiner Jugend.", erklärte Sylvia mit tonloser Stimme, blickte selbst auf die Narben. Vielleicht war es selbstzerstörerisch gewesen, doch damals hatte ihr es geholfen. "Beim Tod meiner Schwestern." Nun, eigentlich erstmal ausgelöst durch Julias Tod, aber... logischerweise sprach Sylvia nicht so gern darüber, auch wenn sie in unzähligen Therapiestunden und Sitzungen alles aufarbeitet und verarbeitet hatte.
Das zumindest hatte sie noch bist vor einen tag geglaubt. Angesichts ihrer geradigen psychischen Verfassung, war sie sich dessen nicht mehr allzu sicher.
Sylvias Blick hob sich, als sie plötzlich warme, trockene sanfte Finger auf ihren Wangen spürte. Finger, die über ihre Haut strichen, Finger, die über ihre Tränenspuren strichen, eine weitere Träne auffingen. Athenas Tränen. Bildete sich Sylvia das ein oder wirkte Athena nicht mehr so...bedrohlich wie zuvor? Obgleich sie sie die ganze Z eit nicht wirklich als Bedrohung wahrgenommen hatte, aber jetzt...sie wusste es nicht. Etwas elementares schien sich verändert zu haben.
Sylvia schluckte. Sie schmeckte die Tränen in ihrer Kehle.
"Es ist..." Sie stockte. Wie um Himmels willen sollte sie es erklären? Hilflos zuckte sie mit den Schultern, schüttelte den Kopf. In dem Hormon- und Gefühlschaos in ihrem Körper nahm sie körperliche Schmerzen im Augenblick gar nicht wahr. Sie atmete tief ein und atmete sie langsam und zitternd wieder aus. Leckte sich kurz über ihre trockenen Lippen.
"Es tut mir leid.", entschuldigte sie sich dann. "Ich weiß nicht, was los ist. Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Ich weiß nicht, ob ich verrückt bin oder wie du sagst einfach nur unfähig. Ich dachte, ich hätte eshinter mir gelassen, ich dachte, ich wäre über den Tod meiner Schwester hinweg, aber..." Neue Tränen bildeten sich, doch diesmal wischte Sylvia sie selbstständig weg, noch bevor sie sich wirklich formen konnten. Sie hatte einen Kloß im Hals. "...offensichtlich bin ich das nicht."
Sie starrte der Frau in die Augen. Halluzination oder Psychose hin und her. Die Hände der Frau, das Bett, die Luft... für sie fühlte es sich real an. Unabhängig ob es das war oder obe s auch nur Einbildung war, für sie war es gerade so. Vielleicht würde sie irgendwann in einer Gummizelle aufwachen, doch so lange sie in ihrer Gedankenwelt - doer wo auch immer - war...nun...was hatte sie zu verlieren?
Sie wollte nur wissen, was nun zutraf und blickte in die Augen der Frau.
"Sag mir ganz ehrlich: Bist du die Göttin Athena?"

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Re: Athena & Sylvia ~ Deep Secrets

von Sylvia am 02.09.2020 15:13

Sie musste atmen. Sie dürfte das Atmen nicht vergessen. Atmen.

Sylvia atmete ein und aus. Ein und aus. Zu schnell zwar, aber sie atmete. das Kribbeln in ihren Fingern konnte sie jedoch nicht beruhigen. Und sie konnte sich auch nicht davon abhalten, mit ihren Fingernägeln immer und immwer wieder übre ihre Narben zu fahren. Und sie konnte auch nicht den Gedanken unterrdrücken, der ihr sagte, wie hilfreich jetzt irgendein spitzer oder scharfer Gegenstand wäre...
Sie schluckte und blickte zu der Frau. Der Frau, die...die behauptete Athene zu sein. Die altgriechische Göttin der Weisheit und der Kriegskunst. Nein. Sie behauptete es nicht nur. Sie war es. Sylvia hatte doch gesehen, oder nicht? Die verschwundenen Wunden...die goldenen Funken.
Ihr wurde schlecht.
Noch heftiger, noch tiefer drückte sie ihre Nägel in ihre Haut, hinterließ feuerrote Strieme unter den Ärmeln auf ihren Armen. Ohne etwas zu sagen nahm sie den Tee entgegen, doch trinken tat sie nicht. Sie konnte nicht. Einerseits weil die ganze Sitaution hier, die Erkentnnis wie durchgedreht und verstandlos sie selbst geworden sein musste, ihr tatsächlich übel werden ließ und andererseits, weil... wer wustse schon, was in diesem Trank war? Hier konnte alles mögliche drin sein...?
Verdammt, seit wann hörte sie sich denn so paranoid an?
Was du an diesem Abend gesehen hast.
Das Atmen fiel ihr schwer. Ein Druck in ihrem Hals, der Reden unmöglich machte. Sie schwieg, denn offensichtlich hatte die andere einen Plan, was sie sagen sollte. Und so länger sie sprach, desto mehr schrie Sylvia, alles in ihr schüttelte den Kopf.
Wenn das, was diese Frau ihr da erzählen wollte, wahr war... dann war das Schlimmer, als verrückt zu sein. Es würde bedeuteten, dass sie eine schreckliche Krankenschwester war, die bei vollem Bewusstsein ihrer Geisteskräfte alles falsch interpretiert hatte, falsche Informationen weitergegeben und einen fremden gesunden jungen Mann an Infusionen gestöpselt hatte, welche für einen Komapatienten gedacht waren. Sie hätte einen kompletten Nervenzusammenbruch im Krankenzimmer wegen nichts gehabt. Sie hätte alle enttäuscht, am schlimsmten ihre Schwestern. Sie würde sich dort nie mehr blicken lassen können.
Nein, nein, nein, so konnte das nicht, sie... Lieber war Sylvia tatsächlich verrückt, als das als Wahrheit durchgehen zu lassen.
Sie schluckte und öffnete den Mund. Erst jetzt spürte sie, dass vollkommen stumme Tränen in ihren Augen brannten und kurz darauf auch über ihre Wangen liefen. "Wenn ich das alles überprüfen lasse - und das werde ich, falls ich hier herauskomme - was werde ich dann rausfinden?" Sie hatten eine Akte zu Nicolas gehabt. Sie hatten ein Protokoll und vor allem hatten sie Kameras auf den Gängen. Sie würde alles was die Frau sagte überprüfen, um herauszufinden, ob sie einfach nur verrückt war oder unfähig. Sylvia atmete tief und zitternd durch.

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Re: Athena & Sylvia ~ Deep Secrets

von Sylvia am 30.08.2020 22:01

Aber ihr habt ihm doch schon geholfen. Ihr habt ihn am Leben gehalten, bis ich Zeit ahtte zu übernehmen. Jetzt ist er gesund und es besteht keine Gefahr mehr. Ihr habt schon geholfen. Am Leen gehalten. Ich Zeit hatte zu übernehmen. Gesund. Keine Gefahr mehr. Ihr geholfen. Leben. Übernehmen. Gesund. Übernehmen. Gefahr.
Immer und immer wieder klang die Stimme der Fremden in ihrem Kopf wieder. Sylvia wurde schlecht. Zu dem stetig innerlich fallenden Gefühl gesellte sich noch diese Übelkeit, als würde ein schwerer Felsen auf ihrem Magen liegen, alles in ihr niederdrücken, ihren Fall sogar noch beschleunigen. Sie hatte ihm geholfen? Nein, sie hatte ihn im Stich gelassen. Hatte eine fremde Fra, hatte... hatte die Verbände abgemacht, seine Wunden, sie...
...sie war verrückt geworden. Ohne Verstand. Merkte es spürbar. Ihr Abgleiten. Sie war eine schlechte Krankenschwester. Sie sollte sich schämen, jemals ein Krankenhaus betreten zu haben? Was hatte sie denn gedacht, was passieren könnte? Hatte sie wirklich gedacht, sie wäre darüber hinweg? Hatte sie wirklich gedacht, sie wäre darübe rhinweg, die zertrümmerte Leiche ihrer Schwester in einer Tiefkühltruhe gefunden zu haben, hatte sie wirklich gedacht sie wäre darüber hinweg, dabei zuzsuehen, wie ihre andere Schwester von einem Auto überfahren wurde, wäre darüebr hiwneg, dass sie in ihren Armen gestorben war?
Nein.
Sie war nicht darüber hinweg, und sie würde niemals darüber hinweg sein. Sie hätte niemals hiar anfangen dürfen. Der Junge ... sie hatte ihm nicht gefholfen, sie hatte iihn in Gefahr gebracht, dass war sie gewesen, sie und Athena... Athena... sie hatte anderen davon erzählt wenn er nun, wie...sie...
Sie war irre. Und alle würden es wissen. Wussten es vielleicht schon. Alle.
Mit starren Augen, ohne zu blinzeln, in ihrer ganzen Bewegung erstarrt, stierte Sylvia auf die immer gleiche Stelle, als plötzlich gleißendes Gold in ihren Augen sprenkelte. Sylvia blinzelte. Das war ihre Reaktion. Und ihre eine Hand fiel stockend, wie ein Roboterarm, auf das zerwühlte Bett. Leer. Es war leer. Es war leer. Leer. Kein Patient. Niemand. Niemand in diesem Raum. Hatte sie sich alles nur eingebildet? Hatte hier nie ein Nicolas gelegen?
Immer noch regungslos begannen stumme schweigsame Tränen über ihre Wangen zu laufen.
So fühlte es sich also an, wenn man den Verstand verloren hatte.
Wieder goldene Funken. Aber Sylvia bekam nichts mehr mit. Ihr Bewusstsein war überflutet worden, war abgeschaltet und kurz darauf wurde das gleiche auch mit ihrem Körper getan.

Als Sylvia allmählich erwachte, war das erste was sie wahrnahm, ein stechender dumpfer Schmerz, der durch ihren gesamten Schädel zog. Und dann Wärme. Sanfte, sie umfangende Wärme. Sie hielt die Augen geschlossen. Sie dümpelte noch halb in den dunklen, aber seichen Welten des Schlafes. Ein angenehmer Schlaf der Bewusstlosigkeit. Doch je mehr Zeit verging, desto mehr begann es in hrem Kopf wieder zu arbeiten. Sie dachte nach. Dachte darüber nach, was passiert war.
Und kaum hatte sie diesen Gedankengang beendet, kam ihr einer der letzten Gedanken in den Kopf, bevor sie bewusstlos geworden war und sie wusste, dass er wahr war: Sie war keine gute Krankenschwester. Ihre Mundwinkel verzogen sich nach unten, ihr Zwerchfell, ihr Magen, alles in ihr zog sich zusammen und nur mit einem tiefen zittrigen Einatmen konnte sie den aufkommenden Schluchzer noch umgehen. 'Es tut mir leid', dachte sie. Sprach in Gedanken zu Julia und Nici. 'Es tut mir leid, ich hab euch enttäuscht...'
Und dann...dann kam ihr plötzlich ein anderer Gedanke. Sie lag in einem Bett. Stopp. Warte. Hieß das... vor Hoffnung begann ihr Herz schneller zu schlagen. Hieß das, es war alles nur ein Traum gewesen? Athena, Nicolas, die verschwundene Verletzung, die Goldfunken? Also... es hatte sich unheimlich real angefühlt und denoch. Es war nur ein Traum, oder? Nur ein bescheuerter, seltsam realer Traum. Ja, so musste es sein.
Sylvia lächelte leicht, drehte sich auf die Seite und öffnete ihre Augen, in der festen Erwartung, auf ihren Schrank, ihren Nachttisch und ihren Wecker zu blicken...
...und erstarrte. Das hier war nicht ihr Zimmer. Das hier war auch kein Krankenzimmer.
"Nein", stieß Sylvia hervor und saß mit einem Mal in ihrem Bett. Ihr Blick flog durch die Hütte, in welcher sie lag. "Neinneinneinneinneinnein..." Unbewusst kratzte sie mit ihren Fingernägeln unter ihren Ärmeln an ihren diversenen feinen weißen waagerechten Narben. Immer und immer wieder, wünschte sich fast schon, sie würden einfach wieder aufgehen, einfach wieder bluten.
Ein Wunsch, der sie selbst erschrak, nach all der Zeit.
Und dann fiel ihr Blick auf die Frau. Sie erkannte sie. Das Gesicht. Ihre Haare. Auch wenn sie die Rüstung aus Gold und Titan nicht mehr anhatte. Ja, das wusste sie noch. Warum wusste sie das noch? "Nein...", stieß Sylvia erneut aus. Kaum wahrnehmbar, klagend. Sie zog ihre Knie an ihren Körper, vergrub für einen Moment ihr Gesicht in ihreN händen, dann ihre Finger in ihren haaren. Das dürfte nicht sein, das dürfte nicht sein.
Was war hier nur los? Was geschah nur?
War sie vielleicht schon längst in der Klapse? In irgendeiner einsamen weißen Gummizelle, ohne es wahrzunehmen?

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Re: Athena & Sylvia ~ Deep Secrets

von Sylvia am 30.08.2020 18:14

Nein. Nein, nein, neinneinnein!
Atmen. Sie musste atmen. Atmen. Sie schnappte nach Luft. Schnell. Zu schnell. Hyperventilierte, ohne auch nur das Geringste dagegen tun zu können. Olymp.. ja, nein... das machte... Nein!
Ihre Knie waren nichts als Wackelpudding. Konnten sie nicht halten. Sie konnte sich nicht daran erinnern, zurückgestolpert zu sein, konnte sich nicht daran erinnern, an der Wand gelehnt zu haben, doch sie spürte, wie sie nun daran herabsank, immer weiter, weil ihre Beine sie einfach nicht merh tragen konnten, weil ihr ganzer Körper sie nicht mehr tragen konnte. Es war so weit.
Sie velror den Verstand. Sie verlor einfach nur den Verstand.
Sie starrte Athena an, ohne sie wirklich zu sehen. Verstand ihre Worte kaum. Hunde? Was für Hunde? Wölfe? Traum? Koma? Verrückt, verrücktverrücktverrückt...
Sylvia vergrub ihr Gesict in den Händen, war irgendwie endgültig auf dem Boden angekommen. Ihr Atem zitterte, ihr ganzer Körper zitterte, ein Schluchzer drängte sich aus den Tiefen ihrer Selbst nach draußen. Laut, viel lauter als beabsichtigt. Sie schluckte, schmeckte die Tränen in ihrem Hals, atmete zitternd, immer noch viel zu schnell und blickte auf.
Da war Athena. Immer noch da. Und... sie entkabelte den Jungen schon wieder...!
Verrückt hin oder her, sie musste...oder war es real? Konnte es... Nein. Ausgeschlossen. Die Wunden waren sicher noch da, sie sah sie nur nicht, sie sah sie nicht und sie musste...
den Jungen? will. Jungen.
Nicht mehr als Wortfetzen flogen zusammenhanglos durch Sylvias Kopf und setzten sich plötzlich zu einem Sinn zusammen. Sie wollte ihn entführen! Sie musste sie aufhalten. Ihre Finger krallten sich ins Fensterbrett, irgendwo über ihr, zogen sich mühsam hoch. Ihre Beine waren nicht mehr als Gummi, kaum in der Lage sie zu tragen, aber sie stand. Unsicheren Schrittes ging sie zu dem Bett hinüber. Da lag er. Nicolas. Die Verbände offen, die Haut unversehrt. Sie war über die nicht mehr verhandenen Wunden gefahren. Kurz starrte sie auf ihre Finger. Müsste sie da nicht Blut haben? Hatte sie da nicht vielleicht sogar Blut und sah es nur nicht, sah alles nur in diesen Halluzinationen?
"Sie können ihn nicht mitnehmen." Ihre Stimme klang von weit entfernt, es war nicht sie selbst, die sprach. Sie stand vollständig neben sich. Sie legte eine Hand auf den Arm des jungen, aber nur ein schwacher Griff. "Wir wollen ihm doch nur helfen..."
Ihre toten Schwestern blitzten ihr vor den Augen auf. Wieder begann sie zu zittern, wieder drängten sich unerwünschte Tränen in ihren Augen. Diesmal jedoch wischte sie sie zittrig weg. Sie würde sich selbst wieder einweisen müssen. Einweisen in eine Therapie. Denn das hier, das... das konnte einfach nicht sein, es konnte nicht sein. Und sie wusste, wie verrückt es sich anhören würde, würde sie anderen von dieser Begegnung erzählen. Man würde sie nicht ernst nehen, sie auslachen, sie für verrückt erklären und das war sie ja auch und...
...oh nein. Sie hatte schon wem davon erzählt...! Mit weit aufgerissenen Augen starrte Sylvia auf einen Punkt, den nur sie sehen konnte und bekam von ihrer Umgebung nich tmehr das geringste mit.

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Re: Athena & Sylvia ~ Deep Secrets

von Sylvia am 30.08.2020 15:43

Etwas veränderte sich im Gesicht der Frau, als Sylvia nun ein zweites Mal ihre Fragen stellte. Etwas, dass sie sich scicher sein ließ, dass sie diesmal ihre Antworten bekommen würde. Vernünftige Antworten. Doch als die Fremde begann zu sprechen, da wusste Sylvia...dass sie sich getäuscht hatte.
"Athena? Göttin der Weisheit?", plötzlich machte es Sinn. So mehr oder weniger. Ihr Aufzug - die Rüstung - wie sie sagte, wie sie jetzt begann zu sprechen, der Name ... sie war eine Cosplayerin der altgreichischen Göttin der Weisheit und nahm ihre Rolle definitiv ein wenig zu ernst. Und im Augenblick hatty Sylvia wirklich keine Geduld fagür, owbohl sie ansosten sehr geduldig und auch tolerant und freundlich war. Aber nicht in diesem Moment. Nicht nach der Gefährdung des Jungen.
Sylvia ließ sie aussprechen, sich ihre Geschichte zurechtspinnen, die Arme verschränkt. Die Frau war einfach krank. Ja, vielleicht war es das! Vielleicht war sie psychisch krank, dass sie glaubte, sie sei tatäschlich diese alte Göttin. Sie schien nämlich wirklich überzeugt von dem, was sie erzählte, anders als viele Cosplayer (und was sollte überhaupt eine Cosplayerin mitten in der Nacht hier tun?). Ja, die Frau war geistig verwirrt. Sie brauchte Hilfe.
Sofort sprang Sylvias Helfersyndrom an. Damit konnte sie umgehen. Sie gab ihre angespannte Körperhaltung auf und ging langsamen Schrittes auf die Frau - Athena, wie sie sich nannte - zu. "In Ordnung, Athena. Setz dich doch dorthin und ich werde nachsehen, wie es deinem Schützling geht, in Ordnung?", sie lächelte sie sanft an. Sie hatte den Jungen Leandros genannt. Ob Leandros ihr verstorbener Sohn war? Oder jemand anderes, der ihr nahe gestanden hatte? Vielleicht sah Nicolas ihm ähnlich, vielleicht war auf ähnliche Weise gestorben und deswegen projizierte sie ihn auf ihn, erschuf sich selbst als Göttin, um ihn diesmal retten zu können.
Je mehr Sylvia darüber nachdachte, desto mehr Sinn ergab es. Sie selbst wusste nur allzu gut, was Leid und Verluste mit einem anstellen konnten. Sie musste auf jeden Fall verständnisvoll mit ihr umgehen. Das Spiel mitspielen, dürfte sie nicht angreifen oder hinterfragen. "Und wo kommst du her, Athena?", fragte sie beiläufig. Falls sie herausfand, wo sie wohnte, würde sie sie vielleicht irgendwie dorthin zurückbringen können.
Ihre Finger öffneten leicht und flink und vorsichtig den Verband, welcher die grausigen Verletzungen des LKWs verdeckte. Sie sollte das hier nicht tun. Sie war keine Ärztin. Und was sollte sie Athena sagen, wenn dort noch die Wunden waren, wenn sie doch so davon überzeugt war, sie geheilt zu haben. Sie müsste es sehr vorsichtig angehen, so viel stand fest, sehr...
...die Haut lag vor ihr, nur mit einigen durchsichtigen Pflastern beklebt und auf der Haut war...nichts. Nichts. Glatt. Gesund.
"Was? Das kann nicht sein...", murmelte Sylvia. Ihre Finger fuhren über die Haut, die einstmals aufgerissen, verletzt und blutig gewesen und nun einfach makellos war. Nicht mal eine Narbe.
Mit leicht geöffneten Lippen starrte Sylvia die Fremde an. "Das kann nicht sein", wiederholte sie mit blecherner Stimme. Sie fühlte, wie sie fiel. Innerlich. Immer weiter fiel, versuchte sich irgendwo fest zu halten, doch da gab es nichts.
Sie war verückt geworden. Das war die einzige Erklärung. Aber warum? Warum jetzt? Schlief sie? War sie in einem Koma? War sie bewusstlos? Oder war sie tatsächlich hier, aber bildete sich das alles nur ein? War die Frau gar nicht da, und war die Haut doch verletzt und sie ließ ihn gerade verbluten?
Oh scheiße, scheiße, scheiße! Sylvias Hände zitterten höllisch, sie spürte wie sich Tränen in ihre Augen hochdrückten, die aber nicht flossen, ein dicker Kloß in ihrem Hals entstand. Oh scheiße, was sollte sie nur tun? Was geschah mit ihr?

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Re: Athena & Sylvia ~ Deep Secrets

von Sylvia am 29.08.2020 09:56

Es war offensichtlich, dass diese Frau etwas im Schilde führte. Nur was genau konnte Sylvia wirklich nicht sagen. Warum sollte sie einenn unschuldigen Teenager, welcher gerade im Koma lag, beinahe umbringen, warum soollte sie ihn von den ihm am Leben erhaltenden Infusionen trennen? Und wie um Himmels willen war sie hier hereingekommen? Es war mitten in der Nacht und es gab Überwachungskameras, mal ganz zu schweigen davon, dass Besucher unten abgewiesen wurden zu dieser Zeit.
Sylvia wusste bereits, was die Frau vorhatte, als sie sich auch nur einen Schritt bewegte. Sie bewegte sich - nicht sehr subtil - in Richtung der Tür. Sylvia ließ sie nicht aus den Augen. Ihre Antworten waren schwach - wirklich sehr schwach. Und überzeugten sie nicht im Mindesten. Schwester? Nun gut, vielleicht, konnte sie nicht nachweisen. Aber ihre Ausrede mit der Tür ließ sie nicht im MIndesten gelten und es erklärte im Übrigen auch nicht, warum sie in einer solchen Auffassung herumlief mit diese...ja, sie wusste noch nicht eimal genau, we sie diese 'Kleidung' oder was immer es war überhaupt nennen sollte.
Doch das wirklich mysteriöseste kam erst, als die Frau drauf und dran war, ihre dritte - und wichtigste - Frage zu beantworten.
Sie schien beleidgt, ja sogar wütend. Was wiederum Sylvia wütend machte. Diese Frau wagte es nicht nur, den Jungen zu gefährden sondern auch noch darüber wütend zu sein, sie abgehalten zu haben??
"Ach ja?! Sein Leben gerettet?! Sie haben ihn gerade von den einzigen Dingen getrennt, die..." Sylvia stockte, als ihr bewusst wurde, was die Frau noch gesagt hatte. Minotaurus? Was zum...?
Sylvia hatte von Mythologie-Geschichten gehört, natürlich. Aber eben fas waren Minotauren. Sie kamen aus einer Mythologie, aus lange verganen, erfundenen Geschichten. Nicht mehr und nicht weniger.
Sie war nicht amüsiert.
"Oh nein, Sie gehen nicht.", bestimmte Sylvia war mit wenigen Schritten bei ihr und hatte die Tür zugezogen. Würde die Frau gehen wollen, würde sie es mitbekommen.
Die Sicherheit des Jungen ging vor. Mit nur zwei Fingerbewegungen hatte sie die Nummer des Leiters dieser Abeiltung gewählt, der gerade Nachtschicht hatte.
"Nicolas Gerviani muss auf die Intensivstation verlegt werden, zur Dauerüberwachung." Sie ließ ihre Augen nicht von der Fremden ab.
"Warum?", kam es aus dem Hörer zurück. Sie sah keinen Sinn darin, zu lügen.
"Eine Frau war in seinem Zimmer, die ihn von allen Geräten entfernt hat. Ich kümmere mich um sie, aber der Patient sollte erst einmal in Sicherheit."
"Was zum...?! Sylvie, sollen wir nicht die Sicherheitsleute rufen?!"
"Später."
"Alles klar, ich leite alles ein."
Sylvia packte ihr Arbeitstelefon wieder weg. In fünf Minuten wären ihre Kollegen hier und würden den Jungen verlegen - auf eine Station, die 24 Stunden Videoüberwacht war. Da würde diese Frau nichts mehr tun können, sollte sie noch so gut schleichen.
"Und Sie erklären mir, was dieser Aufzug soll, wie genau sie hier herein gekommen sind und immer noch was Sie hier überhaupt wollen." Sylvia verschränkte die Arme und starrte die Frau an.
Sylvia mochte vielleicht keine Ärztin sein, aber sie kämpfte für jedes Leben. Bis zum Schluss, so gut sie konnte und mit allem, was in ihrer Macht stand. Auch in diesem Fall.

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Re: Athena & Sylvia ~ Deep Secrets

von Sylvia am 28.08.2020 22:40

Mit gesenktem Kopf stand Sylvia an dem Krankbett und zog einen Schlauch und eine Nadel nach dem anderen aus dem Körper der Frau. Den Schlauch aus der Nase, die Klebeetiketten auf ihrer Brust, vom Versuch der Widerbelebung. Es war ein trauriger Teil ihres Berufes als Krankenschwester. Doch er gehörte dazu.
Sylvia ignorierte das drückende Gefühl in ihrer Brustregion, ignorierte auch den dicken Kloß in ihrem Hals, der jegliches Sprechen gerade unmöglich gemacht hätte. Die Frau hatte nur zwei Tag bei ihnen gelegen. Sie war 33 Jahre alt, eine Alkoholikerin und Obdachlos, die mit einer schweren Schädelfraktur bei ihnen eingeliefert worden war, weil ihr angeblicher Liebhaber sie auf den Kopf geschlagen hätte. Mit was-auch-immer. Es war nicht wichtig. Die Ärzte hatten sie untersucht, versucht mit einer OP irgendetwas zu retten, doch letztlich waren die Blutungen in ihrem Gehirn wohl zu stark gewesen. Mal abgesehen von der restlichen Verfassung des Körpers.
Mit einem schrecklichen Gefühl legte Sylvia die letzten Nadeln und Schläuche beiseite, seufzte und begann das Bett mit der Toten langsam aus dem Zimmer zu rollen. Sie musste sie nach unten bringen, wo die Toten gelagert wurden, bis sie von den Angehörigen oder Bestattern abgeholt wurden. Und wenn nicht, wurden sie verbrannt und wurden als Urne gemeinsam mit den anderen anonym vergraben. Ein trauriges Schicksal, doch vermutlich würde es diese Frau hier erwarten. Carina Martillio. Sylvia glaubte nicht daran, dass jemand käme, um sie zu holen. Nicht bei der Vorgeschichte.
Nachdem Sylvia sie unten bei ihrer Kollegin Reneé abgegeben hatte, kehrte Sylvia ins Schwesternzimmer zurück. Sie drückte auf den Knopf der Kaffeemaschine und starrte durch das stark spiegelnde Fenster hinaus in die schwarze Dunkelheit, die nur von ein paar kleinen weißen Laternen hier und da durchbrochen wurde. Schweren Herzens dachte sie an Julia. Sie dachte an Nici. Und sie dachte an Carina Martillio. Es war nicht fair. Sylvia hasste es, wenn das passierte. Sie hasste diesen Teil ihres Jobs, auch wenn ihr durchaus bewusst war, dass sie nicht jeden retten konnten. Und dennoch. Jedes Mal hatte sie das Gefühl, ihre Schwestern zu enttäuschen. Jedes Mal hatte sie das Gefühl, alle zu enttäuschen, nicht besser gewesen zu sein, es nicht geschafft zu haben.
Dabei war sie noch nichtmal Ärztin.
Sylvia seufzte, fuhr sich mit einer Hand über ihr Gesicht und versuchte die Gedanken abzuschütteln. Was wirklich leichter gesagt als getan war. Sie wusste, sie würde noch einige Zeit an Carina Martillio denken. Das war immer so. Sie konnte die Toten nicht vergessen. Sie verfolgten sie in ihren Träumen und sie dachte in ihren ruhigen Momenten daran. Meist brauchte es einige Tage, wenn nicht sogar Wochen, bis sie langsam auf andere Gedanken kam.
Unbemerkt war die Kaffeemaschine schon lange durchgelaufen. Sie nahm sich eine Tasse füllte sie auf und wollte gerade den ersten kleinen Schluck der heißen, wach machenden Flüssigkeit zu sich nehmen, als plötzlich der Alarm ertönte.
Nein. Nein, nein, nein, nein, nein! Nicht noch einer!
Sylvia stellte die Tasse beiseite und im Laufschritt war sie beim Zentralcomputer. Sie erkannte das Zimmer. Ein Teenager lag dort, angefahren von einem LKW. Ihr Herz wollte in tausende Stücke zerspringen. Nein, bitte, bitte nicht der Teenager! Im Laufschritt durchquerte sie den leeren Gang, eine Hand bereits auf dem Alarmknopf, um die Notärzte zu rufen für die Widerbelebung...
...als sie erstarrte.
Im Zimmer stand jemand.
Es war mitten in der Nacht, 2 Uhr vielleicht, oder halb drei, und in diesem Zimmer stand jemand.
Und was für jemand das war. Sie sah aus, als wäre sie geradewegs einem Mittelalter-Buch oder Mittelalter-Film entsprungen. Goldene Platten, die eine Art halbnackte Rüstung zu formen wollen schienen. Die Stimme der Frau schien Schuld nahezu herauszuschreien.
Sylvia fasste sich wieder - ihr Erstarren hatte kaum mehr als zwei oder drei Sekunden gedauert - und ihr Blick flog zu dem Patienten. Er lag auf dem Bett. Alle Kabel, alle Schläuche entfernt. So wie sie selbst es eben bei der Toten Carina gemacht hatte. "Sie rühren sich nicht vom Fleck!", warnte Sylvia die Frau auf Italienisch, mit einem ebenso warnenden Blick, war nach wenigen Schritten bei dem Jungen und legte ihre Finger konzentriert an sein Handgelenk.
Und...
...sie spürte einen Puls.
Erleichtert atmete sie aus. Sie sammelte die Schläuge und Infusionen, welche auf dem Boden lagen auf, richtete sich auf und sah erneut zu der Frau. Sie behielt sie im Auge, während sie damit begann, den Jungen wieder so herzurichten, wie er gewesen war. Neue desinfizierte Nadeln, Erneuerung der Infusionen, alles drum und dran. Erst als ihr Patient wieder gut versorgt war - das war elementar wichtig - wandte sich Sylvia wieder der merkwürdigen Fremden zu.
"In Ordnung. Sie haben ein paar Fragen zu beantworten", sagte sie ihr, mit einer Stimme, welche man eher selten bei ihr hörte. Eine Stimme, die keinen Widerspruch duldete: "Erstens: wer sind Sie? Zweitens: Wie sind Sie hier reingekommen? Es ist keine Besuchszeit. Drittens: Warum haben Sie sein Leben gefährdet?!" Sylvia zuckte mit dem Kopf zum komatösen Jungen.
Wenn es um Leben ging, verstand sie keinen Spaß. Erst recht nicht, wenn es um das Leben von Teenagern ging.

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